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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-11-05 · N° 45. (5.11.1885) · p. Seite 343

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 45. (5.11.1885)
Date
1885-11-05
Page
Seite 343 (sequence 7)
Language
German
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— 343 — schienen waren, gelangte auch ein Brief des Herrn Landraths v, Plotho (conserv.) zur Vorlesung, in welchem dieser auf seine in Aussicht genommene Candidatur verzichtet. Darauf erklärte Bürgermeister Heinrichs, daß der Landrath von Plotho nur deshalb seine Candidatur niederlegen wolle, weil Genthin nicht den Landrath, sondern Herrn Simon v, Zastrow wählen würde. Der Vorsitzende Nesemann bemerkt, daß Herr Simon v, Zastrow nicht der rechte Mann sei, die beiden jerichowschen Kreise zu vertreten, „weil er sich der Zustimmungsadresse an den Hofprediger Stöcker angeschlossen habe, noch dazu, da erwiesen sei, daß er selbst, Simon v, Zastrow, jüdischer Herkunft sei (sein Vater sei Rabbiner in Stettin gewesen) und heute gerire er sich als Judenfeind". Es wäre immerhin interessant, wenn vielleicht Jemand aus dem Leserkreise d. Bl, die angedeuteten Personalien des Herrn Simon v, Zastrow vervollständigen könnte. (Ist der General v, Zastrow sei» Verwandter?) Magdeburg, Man schreibt uns aus Warschau, 24. Oclober: „Seitens der Regierung ist Hierselbst vor einiger Zeit eine Commission eingesetzt worden, welche sich mit der Vorberathung der Revision des Gesetzes für die Juden auf den Dörfern zu befasse» hat. Das Bestehen dieser Commission wurde geflissentlich sehr geheim gehalten, bis es nun endlich gelungen ist, ihr auf die Spur zu kommen. Der Regierung mag das sehr unangenehm sein, denn sie hat sich veranlaßt gesehen, durch die Zeirungs-Ceusur den Redaktionen hiesiger Blätter streng zu verbieten, hierüber irgend eine Mittheilung zu machen; auch ist eine umfassende Untersuchung eingeleitet, um Diejenigen, welche die Nachricht über das Bestehen jener Commission verbreitet haben, ausfindig zu machen und zur Verantwortung heranzuziehen," Aerkin. Auf den Vorschlag des hiesigen Rabbinats soll in der großen Synagoge der Versuch gemacht werden, den Freitagabendgottesdienst mit einer Predigt auszustatten, da man die Erfahrung gemacht hat, daß dieser mehr, als der Sabbathinorgengottesdienst besucht wird, Kamöurg, 1, November. Gestern, am Vortage zum 101. Geburtstage Gotthold Salomon's (geb. zu Sanderslcben 1. November 1784) fand im hiesigen israelitischen Tempel eine Säcularerinnerung an den genannten Vater der jüdischen Homiletik, der hier in Hamburg 25 Jahre lang amtirte, statt. Der Predigt, welche die Frage behandelte: „Wodurch hat Salomon so bedeutende Verdienste auf dem Gebiete der Kanzelbercdtsamkeit errungen?" legte Herr Or, Lcimdörfer denselben Text zu Grunde, welchen sich Salomon gewählt, als er vor 67 Jahren die erste Predigt in Hamburg gehalten hatte (Richter 5,9): „Mein Herz den Gesetzeslehrern Israels, die sreimüthig sich erheben im Volke, preiset den Ewigen!" Die Gedenkrede, welche auf die zahlreich erschienene Gemeinde, darunter viele Mitglieder der Familie Salomon's, ctncit sehr erhebenden Eindruck hervorbrachte und eine schöne oratorischc Leistung war, wird durch de» Druck veröffentlicht werden. Alm, Die hiesige israelitische Kirchengemeinde ist, nach Stuttgart und Heilbronn, die drittgrößte, sie zählt 700 Seelen, Dennoch besitzt sie keinen eigenen Seelsorger und ist in dieser Beziehung Laupheim untergeordnet. Sie hat jüngst mit bedeutendem Aufwande eine Prachtsynagoge erbaut, Schullocale mit Amtswohnungen für Rabbiner und Lehrer hergestellt; aber der Rabbiner fehlt. Die Seelsorge kann nur ungenügend von Laupheim aus besorgt werden. Der Religionsunterricht in den höheren Schulanstalten für Israeliten liegt brach, weil kein akademisch gebildeter Lehrer vorhanden ist, der ihn ertheilen kann und darf. Die geistliche Vertretung der Gemeinde bei öffentlichen Gelegenheiten wird vermißt. Die Gemeindevertretung hat sich nun entschlossen, ein eigenes Rabbinat vor der Hand in provisorischer Weise zu errichten und hat deshalb bei den zuständigen Aufsichtsbehörden Schritte gethan, die eine baldige günstige Erledigung dieser Angelegenheit hoffen lassen. Wien Rohling hat vom Unterrichtsminister Urlaub auf un bestimmte Zeit erwirkt. Die Proceßkosten belaufen sich der vielen Gutachten wegen ans 10 000 Gulden, Baron Rothschild in Paris beabsichtigt, die Gutachten, über 100 Bogen, in deutscher, französischer und englischer Sprache drucken und weithin verbreiten zu lassen. — Am 28. v. Mts, feierte das Moritz v, Königswarther'sche Ehepaar seine silberne Hochzeit. Unter den zahlreichen Gratulanten aus den hervorragendsten Wiener Gesellschaftskreisen erschien auch der als Präsident der Ungar. Delegation hier weilende Kardinal H a y n a l d. Wien. Der von den Vereinigten Staaten für hier designirtc Botschafter A. M, Keitel/ ist vom Ministerium refüsirt worden, und zwar soll der Grund sein, daß dieser , ,. , eine Jüdin zur Frau hat, London. Hiesige Blätter plaidircn für eine Auswanderung der rumänischen Juden nach Serbien und Bulgarien. In diesen Landern wohnen sehr wenig Juden, in Serbien nur 2000 und ähnlich in Bulgarien, während sie in Rumänien nach 100 000e» zählen; — in den erster» Ländern ist die Gleichberechtigung der Juven eine Thatsache und garantirt, Dinaöurg, Hier ist der Rabbiner, der weitberühmte Rabbi Reuben L e w i n, einem der Schächter nicht fromm genug, indem er ihm nicht gxnug „trepha" macht. Es muß auch solche.. Schochtim" geben! (Die sollten nur nach Halberstadt gehen.) Bukarest, 29, Octobcr. Auf Anordnung der Regierung sind etwa zehn bis zwölf israelitischen Journalisten und Schriftstellern, die sich in Rumänien aufhietten, Ausweisungsbefehle zugegaugcn. Unter den Ausgewiesenen befindet sich der Publicist Or. Gasser, der Redacteur des israelitischen Journals „Fraternitatea", Schwertfeld, der Chefredacteur des hiesigen „Tageblatt", Brociner, und der Chefredacteur der Bukarester „Freien Presse", Krauß, Das Journal „Stern von Rumänien" schreibt, die Ausgewiesenen hätten sich durch ihre Angriffe gegen die rumänische Regierung hervorgethan, (Das ist sehr begreiflich! Red.) Salonichi, Hier treibt ein „falscher Messias", der die Juden nach Palästina führen will, sein Unwesen, Ec hat zahlreiche Anhänger. Mittheilungen aus den deutschen Logen des V. O. B. B. Berlin. Die vom Priistdenlen der Rcichsloge, Herrn Or. Marctzki, zur Einwcihungsfeicr der neuen Logenhalle gehaltene treffliche Festrede eignet sich sehr dazu, außerhalb des Ordens Stehenden über die Ziele und Zwecke des Ordens 2, B. zu unterrichten. Magdeburg. In jüngster Logensitzung wurde die Maretzki'schc Festrede verlesen, die auf sümmtlichc Mitglieder einen erhebenden Eindruck machte In nächster Woche wird die Reihe der Wintervorträge mit einem Bortrage des Expr, vr. Rah me r eröffnet; erwachsene Familien-Mitglieder der BBr, haben Zutritt. Polen. Am Sonntag, den 1, November, Nachmittags 5 Uhr fand die Installation der hierorts gebildeten Schwester-Loge „Amicitia" des Ordens B'nai Berich statt. Zum Zweck der Installation war der Präsident der Großlogc für Deutschland, Herr Julius Fenchel, hicrhcrgekommen, außerdem wohnten der Feier Dclegirte der 3 Berliner Logen der Allemania (Stettin) und der Lessing-Loge (Breslau) bei. Die übrigen Schwester-Logen soivic einzelne Logenbrüder aus der Fremde hatten in Briefen und Telegrammen ihre Glückwünsche übermittelt. — Der würdigen Feier der Installation folgte ein gemeinsames Abendessen, bei dem ernste und heile x Reden die Genugthuung und Freude über das Entstehen der hiesiget, Loge zum Ausdruck brachten. Möge sie blühen, wachsen und gedeihen! Die „Amicitia" beginnt mit 24, den besten Gesellschastskreisen angehörenden Mitgliedern, Zu Beamten sind gewählt: Herr Rechtsanwalt Salz (Präsident), Herr Moritz Victor (Viceprasident), Herr Hermann Elkeles (protok. Secrctair), Herr Ignatz Go ld s chmidtsiFinanzsccr,), Herr R, Hamburger (Schatzmeister); zum Mentor ist Herr I, Jeremias ernannt, J>l Amerika gicbt es auch eine „Mendelssohn"-Loge in Louisville, „Lessing" in Philadelphia, „Montefiore" sogar zweimal, in Clcveland und in Buffalo, Die Namen MaimonideS, Akiba Eger, Zacharias Frankel, Abraham Geiger, finden sich daselbst bereits vor.

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