Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 47. (19.11.1885)
- Date
- 1885-11-19
- Page
- Seite 357 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-9586215-9585015--5975-9585018- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 357 "l1,1'iti (||ten Hnen» tv,'" ffi*" J™ i“ tabdn ‘ ,9etf)an. bog' / Stittn f^Snwb. 1 J% rakl eil|f Ättojanj, c tn fönrifter Wn imch ft, betie ich '‘ü||lorlen in * ffijt _ griffen! _ >>e« in j,cn Fnrch, auschlanci ’Uien jfjrüjfi “* Schiff bei «itojfn, die « aniiatt on unb ibitn nn z» ie|tn, die tntisinuä unb .. öeriaffeu sie >l sie daselbst iken, na den "teisiakea be- ' Boa einem ’ftfö, mir der i# liefen, aeacrei Zeit > lies sie ge- Gegensätze eit Wechrnnch Hönes, ttiwä scinand wjt, igra, die in Klötzen der r Orthodoxie I, gesetzt bie Ergänzung: „unserer Zeit". Statt bie „jüdische Orthodoxie" zitirt aber der „Jeschurun" von mir: „das orthodoxe Judenthum" „repräsentirt und cultivirt eine eynische Gleichgiltigkeit gegen den tiefen Kern des Judenthums" u. s. w„ und mit dieser Fälschung in optima forma entsteht allerdings ein sophistischer Schein, als ob „Psesferkorn und Eisenmen er" dasselbe gethan, Denn das von diesen angegriffene Judenthum war ja auch ein „orthodoxes Juden' Ihum “. O sancta simplicitas! Herr Jsaac Hirsch meint natürlich, das sei einerlei: „jüdiiche Orthodoxie", oder „orthodoxes Judenthum"! Versuchen wir es doch, der Hirsch'schen Einfalt nachzuhelsen! Psesserkvr» und Eisenmenger haben das „orthodoxe Jttdenlhnm" angegriffen — das ist, wenn man vor und nach „orthodoxe" ein Komma macht, z ur Noih sprachlich richtig. Sagen wir aber dafür: Psesferkorn und Eisenmenger haben „die jüdische Orthodoxie" angegriffen — ist es auch jetzt noch richtig'? O ihr orthodoxen Schelme mit den lammfrommen Gesichtern: Ihr seid die P i c f f e r f o r n c unb Eisenmenger! Denn Pfefferkorn und Eisenmenger sind nicht darum Schelme, weil sie das Judenthum angegriffen: das Judenthum darf eben jvwoht angegriffen werden, wie jede Theorie, wie jede für Menschen gegebene Institution, Die Schelmerei Psefferkvrirs und Eisenmenger's besteht darin, daß sie das Judenthum erst gefäkscht, und dann auf Grund ihrer Fälschungen das Judenthum angegriffen. Das hat auch in dem vorliegenden Falle Herr Jsaac Hirsch gegen mich gethan: Herr Jsaac Hirsch ist also in Wahrheit den „P fe jserk orn, Eise nmenger" rc, g lei eh z u stellen. — Und eine solche Büberei, solche arglistige Fälscher« wagt es in Bezug auf mich zu jagen: „Wenn der Schreiber dieser Aufforderung zur Bildung einer freien Vereinigung für die Interessen des conscrvaliv liberalen Judenthums jüdischer Abstammung ist, so deuunzirt er die Religion seiner Ahnen, indem er die Orthodoxie durch die hier folgenden Anführungen als ein Scheusal stigmattsirt". Nein, Sie Herr Jsaac Hirsch und Cvnsvrten, denunzirc» die Religion Ihrer und meiner Ahne», indem Sie Judenthum und eine Speziell der „Orthodoxie" die nur durch Fälschungen ihre Berechtigung bctveiscn kann, id ent isic ireu. O glauben Sie, daß unserem Lehrer Moses im grimmigsten Kampfe nicht eine solche Waffe gegen seinen Gegner zu schlecht gewesen wäre? O, mir ist es kein Zweifel, daß, wenn unser Lehrer Moses, wie er leibte und lebte, heute erschiene, er würde von Euch verketzert, lind ebenfalls mit „Pfefferkorn und Eisenmenger" in eine Reihe gestellt werden. Denn unser Lehrer Moses würde am Sabbath sich kein „Taschentuch um den Leib binden"; er würde nicht glauben, daß, wenn man ein Tischtuch ans den Tisch breitet, so daß es herunterhängt, oder einen Regenschirm aulspannt, daß man dadurch ein „Haus baut" oder daß, wenn man am Sabbath sein Haar scheitelt, dadurch eine Art „Ackern" vollzogen werde; er würde euch sagen was Gott zu ihm gesprochen, und alle eure lächerlichen Interpretationen von 'yos Hitfüb robn über der Haufen werfen u, s, w. Und wehe dann unserem Lehrer Moses vor euch Orthodoxen! — Auch gegen den greisen Autor des Artikels „Vom Rhein" in Nr. 44 d. Bl. erhebt Herr Hirsch den in seiner Wiederholung doppelt läppischen Zweifel an der jüdischen Abstammung des „greisen erfahrenen Theologen", Welche Bornirtheil! Welche Dummdreistheit! Der Herr Redakteur dieses Blattes werde einen nichtjüdischen Theologen nach seiner Ansicht über den in Bildung begriffenen Verein für die Interessen des orthodoxen Judenthums befragen! Und leuchtet nicht aus der Antivort des greisen Theologen die begeistertste Liebe fürs Judenthum hervor? Und ein nichtjüdischer Autor werde zur „Bildung einer freien Vereinigutig für die Interessen des eonservativ-liberalen Judenthums" auffordern? Herr Hirsch, treten Sie her vor das Forum der Oeffentlichken! Hier antworten Sie, ich lasse Sie nicht los, im Namen des allwissenden Gottes: ist es wahr, daß Sie ge zweifelt haben, ob ich, der Schreiber jener jAufforderung, jüdischer Abstammung sei? Oder ist das nur eine jesuitische Insinuation? — Ist es wahr, daß Sie hinsichtlich des „greisen Theologen" „vom Rhein" diesen Zweifel hegte»? Oder ist es nur ein jesuitisches „der Zweck heiligt das Mittel"? Ist es wahr, daß Sie dem Redakteur der „Jsr. Wochenschrift" zutrauen, er lasse sich solche Artikel, die gegen einen Theil der Judenheit gerichtet sind, von Nichtjuden schreiben? Oder ist es ein jesuitisches Manöver ack maiorom cksi gloriam? Antworten Sie, hier giebt es kein Entrinnen! Wehe Ihnen, meint -ne mit einem „Ja" auf diese Fragen antweirten, denn — dann haben Sie selbst Ihr Unheil gesprochen. So verkommen kann ich mir keinen meiner Freunde auch nur denken, daß er Ihnen zutrauen sollte, Sie ließen sich Artikel gegen eonservativ-liberale Juden von Nichtjuden fabrieiren. — Oder sollte sich etiva Herr Jsaac Hirsch durch das Jesuiten-Pförtlein retiriren, daß, da er Orthodoxie und Judenthum identifizirt, jeder Nichtorthodoxe so ipso nicht zum Judenthume gehöre? Sprächen Sie wenigsten bei mir nicht von jüdischer „Abstammung", zuzutrauen wäre Ihnen dies Slllcklein schon. Aber diese Jdentifiziru »g von Orthodoxie und Judenthum; die Anschauung, wer kein Orthodoxer, der ist kein Jude, so daß jeder Angriff auf die Orthodoxie ein Angriff aufs Judenthum unserer Ahne» bedeutet, diese Anschauung, die aus der Polemik des Herrn Jsaac Hirsch herausschaut*) — ist das Non plus ultra orthodoxer Arroganz, Nein, Herr Hirsch, so leicht eseamoliren Sie uns aus dem Jubenthum nicht heraus; ich hoffe Ihnen noch recht fühlbar zu machen, daß ich und Consvrten zum Judenthume gehören. Wir sind der Ansicht, baß in der jüdischen Onhodoxie unserer Zeit sehr viel Unjüdisches ist, dem >v,r uns, um das Judenthum in seiner göttlichen Reinheit zu erhalten, mit aller Kraft widersetzen werden. Zu der Pretension werden wir freilich uns nie versteigen, die Orthodoxie mit ihren unjüdischen inneren und äußerlichen Auswüchsen als nicht zum Judenthume gehörig zu betrachten. Wir werden ihre u n - jüdischen Lehren bekämpfen auf dem Boden des Judenthums mit den Waffe» der Wahrheit, die sie sch nt, und mit der Fackel deS Lichts, die sie nicht vertragen kann, O, daß doch alle, die keine Orthodoxen sind — und deren Zahl ist Legion — einsehen würden, welche Gefahr dem Judenthum von Seiten seiner Orthodoxie droht; daß sie es einsehen würden, wie von ihrem prineipielleu Standpunkte aus jeder Groschen für eine orthodoxe Institution ei» Schnitt ins Fteisch des Judenthums ist; daß sie es einsühen, daß das Einschlafen des prineipielleu Kampfes gegen niffere Orthodoxie die Wiege des religiösen Jndifferentismus in unserer Mitte ist: denn man begeistert sich nur für Prineipien; v daß sie erkennen würden, daß die orthodoxe Pretension keine Grenze kennt, daß unsere heutige Orthodoxie nur ein Zweig jenes allgemeinen GiftbaumeS der religiösen Intoleranz ist, die im Mittelalter zur Ketzer-Verbrennung, zur Inquisition geführt hat, und die in unserer Zeit nur die Macht nicht har, aber nicht das Ziel aufgegeben, nicht jedes Mittel für dieses Ziel für erlaubt hält! Alle», die keine Orthodoxe sind, ich rufe ihnen zu: Fürchtet die orthodoxe Arroganz! Fürchet den Jesuitismus unserer Orthodoxie! Gerichte und Correspoudenren. Deutschland. Magdeburg, 10, Nov, Die „Allgem, Fleischer-Zeitung" schreibt: „Neuerdings machen sich müßige Köpfe, die vielleicht nie einen Ochsen schlachte» gesehen haben, allerhand Schmerzen über die jüdische Schlachtmethode, lins sind die sentimentale» Phrasen, die dabei verschwendet werden, in tiefster *) Sic stimmt vollständig mit der Arusterung, die ei» Führer der Orthodoxie dem preust. Cuttusminister gegenüber gethan, d a 8 e i n Nichtjude ihm näher stände, als ein nichtorthodoxer Jude! lRed.)