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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-10-29 · N° 44. (29.10.1885) · p. Seite 335

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 44. (29.10.1885)
Date
1885-10-29
Page
Seite 335 (sequence 7)
Language
German
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Abg. Gabler berathen: a) daß die ordinirten Geistlichen vom Militärdienste befreit, d) daß die Candidaten der katholischen und protestantischen Theologie bereits nach sechswöchiger activcr Dienstzeit bei einem Infanterie - Regimente zur Reserve zu beurlauben seien. — Interessant war die bei der Bcrathung gegebene Erklärung des Staatsnünisters Frhr. v. Feilitzsch, datz er in dem Anträge die jüdischen Rabbinatscandidatcn vermisse, welche sich ja in der gleichen Lage befinden, wie die katholischen unv protestantischen Candidaten. Die Staatsrcgierung werde auch fernerhin, wie bereits bisher, einer Berücksichtigung der verschiedenen Geistlichen von der nach dem Rcichsmilitärgesetzc und der Ersatzordnung zulässigen Art wohlwollend gegenüberstehen. Köuigsßütte G/S- Bei den Ausweisungen, die hierüber viele Juden erginge», hat das traurige Geschick des Cantvrs und Schächters Bruder allgemeine Theilnahme erregt. Obgleich bereits 20 Jahre im Amte und auf das Beste beleumundet, wurde ihm nicht nur das amtliche Wirken, sondern der Aufenthalt in Preußen untersagt. Vater von 12 Kindern steht der unglückliche Mann ganz rath- und existenzlos da. Was soll der Acrmste jetzt in Chrzanow, woher er stammt, beginnen? Sehr hochherzig hat sich in einem analoge» Falle unsere Nachbargemcinde Kattowitz gegen ihren jüngst ausgcwiesenen Cantor und Schächter benommen. Sie händigte ihm einen sehr namhaften Betrag ein und zahlt außerdem für die nächsten 3 Monate seiner z. Z. noch in Kattowitz weilende» Frau das volle Fixum ohne jeden Abzug aus. Hoffentlich findet der Mann inzwischen einen angemessenen Posten. Aanzig Die unter dem Rabbinat des Or. Werner vereinigten vier hiesigen Gemeinde» bauen eine Synagoge, welche eine Orgel erhalten soll, die hoffentlich die Harmonie nicht stören wird. Nreßöurg. Zwei Frauen, welche wegen antisemitischer Excesie vom hiesigen Gerichtshöfe zu Freiheitsstrafen verurtheilt wurden, haben an Se. Majestät ein Gnadengesuch gerichtet. Der Kaiser hat dasselbe jedoch — abgewiesen. Aarauow (Galizien). Der hics. Gemeinderath hat zwei Jude» zu Ehrenbürgern ernannt u. zw. Herr» Alexander Kraus, der zugleich Bürgermeister von Baranow ist, „zum Beweise der Achtung und Anerkennung seiner ^Verdienste um das Wohl der Stadt", Herrn Moses Arenstcin „in Anerkennung seiner Wohlthaten, die er sowohl armen Christen als auch armen Juden zu Theil werden läßt". Farnopok. Hier starb M. Michael Perl, einer um die Cultur unserer Juden höchst verdienter Glaubensgenosse. Sein Vater, Joseph Perl, war der erste, der trotz mächtiger Anfeindungen für die Juden Galiziens Schulen errichtete, und der Sohn folgte dem Beispiele des Vaters. Petersburg. Prof. Pichno, Rcdacteur des antisemitische» „Kieblanin" wurde ins Finanzministerium berufen. Die Redaction ging an den Kiewer Univ. - Prof. Thalberg über. Hoffen wir, daß dieser Personenwechsel auch in dem Antisemitismus des Blattes Wandel schafft. Hdessa. In einer hiesigen Synagoge wurde einem „Kohcn", der zum „Duchan" ging, die goldene Uhr und Kette gestohlen, während er den TalliS überm Kopf und die Augen zugedrückt die Funktion verrichtete. Die Angst, den Kohn während des Duchan anzusehen, war dem Diebe günsüg. (Eiue schöne Gesellschaft!) Aus Kiew klagen die jüd. Soldaten, die noch größtentheils die Speiscgesctze beobachten, daß sich keiner ihrer annimmt, während in anderen russischen Städten: Buüystock, Horodno, Kowno, Dinaburg rc. für rituelle Speisung Seitens der Gemeindevertreter bestens gesorgt ist. Safed. Hier wurde ein Verein: „Jeschualh Jisrael" gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hüt: a) Pflege armer Kranken und womöglich Gründung eines Krankenhauses; b) Verwaiste und arme Kinder zu Handwerkern anszulbilden; c) eine Alter-Versorg.-Anstalt in's Leben zu rufen. Mittheilungen aus den deutschen Logen j des U. O. « B. (Unter dieser Rubrik beabsichtigen mir von Zeit zu Zeit solche Nachrichten ans den deutschen Logen des Ordens IX 0. B. B. zu bringen, die im Interesse desselben, resp. der einen oder anderen Loge, sich zur allgemeinen Mittheilung eignen. Wir ersuchen die lu. HH. Präsidenten, uns in diesem von vielen Seiten als sehr wünschenswerth ausgesprochenen Unternehmen sreundlichst zrr unterstützen und uns prägnante Berichte über gehaltene Vorträge, Aete gemeinnützigen Strebens, statistische Notizen und sonstige Anzeigen (Wechsel der Beamten, des LoealS u. dgl.) u. s. w. gesälligst zngehen zu lassen, es dürfte dies in Ermangelung eines besondern Anzeigers viel zur Förderung des Interesses" am Orden und zur Verbreitung seiner edlen Tendenzen beitragen. In ähnlicher Weise geschieht dies in den jüd.-amerik. Blättern. Wir sind auch gern bereit, den w. HH. Präsidenten eine entsprechende Anzahl yon Exemplaren, welche die „Mittheitungen" enthalten, bis Ende dieses Jahres gratis für solche Mitglieder, die nicht Abonnenten d. Bl. sind, zur Verfügung zu stellen, damit auch nicht der leiseste Druck auf dieselben beziigl. des Abonnements geübt werde. Sollte das Materiai anwachsen, so werden wir die Kosten nicht scheuen und ein dem Bedürfnisse entsprechendes besonderes Blatt diesen „Mittheilungen" widmen. Red.) Aus dem Herzogthum Posen. (Or.-Corr.) Wie in der Hauptstadt unserer Provinz, so regt sich auch in andern Gemeinden derselben das Interesse für den so edle Zwecke anstrebenden Orden der B'nai aS’riti). So ist in Ostrowo, einer Gemeinde mit ea. 500 Mitgliedern, eine beträchtliche Anzahl derselben zusammengetreten, die bereits eine Petition an die Großloge in Berlin um Errichtung einer Loge unterzeichnet und abgesandt haben. Es ist dies ein Beiveis von dem erstarkenden Selbstbewußtsein und dem innern Drange nach Selbstveredelung bei unser» hiesigen Glaubensgenossen. AusOberschlefien. (Or.-Corr.) Die Mamreh-Loge in Beuchen hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, den zahlreichen aus Beuchen O. S. und Königshiitte ausgewiesenen Glaubensgenossen eine wirksame materielle Unterstützung aus Logenmitteln zu gewähren und denselben das Unglück, das sie unverschuldet betroffen, durch Rach und That zu erleichtern. Das zur Aussührung dieses Beschlusses gewählte Comitö wird die Beihiilse der Loge voraussichtlich den bez. Gemeindevorständen zur Verfügung stellen. — Es steht zu erwarten, daß die Schwesterloge», deren Gegend von einer Ausweisung betroffen wurde, in ähnlicher Weise das Gebot der Nächstenliebe, den Opfern der Verfolgung zu Hülfe zu kommen, baldigst bethätigen werden. — Im Anschluß an die nächste Sitzung der Mamreh-L. am 4. November c. (wegen der Wahlen zum Abgeordnetenhause vom 5. verlegt» findet im Saale von Cohn's Hotel „Zum deutschen Hause" ein Vortrag deS V.-Prd. Or. Rosenthal „über eiiren jüdischen Roman aus dem 2. Jahrhundert" statt, zu welchem auch den Familienangehörigen der Schwesterlogen der Zutritt offen steht. Ein geselliges Zusammensein soll den „Familienabend" beschließen. »Siehe „Inserat".) Eleiwitz, 26. October (Or.-Corr.) Gestern beging unsere Hnmanitas-Loge das Fest ihres einjährigen Bestehens, zu welchem sich Vertreter und Gäste aus den drei Oberschlesischen Logen (Caritas, Coneordia, Mamre) in ansehnlicher Zahl eingesunden hatten. Die Feier begann mit einer Festloge, in welcher Präs. A. Stein aus die Bedeutung des Tages, der zugleich der Geburtstag Sir Moses Montefiore-s sei, hiuwies und eingehenden Bericht über die Thätigkeit des Vereins erstattete. Daraus ertheilte er dem E.-P. Br. Mattersdors zu einer festlichen Ansprache das Wort. Dieselbe handelte über die nach außen zu entfaltende Wirksamkeit des Ordens, welche darin bestehen müsse, daß die in der Loge für alles Gute gewonnenen Mitglieder, persönlich für alle edlen Bestrebungen im S t aate und in der Gemeind e einireten, während die Logen als solche ihr Augenmerk ans ein engbegrenztes Gebiet der Wvhllhätigkeit zu richten hätten, um Ersprießliches leisten zu können. Als eine des Ordens würdige zeitgemäße Ausgabe bezeichnet er die Unterstützung aller Bestrebungen, welche auf die Beförderung des Ackerbaues und des Handwerks unter den Israeliten gehen. Hieraus ergriff E.-P. Br, A. Ra hm er (Beuthen) das Wort, um sich in längerer Rede über Zwecke und Ziele de? Ordens auszulassen und seine Glllck- »viinsche auszusprechen. Nachdem noch die Glückwunschschreiben der Großloge und sämmtlicher deutschen Schwesterlogen verlesen worden waren und die anwesenden Delegirten mit herzlichen Ansprache» die Wünsche ihrer resp. Logen übermittelt hatten, schloß der Präs, mit einem Dankgebet die erhebende Feier. Das sich anschließende Festmahl, zu dem auch Nichtmitglieder zugelassen tvorde» waren, und bei welchem die hiesige Regimentskapelle konzertirte, hatte einen außerordentlichen würdigen und ansprechenden Verlauf. Dem Trinkspruche auf Se. Majestät den Kaiser schlossen sich mehrere längere und kürzere Tischreden resp. Toaste auf das Exeeutiv- Comits, die Großloge u. s. w. an. Eine von Herrn Br. Rosenthal (Beuthen) angeregte Sammlung fürs den Lei chst e nt r it t'schen Waisenhaus-Bausands ergab einen respeetablen Betrag und die Fidelitas hielt die Festseiernden bis in die zweite Morgenstunde zusammen. — Die Humanitas-Loge zählt jetzt 61 Mitglieder.

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