Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-10-08 · N° 40-41. (8.10.1885) · p. Seite 310

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 40-41. (8.10.1885)
Date
1885-10-08
Page
Seite 310 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5369809-9586215-9584959--5922-9584965
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1V, Uhr begann in dem größeren Raume der in dem Seminargebäude eingerichteten Lehrcrwobnung das Festessen, an welchem gegen 40 Personen theilnahmen. Die Speisen waren in der Scminarküche bereitet. Das Mahl, bei welchem es an Toasten nicht fehlte — der erste wurde vom Präses Blumcnfeld auf den Kaiser ausgebracht — nahm einen sehr angeregten, muntern Verlauf, Nach Beendigung desselben fand eine von der Gemeinde Münster veranstaltete Bewirthung der jüdischen Elcmentarschülcr der Gemeinde- und Seminarschulc mit Kaffee und Kuchen und eine Vcrloosung von Spielsachen unter die Kinder in denselben Räumen statt. Den Schluß bildete des Abends eine mit Musik, Tanz und Aufführen einiger Theaterstücke abwechselnde Feier in dem großen Saale des zoologischen Gartens, an welcher Feier sich eine größere Anzahl Damen und Herren bethciligten. Das ganze Fest verlief, begünstigt durch gutes Wetter, in schönster Weise. Die Thcilnehmcr werden sämmtlich einen recht günstigen Eindruck von demselben empfangen haben, vor Allen» hcrvorgcrufcn durch die Uebcrzeugung, daß hier ein gutes und segenbringendes Werk hergcstcllt ist, das durch seine prunklose, aber geschmackvolle Einfachheit und durch feine vorzügliche praktische Ausführung Jedem imponirt. Möge das schöne, gemüthlichc Heim stets tüchtige Lehrer und eifrige, fleißige Schüler beherbergen. Aus Aaffau, (Or,-Corr,) Am 20, September fand in dem in Baiern belcgenen und feit 1866 dem früher» Herzog Adolf von Nassau gehörigen Schlosse Hohenburg die Vermählung des Erbgroßherzogs von Baden mit der Prinzessin Hilda von Nassau statt. Einige nassauischc Städte, die als frühere Residenzen oder sonst dem Herzog besondere Anhänglichkeiten bewahrten, haben diese Vermählung zwischen der Prinzessin ihres angestammten Herrscherhauses und dem Enkel Sr, Majestät des Kaisers mit ganz besonderer Freude begrüßt, weil bisher ihre Anhänglichkeit an den Herzog mit ihrer guten deutschen Gesinnung in Widerspruch zu stehen schien. Jetzt ist Hoffnung vorhanden, daß zwischen dem Herzoglichen und dem Kaiserlichen Hause eine Aussöhnung zu Stande kommen werde, zu welcher die gen, Vermählung den ersten Schritt zu bilden scheint, — Die dem Herzog besonders anhänglichen Städte haben ihren Gefühlen durch Ueberreichung besonderer Geschenke Ausdruck gegeben, und zu diesen Städten gehört auch das Städtchen Weilburg, welches früher Herzogliche Residenz war. Das Geschenk Weilburgs, bestehend in einem kunstvollen silbernen Tafelaussatz, wurde, nach Beschluß der Gcsammtbürgerschast, von einer Deputation dem Herzog überreicht. Diese Deputation, die vom Herzog sich des freundlichsten Empfangs erfreute, bestand aus dem Bürgermeister, dem ersten Pfarrer der evangelischen Kirche und unserem Glaubensgenosse», dem langjährigen Stadtrath von Weilburg, Herrn Rudolf Herz. Es gereicht uns dies zu um so größerer Freude, als es sich hierbei in der That nicht um eine particulariüische. sondern um eine wahrhaft deutsch-patriotische Kundgebung handelt. Es ist die Verbindung mit dem Enkel des Kaisers, welche die Vermählung der Prinzessin Hilda zu einer so hocherfreulichen für unser Ländchen macht, und wo es sich um den Ausdruck deutsch-patriotischer Gesinnung handelt, ist uns die Aktivität eines Glaubensgenossen doppelt erfreulich, Karlsruhe in Baden, (Or.-Corr.) Für so manchen Leser d. Bl. dürfte die Notiz nicht ohne Interesse sein, daß unserem greisen, hochverehrten Oberrath Herrn Rabbiner B. Willstädter seitens des erlauchten Großherzogs die seltene Auszeichnung zutheil wurde, zum zweiten Mal in verhältnißmäßig kurzer Zeit mit einem Orden geschmückt zu werden, in Anerkennung seiner persönlichen Verdienste um Schul- und Cultuswesen, zugleich als Ausdruck des Wohlwollens und der Gunst, deren er sich bis in die Hvfkreise hinein zu erfreuen hat. Seit 18 Jahren bereits besitzt derselbe das Ritterkreuz 1, Klasse und hat nun die in diesen Tagen veröffentlichte Ordeusliste ihm auch noch das Eichenlaub dazu crthcilt. Besondere Erwähnung verdient cs, daß das Begleitschreiben des zuständigen Ministerialchefs ihm in einer Art vertraulicherKorrespondenz noch besonders denAusdruck freudiger Genugthuung über die ihm erwiesene Auszeichnung übermittelt. Unwillkürlich drängt sich hier der Vergleich mit anderen Ländern auf, wo man mit den Brosamen bürgerlicher Toleranz schon zufrieden sein muß und die Ertheilung eines Ordens auch der untersten Klasse als das Höchste anzusehen sich gewöhnt hat, dessen man sich von oben bei Verleihung besonderer Auszeichnungen zu versehen hat. Anläßlich der Vermählung des Erbgroßherzogs von Baden werden auch Vertreter des Oberraths und des Stadt-Rabbinats in besonderer Audienz zur Uebcrbringung von Glückwünschen empfangen. Möge es dem Ordcnsempfängcr gegönnt sein, noch recht lange in ungebrochener Geistes- und'Körpersrische sich der wohlverdienten Auszeichnung zu freuen, Badens israelitische Gemeinden aber werden es ihrem Fürstenhause allezeit dankbar zu verzeichnen haben, daß cs wahrhafte Gleichschätzung alle» unter seinem Scepter lebenden Confessionen angedcihen zu lassen weiß, Weilbnrg, Die Orig-.Corr, aus Hessen in Nr, 38 d, Z, enthält zum Schlüsse folgenden Passus: „Warum tadeln diese Herren nicht, daß bei der Berliner Schulmänner- Vcrsommlung.einer sogar laut Protvcoll (S, 11) verlangt, hebräisch Lesen soll nach ber Schreiblesemcthode erlernt werden, „Welcher Lehrer lacht da nicht!" — Ich habe den Muth, trotz der Drohung Ihres Herrn Correspondenten, hier offen zu sagen: ich lache nicht! Vielmehr erkläre ich, daß wenn es bisher noch nicht gelungen ist, die Vorthcile der Schrciblcscmethodc für das Hebräische zu vcrwerthen, es als ein pädagogisches Desiderium unserer Rcligionsschulc betrachtet werden muß, die Schrciblcscmethode zu ermögliche». Es elscheint^ dies als unmöglich, weil Hebräisch eine fremde, dem Kinde nicht bekannte Sprache ist, während die Schreiblesemcthode zur Voraussetzung hat. daß das Kind das zu Schreibende verstanden hat. Bei einer fremden Sprache erscheint diese Methode keine Erleichterung, sondern eine Erschwerung der kindlichen Auffassung, indem das Kind neben der Form der Schrift auch noch den Laut des Wortes merken muß. Allein Ziller hat für das Griechische, für Kinder von 7—8 Jahren, diese Schwierigkeit zu überwinden gewußt, u, z. indem er an den Namen der griechischen Heroen schreiben und lesen lehrt. Dasselbe könnten wir auch für das Hebräische, Ich habe es selber versucht, u, z, mit den eigenen hebräischen Namen der Kinder, ihrer Eltern, Geschwister rc, und hwe damit überraschende Resultate erzielt. Versucht man cs mit den Namen der biblischen Geschichte, so werden die Resultate wohl noch erfreulicher sein, denn nichts ist geisttötender als unser bisheriger Fibel-Unterricht, Auf diese Weise könnten auch die Vorthcile der Normal-Wörtermethode für das Hebräische erschlossen werden. Ja, ich denke daran, die Namen der jüdischen Feste als Schreiblese- Material zu verwertheii. Es würde mich sehr freuen, wenn die Herren Lehrer durch diese Anregung es in dieser Weise versuchten, und die Güte hätten, über das Resultat ihrer Versuche öffentlich oder mir privat Bericht zu erstatten. Sie würden mich zu lebhaftem Danke verpflichten, da ich die Absicht habe, nach diesen Gesichtspunkten und mit diesem Material eine Schreiblesc-Fibel für den Schulgebrauch zu bearbeiten. — Um Mißverständnissen vorzubeugen, bemerke ich, daß ich bei dieser Schreiblese-Methode natürlich nicht an die Cursivschrift, sondern an die Quadratschrift denke. vr, I. Golds chm i dt-Weilburg, Lesterreich-Ungarn, Aus Nrag berichtet die „Neue Pester Zeitg,", Ein gewisser R., der von seinen Renten lebt, hatte eine christliche Wirthschaftcrin, die ihn mehr als 30 Jahre, auch in Fällen schwerer Krankheit, pflegte. Kürzlich machte er ihr den Vorschlag sie zu hcirathen, wenn sie Jüdin würde. Sie besann sich nicht lange, nahm beim Oberrabbincr Hirsch Unterricht in jüd. Religion, wurde Jüdin und Oberrabbincr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.