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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-10-08 · N° 40-41. (8.10.1885) · p. Seite 307

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 40-41. (8.10.1885)
Date
1885-10-08
Page
Seite 307 (sequence 3)
Language
German
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ästhetischer Gestaltung des Gottesdienstes, sowie des Cultus überhaupt, eine Vertiefung in die Bildung der Zeit nicht minder, wie eine ernste Versenkung in den reinen Geist des Judenthums zur Folge gehabt. Es galt, den Beweis zu erbringen, dag Wissenschaft und Religion, Schule und Synagoge sich im Judcnthume nicht ausschlichen und abst o h e », sondern ergänzen und beleben, Branche ich erst darauf hinzuweiscn, daß dieser Beweis schon längst und zwar in glänzender Weise geliefert worden ist? Sicherlich nict,t. Wie zu allen Zeiten, so schlt es Gottlob auch in der Gegenwart an Männern nicht, die auf der Höhe der Wissenschaft stehen und deren Denken und Fühlen doch dem ewig reinen Quell des Judenthums cntsprmgen, Nicht zum geringsten Theile sind cs Männer, welche die Segnungen der öffentlichen Einsegnungsfeier bereits an sich selbst erfahren, — Daß aber heute ein wirkliches Bedürfnih für diese Feier vorhanden ist, beweist u, A, der Umstand, daß eine der größten jüdischen Gemeinden, nach einer Pause von 27 Jahren, die Confirmation wieder cingcsührt hat. Der selige Mannheimer hatte es bereits gewagt, in der Großgcmeinde Wie» alljährlich die Jugend beiderlei Geschlechts in der Synagoge zu cvnfirmircn und zwar, wie es bei einem solchen Redner, und Lehrer von Gottes Gnaden nicht anders zu erwarten war, zur größten Erbauung der Gemeinde, Vor zwei Jahren nun ist von der dortigen Cultusverwaltung der Beschluß gefaßt worden, die Confirmation in ihr früheres Recht wieder einzusetze» und so haben sich denn die beiden Gemeinde-Rabbiner und Prediger (bic Herren Dr. Jellinck und Dr. Güdcmann) gern dazu gefunden, sowohl den vorbereitenden Unterricht vvrzunehmen, als auch die öffentliche Feier in der Synagoge abzuhalicn, Der Eindruck, welchen die Handlung in den beiden Synagogen auf die Zuhörer gemacht, soll geradezu ein gewaltiger gewesen sein. Das ist'S aber auch, was diese» Akt noch zu einem besonders hochwichtigen für die Gemeinde selbst macht. Das lebendige Wort der Belehrung, gerichtet an die israelitische Jugend, cs soll auch auf die „Alten", auf die ganze Gemeinde wirken, — Es ist traurig, ober leider gar zu begründet, daß cs in unserer Zeit mehr denn je noth thut, der großen Masse der Bekenner unserer Religion die ewigen Wahryeiten derselben immer wieder in's Gcdächtniß zu rufen, Wohl kann dies auch durch die Predigt, zumal wenn sie die rechte populäre Form bat, in wirksamer Weise geschehen, allein die Feierlichkeit der Confirmations-Handlung, die festliche Stimmung, der Hinblick auf die versammelte Jugend und der unwillkürliche Rückblick auf die eigene Jugendzeit, dies Alles sind Momente, die einen nachhaltigen Eindruck aus Herz und Gemüth zu machen geeignet sind, Darum ist es eine arge Verkennung unseres Zeitgeistes, unserer heutigen Denk- und Gcfühlswcise^ wen» man glaubt, im Namen oder gar zur Ehre des Judenthums gegen die Confirmation auftreten zu müssen. Freilich kommt es sehr wohl darauf an, wie die Lehrer unserer Religion und die Leiter unseres Gottesdienstes die Sache behandeln. Vieles ist von der pädagogischen Einsicht und Geschicklichkeit und wohl auch vom Geschmacke abhängig. Die Einen legen auf die Aneignung recht vielen Stoffes, ohne in den eigentlichen Lchrinhalt der Religion cinzudringen, ein besonders großes Gewicht; die Andern, die den Bildungsgrad und die Fassungskraft ihrer Schüler überschätzen, würzen ihren Unterricht mit philosophischen Phrasen, die meist unverstanden bleiben; wiederum Andere erstreben vor Allem die Erkenntniß der wichtigsten religiösen Lehren u, s, f. Auch giebt es Rabbiner und Religionslehrer, die den Confirmaiionsact nicht lange genug ausdehnen können und so der Weihe desselben Abbruch thun. Der goldne Mittelweg ist auch hierbei der richtige. Verschließen wir uns doch nicht gegen die Zeitströmung, suchen wir ihr nach Möglichkeit gerecht zu werden, so wird auch die Religion dabei gewinnen! Darum habe ich in der dritten These mir erlaubt, die Confirmationsfeier zu präcisiren und darin sä d gesagt, daß eine eigentliche und umfassende Religionsprllfung nicht in die Synagoge gehört. Nur einige wenige Fragen, welche die Hauptlehrcn betreffen, sollten an die Confirmandcn gerichtet werden, wogegen ein gründlicherer Ausweis über den empfangenen Religionsunterricht derselben durch die Schule d, h, durch die Schulprüfung geliefert werden könnte, wie das am Orte meiner Thätigkeit mit Erfolg geschieht. Sodann halte ich es für zweckentsprechend und ersprießlich, die Confirmation innerhalb des Gottesdienstes zu legen und als Tag den ersten Schab« oth, wie dies ja ebenfalls in vielen Gemeinden bereits Gebrauch geworden, fcstzuhalten. Der Grund liegt auf der Hand, Es ist der Tag, an welchem unsere Väter am Sinai das göttliche Gesetz empfingen, — Heil dem Lehrer unserer Religion, dem cs gelingt, der zum öffentlichen Religionsbekenntniß in's Gotteshaus geführten Jugend diejenigen Empfindungen, Gefühle und Gesinnungen einzuflößen, von denen unsere Vorfahren am flammenden Gottesberge erfüllt waren! Ja, meine Herren, die Flamme der Begeisterung für unsere Religion in das Kinderherz zu tragen; daß es fllr'S ganze Leben erwärmt und durchglüht bleibe, das ist unser heiliger Beruf, in dem wir leben und sterben wollen. Denn die ewigen Gottesgesetze sind für Israel das hehre Himmelszeichen, in dem es siegen wird, siegen muß! II, Thesen zu „HonKrmalion", 1, Die Confirmation ist eine aus den veränderten Zeit- und Bildungsverhältnisscn hervorgcgangcnc, ebcnjo berechtigte wie heilsame Jnstilunon, deren allgemeine Einsührnng in die Synagoge anzustreben ist, 2, Zur Theilnahme an dem vorbereitenden systematischen, das gesammte Gebiet der jüdischen Rcligionslehre umfassenden Unterricht sowohl, als auch zur öffentlichen, alljährlich am ersten Tage desSchabuoth nachdem Vvrlesen auS der Thora stattzuhabenden Einsegnung sind Knaben und Mädchen, nicht unter dem dreizehnten Lebensjahre, anzuhalten, 3, Gegenstand der Confirmationsfeier ist: a) Predigt mit ermahnender Ansprache an die Cvnfirmandcn. d) Kurze katechctische Prüfung in den Grundlehren der jüdischen Religion, c) Allgemeines Glaubensbekenn tniß, das zugleich ein feierliches Versprechen des treuen Festhalten» sowie der steten lebendigen Anhänglichkeit an der Religion der Väter enthalten foll, ä) Vertheilung von Gedenkblättern mit passenden Sinnsprüchen aus Bibel, Talmud oder aus dem sonstigen jüdisch-religiösen Schriftenthume. e) Der übliche Priestersegen mit begleitendem Amen der Gemeinde, f) Chorbezw. Gemeinde-Gesang in der Landessprache vor und nach der Feier. 4, Der Segen der Eltern während des Aktes in der Synagoge, namentlich größerer Gemeinden, ist auszuschließen. 5, D ie Schaffung einer allgemeinen Bekenntnißfarmel ist ein dringendes Bedürfniß, (Wir stellen hiermit die Thesen des Herrn Jacobsohn, sowohl die in vor, Nr. mitgetheilten über „Bar Mizwa“ als auch die vorstehende über „Confirmation"zur öffentlichen Debatte und ersuchen Rabbiner und Lehrer das Wort darüber zu nehmen, denn wie eingehend und warm Herr Jacobsohn den Gegenstand in seinem schätzenswcrthen Vortrage behandelt hat, so läßt sich von Männern der Praxis über den einen oder den andern Punkt noch manches Ergänzende oder auch Differirende Vorbringen, Wir selbst haben z.B.gegen die vorstehenden Thesen 2 und 5 so Manches cinzuwenden, und betreffs der

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