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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-09-23 · N° 39. (23.9.1885) · p. Seite 319

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 39. (23.9.1885)
Date
1885-09-23
Page
Seite 319 (sequence 7)
Language
German
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— 319 — erwirbt sich der Mensch die Unsterblichkeit?" gedachte Herr Rabbiner Or. Rahmer im Schlußtheile, der das Erwerben eines „guten Namens" als Hochziel hiniedigen Lebens und Strebens hinstellte, (unter Anwendung des herrlichen Midrasch *1« ir "fm .dviö^i d’ti1? nSw Dito Dir obl5,1) des unsterblichen Sir Moses Montefiore ^"indessen ganzes Leben die Wahrheit des angeführten Midrasch bestätigte, und der jedem Israeliten als Vorbild vorschweben möge. Aernvurg. (Or.-Corr.) Herr vr. Flaschner aus Burgkunstadt, der seine rabbinische Ausbildung am jüd. theol. Seminar zu Breslau erhalten, ist zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Kaff«!. Unser tüchtiger Gcmcindevorstand ist in Folge eingetrctener Zerwürfnisse mit dem Vorsteheranite zum Bedauern der Gemeinde — zurückgctrcten. Zülj (Oberschlcs.) Der hies. nichtnaturalisirte jüd. Cultusbeamtc ist zum 1 Oktober ausgewiesen, und muß schon jetzt sich aller Funktionen enthalten. Stuttgart, 16. Scptbr. Sr. Majestät der König hat der Israel. Waisenanstalt in Eßlingen auch Heuer wieder eine Gabe von 175 Mk. anläßlich der Uebcrreichung des Jahresberichtes zukommen lassen. I» Wien gicbt's jetzt 3 in jüd. Volksthümelei machende Vereine und die Herren Brüser brauchen auch Schwestern — ein „Damcnverein" soll sich bilden. Mirjam und Deborah, auf die sie sich berufen, haben keinen Vereinen angehört, (älulisr taceat etc. ist schon eine alte Forderung.) Lemberg. Das durch die Wiener Alliance unterstützte Central-Chcder bewährt sich vorzüglich. Dieselben Knaben, die ein Blatt Talmud „schön" kennen, sprechen und singen und schreiben richtig polnisch und deutsch. — In Zollecow sind die Privatshnagogen auf Anordnung der Behörden geschlossen worden. — In Tarnop ol wird das Hinscheiden des Oberlehrers Michael Perl sehr betrauert. Mrody. Die Wiener Alliance hat hier eine Talmud- Thora für arme Kinder eröffnet, in welcher auch Deutsch, Polnisch und Rechnen gelehrt wird. Dieselbe war von 90 Schülern besucht, bis der Zaddik von Belz (der richtige Zaddik im Pelz!) herkam, ein Machtwort gegen die Schule that, sodaß jetzt mit Mühe und Roth 61 da sind, von denen 50 in eine höhere Klasse versetzt wurden, 11 zurückblieben. Die mit Lob Versetzten erhielt je 1 Paar Schuhe und einen Gulden, die Versetzten je 1 Paar Schuhe und */, Gulden, die Sitzengebliebenen den % Gulden allein (Hierbei sei bemerkt, daß Ihr Lcitartikelschrciber über die Alliance über die Sprache ber polnischen Ausgewiescnen schlecht unterrichtet ist. Nicht 5% derselben sprechen polnisch. Mehr als 50°/, sprechen reines Deutsch, die kleinere Hälfte jüdisch-deutsch!). Saris. Wegen den so früh fallenden Feiertagen sind in den Badeorten, wie in den für den Landaufenthalt beliebten Ortschaften der Unigcgend zeitweilige Oratorien errichtet worden, wie in Enghien, Sevres, Chaton, Saint Mande re. — Herr Lyon Caen, Prof, an der jurist. Fakultät, ist hier mit der Vertretung Frankreichs beim Consulat für Handelsrecht in Antwerpen beauftragt. In Marseille (wo die jüd. Bevölkerung 1°/, beträgt) war unter 700 Choleratodesfällen nur 1 jüd. Leiche. Ein fremder Jude, der erkrankt war, wurde geheilt. In London wohnen jetzt ca 30000 russ. Juden, von denen die meisten als Schneider arbeiten, 15—18 Stunden täglich (Frauen 14 Stunden) für 2—4 Mark. Nur wenige Auserwählte kommen auf 40 M. die Woche — aber die Arbeit hält nicht das ganze Jahr an. Sie werden so ausgenützt, weil sie mit dem kleinsten Lohn zufrieden sind, wenn sie nur Sabbalh und Feiertage ruhen dürfen! Etwa 4000 von ihnen sind Schuhmacher, für die häufiger Arbeit zu finden ist. Viele arbeiten in Waterproof - Fabriken (eine sehr gesundheitsschädliche Arbeit) oder Pelz- und Filzfabriken. Auch bessere Handwerker finden sich unter ihnen, wie Uhrmacher. Die engl. Arbeiter sehen nicht gerade liebevoll auf diese ungebetene, billige Concurrenz herab. Kuglaud. Die Bedfordshirer „Times" fordert die Juden auf, allgemeine Meetings zu veranstalten, um das ganze englische Volk für die rumän. Juden zu intercssiren. Nur vom Volkswillen getragen, könne und müsse ein engl. Minister kräftig auftrcten. Wirmingyam. Die HH. Meyer und Sohn hier haben eine Montefiore-Feder in den Handel gebracht. Sie trägt das Porträt des Baronets und die hebr. Worte pISJC D'Stm1 („Stift Jerusalems.") In Kiew hat sich ei» gewisser Rubinstein als Apostel des Rabbinowitsch von Kischinef aufgethan, der schon fünfzehn Familien zum Uebertritl in's neue Israel verlockt haben will. In Slousk wünscht der Gubernator Tscherkassow eine gr. kathol. Kirche. Von allen Seiten regnet es Spenden dazu. Die jüd. Gemeinde stellt voran (was ssagt Rohling und die Bonifaciusdruckerei nebst Anhang dazu?) und geht sogar so weit, daß sie den nöthigen Baugrund kauft und schenkt; dazu noch 1000 Rubel für die Glocken! Der erbliche Ehrenbürger Kvppelmann giebt 300 Rubel, schenkt aus seiner Fabrik alles nöthige Eisenwerk, sowie die Kreuze, Säulen und Treppen! Minsk. Frau Sara Sichowsky kaufte ein baufällig gewordenes Gebäude am alten Markte, ließ es aufbauen und gab allen darin Geschäftslocale in Erbpacht Habenden diese Läden für kleine Ratenzahlungen als Eigenkhum. Auf dem Hofe des Gebäudes ließ die edle Frau ein Beth hamivrasch bauen, in welchem sie einen Gelehrten auf ihre Kosten lernen und einen andern Hagadavorträge halten läßt. In Hdeffa hatten Diebe am letzten Rosch-haschono-Fest unter den Fenstern einer Synagoge ein Bündel Stroh angezündet, so daß der Rauch durch die offenen Fenster der Franen-Gallcrie eindrang. Der lllinde Feucrlärm rief eine große Panik unter den Frauen hervor, alles stürzte nach den Ausgängen, viele wurden zu Boden geworfen, eine Frau erdrückt, die meisten aber im Gedränge von den Strolchen ihrer Schmuckgegenstäude (goldene Uhren, Ketten, Ohrgehänge) beraubt. ßonftantiuopek Wie der „Pol. Corr." mitgetheilt wurde, schwebt zwischen den Vereinigten Staaten und der Pforte eine diplomatische Differenz. Der Gouverneur von Jerusalem hat von dort mehrere amerikanische Juden auf Grund der Verordnung, welche die Niederlassung ausländischer Juden im ganzen Reiche, mit alleiniger Ausnahme Jerusalems, gestaltet, ausgewieseu und die Pforte, bei welcher der amerikanische Gesandte Mr. Cox diescrhalb protestirte, hält diese Maßregel aufrecht. Mr. Cox macht jedoch geltend, daß die Regierung der Vereinigten Staaten die Rechtsverbindlichkeit der erwähnten Verordnung nicht anzuerkenue» vermögen, weil dieselbe sich im Widerspruch zu ihrer mit der Türkei abgeschlossenen Convention befinde, kraft deren allen ihren Bürgern ein absolutes Niederlassungsrecht in der Türkei zugesichert worden ist. Konfiantinopek Ein Verein von Sephardim hat einen Klub gebildet, um sich im Türkischen zu befestigen. Es darf nur türkisch gelesen und gesprochen werden. Das ist der erste Ansturm gegen die Lingua franca. Auf Befehl des Sultan sind alle Einwande gegen die Erbauung einer Synagoge für öslerr. Juden hier fallen gelassen worden. Bombay. 12000 Juden wohnen in britisch Indien, davon die Mehrzahl hier. Jerusalem. Den Vorwurf, daß wohlhabende und in Ansehen stehende Rabbiner den Missionsarzt consultiren, weil er umsonst zu haben ist, »erstarkt ein Corr. des „Hameliz" noch damit, daß außerdem von den Hilfsgcldern das Fett abgeschöpst und von jüd. Vereinen, damit ihnen nicht in die Karten geguckt werde, christl. mit der Mission in Verbindung stehende Aerztc angcstcllt werden.

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