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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-12-24 · N° 52. (24.12.1885) · p. Seite 397

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 52. (24.12.1885)
Date
1885-12-24
Page
Seite 397 (sequence 3)
Language
German
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Daß aber die Uebernahmedes Sabbaths mit der Uebertragung des Bundes gleichbedeutend und in beiden die Berufung enthalten ist, das wahrhaft Göttliche, welches der Schöpfer am siebenten Tage den Schöpsungswerkcn der sechs Tage hinzugesügt — Segen und Heiligkeit — sichtbarlich zu bethätigen durch einen religiös-ethischen und ethisch-religiösen Lebenswandel ist schon aus dem Gesagten keinem Zweifel mehr unterworfen. Aber es giebt hierfür noch einen anderen Beleg und einen so unwiderleglichen, daß ich auch ihn anzuführen nicht unterlassen kann. Als das Volk in der Wüste am sechsten Tage die doppelte Portion Manna vorfand und hierüber erstaunt, die Fürsten der Gemeinde sich an Moses wandten, da sprach dieser: „Das ist's, was der Ewige gesprochen (oder verheißen): Sabbath, heiliger „Sabbath des Ewigen" ist morgen rc." In diesem Abschnitte wird der siebente Tag zum ersten Male Sabbath genannt und zwar „Sabbath des Ewigen". Er ist ei» Gottcstag, ein Tag. an welchem das Gott und Menschen Gern einschaftliche der Schöpfung die Vollendung gab und er knüpfte daran das Gebot der Sabbathseier. Sie war freilich noch nicht in ihrer Bedeutung erkannt und auch nicht als Gesetz verkündet. Es war ihnen nur gesagt worden, sie würden heute nichts finden. Als nun Einige doch hinausgingcn, zu sammeln, aber nichts fanden, da sprach Gott zu Moses: „Wie lange weigert Ihr euch noch, zu bewahren meine Gebote und meine Lehren CMv'Ä seht, daß der Ewige Euch den Sabbath hat gegeben rc." Der siebente Tag, der bis dahin nur TP war, er ist ihnen sichtbar in der wunderbaren Weise gegeben worden; gleich der Lehre, daß Er, der Israel aus Mizrazim führte, der allein wahre Gott sei und außer ihm keiner, und die durch Israel bewahrt werden soll, ist auch der Sabbath ihnen anschaulich gegeben worden, weil sie berufen, seine Gebote und Lehren zu bewahren, worunter hier doch nur diejenigen verstanden sind, durch deren Beobachtung das vorhanden ist, was am siebenten Tage den Schöpsungswerkcn hinzugesügt wurde: Segen und Heiligkeit, d. h. die Gesetze der sittlichen Weltordnung. Wie dem auch sein mag, daß die biblische Ethik als eine religiöse Moral die vollkommenste nicht nur ist, die es giebt, sondern die man sich nur denken kann, wird Niemand bezweifeln, der das oben angeführte Kap. 19 des 3. B. M. jemals aufmerksam gelesen hat. Es läßt sich kaum irgend ein Unrecht denken, welches ein Mensch dem anderen zusügen kann, das dort nicht verboten ist. Und daß demselben beizustehen in jeder erforderlichen und möglichen Weise die Religion gebiete, bedarf es hierfür mehr als des Gebotes: T®3 "P"ProntO „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst", Dich gegen ihn in jeder Beziehung so verhalten, wie Du verlangen oder wünschen würdest, daß er sich verhalte, wenn er an Deiner und Du an seiner Stelle wärest? Ein so großer Vorzug die religiöse Ethik des Judenthums an und für sich ist, er ist es doch in einem höheren Grade noch dadurch, daß auch der äußere Cultus, das sogenannte Ceremonialgesetz, im Judenthum mit der Ethik verbunden ist, nicht blos nebeneinander, sondern wie Leib und Seele, sich einander belebend und erhaltend, so daß die wirkliche Ethik nach Außen cultuell und der äußere Cultus in seinem innersten Wesen ethisch ist. Es kann zur Lösung unserer Aufgabe kaum etwas von größerer Wichtigkeit sein, als daß dieses erkannt und wohl beherzigt werde. Ein folgender Artikel soll das denn auch näher erklären und begründen. Berichte «nd Correlponbernen. Deutschland. Magdeburg. Oes extremes se touchent — mußten wir ausrufen, als wir den uns von dem nichts weniger als orthodoxen Anschauungen huldigenden, offenherzigen Herrn Rabbiner l)r. Wiener iu Oppeln, den inzwischen auch von der „Voss. Ztg." veröffentlichten Gegenvorschlag gegen die Errichtung eines Mendelssohn-Monumentes lasen. Er sagt darin: „Mendelssohn, der nicht als Kriegsheld, nicht als Diplomat,*) sondern als bescheidener, anspruchsloser Weiser nur durch das sanste Wort der Belehrung aus die Menschheit zu wirken suchte, würde seinem ganzen Naturell und Wesen nach gegen die beabsichtigte Huldigung Widerspruch erheben.**) Aber seine Schriften, die sich leider nur in wenigen, seine sümmtlichen Werke vollends, die sich nur in verschwindend wenigen Kreisen befinden — die Pcntateuch- und Psalmenübersetzung freilich sind in jüdischen Familienkreisen zahlreich verbreitet — sollten in einer billigen Volksausgabe in zahlreichen Exemplaren der großen Menge leicht zugänglich gemacht werden. Dies wäre ein des Verewigten und all seiner Verehrer würdiges Denkmal." Die „Voss. Ztg." bemerkt hierzu: „Uns will bedünken, daß man das Eine thun, aber deshalb das Andere nicht lassen sollte", und weist darauf hin, daß eine billigeVolksa u s ga b e der Mendelssohn'schen Werke bereits 1880 bei Voß in Hamburg (herausgcgebeu von Or. Brasch) erschienen sei. Wir fügen ergänzend und berichtigend hinzu: 1. Der „Phädon" ist in der Rcclam'schen Bibliothek erschienen und für 20 Pf. in jeder Buchhandlung zu haben. 2. Eine schöne und vortreffliche Ausgabe des „Jerusalem" und des „Phädon" mit erklärenden Anmerkungen und einer ausgezeichneten Biographie Mendelssohn's von Arnold Bodek ist in der „Bibliothek der deutsche» Nationallitteratur" (Leipzig. F. A. Brockhaus. 1869) erschienen und kostet in geschmackvollem Leinewandband 1,50 M. — Der D.-J. G.-B. hätte sich ein großes Verdienst erworben, wenn er diese Bodebsche Biographie M.'s statt oder neben der Ferd. Schmidt'schen) in besonderer Ausgabe als Jubelschrift hätte erscheinen lassen. 3. Die von der „Voss. Ztg." erwähnte Ausgabe (im Verlage von Leop. Voß in Leipzig 1880) umfaßt in zwei starken Bänden alle Schriften Mendelssohn's über Metaphysik, Ethik, Religionsphiiosophie, Psychologie, Aesthetik und Apologetik des Judenthums, und ist mit gründlichen Einleitungen, Anmerkungen und einer trefflichen biographisch-historischen Charakteristik M.'s von Or. Moritz Brasch versehen. Für die Verbreitung dieser Schriften zu sorgen, bleibt allerdings noch viel zu thun übrig, und sich diese angelegen sein zu lassen, wäre jedenfalls eine der Unterstützung würdigere und enipfehlenswerthere Aufgabe des Deutsch-Jsr. Gemeindebundes, als die von ihm geforderten Geldunterstützungen für mittelalterliche Regesten. Uebrigens geht Herr Rabbiner Or. Wiener von einem falschen Gesichtspunkte aus. Nicht die Juden errichten einem ihrer Glaubensgenossen ein Monument, sondern deutsche Männer einem deutschen Schriftsteller, und die deutschen Juden, welche sich daran betheiligen, thun es als Deutsche und nicht als Juden. *) Werden denn, nur solchen Männern Denkmäler gesetzt, und nicht auch Dichtern und Denkern, Künstlern und sonstigen Koryphäen der Wissenschaft? (Red.) **) So bescheiden würden wohl die meisten „großen Männer" sein, daß sic, wenn man sie selbst darum bcjragte, dergleichen Huldigungen ablchnen würden) aber die Nachwelt will in ihrer Weise ihnen den Tribut ihrer Dankbarkeit und Verehrung dnrbringen, (Red.)

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