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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-11-19 · N° 47. (19.11.1885) · p. Seite 358

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 47. (19.11.1885)
Date
1885-11-19
Page
Seite 358 (sequence 4)
Language
German
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Seele zuwider, ungefähr ebenso ist beim Kampfe gegen die Vivisektion der Aerger der Frommen über die freisinnigen Professoren die Haupttriebfeder gewesen. Man sollte doch bei solchen Dingen auch einmal fragen, wie die Schlächtermeister darüber denken. Da wird es denn gewiß weitere Kreise inleressiren, daß z. B, der Engros-Schlächtermeister Karl Hvffmann in Berlin, welcher wöchentlich durchschnittlich ca. vierzig starke Rinder schlachten läßt, für Juden wie für Nichtjudcn gleichmäßig die jüdische Methode des „Schächten-;" zur Anwendung bringt, Herr H. ist der Ansicht, daß beim Schlage» des Vieh's das Blut sich mit dem Fleische vermischt, dagegen kann das geschlichtete Thier sich vollständig ausbluten. Daß aber die Entfernung des Blutes vom sanitären Gesichtspunkte anS die größte Wichtigkeit hat, bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung," Aerlm, den 16, November. (Or.-Corr.) Wie im vorigen Jahre zwölf hiesige würdige Frauen sich die Aufgabe gestellt halten, die Mittel aufzubringen, um de» armen jüdischen Kindern, welche die hiesigen Eommunalschulen besuchen, eine Chanukahfreude zu machen — ihre Bemühungen waren von einem unerwarteten Erfolge gekrönt, cs waren 12086 M, eingekomme» und diverse Kleidungsstücke, Bücher und Spielzeug — also haben auch in diesem Jahre wiederum sich zwölf Damen*) mit einem ähnlichen Aufruf an die Gemeinde-Mitglieder gewendet. Wenn auch voraussichtlich der Ertrag dieser Sammlung nicht die Höhe der vorjährigen erreichen dürste, so wird er doch immerhin die Mittel bieten, 600—700 arme jüdische Kinder zu bekleid en und mit nützlichen Büchern und anderen Gaben zu erfreuen. Die Ausführung geschieht in der Weise, daß die jüdischen Lehrer und Lehrerinnen der Eommunalschulen eine Liste der bedürftige» Kinder anfertige». Auf Grund dieser finden die persönlichen Recherchen seitens der Damen in den bezüglichen Wohnungen statt und je nach der Bedürftigkeit und Würdigkeit werden alsdann die zu vertheilenden Gaben bemessen. Nicht zu unterschätzen dürste die ethische Wirkung des Verfahrens sein, daß wohlhabende Frauen Gelegenheit finden, persönlich den Umfang des Elends kennen zu lernen, das sich in einer so großen Gemeinde zusammenfindet, Aerli», 8. November. (Or.-Corr.) In Nr, 45 dieser Zeitung wurde gelegentlich der Einsetzung der historischen Commission daraus hingewiescn, daß zum Ressort des Deutsch.-Jsr. Gem.-Bundes mehr praktische Aufgaben gehören sollten. Was nun zu de» Aufgaben des D,-J. G.-B. gehört, das weiß man nicht, dagegen will ich etwas nennen, was er nicht zu seinen Aufgaben zählt. Ich glaubte zu wisse», daß der D,-J, G.-B. es sich angelegen sein läßt, kleine Gemeinden mit Lehrern zu versorgen und da schloß ich, daß man damit nicht nur die Gemeinden mit Lehrern, sondern gleichzeitig auch Lehrer mit Stellen versorge, und in solcher Erwägung wandte ich mich an den Bund, erhielt aber zu meinem und vielleicht nicht minder zu Anderer Erstaunen folgenden Bescheid: „Auf Ihre gef. Eingabe d. d. 23, cr. erwidern wir Ihnen ergebenst, daß der Ausschuß des D. -J. G.-B. weder durch fein Statut berechtigt, noch auch sonst in der Lage ist, Ihnen zu einer Lehrerstellung zu verhelfe». — — —" Wenn ich Veranlassung nehme, diesen Bescheid zu veröffentlichen, so geschieht es nicht um der Ablehnung willen an sich, sondern nur ivegen des Motivs derselben, das weitere Kreise interessiren dürste. Als noch der sel. Nachod Vorsitzender des D.-J. G.-B, war, hatte er sich die Unterbringung von jüd, Lehrern an geeignete» Stellen schr angelegen sein lassen, ja, wenn ich nicht irre, durch besondere Inserate in den jüd. Blättern Lehrer ausgefordert, *) Außer den drei Rabbiiieriunen FFr, DDr. Ungerleider, Frankl und Maybaum, haben sich dieser mühevollen Arbeit unterzogen i die FFr, M. S, Meyer, Julie Neuman», F, Böhm, Fr, vr, Grabower, Fr, vr, Lazarus, Fr, l>r, Felix Liebermann, L, Licbkind, E, Trcitel, E, Ungcr. ihre Meldungen beim Bureau einzureichen, welches zur Stellenvermittelung sich bereit erklärte. Das jetzige Regime hat Wichtigeres zu ihun, historische Commissionen cinzusetzcn rc. Wenn diese Commission einst dazu gelangt, die Geschichte des D.-J. G.-B, zuschrciben, so steht ihr für das Kapitel: „Regime- und Systemwechsel" das gen, Antwortschreiben als wichtiges Regesten-Material zu Gebote. Aus Kamburg geht uns mit Bezi.g auf einen aus Königsberg berichtete» Fall eine Correspondenz zu, zu deren besserem Verständniß wir den Bericht über den bezüglichen Fall voranschicken müssen. In Westpreußen hatte ein Israelit eine Familienstiftung errichtet, welche für weiblichen Deszendenten des Testators bei ihrer Berheirathung je 500 M, fcstsetzt. Ein Curatorium hatte die Rechtmäßigkeit der Ansprüche dieser Deszendenten zu prüfen und darüber zu entscheiden, Als jüngst eine solche Verwandte, die mit einem Christen eine Civilehc einging. Anspruch auf die 500 Mk, erhob, wurde sie auf Veranlassung des Rabbiners De. Grünfeld in Königsberg, der mit Recht den Intentionen des Stifters gemäß die Schließung einer jüdischen Ehe TO» rrb als unerläßlich erklärte, vom Curakorium mit ihrem Anspruch abgewiesen. Die Betreffende will nun gegen das Curatorium klagbar werden, dürfte aber wohl wenig Glück damit haben. Nun wird in jenem Berichte auf einen analogen Fall in H mburg hingewiesen. Das veranlaßt unseren gesch, Hamburger Corrcspondcnten zu folgenden Mittheilungen: Vor etwa sechs bis sieben Jahren ist hier ein ähnlicher Fall vorgekommen, der indessen nicht vor das Forum des Gerichtes kam; die Vorsteher der Gemeinde halfen sich durch eine lakonische Auslegung des betreffenden Testaments, Dasselbe bestimmte eine Mitgift für Bräute, die junge Dame war aber bereits verheirathet, als sic den Anspruch auf die betreffende Summe erhob; der Vorstand wies sic ab, indem er diesen Umstand geltend machte und es behielt dabei sein Bewenden, Vor kurzer Zeit hat eine, ähnliche Fälle betreffende Frage, die Gemeinde- Verwaltungen beschäftigt und gicbt uns oben erwähnter Fall Veranlassung, die Sache, welche wichtig genug ist, öffentlich besprochen zu werden, etwas näher an's Licht zu ziehen. Es sind bei der Depositen-Casse milder Stiftungen der deutsch-israelitischen Gemeinde hier die Capitalie» von einundzwanzig Stiftungen für Bräute belegt, welche zum Theil aus dem vorigen Jahrhunderte stammen; das älteste Legat dieser Art ist vom Jahre 1716, Es ist daher natürlich, daß nur wenige dieser Testamente die Bedingung der rituellen Trauung enthalten, solcher mögen im Ganzen fünf sein; die anderen werden das wohl als selbstverständlich betrachtet haben, denn unzweifelhaft beabsichtigen sie mit ihrem Bermächtniffe nur 7b» NM27I NM zu erfüllen, aber nicht Civilehen zu fördern. Von dieser Auffassung ausgehend und um den Eventualitäten aus dem Wege zu gehen, welche durch die sich häufenden Mischehen entstehen könnten, beabsichtigte der Gemeinde-Vorstand in dem kürzlich berathencn, neue» Regulativ für die Depositen-Casse folgende Bestimmung aufzunehmen: „Bei Auszahlung von Brautgeldern bedarf es eines beglaubigten Zeugnisses, daß die Ehe nach jüdischem Gesetze vollzogen ist." Auch die Mehrheit der Mitglieder des Repräsentanten-Collegiums schloß sich dieser Ansicht an und genehmigte die Fassung. Ein Mitglied der aus etwa Dreien bestehenden Minorität wollte sich trotzdem bei dem Beschlüsse nicht beruhigen, er verlangte, daß die Entscheidung in jedem einzelnen Falle den Administratoren überlassen bleibe; dagegen wollte er sich dazu verstehen, eine Verfügung aufzunehmen, daß in Zukunft keine Legate angenommen werde» dürften, wo obige Bedingung nicht ausdrücklich vorgeschrieben sei und that Schritte, um die staatliche Genehmigung des Regulativs zu verhindern.

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