Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 44. (29.10.1885)
- Date
- 1885-10-29
- Page
- Seite 334 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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334 — des Herr» Leopold Daun und seiner edlen Gattin. Des hier verlebten Stunden ist unsere dankbare Erinnerung gesichert. K. Oesterreich-Ungarn H'rag (Or.-Corr.) „Alea jacta“. Die Meiscl- Synagoge hat ihre Wahl endlich getroffen, die zahlreichen, zumeist den wohlhabenden, intelligenten Kreisen angehörigen Besucher dieses Gotteshauses rufen nun mit Befriedigung ihr „habemus papam!“ und was bis allher noch nie der Fall war, eine der ansehnlichsten böhmilchcn CultuSgcmcinden, nchmlich Jungbunzlau gicbt ihren rühmlich bekannten, jungen, thatkräftigcn Rabbiner vr. K i s ch an Prag für die Meisel-Synagogc ab; — daß die Wahl ans einen geborenen Prager gefallen, trägt bei dem stark ausgeprägten Local-Patriotismus der hiesigen Judenschast, viel zur Allgemeinen Befriedigung bei. Zur Sammlung von Beiträgen für den Pensionsfond des öst.-ungarischen Cantorcn-Vcreins circnliren bereits Sammclbogen in den Cultusgemcinden, und sind cs abermals die Cantoren selbst, die da an den Thüren zu pochen, und die Sammlungen zu machen haben, was fühlwahr eine der schwierigsten, unliebsamsten Aufgaben für sie sein mag, da ja das bekannte „1ö2ß TflD wen ['«" besonders in diesem Falle sich fühlbar macht; — da ist es denn doch unsercren Lehrern viel leichter geworden, indem es ihnen glücklicher Weise gelungen ist, edelgesinnte, hochherzige Damen für ihre Interessen zu gewinnen, die nun mit emsiger Hand das Sammelgcschäft für den Pensionsfond rühmlich begannen, und erfolgreich fortsctzen. — Nun werden voraussichtlich, und wie schon die mir bekannt gewordenen ersten Anfänge, Intra muros et extra, zeigen, die Sammlungen der Cantoren ebenfalls nicht erfolglos bleiben, obwohl in gegenwärtiger Zeit nur allzu oft der Geldbeutel unserer stark belasteten, jüdische» Familienvater in Anspruch genommen wiro, hier und da wird auch wohl seitens der zur Wohlthätigkeit sanft Gepreßten ein leises Einstiminen in den großen „Brumm-Chor" hörbar — doch der Jude klagt, murrt, brummt wohl auch ein wenig, wenn's ihm zu hart an den Beutel geht — brummt, und-gicbt — daß aber, während der Lehrer-Verein eine hochachtbare Körperschaft, wie die „Repräsentanz der Landesjudenschaft Böhmens" und Private, wie den hochherzigen Dr. Rosenbach und wie den im Wohlthun unermüdlichen Herrn Angel in Prag, für die Sache der Lehrer zu gewinnen wußte, der Cantorenvcrein alles nur „aus eigener Kraft, und nur durch Cantoren selbst geschehen läßt, ist, glaube ich, denn doch ein Fehler, da bei aller sachlichen Tüchtigkeit und Bersirtheit, in Geldsachen, finanzielle Tüchtigkeit und mercantile Versirtheit erforderlich ist, wenn die Fonds prosperiren sollen; — Wien ist doch so reich an jüdischen Hochherzigen und fürs Gemeinwohl gerne opferwilligen Finanz-Capacitäten, deren Mithilfe der Cantorenverein anstreben sollte, und unter deren Fittige die Interessen des Vereinsschatzes gestellt werden könnten; — wenn mau auch musikalisch genug gebildet ist, sich auf Noten sehr gut zu verstehen, mit Banknoten wissen die Herren Finanziers doch besser zu manipulircn, als der n oten festeste Cantor es versteht; — es könnte für den Cantorenvcrein nur vom Nutzen sein, wenn sich der sehr chrenwcrthe Vorstand desselben durch eine oder die andere finanzielle Kraft verstärken würde. — Wann wird die Zeit kommen, in der vielleicht in unserem Oesterreich auch der bis dato in der Idee noch kaum bestehende Rabbinerverein sagen wird: 'Nid PTPSb '338 D3 oder sind die ehrwürdigen Herren so gut situirt, daß die Existenz ihrer Familien für alle Fälle gesichert ist? oder ist das Wort „Rabbiner" mit dem Worte „Verein" nicht vereinbar? ist denn Niemand unter den Herren, der das Wort „pro ckorao" in dieser Angelegenheit ergreifen wollte? wenn man fürs galizianische Chedcr, für transatlantische Colonien, für j er u salemische Pilgerhäuscr u. s. w. Summen aufzubriugen weiß, warum nicht auch für Rabbinerwittwen und Rabbiner- Waisen? — Pravdecky. Wie», 25. October. Am 11. November sollte der Proceß Rohling gegen Bloch stattfindcn. Inzwischen hat Rohling cs vorgezogen, die Klage zurückzunehmen. Das Gericht hat in Folge dessen das Verfahren eingestellt und dem Begehren des Klägers Prof. Rohling, die Strafkostcn für uneinbringlich zu erklären oder deren gnadenweise Nachsicht in Antrag zu bringen, nicht stattgegeben. Der Rücktritt Rohlings von der Klage erfolgte ohne Zwefel, weil das Bcweisverfahren sich von Anfang an zu einem vernichtenden Verdict gegen Rohling gestaltete. Die Sachverständigen Professor Nöldcckc und vr. Wünsche erklärten, daß Rohling Werke citirt habe, die gar nicht existircn, andere mit einander verwechselt, Sätze aus dem Talmud durch Weglassung von Worten gefälscht habe, uns der hebräischen Sprache nicht kundig sei. — Sein hebräischer Lehrer „Justus" ist nach Rumänien, seiner Heimath, ausgewiesen, und hat die Absicht kund gegeben, zum Jslani überzutrcten, um sein „Kismet" zu verbessern. Schwei;. Zürich. Die „Neue Züricher Zeitung" schreibt: In Burgdorf (Canton Bern) versammelten sich vor Kurzem die Thicrschutzvcreine der Umgegend. Eine Hauptfrage bildete das bei den Juden seit undenklichen Zeiten und immer noch gebräuchliche Schachten des Viehes. Darüber referirte Secundarlehrer Zollingcr aus Langenthal, in welchem Orte das Schächten eine Zeit lang die öffentliche Meinung sehr beschäftigte, da einzelne Fälle von Thierguälercien dcnr Amtsrichter angezeigt wurden. Referent kam zum Schlüsse: Das Schächten sei eine thicrquälcnde Tödtungsmethode (wegen des Nicderwerfens und zu langsamen Aufhörens der Lebens« sunctionen) und es sei beim Großvieh einzig die Anwendung der Siegmund'schen Schutzmaske, beim Kleinvieh das Schlagen auf Gehirn oder Genick das Angemessenste. Die Begründung des Schüchtens alseine religiöse Handlung, welche gemäß Art. 50 den Schutz der Bundesverfassung genieße, habe hier keine Geltung, ivcil dieser Artikel nur die Ausübung gottesdienstlicher Handlungen innerhalb der Schranken der Sittlichkeit gewährleiste, das Schächten aber wegen der damit verbundenen Qual eine unsittliche Handlung sei. (?!) Die Versammlung beschloß, cs sei der Rcgierungsrath einzuladen, beim Großen Rath dahin zuawirken, daß das rituelle Schächten den Juden untersagt werde. (Hier thut Belehrung, Roth. Red.) . _ Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Am 20. d. Mts. wurde hier in der Dämmerstunde von 2 Strolchen ein Raubmord an dem 63jährigen Handelsmann Marcus Jeremias verübt. Die Mörder sind einige Tage darauf entdeckt und dingfest gemacht worden. Der eine hat auf dem jüd. Friedhofe Angesichts der Leiche kurz vor der Beerdigung, bei welcher Herr Rabb. Dr. Rahmer ankuüpfend an das *33 tOBlßTI lSLDv ntW X“ JHXn des laufenden Wochenabschnitts die Leichenrede hielt, ein volles Geständniß ablcgte. Stendal. «Or.-Corr.) Diese Woche starb Hierim 81. Lebensjahre Herr Georgias Salomon, ein Mann, der sich durch geineinnütziges Wirken einen Namen gemacht; er ließ u. A. de» jüd. Begräbnißplatz ans eigene Kosten mit einer Mauer umgeben, betheiligte sich beim Bau des früheren Tempels und hinterließ auch jetzt wieder zum Neubau eine bedeutende Spende. Der zu seiner Beerdigung herbcigcrufenc Rabbiner Dr. Rahmer würdigte seine Verdienste vor dem sehr zahlreich erschienenen Traucrgefolgc, unter welchem, außer Verwand tcn und der Gemeinde, die Elite der hiesigen Bürgerschaft, sowie der Herr Bürgermeister, Stadträthe und Stadtverordnete sich befanden, in angemessenster Weise. München, 21. Oct. (Or.-C.) In der heutigen Plenarsitzung, der Kammer der Abgeordneten wurde über den Antrag des