Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1885
- Issue
- 2 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492351-9586216-9585074--0269-9585077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
7 — ' ^*>ne Si*e, Walten c I keine ©efa ■■ -Deine s, Ät, alz durch das kl, achter Za > 15000 r Ä Bale doch selbj in Aninn imärdij |en, unb" — ijfn Well werden mich van der '■ Mete Jndilh ebte nun Izmael »dith tutjig, unb den netjme ich/ |cn kalt nnd nie ater sprechen, er i hier Mrechw, |, gespannt k> ai die öde Gasse, der junge Jude, i Eunuch, und er r sucht den Later, tatin, schickt ihn i enischlüpsi, als intiei anihvrchen i Ilngelvöhnliche»!tjc|t habe, Er Platze zu, wo fter Unterhaltung jie Zäumet, hatte scheu, In diesem Ahmen deyelden mit dem Man im Gürtel, dem : des Eunuchen, z°Btza»g Wl An seiner Bahre standen tiefgebeugt seine beiden vcrwidweten Töchter, Frau Dr. (5a Im unb Frau Löwenstein mit ihren Kindern ans Leipzig, und der einzige Sohn, Herr Gotthold H. mit seiner Frau aus London, von woher sie herbcigeeilt waren, um den letztet, Segen des geliebten scheidenden Vaters zu empfangen. An der Bahre stand tiefbetrübt auch die treue Pflegerin seines Alters, die unermüdlich für sein Wohlbefinden thätigc Dame, Frl, S, Hüttenbach, die säst 14 Jahre den nunmehr edlen Tobten nicht blos leiblich gepflegt, sondern auch verstanden hat, auf das Geistesleben dieses seltenen Mannes mit seinen, Verständlich einzugehen und ihn im Laufenden zu erhalte» über alle Tagesfragcn aus welchen Gebiete» immer. Bei der schon seit 15 Jahren geschwächten Sehkraft des Heimgegangenen hat er durch die Vermittelung gedachter Dame diesen Mangel kaum empfunden, da sie seine Vorleserin und Correspondentin war und den Ton anzuschlagc» wußte, daß der Verewigte keine Vereinsamung seiner alten Tage empfand. An seiner Bahre trauerte die ganze Gemeinde Bernburg, die in ihm einen Vater und liebevollen Beralher verloren, und mit ihr trauert alles, was den Namen Hcrxheimer zu würdigen versteht! „verloren hat ihn jedes Herz". Seine wissenschaftliche Bcdenlung zu würdigen, bleibe eineni Fachgenvssen Vorbehalten; Schreiber dieses beschränkt sich darauf, eine» kleinen Beitrag zur Würdigung seiner Gemüthsliese, der Herzlichkeit und Biederkeit seines Wesens zu liefern. Ich habe X ’/2 Jahr in Bernburg als Lehrer und Cantor amtirt und des Glückes genossen, mit dem Heimgegangenen tagtäglich, nicht blos amtlich, sondern auch freundschaftlich zu verkehren. Seine herzliche Zutraulichkeit, die rührende Bescheidenycit, die fast kindliche Offenheit, dabei die reine Hoheit des Wesens und der Gesinnung und jeglicher Mangel an hierarchischem Gebühren, ohne jedoch seiner Würde etwas zu vergeben — alles dieses fesselte mit unwiderstehlicher Gewalt an seine edle Person. Sein unverwüstlicher Humor, seine geistvollen Apcryü's, seine witzigen Bemerkungen, alles das regte zum Denken an und hals hinweg über den zuweilen bitter» Ernst des Lebens, — Seine Freundschaft und väterliche Zuneigung, sein erfahrener Rath sind mir geblieben bis zu seinem Ende, bis fu\g vor seinem Tode hat er mich seines Briefwechsels gewürdigt, und unvergeßlich bleiben mir die schönen Tage, da ick) seines persönlichen Umgangs genoß. Er war ein Freund der Lehrer, er, der selbst — so zu sagen — von der Pique ans gedient hatte und die vielcu dunkeln Seiten des jüdischen Lchrcrstandes kannte, er hatte ein warmes Herz für den Stand der jüd. Cnltusbeamtcn, Sein unausgesetztes Streben war daraus gerichtet, den Lehrerstand zu heben und ihm die gebührende Achtung und Stellung erringe» zu helfen. Da kann cs natürlicherweise gar nicht anders sein, als daß alle Beamten, die unter seiner Leitung amtirten, an ihm hingen mit wahrhaft kindlicher Verehrung und daß er von ihnen nie vergessen werden wird. Sein Begräbniß gab Zcugniß davon, mit welcher Verehrung auch die Gemeinde an ihrem geistlichen Führer hing. Aus Dessau, Coswig, Halle, Leipzig, Berlin, Magdeburg und Frankfurt a. M. waren Verwandte, Freunde und Verehrer des Entschlafenen herbeigeeilt, ihm das Ehrengeleite zu geben, und die Synagoge war in alle» Räumen bis auf den letzte» Platz gefüllt. Die Leiche war vor der Kanzel — die er seit 1831 so oft zur Erbauung der Gemeinde bestiegen hatte — aufgebahrt. Die hl. Lade und die Kanzel ivaren schwarz drapirt und ein Wald von Blattpflanzen unlgab den schlichten Sarg, auf dem das Kiffen mit dem Orden des Verblichenen lag, Nachdeni die Spitzen der Behörden, die Herren Kreisdirector Bunge und Pietsch er — die christliche Geistlichkeit glänzte durch ihre Abwesenheit — von dem Vorstande empfangen waren, leitete der Cantor, Herr Böhm, durch den erhebenden Gesang des SIN HS 7! die Trauerfeier ein, Chor und Gemeinde wiederholten den Schlußvcrs. Hierauf bestieg der eigens hierzu aus Berlin berufene Rabbiner vr. May bäum die Kanzel und entwarf in meisterhafter Rede ein Lebensbild des Verklärten, worin er den Lebensgang desselben schilderte und darlcgte, wie begeistert und begeisternd er allezeit seines Amts gewaltet; wie er alle Gemeindemilglieder seines Bezirkes gleichsam seine Kinder nennen durste, denn es sei wohl keines unter ihnen, dem er nicht als Seelsorger, als Berather bei irgend einer Veranlassung mit seinem Segen oder seinem tröstenden Worte zur Seite gestanden wäre. Der Redner schilderte hierauf, wie die jetzige Generation des Rabbinerstandes auf seinen Schultern stehe, wie er der geistige Vater aller Bestrebungen zur Hebung der Synagogen- und Schulverhältnisse sei, wie er bis in sein höchstes Alter den regsten Antheil an allen geistigen Bestrebungen genominen, wie nur die Gebrechlichkeit des Alters ihn zurückgehalten habe, an der Rabbinerversammlung im vergangenen Sommer in Berlin thcilzunchmen. Der Verstorbene sei einer der Glücklichen, die sich nicht überlebt haben, sondern mit vollem klaren Geiste sich an alle Fragen betheiligt und alle Bestrebungen zur Herbeiführung des Bessern freudig begrüßt habe. Nicht er sei zu betrauern, sondern wir, die Uebcrlebenden, daß ein solcher Mann uns nicht mehr mit seinem Geiste und Rathe zur Seite stehe.*) Als der Redner geenbigt hatte, stimmte der Chor das Mendelssohn'sche „Es ist bestimmt in Gottes Rath" an, unter dessen Klängen der Sarg hinausgetragen und mit zahlreichem Gefolge zum Friedhof gefahren wurde. Nach dem □'SS -nn sprach Herr Dr. Mayb a II m zum zweiten Male. Nach ihm sprach Herr Rabb. vr, Fröhlich aus Halle und zum Schluß noch Herr vr, Weise aus Dessau Über den Pentateuch und Jesode hatorah des vr, H. DieZuhörer hielten geduldig Stand, trotz des ungünstigen Wetters. Wir schließen mit dem Wunsche: „Mögen in Israel viele erstehen, wie er einer gewesen, dann ist Israel nicht verwaist". Nienburg a, d, W, Lehrer I. Eckmann, Allerlei für den Familientisch. Die Juden in Glogau. Die „Monatsschrift für deutsche Beamte", hcrausgegcben vom geh, Regicriingsrath L, Jacobi ln Liegnitz, bringt in den Aufzeichnungen „Aus der Franzoscnzeit" von einem greisen preußischen höheren Beamten in Glvgau folgende interessante Notiz: „Mein Vater bekam durch die neue Gesetzgebung manche ihn viel beschäftigende Arbeit. So hatte er, wenn ich hierbei gleich einige Jahre vornusgreifen darf, die Register der Glogauer Judenschaft zu führe», was manches Interessante mit sich brachte, denn, weil »ach dem Judengesetz vom 11, Mürz 1812 die preußischen Juden zur Annahme bestimmter Familiennamen und Führung ihrer Handclsbücher in deutscher Sprache verpflichtet wurden, so mußte jeder von den israelitischen Einwohnern darüber seine Angaben vor dem dazu bestellten Cvmmissarius machen. Die hiesigen Juden besaßen so viel Selbstständigkeit, sich diese ihre neuen Namen selbst zu wählen, und die Behörden kamen nicht in die Nothwendigkeit, einzelne» Rathlosen oder der neuen Einrichtung Abgeneigten durch ihre Commissarien Familiennamen aufzudrängen, wie in anderen Gegenden vorgekommen ist, aus welchem Grunde noch heute mancher Israelit unter einem komischen, ja vielleicht monströsen Namen aufgehalst hat. Daher freuten wir Kinder uns nur immer nicht wenig, wenn dieser oder jener Handelsmann, der uns bisher^nur unter irgend welchem alttestamentlichen Namen bekannt war, nun plötzlich eine recht poetisch klingende Benamunq sich ausgesucht hatte". Geschicklichkeit. Ein jüdischer Schreibkünstler in Jerusalem hat Sir Moses Montefiore zuin hundertsten Ge- *) Die treffliche Rede wird — zu Gunsten der Hcriheimcr-Ztistnnq — »n Druck erscheinen.