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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-12-17 · N° 51. (17.12.1885) · p. Seite 392

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 51. (17.12.1885)
Date
1885-12-17
Page
Seite 392 (sequence 6)
Language
German
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Eindruck. In derselben wurde der doppelte Beruf des Göltest,ouscs, dem Gemiith mittelst des Gebetes Befriedigung zu geben und den sittlichen Willen mittelst der Predigt zu kräftigen, dargclcgt. Insbesondere wurde Hervorgel,oben, daß die Predigt im Sinne des Judenthnms — die Belegstellen wurden angeführt — zur uneingeschränktesten Menschenliebe, zur Duldung und Achtung jeden rclig, Bekenntnisses, zur Liebe und Treue zuni Vatcrlande anregen solle. Dieser Passus der Rede, welcher mit besonderer Wärme vorgetragen wurde und offenbar auch auf die nichijüdischcn Hörer berechnet war, um denselben eine Vorstellung vom Geiste des Judenthnms und den Gesinnungen seiner Bekenner zu geben, hat in wirksamer und zugleich taktvoller Weise die Schmähungen des auch in hies. Stadt sich breit machenden Antisemitismus zurückgcwiesen. Als Beweis dafür sei erwähnt, daß der Herr Bürgermeister in seinem Trinkspruch, welchen er bei dem Tags darauf stattgehabtcn Banket ausbrachte, den Satz aus der Predigt beistimmend zitirtc: „Wir Israeliten sind Deutsche, kraft unserer tausendjährigen deutschen Heimath, die wir bewohnen, kraft der deutschen Sprache, die wir reden, kraft der deutschen Sitte, die wir üben, kraft der deutschen Gesinnung, die wir besitzen, kraft dessen, daß in jenen glorreichen Tagen, als das deutsche Volk zu den Waffen gerufen wurde, uuscre Jünglinge und Männer Schulter an Schulter mit den andersgläubigen.Kämpfern ihr Blut vergossen, ihr Leben hingegeben haben zur Ehre, zur Freiheit, zur Größe unseres deutschen Vaterlandes". Die aus ungefähr 300 Seelen bestehende Gemeinde hat sich durch den kostspieligen aber auch sehr gelungenen Bau der Synagoge bedeutende Opfer auferlegt. Es steht zu hoffen, daß dadurch das religiöse Leben neue Nahrung und Stärkung erhalten wird. Wi«de« Die „Mindcner Zeitung" benierkt im Anschluß an die Mittheilung, daß der auf den 9. Dcccmbcr angesetzte Ternün zur Verhandlung der Klage gegen den Redacteur P. Leonhardy wegen Beleidigung des Herrn Hvfpredigers Stöcker aufgehoben sei: „Wie bekannt, handelt es sich um eine» uns von zuverlässiger Seite zugcgangenen Brief aus Halberstadt, in welchem die Stellung Stöckels gegenüber seiner Mutter besprochen war. Obwohl es für uns keine angenehme Arbeit war, in den internsten Familienangelegenheiten herumzustöbcrn, so gebot uns doch der Selbsterhaltungstrieb, in Halberstadt, Halle, Magdeburg*) unsere Ermittelungen in der rücksichtslosesten Weise vorzunchmen. Wir haben uns Mühe gegeben, Material zu sammeln, und wir sind bei dieser Arbeit, was wir hier lobend anerkennen wolle», von den verschiedensten Seiten auf's Wärmste unterstützt worden. Das vorhandene Material wird nicht allein genügen, den von uns verlangten Beweis der Wahrheit zu führen, nein, das Material wird im Stande sein, auch nach anderer Richtung hin auf Herrn Stöcker eine wohlthucudc Wirkung zu üben." -ns Württemberg, den 7. Dccember. (Or.-Cvrr.) Der Verein für Unterstützung von Waisen und Witlwen armer israel. Lehrer und Vorsänger in Württemberg veröffentlicht in dieser Woche einen sehr befriedigenden Jahresbericht pro Nov. 1882—1885. Der Verein hatte eine Einnahme von 2775 M., darunter 1516 M. außerordentliche Beiträge von Privaten und Gemeinden. Aus Gemeindemittcln wurde der Verein unterstützt von den Geineindcn Buchau (30 M.), Cannstatt (25 M.), Göppingen (18 M.>, Hall (30 M.), Stuttgart (60 M.) und Ulm (50 M.). Auch Ihre Maj. die Königin Olga hat dem Vereine eine huldvollejGabe von 45 M. gewidmet. An Unterstützungen wurden 760 M. vertheilt. Das Vermögen hat wieder um 1835 M. zugenommen und beträgt jetzt nach 24jährigem Bestehen des Vereins 28 000 M. Der Verein zählt 48 ordentliche und 34 außerordentliche Mitglieder. Gründer und seitheriger Vorstand des Vereins ist Oberlehrer Liebmann a. D. in Stuttgart. *) Dem khcmaligc» Rcdactcur der „Schöncbcckcr Zeitung" — H. G. Wolsf — steht über denselben Fall reichliches Material zu Gebote. > Ireiburg (Baden), Decbr. Es ist recht auffallend, wenn in einer Stadt, in welcher die jüd. Gemeinde kaum 20 Jahre besteht, nicht immer ganz korrekt gegen dieselbe verfahren wird. Dadurch erklärt es sich auch, daß bei dem Einzuge de^ erbgroßherzoglichen Paares die jüd. Gemeinde beim festlichen Empfange nicht vertreten war. Es steht dies i,n Widerspruche mit der Stellung, welche das Judeuthum und seine Rabbincn nebst seinen Synagogenräthen schon nach einer Verfügung vom Jahre 1809 einnimmt. Doch, daß nicht Ucbelwollen, sondern nur Unkcnntniß der einschlagcndeu Bestimmungen die Schuld an dieser Jgnorirung trügt, wird dadurch erwiesen, daß der Herr Oberbürgermeister es nicht verabsäumt hat, Herrn Stadtrabbiner vr. Lew in in der Festhalle Sr. königl. Hoheit vorzustellen, der dann auch in ciner huldvollen Ansprache die persönlichen und amtlichen Verhältnisse unseres Geistlichen crfrug und die Versicherung der innigen Anhänglichkeit der Gemcuidc an unser Fürstenhaus freundlich entqegennahm. Oesterreich-Ungarn. Wie«, 13. Dec. (Or.-Corr.) Bezüglich des Projectes, eine Gasse in Wien „Capislranogasse" zu nennen, worüber zwei Berichte in Ihrem werthen Blatte veröffentlicht wurden, theile ich Ihnen folgenden Brief mit, den der Gemeinderath der Stadt Wien, Herr Baurath Wilhelm Stiaßny, am 20. November d. I. a» mich gerichtet hat. Er lautet: „Vor längerer Zeit hatten Sie die Güte, meine Aufmerksamkeit auf einen Scctionsbeschluß des Wiener Gemeinderathes zu lenken, welcher während meiner Abwesenheit von Wien gefaßt worden ist. Er betraf die Benennung einer Straße im VI. Bezirke nach dem berüchtigten Johannes Capistrano. Sogleich nach Erhalt Ihres Schreibens habe ich die erforderlichen Schritte beim Bürgermeister gemacht, um die Zurücknahme eines Beschlusses zu bewirken, welcher geeignet wäre, gleichviel ob bewußt oder unbewußt, die gegenwärtig leider bestehenden confessionellen Reibungen in einen Kreis zu tragen, in welchen sie bisher glücklicherweise nicht cingedrungen waren. Ich bin nun in der erfreulichen Lage, Ihnen, hochverehrter Herr Doctor, mitlhcileu zu können, daß es mir gelungen ist, eine vollständige Zurückziehung dieses Beschlusses zu erwirken, und werden wir und die ganze Stadt vor der Schmach bewahrt bleiben, das Andenken eines solchen ManncS geehrt zu sehen." Hiermit, glaube ich, dürfte der Gegenstand erledigt sein, Dr. Ad. Jellinek. Vermischte und neueste Nachrichten. Werkt«. Eine Nachricht, welche für die politischen Verhältnisse Berlins von nicht geringer Bedeutung ist, ging uns heute aut der Versicherung strengster Autenticität zu. Darnach hat in den letzten Tagen eine Verschmelzung der in Berlin bestehenden antisemitischen Parteien stattgefuiidcn, so daß für die Folge die antisemitischen Agitationen von einer Centralstelle aus geleitet werden. Wie man uns ferner versichert, ist man gegenwärtig damit beschäftigt, für die große antisemitische Vereinigung der Reichshauptstadt ein Statut auszuarbeiten, welches bereits in kurzer Zeit zur Berathung und Beschlußfassung gestellt werden soll. Dessau. Es ist »ichtuninteressant„dieStellungzu beobachten, welche die orthodoxen jüd. Blätter zu deni geplanten „Mendelssohns-Denkmal" einnehmcn. Während die „Jüd, Pr." daran nicht den mindesten Anstoß in religiöser Hinsicht nimmt, zetert der „Israelit" bereits in heftigster Weise dagegen, erblickt darin „Nachäffung fremder Sitte" Kallas,,,Chuckas hagoj"l, legt im Namen des gesctzestreucn Judenthuiiis, als dessen Mundstück Herr Lehmann sich ausgiebt, energischen Protest dagegen ein und decretirt: Nur Christen und Reformer würden das Geld dazu zusammenbringen, von gesetzeötrcuer Seite wird kein Pfennig dazu gegeben!" Also! — Anathema sit! Es sind das die Gesinnungsgenosse»

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