Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 43. (22.10.1885)
- Date
- 1885-10-22
- Page
- Seite 323 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/5369809-9586215-9584979--5939-9584982- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 328 — Die erste Jahresversammlung des Vereins der israek. Lehrer und Kuklusveamtcn des Laudrabvinats Hmdeo. Am 2. September b. Js. waren die Lehrer und Cultusbeamtcn des Landrabbinats Emden zur Gründung „eines Zwcigvercins" des Vereins der isr. Lehrer in der Prov. Hannover zusammengetreten. Hierzu veranlaßte die Thatsache, daß der im nördlichen Theile unserer Provinz wohnenden Kollegen die Konferenzen in Hannover spärlich oder gar nicht besuchten, wofür nun der neue Verein Ersatz bieten soll, genau die Tendenzen des Hauptvereins verfolgend und mit diesem Hand in Hand arbeitend. Die diesjährige erste Generalversammlung, zu welcher außer dem Ehxenmitgliede, Herrn Landiabbincr Dr. Buchholz-Emden, dem Schulvorstandsmitglicde Herrn Valk- Emden und Herrn Nordheimer-Fürth (als Gast) 18 Mitglieder erschienen waren, fand am 2. September zu Emden in „Nordheimer's Hotel" statt und wurde morgens 9'/, Uhr durch den Vorsitzenden Herrn Levy-Norden mit herzlichen Begrüßungswvrte» eröffnet, in welchen derselbe, anknüpfend an das Wort: „Schließ an ein Ganzes Dich an!" zu innigcm Zusammenhalten ermahnte und als Bürgschaft für den Bestand des junge» Vereins den Spruch: Aboth 4,14 anführte und deutete. Hierauf hielt Herr L.-R. Dr. Buchholz eine längere, eben so herzliche, wie gehalivolle Ansprache, in welcher derselbe der noch »ich: nach allen Seiten hin gewürdigten Stellung des Israel. Lehrers Ausdruck gab und, auf die Gelehrtenschulcn im alten Israel hinweisend, zeigte, wie die Lehrer geistig und materiell sich aneinander schließen und sich selbst heben müßten. Die Versammlung gab diesen kernigen Worten durch Erheben von den Sitzen ihren Beifall zu erkennen. Be! Erstattung des Jahresberichtes gedachte der Vorsitzende zunächst des Heimgegangenen College» Wieluner-Norden, dessen Andenken die Versammlung durch Erheben von den Setzen ehrte und theilte alsdann nach der Rechnungsablage mit, daß seinerseits ein Gesuch an den D.-J. Gemeindebund um eine Beihilfe zu den Kosten der Konferenz gerichtet wurde, von diesem aber abgelehnt worden sei. Herr Dr. Buchholz hielt es jedoch für zweckmäßig, den Verein aufmerksam zu machen, unter nochmaliger, genauer Begründung und Darlegung der Thatsache, daß unser Verein nicht zu den kleineren zähle und sicher bald einen kräftigen Zweig am Baume des isr. Vereinswesens bilden würde, ein zweites Gesuch an den Gemeindebund zu senden. Die vom Herrn Laudrabbiner, während der Konferenz, hierzu entworfene Begründung wurde einstimmig angenommen.*) Es folgte nunmehr der zweite Punkt der Tagesordnung: Vortrag des Herrn Levy-Norden über das Thema: „Der Unterricht in der biblischen und nachbiblischen Geschichte in den verschiederen Abtheilungen der ein- und zweiklassigcn jüdischen Schule". Derselbe währte 1'/. Stunden und war aus der Einleitung gestützt auf die Schriftworte: „Gedenket der Tage der Vorzeit rc." schon zu ersehen, mit welcher Liebe und Begeisterung der Vortragende sich seiner Aufgabe hingegeben. Unter sich steigernder, gespanntester Aufmerksamkeit wurde der ganzen Ausführung gelauscht und schloß Redner unter anerkennendem Beifall der Versammlung. Ich darf von einer kurzen Darstellung des Vortrags hier abschen weil derselbe auf speciellcn Wunsch des Herrn Dr. Buchholz und der Versammlung demnächst weiteren Kreisen durch den Druck zugänglich geniacht wird. *) Es würde unseres Erachtens den: neuen Verein zur aräben Ehre gereicht haben, wenn er sich unabhängig vor» dem G -5 hingestcllt und, nachdem der G.-B. ihm den jedem andern isr. Lehre verein bewilligten^ kleinen Reisezuschuß verweigert hatte, es unter sein Wurde gehalten hatte, zum zweiten Male darum — anzusuchen. Au ^?c. andem Lchrervereinc würden ihren Stand mehr ehren, wenn s ^l Un'er,tudung zurückwiesen und auf eigenen Füßen ständen. 5 welche Abhängigkeit sie durch die Annahme solcher Uritcrstützunasoeld gerathen, konnten wir an mehr als einem Beispiele dcnionstriren. (Red Unter Vorsitz des Herrn de Vries-Weener ging man nun an die Berathung der vom Referenten aufgestellten Thesen, welche nach lebhafter Debatte, an welcher sich besonders die HH. Landrabbiner Dr. Buchholz, Blumenthal und Rosenthal-Emden, de Vries, Israel-Norden und der Unterzeichnete betheiligten, nach kleinen Aenderungen ebenso wie der vorgelegte, auf 8 Schuljahre berechnete „Lehrplan" von der Versammlung angenommen. Die Thesen lauten: 1. Ter Unterricht in der biblischen und nachbiblischen Geschichte nimmt im Religionsunterrichte der israelitischen Schule aus pädagogischen und religiösen Gründen die hervorragendste Stellung ein. 2. Der Unterricht in der biblischen und nachbiblischen Geschichte soll: a) Mittel sein zur Bildung des religiösen Sinnes und zur Veredlung des kindlichen Herzens, b) das Kind mit der Geschichte Israels bekannt machen und dadurch Liebe zu Gott, zum Judenthum, zum Vaterlande, zum Herrscherhause und zur gesammteu Menschheit erwecken und fördern. 3. Der biblische und nachbibl. Geschichtsunterricht der ein- und zweiklassigcn isracl. Schule erstreckt sich auf a l l c Schuljahre und umfaßt in beiden Schulsystemen _ für die Unterstufe einen zweijährigen concentrischen Cursus (von der Schöpfung bis Moses Tod) und in der einklassigen Schule für die combinierte Mittel- und Oberstufe (in denen die Geschichte bis zur Gegenwart behandelt werden muß) dreijährige Curse. Dagegen bilden in der zweiklassigen Schule die Mittelstufe (3. und 4. Schuljahr) eine besondere Abtheilung mit zweijühr. Cursus, reichend bis zum Untergang des erste» Tempels, während für die erste Klasse (5. 6. 7. und 8. Schuljahr) die biblische Geschichte in zweijährigen Cursen, die nachbiblische Geschichte aber in einer besonder» Stunde und auch in je zwei Jahrgängen durchzunehincn ist. 4. Was die Methodik betrifft, so hat der Lehrer die biblische Geschichte auf allen Stufen und zwar in der Unterstufe in einer dem Fassungsvermögen der Kinder angepaßten und auf der Mittel- und Oberstufe in einer dem Bibelwortc sich anschließenden Ausdrucksweise vorzuerzählen. Nach dem Vorcrzählcn folgt auf der Unterstufe die nochmalige Vorführung der einzelnen Abschnitte und auf allen Stufen durch Abfragen Wiederholung des Inhaltes und Entwickelung der ethischen Lehren und religiösen Wahrheiten, welche möglichst in einen Bibel- oder Talmudspruch zu kleiden sind und hierauf Wicdererzählen seitens der Kinder. Die Behandlung der nachbiblischen Geschichte erfolgt nach den beim allgemeinen Geschichtsunterrichte geltenden Pädagogischen Regeln in abgerundeten Einzelbildern, in welchen die Handlungen, vie kulturhistorischen Zustände und die ethischreligiösen Züge vertreten sein müssen. 5. Für den biblischen und nachbiblischen Geschichtsunterricht ist den Schülern der Mittel- und Oberstufe ein Leitfaden in die Hand zu geben. 6. Die Herausgabe eines Lehrbuches zum biblischen Geschichtsunterricht, für den Handgebrauch des Lehrers bestimmt, ist ein dringendes Bed ü r f n i ß. (Es existirt eines von Feilchenfeld-Schwerin i. M. R.) Die Thesenberathung wurde durch eine anderthalbstündige Pause unterbrochen, während welcher das gemeinschaftliche Mahl stattfand. Den ersten Toast bei demselben brachte der Vorsitzende auf den Kaiser, wonach eine ganze Reihe anderer ernsten und heitern Inhaltes folgten, von denen insbesondere der des Herrn Roscnthal zu erwähnen ist, der den Herrn Landrabbiner als den Protektor der Lehrer feierte. Nach dem Tischgebete wurde der übrige Theil der Thesen vorgcnommen und es kam nun der Hl. Punkt der Tagesordnung an die Reihe: Anträge. Hiervon ist nur zu erwähnen der Antrag des Unterzeichneten Schriftführers, bei dem Königlichen Staatsministerium nachzusuchen, die israel. Lehrer in der Provinz Hannover betreffs der Dienstalters-