Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 49. (3.12.1885)
- Date
- 1885-12-03
- Page
- Seite 375 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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einer Heftigkeit, daß ihm weder am Tage noch bei Nacht Ruhe aegöiint war und er seit Jahren sitzend im Bette zubrachte. Mit einem bewunderungswürdigen Heroismus kämpfte der Dahingeschiedene gegen die ihm auferlegten Qualen und erfüllte bis zum letzten Augenblicke die ihm obliegenden vielen Pflichten eines präsidirenden Vorstehers der Gemeinde; er gönnte sich nicht Ruhe noch Rast, wenn es ihrem Dienste galt. Stets umspielte ein wohlwollender Zug, ein freundliches Lächeln sein gutmüthiges Antlitz — und nur, wenn die Schmerzen allzuheftig waren und ein ärztliches Verbot ihm jedwede Thätigkeit untersagt hatte, schwand dasselbe und tiefe Trauer erfüllte ihn. Sechzehn Jahre hat der Dahingeschiedene mit seltener Berusstreue des Amtes eines Gemeindevorstehers gewaltet und drei Jahre war er Vorsitzender des Vorstands; aber schon länger als dreißig Jahre war er für daS Wohl der Gemeinde thätig, als Mitglied des Krankenhaus-Collegiums, der Vorschuß Anstalt, der Fremden-Commission und verschiedener anderer Verwaltungen, Er war im Jahre 1816 in Rendsburg geboren und würde am Rüsltage zum Versöhnungsfeste sein siebenzigstes Lebensjahr vollendet haben. Vielen Kummer haben ihm, wie seinem Vorgänger im Amte die Kämpfe der letzten Jahre bereitet, wegen des Friedhofs, auf welchem er die letzte Ruhestätte fand. Die Trauer um den Dahingeschiedenen zeigte sich in der ungewöhnlich starken Betheiligung aus allen Schichten der Gemeinde, (mehr als 70 Wagen folgten seiner Leiche) und sand ihren Ausdruck in den Reden, welche um ihn gehalten wurden. Im Hause sprach zunächst Worte des tiefsten Schmerzes und des Trostes für die Hinterbliebene Wittwe und die GemeindrHerrn vr, Marg ulies,Rabbiner der Synagoge Neweh- Scholaum, welcher der Verstorbene vom ersten Augenblick ihres Jn'siebentretens angehört hatte; in der Kapelle des Friedhofs widmete dann der Prediger des Israelitischen Tempelverbandes, HerrOr, Leimdörfer, dem Heimgegangenen eine längere Grabrede; diesem folgten als Redner ein Mitglied des Gemeinde-Vorstandes und des Repräsenianten-Collegiums und endlich hob noch nach geschlossenem Grabe ein Mitglied des Liquidations-Vorstandes die vielen Vorzüge des geschiedenen College» und die zahllosen Kämpfe hervor, welche ihm Fanatismus und Unverstand im Leben bereitet hatten; und riesen dessen Worte gewiß ein Echo in der Brust der ganzen Trauerversammlung hervor. Dreifach, den 20, November, (Or,-Corr,) Vergangenen Freitag den 13. November hatte unsere isr, Cultusgemeinde die Ehre, von Herrn vr, Lew in, Rabb, zu Freiburg, der nach getroffenem Uebereinkommen auch den hiesigen langjährigen Rabbinatssitz und die zum Bezirke gehörigen Gemeinden Jhringen, Eichsletten und Emmedingeu verwaltet, besucht zu werden. Die Freude über diesen hohen Besuch war eine aufrichtige und herzliche und ließen es sich der zeitige Vorstand, Herr G. Bergheimer, im Verein mit Herrn Cantor Dottenheimer nicht nehmen, den Herrn Rabbiner in Jhringen schon zu begrüßen und ihn im Namen der Gemeinde herzlich willkommen zu heißen! Bald nach Ankunft des verehrten Gastes um 4 Uhr Nachmittags begann der Gottesdienst im festlich erleuchteten Gotteshause und trug der durch seine treffliche Schulung bestens bekannte Männerchor nicht wenig dazu bei, durch den Vortrag weihevoller Gesänge den Gottesdienst zu einem erhebenden und andachterweckenden zu gestalten, Samstag Morgen nach dein Vorlesen des Thoraabschnittes bestieg Herr vr. Lewin die Kanzel und hielt mit rhetorischer Meisterschaft eine Predigt, die ihren tiefen Eindruck auf die zahlreich versammelte Gemeinde, die den Worten des Redners mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschte, nicht verfehlte. — Wahrlich, es ist nicht zu verwundern, wenn Herrn vr. L,, dem ein vorzüglicher Ruf vorausgegangen , alle Herzen warm entgegenschlagen, und wünschen wir der Gemeinde Freiburg und allen Gemeinden, die sich der schönen Metropole angeschloffen, zur Wahl des Rabbiners aufrichtig Glück, Bei dem im Gasthause „Zum Adler" vom Synagogenrath dem Gaste zu Ehren veranstalteten Festessen hatten wir das Vergnüge», Herrn vr. L, auch als liebenswürdigen Gesellschafter kennen zu lernen. Durch die m Aussicht gestellten öfter» Besuche des Herrn Rabbiners wird auch das religiöse Leben in unserer Gemeinde neue Anregung erhalten und erstarken. Weikburg (Or,-Corr,) Am 12. November feierte hier das Lazarus'sche Ehepaar seine goldene Hochzeit. Das Jubelpaar hätte diesen Tag am liebsten in stiller Zurückgezogenheit verlebt, um so mehr, als ihnen von mehreren Kindern nicht mehr als eine einzige hier verheirathete Tochter geblieben ist, doch ließen die Verwandten und Freunde desselben es sich nicht nehmen, ihren Gefühlen der Liebe und Hochachtung für das Jubelpaar an diesem Tage Ausdruck zu verleihen. Auch von Seiten der israelitischen Gemeinde wurde dem Jubelpaar eine höchst ehrenvolle Ovation dargebracht: eine wahrhaft künstlerisch ausgeführte Adresse im Namen der Gemeinde, sowie der beiden Vereine der hiesigen Gemeinde, des Wvhlthätigkeits- und des Unterstützungs- Vereins, bei welchem letzteren der Jubilar schon seit der Gründung Cassirer ist. Der Vorstand der Gemeinde, sowie der beiden Vereine, mit Herrn Rab, vr, Goldschmidt an der Spitze, überreichten die Adresse, und der Herr Rabbiner, der auch den Teyt der Adresse redigirt hatte, hielt eine tief herzliche Ansprache, die allen Anwesenden die Thräneu in die Augen lockte. Daß das Jubelpaar von solchen Beweisen der Hochachtung aufs Tiefste ergriffen war, läßt sich denken, — Das Jubelpaar ist Gottlob geistig und körperlich sehr rüstig, obgleich Herr Lazarus bereits 80 und dessen Frau 75 Jahre ist. Möge ihm noch ein recht langer, schöner Lebensabend beschieden sein, — Martenberg, November, (Or.-Corr.) Jüdische Ehren-Aemter pflegen nicht zu denen zu gehören, die ihren Trägern viel Dank einbringen, darum verdient die Einmüthigkeit hervorgehoben zu werden, mit welcher die hiesige Gemeinde ihrem ersten Vorsteher, dem Stadtverordneten Herrn Moritz Uck o am 31, v. Mts. Dank und Anerkennung für seine 25 jährige Thätigkeit als Leiter der Gemeinde zollte. Nachdem dem Jubilar in seiner Wohnung von dem dazu gewählten Festcomitö ein prachtvoller, silberner Chanukaleuchter unter passender Ansprache überreicht worden war. wurde er bei seinem Erscheinen in der festlich geschmückten Synagoge von dem Rabbinatsverweser Herrn M, Löwenthal mit schwungvollen Worten, welche die vielen Verdienste des Jubilars um die Gemeinde (Bau der Synagoge, Umzäumung des Begräbnißplatzes, Instandhaltung des Frauenbades u. a. m.) feierten, begrüßt, und ihm das von einem Enkelsohn des sel, Rabbiners Jacob Lissa verliehene Moreuu- Diplom überreicht. Auch die Religionsschule überbrachte ihre Glückwünsche in Gedichten nebst Photographie sämmtlicher Schüler und ihres Lehrers. Magistratsmitglieder und Stadtverordnete gratulirten ebenfalls. Bei dein zu Ehren des Jubilars veranstalteten Abendmahl, bei welchem der König!, Kreisphysikus vr. Altmann die Festrede hielt, fehlte kein Gemeindemitglied, ein Beweis dafür, daß der Jubilar sich der ausnahmslosen Liebe und Verehrung Aller erfreut. Möge er noch lange rüstig schaffen und nützen für unsere Gemeinde! Frankreich. Naris. Die ausschlaggebende Stellung der Radikalen im Abgeordnetenhause läßt trotz der Erklärung des Ministeriums, daß es die Trennung des Staates und der Kirche nicht anstrebe, das Schlimmste befürchten, denn die sogenannte Freidenkerei hat das Recht der Mitbürger nach ihrer Fayon selig zu werden, nur so lange geachtet, als sie sich zu schwach zum Bedrücken fühlte. Jetzt ist der Radikalismus, den „Arch, isr," den Vorposten des Nihilismus nennt, mächtig