Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 51. (17.12.1885)
- Date
- 1885-12-17
- Page
- Seite 391 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 391 — Wittwe nach eiiiniüthigem Beschluß sandte, lautet folgendermaßen . „Berchrteste Frau! Ties erschüttert von dem so unerwartet plötzlichen Heimgänge Ihres verewigten Gatten, folgen wir der innersten Regung unseres Herzens, Ihnen unser schmerzliches Beileid über den herben Vertust auszudrücken, der Sic betroffen hat. Aber mit Ihne», verehrte Frau, trauert die gesummte Bürgerschaft unserer Stadt über das zu frühe Hinscheidcn des Mannes, der eine lange Reihe von Jahren hindurch in unermüdlicher Arbeit für die Wohlfahrt unserer Stadt ausgegangen ist. Und wenn cs für diejenigen, die dem Abgcrusenen am nächsten im Leben standen, einen Trost bei so schwerer Heimsuchung giebt, so ist es der, daß viele Tausende mit Ihnen empfinden, was Sie, was wir Alle verloren haben. In langjähriger Gemeinschaft haben wir die hervorragenden Eigenschaften, die Tugenden unseres verehrten Vorstehers kennen »nd würdigen gelernt. Wie er bei seinem immer aus das Ganze und Allgemeine gerichteten Sinne jederzeit ein lebendiges Verständniß und eine glücklich gestaltende Hand für das unmittelbare Bedllrsniß der nächsten Gegenwart besaß; wie er die Festigkeit der Ueberzeugung mit jener Milde zu vereinen wußte, die auch dem gegnerischen Slandpunkic gerecht wird; wie sein innerer Wahrhcitsdrang selbst in erregten Momenten seiner Wahrheitsliebe keinen Eintrag Ihat; — das Alles wird uns doppelt lebendig in dem Augenblicke, da wir uns bewußt werdet!, wie schmerzlich die Lücke ist, die sein Tod gelassen. Was uns in unserer Trauer ausrichtct, ist der Gedanke, daß er die besten Kräfte seines Lebens nicht an Vorübergehendes, sondern an dauernde Schöpsungcn gewendet hat, in denen er sortlcben ivird. Wie er außerhalb der städtischen Verwaltung aus den Impulsen seines warmen Herzens heraus sich mit sreudigem Eiser der Fürsorge sür die Arme» unterzogen, so hat er innerhalb seines Amtes'seine Ausgabe da gesucht, wo cs der Wohlsahrt Aller, zumal der bedrängte» Klassen der Bürgerschaft, galt. Er hat »es Guten viel im Leben gethan, und was er gewirkt und geschaffen, ist uns Bürgschaft dafür, daß er in dem treuen und ehrenvollen Gedächtniß aller Derer lebendig bleiben wird, für die er geschaffen und gewirkt. Möge die innige Theilnahme, die wir als die Vertreter der Bürgerschaft Berlins Ihnen entgegen bringen, eine Linderung Ihres gerechten Schmerzes sein! Der Allniächtige verleihe Ihnen Kraft und Ergebung in seinen Rathschluß! Mit dem Gefühl ausrichtiger Verehrung Stadtverordnete zu Berlin." Meiningen. (Protokoll der diesjährigen mei nin g i chen isr. Lehrecversammlu r,g.) Einer Einladung des Herzog!. Landrabbiners zufolge versammelten sich die unten vcrzetchneten isr. Lehrer des Meininger Landes*) am 18. Oktober morgens 10 Uhr in Meiningen im Saale der Rtstauralion Walther, um die diesjährige Konferenz der mciningtschen israelit. Lehrer abzuhalten. Herr L.-R. vr. Dessauer übernimmt den Vorsitz und eröffnet die Sitzung mit einem Rückblick aus die Konferenz vom Jahre 1882 und giebt als Aufgabe der heutigen au, die damals unterbrochene Tagesordnung zu erledigen. Man schreitet hierauf zur Wahl eines Schriftführers, diese fällt auf Hofmann- Walldorf, der diese Wahl dankend annimmt. Nach Verlesung des Protokolls der früheren Versammlung von 1882 erhält Herr Lehrer Rose nt hat das Wort, um sich über eine inöglicherweisc wieder nöthig werdende Pelilion an den hohen Landtag oder an das Herzogliche StaatSministcrium zu äußern. Derselbe sagt, cs ist wieder eine Vorlage betreffs Abänderung des Schulgesetzes zu erwarten, wodurch unter anderem auch die jetzige günstige Stellung der jüd. Lehrer erschüttert würde; um nun nachtheüigen Folgen einer solchen Abänderung wenn möglich voizubeugen, könnte eine Petition nöthig werden. Zur Begründung dieser fehle es ihm aber noch >i» Material; es wäre daher wünschenswert!), wenn die Prtvataklen über den Streit der jüd. Gemeinde zu Walldorf mit der politischen Gemeinde beschafft werden könnten. Lehrer Lang verspricht, die Herbeischaffung jener Akte» bewerkstellige» zu wollen. Sodann wünscht Herr Roscnthal von den College», Belege dafür aus alten Gemein dercchnungen zu suchen, wie hoch sich der Einkauf in *) Herr Lehrer Roscnthal-Hildburghauscn, Herr Lehrer Lang- Meiningen, L u d Iv i g-Thcmar, Holländer-Berkach, Mühlscldcr- Glcichcrwicsen, Hosmann-Walldors, Werthan-Bibra. (Einige waren durch Krankheit oder andere Ursachen verhindert.) die unterlandische Wittwenkasse seiner Zeit belief. Herr Rosenthal führt weiter aus, daß nach seiner Meinung es räthlich wäre, die Petition an das Herzogl. Staatsministerium zu richten. Der Herr Landrabbiner und die gesammte Konferenz zollt den Ausführungen des Herrn Rosenthal Beifall; doch glaubt Herr Landrabbiner, die Petition nicht mit unterzeichnen zu sollen, weil möglicherweise er zur Begutachtung aufgefordert werden könnte. Der allgemeine Wunsch geht dahin, daß Herr Landrabbiner mit unterzeichnet und Herr Rosenthal die Petition ausarbeite, wozu ihm von den übrigen Herren das nöthige Material baldmöglichst zugeschickt werden soll, und daß er in Gemeinschaft mit Herrn Landrabbiner die Petition persönlich dem Herzogl. Staatsministerium einreiche. Die Unterschrift der Gemeindevorstände mit zu veranlassen, wird abgelehnt. (Schluß folgt.) München, 12. December. Gestern Nachmittag halb 3 Uhr wurde im israelitischen Friedhofe der im Alter von 80 Jahren zu Planegg verstorbene k. b. Hofbankier Josef, Frhr. v. Hirsch-Gereuth unter äußerst zahlreicherBetheiligung aller Bevölkerungsklassen zu Grabe getragen. Der im Leichenhause befindliche Sarg war mit Blumen und Kränzen, sowie den Orden des Dahingeschiedenen geschmückt. Zur Beerdigung hatten sich außer den Verwandten eingefunden: Obersthosmarschall Frhr. v. Malsen, Hofmarjchall Frhr. v. Hutten, die Minister vr. Frhr. v. Lutz und vr. v. Fäustle, der wllrttembergische Gesandte Frhr. v. Soden, der sächsische Gesandte v. Fabrice, Landgerichtspräsident Frhr. v. Leonrod, die Bürgermeister Or. v. Erhardt und Or. Widenmayer, der Direktor der Trambahn Graf Graziadei eine Deputation der Planegger Feuerwehr und ungemein viele sonstige Leidtragende; ein Beweis, welch'hoher Achtung der durch seine Wohlthätigkeit weit und breit bekannte Verstorbene sich erfreute. Herr Rabbiner vr. Perles hielt im Betsaalc des Lcichenhauses eine Grabrede, in welcher er die Verdienste schilderte, die sich Baron v. Hirsch in seinen verschiedenen Stellungen erwarb. Nach den üblichen Gebeten und der Rede des Rabbiners wurde der Sarg, rechts und links von Flambcauxträgern begleitet, an das Grab getragen und eingesenkt, womit die Trauerfeier beendigt war. Baron v. Hirsch war im Jahre 1805 zu Würzburg geboren, machte nach Absolvirung seiner Studien größere Reisen, übernahm 1840 nach dem Ableben seines Vaters, des Baron Jakob v. Hirsch, die Leitung des Bankhauses und den sämmtlichen Gütern. Das Bankhaus nahm einen hohen Aufschwung, und die vortreffliche Verwaltung der Hirsch'schen Güter ist allbekannt. Baron v. Hirsch erfreute sich Seitens seines Landesherrn zahlreicher Auszeichnungen und fand auch bei seinen Mitbürgern volle Anerkennung seiner Verdienste. Bei der Choleracpideniie im Jahre 1854 war er unablässig bemüht, die Roth zu lindern, indem er Spitäler aus eigenen Mitteln gründete und mit vollen Händen Spenden austheilte. Er war Hauptgründer der Bayerischen Ostbahn. Mitglied des Zeutralkomitcs des landwirthschaftlichcn Vereins und war namentlich auf dem Gebiete der Waldkulturen mit großem Erfolge thätig. Persönlich war Baron Hirsch ein leutseliger, einfacher und'anspruchsloser Mann, dienstwillig gegen Jedermann. Er war württembergischer Konsul, Administrator mehrerer Planegger Stiftungen, und Mitglied verschiedener industrieller Gesellschaften. Seit 1828 war er mit seiner Gemahlin Karoline, geborene Wertheimber. vermählt, aus welcher Ehe mehrere Söhne und Töchter hervorgingen. Witte« a. jjü., 2. Dez. (Or.'Corr.) Vergangenen Freitag fand hier die Einweihung der ncuerbauteu Synagoge unter Leitung des aus Aachen berufenen Rabbiners Dr. SauluS statt. Derselben wohnten nebst den Gemciudemitgliedern und zahlreichen aus den Nachbarstädtcn herbeigeströmten Glaubensgenossen die städtischen Behörden, sowie viele dislinguirte Personen christlichen Glaubens bei. Der Fcstact verlief in herkömmlicher solenner Weise. Die Weiherede machte auf sämmtliche Hörer einen ersichtlich tiefen