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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-10-29 · N° 44. (29.10.1885) · p. Seite 333

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 44. (29.10.1885)
Date
1885-10-29
Page
Seite 333 (sequence 5)
Language
German
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— 333 alljährlich besuchenden russisch-jüdischen Kaufleuten Herbeigeschaft. — Es bleibt nun noch zu wünschen übrig, daß die armen Ausgewicscncn allerorts, wohin sie gelangen, die gleiche Unterstützung und Förderung finden möchten,*) Mekefekd, October. (Or.-Corr.) Die Leser dieser Wochenschrift werden sich vielleicht der Corrcspondenz, betreffend das Tödten des Großviehs im hiesigen Schlachthause, erinnern. Nach den für das Schlachthaus getroffene polizeiliche Bestimmungen, darf diese Tödtung nur durch die Schlachtmaske erfolge»; aut Intervention des Vorstandes der Synagogcn- Gcmcindc wurde jedoch den jüdischen Metzgern gestattet, ihrerseits das rituelle Schlachten — Schächten — beizubehalten, Mit dieser Erlaubniß wurde indessen Mißbrauch getrieben, uidcin namentlich während der heißen Sommcrtage auch von christlichen Metzgermeistern und Gesellen das „Schächten" vorgenommen wurde, weil das Fleisch der „geschachteten" Thiere nicht so rasch in Fäulniß übergehen soll, als der mit der Schlachtmaske gclödteten. Hierüber beschwerte sich der das Schlachthaus dirigircnde Thicrarzt, weil er bei dieser Sachlage keine Ordnung halten könne. In Folge dessen forderte der Magistrat den Synagogcngeineindcvorstand aus, ihm diejenigen Personen näher zu bezeichnen, welche rcligionsgesctzlich das rituelle Schlachten vorzunehmcn hatten, indem nur diesen Personen allein das „Schächten" gciiatlet werden sollte. Durch diesen durchaus sachgemäßen Schritt der städtischen Behörde kam die Sache in das richtige Geleise, Bisher bestand hier, wie in den meisten Gemeinden Wcstfatens der Unfug, daß es keinen bestimmten „Schachet" gab, daß vielmehr das „Schächten" von den jüdischen Metzgern und deren Gesellen besorgt wurde, (oho!) ohne irgend eine Garantie für vorschristmäßige „Sch'chitah" oder „B'dikah". Diesem Uebelstande wurde nunmehr abgeholfen. Seitens des Vorstandes wurdeti zwei Gemcindemitgltcder als „Schochtim" angestellt, welche sich von qualifizirtc» Rabbinern die erforderliche Autorisation ^Kabbalah) zu verschaffen hatten. Diese beiden „Schochtim" sind d.r Behörde als die einzigen Personen bezeichnet, welche das rituelle Schlachten vorznnchmen haben. Dieselben üben auch die „B'dikah" aus und haben den Verkauf des Koscherflcischcs zu überwachen. Hierfür erhalten sie von den Metzgern, welche rituell schlachten lassen, eine von dem Vorstände festgesetzte Etitschädigutig, Es muß anerkannt werde», daß die hiesigen jüdischen Metzger sich dieser Einrichtung nicht widersctzt, sondern derselben in loyalster Weise zugestimmt haben. So hat denn die jüdische Gemeinde endlich eine Garantie erlangt, daß sie in Wirklichkeit „koscheres" Fleisch zu esse» bekommt, waS bisher leider nicht der Fall war. Wir wollen hoffen, daß dieses Verfahren bei recht vielen Gemeinden Nachahmung finden mögen Stendal, 25. October. (Or.-Corr.) Vorige Woche, am 18. d, Mts,, fand in unscrer Stadt ein seltenes Fest statt, die goldene HochzeilSfeier des Herrn M, Bamberg und dessen Ehefrau, Friederike, gcb. Warschauer; der Jubelbräutigam hat sein 80, Lebensjahr zurückgclcgt, die Jubelbraut sieht im 70; Beide befinden sich körperlich kräftig und geistig frisch, Söhne und Schwiegersöhne hatten dafür Sorge getragen, daß der 50. Jahrestag der Hochzeit ihrer Eltern zu einem wahrhaft herrlichen Jubeltag sich gestaltete, Zur religiösen Weihe des Bundes war Herr vr, Rahmer, Rabbiner auS Magdeburg, von ihnen herberufen, der in dem sinnig geschmückten Meistersaale der hiesigen Loge vor dem gewählten Kreise der zahlreichen Verwandten und Freunde in erhebender und ergreifender Weise die religiöse Bedeutung dieses Familienfesttages entwickelte und die Hauptmomente aus dem Leben des noch rüstigen Jubelpaares, das in Leid und Freud fest zu einander gestanden und nun mit Freuden die Liebe reichlich ernte, die eS, wenn auch oft mitOpfern u. unter Thränen, jedoch stets in Liebe auSgesäet habe, mit zahlreichen Gleich- Es sind bei uns mehrfach Anfragen wegen Veröffentlichung zer Ltuittnngcn über die an das Comits eingesandte» Spenden cinaegangen; dieselbe wird später jedenfalls erfolgen. (Red.) nisten aus dem Midrasch darlegte. Das Jubelpaar hat nämlich das Glück, die stattliche Zahl seiner Kinder in höchst angesehener socialer und geschäftlicher Stellung zu erblicken. Der erste Sohn steht an der Spitze der Gemeinde in Bernburg, zwei Söhne sind Inhaber des renommirten Berliner Geschäftes „Gebrüder Mannheimer", ein Sohn hat sich daS eiserne Kreuz erworben und trägt es mit Ehren, der jüngste Sohn hat jetzt die Tochter des in Berlin wohlbekannten Herrn Isaak hcsmgeführt; auch die Töchter sind an treffliche, wackere Ehrenmänner verheiralhet. Die herzinnige Liebe und Zärtlichkeit, welche Kinder und Enkel dem verehrten Jubelpaare an den Tag legten, war wahrhaft rührend; wie dieses die Krone der Familie, sind jene der Stolz und der Schmuck der Eltern und Großeltern. Der religiösen Feier, die von 3—4 Uhr mährte, schloß sich ein solennes Festmahl an, das bis tief in die Nacht hinein dauerte und neben dem ausgcwählten reichlichen Menu auch der geistigen Würze durch zahlreiche geistvolle ernste und heitere Toaste und Gesänge nicht entbehrte. Um diesem Tage ein bleibendes Denkmal im Schvoße der Stendaler Gemeinde zu errichten, habe» die Söync in echtjlldischem Geiste und ganz im Sinne des Jubelpaares eine beträchtliche Summe als Beitrag zur Errichtung eines neuen Gotieshanses Hierselbst beim Vorsteher der Gemeinde, Herrn Bankier A. Meyer, niedergelegt. So ehren Kinder in würdiger Weise ihre Eltern! Gott segne sie und lasse den Wunsch aller Theilnehmer, daß das Jubelpaar auch die diamantene Hochzeit in Kraft und Gesundheit erleben möge, in Erfüllung gehen, Hber-Jugekßeim, 29, September, (Schluß), Die Anträge, die gcsammlen Jahresbeiträge alljährlich zu verwenden, wurden, als zur Zeit und Angesichts des sich vermindernden Zinseuerträgnisses durch den Minderwerth des Geldes nicht angemessen — abgelchnt. Der Reservefond wurde hingegen auf 2000 Mark erhöht, um insbesondere nothleidenden Familien in außerordentlichen, dringlichen Fällen, auch wen» z. B, das Einkomnien nicht gemindert ist, Hilfe bieten zu können. Die Bestimmungen über BezirkScomitäs wurden als nicht rcalisirbar gestrichen und der Antrag auf Abstimmung bei den Generalversammlungen durch Delegation, als unmöglich abgelehnt. Es wurden fernerhin Beschlüsse gefaßt, die dem Vereine eine weitere Oeffentlichkeit seines Wirkens sichern sollen. Es gilt eine ehrliche Probe; warten wir ihren Erfolg ab. — Klingenstein beantragte eine Declaration, daß Bescheinigungen über Dürftigkeit u, dergl. auch von Mitgliedern re. gegeben werden können, und thatsächlich gegeben wurden, und daß nicht, wie behauptet wurde, ein behördliches Armuthszeugniß verlangt wurde. Auch das wurde als unnöthig erachtet, weil es selbstverständlich ist, daß die Verwaltung in jedem einzelnen Falle die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses zu prüfen hat und keine bindende Form hierin bestimmt werden kann und soll. Das eingeschlagene Verfahren ist stets im Interesse und zu Gunsten des Fordernden und eine Abweisung findet nur statt, wenn der Verwaltung der Beweis erbracht scheint, daß die Zubilligung den Statuten entgcgensteht. — In der Folge sollen die Generalversammlungen wieder von 5 zu 5 Jahren stattfinden und nur eine Ausnahme zu Gunsten einer Jubiläumsversammlung im Jahre 1889 gemacht werden. — In seinem Schlußworte ermahnte der Herr Präsident die Anwesenden, — und dies Mahnwort gilt auch den Abwesenden, — für die Achawa zu Hause thätig zu sein und insbesondere ihr Geschenke und Ehrenmitglieder zuzufllhren. Referent erlaubt sich dem hinzuzufügen: So lange die Achawa nicht mindestens 5000 Ehrenmitglieder zählt, haben die Mitglieder und die in großen Gemeinden einflußreichen Männer, (Rabbiner und Vorstände), ihre Schuldigkeit nicht gethan; und wir wollen hoffen, daß diese Zahl bis zur nächste» Versammlung (zum 25 jährigen Bestehen der Achawa) erreicht wird. Der Abend vereinigte die noch Anwesenden in der gastlichen Sukkoh unseres für alles Gute und insbesonder, für die Achawa jederzeit begeisterten früheren Cassirerne

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