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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-09-23 · N° 39. (23.9.1885) · p. Seite 314

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 39. (23.9.1885)
Date
1885-09-23
Page
Seite 314 (sequence 2)
Language
German
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— 314 — Religion und Philosophie, beides sind Seelcnthätigkeiten, Thätigkcitcn des Geistes, Denklhätigkeit, deren Inhalt bei der einen, wie bei der anderen ideelle Gedanken sind. Ihr Stoff besteht nicht aus Anschauungen oder Vorstellungen, auch nicht aus Begriffen gewöhnlicher Art, sondern aus Idee», Ue der sinnlich ein. Beide wollen das Verlangen des denkenden Menschcngcistes nach Eikenntnis; des Uebersinnlichcn befriedigen, sowohl in Beziehung auf das Missen, als auch in Beziehung auf das Kßun. Sic sind aber hinsichtlich ihres Verfahrens wesentlich verschieden und in mancher Beziehung sogar entschiedene Gegensätze. Wir müssen uns diese Verschiedenheit und zwar zunächst in Beziehung auf das Wissen um so mehr klar machen, als uns eben dadurch das Wunderbare der Vereinigung in der jüdischen Lehre (min) recht ersichtlich und auch verständlich werden wird. Für den Philosophen giebl es nur Eine Quelle, daraus er sein Wissen schöpft: — Das Denken und zwar sein Denken. Für ihn exislirt nur das, wofür ihm sein Denken oder seine Vernunft einen zureichenden Grund bietet. Hat ja Einer der berühmtesten Philosophen um das eigene Dajet» zu beweisen, de» Satz ausgestellt: cogito ergo sum (ich denke, also bin ich). Er ist hierdurch unzweisclhast in Gefahr, Alles, was er mit seinen Sinnen nicht wahrnimmt, in Zweifel zu ziehen, wie denn ein Philosoph den Satz ausstclllc: ml in mente, quod non fnit in sensu (der Verstand besitzt nur als Gedanke, was vorher die Sinne wahrgenvmmen). So kann es kommen, baß der Philosoph alles Uebersiunliche leugnend zum Gottesleugner wird. Ganz anders die Religion. Sie hat ein Wissen zur Grundlage, welches einer Gcsammtheit überliefert worden ist. Sie stutzt sich aus die Vorzeit, in der geschehen sein soll, was als etwas Unbegreifliches bewundert, aber doch als wahr geglaubt wird. Die Macht des Glaubens ist in ihr stärker, als die der Vernunft und letztere wird in ihrem Denken denr Erstercn untergeordnet. Aber ist die Philosophie von der Gefahr des Unglaubens bedroht, so ist es die Religion von der des Aberglau bens. Für men es ein vernunftwidriges Glauben giebt, für den giebt es keinen Schutz gegen den krassesten Aberglauben, was in unzähligen Beispielen aus der Geschichte erweislich ist. Aber das Judenthum verbindet beide, denn es beruht allerdings auch auf Lehren, die durch höhere Eingebung Einzelnen oder einer Gesainmtheit zum Bewußtsein gekommen und als unleugbar sestgehalten werden, aber nicht als bli.nder, erzwungener Glaube, sondern als durch das Denken erkannte, vernünftige Wahrheiten. Die jüdische Lehre fordert nirgends blinden Glauben, sondern Erken nt» iß und begründet diese Forderung als eine vernünftige durch Hinweisung aus Geschehenes, Erlebtes und in der Natur Bestätigtes. Wir wollen als Beispiel nur Eines anfllhrc», aber das Höchste, das Wichtigste: den Gottesglauben, richtiger die Gotteserkenntniß. WaS das Judcnthum über Gott lehrt, ist auch für den Philosophen eine Wahrheit, denn die Lehre, daß es Einen Gott giebt, daß dieser Eine Gott ewig, unendlich, heilig, vollkommen rc. ist für den denkenden Geist so faßlich, daß er, ohne sich einen Zwang anzuthun, sie sich aneignen und in sich ausnehmcn kann. DaS der Vernunft zustehende Recht des Denkens und Forschens, Zweifelns und Begrllndcns ist ein sicherer Schutz gegen den Aberglauben, der nur dann in das Judenthum eingedrungcn und cindringt, wenn von dessen Bekenner» die Auffassung einseitig war oder ist, sowie andererseits bei der einseitigen Auffassung als eine rein philosophische der Schutz gegen den Unglauben fehlt und allniühlich der Abfall oder frivoler Religionswcchsel entsteht. Das Wort Holles ist im Judenthume das Bindemittel, die Vereinigung der beiden Geistcsthätigkeiten, die trotz ihrer Verschiedenheit mittels dieses Bindemittels gleicham eine sich gegenseitig durchdringende Geistesthätigkeit sind. Die höchste Weisheit redet in der Bibel, die höchste Wahrheit offenbarend und von denen, zu welchen sie redet, weise zu sein, verlangend — durch Erforschung der Mahr-eit. Der einseitigen Auffassung entgegen zu wirken, das thut vor Allem Roth; in welcher Weise? werden wir später ausführe». Bar Mizwah- und Confirmations-Feier. Aorlrag, ge-akte« auf der VII. Konferenz des Mereiu» israelitischer KuktusSeamten Mitteldeutschlands zu Magdeburg, 26. Mai d. I. Bon B. Jacobsohn in Leipzig. gen ott id und A eil« ll"vl i fow» bw' Lpicgeli ß schichtet Meine Herren! Als ich im vorigen Jahre mir erlaubt hatte, der Conferenz „Bar Mizwah- und Confirmations- Feier" als Gegenstand eines Referats vorzuschlagen, lag es mir fern, mich selbst zum Referenten zu machen; vielmehr dachte ich mir, daß, entsprechend der Wichtigkeit der Sache, eines unserer ehrwürdigen theologischen Vcreinsmitglieder par eroellence das Wort hierzu ergreifen sollte, um einen möglichst erschöpfenden Vortrag über beide Punkte zu erhalten. Es hat sich indeß von dieser Seite Niemand gemeldet und zwar wahrscheinlich mit Rücksicht auf die übliche Praxis, dem Antragssteller zunächst die eingehendere Mvtivirung seines Antrages zu gestatten und darum habe ich die Ehre vor Ihnen zu sprechen. Ihrer freundlichen Nachsicht darf ich mich deshalb wohl versichert halten. lieber die religiöse Bedeutung des in Rede stehenden) Gegenstandes in diesem Kreise zu sprechen, sieht zwar aus,u als ob ich „Eulen nach Athen" tragen wollte, allein unsere" Vereinigungen bezwecken doch hauptjächlich einen Meinungsaustausch über gewisse Fragen, die den Einzelnen von uns bewegen, damit dieselben eine rechte Klärung erfahren. Und der Gegenstand scheint mir einer solchen Klärung dringend zu bedürfen. Nichtsdestoweniger kann es meine Aufgabe nur sein, auf Grund der Ihnen vorzulegenden Thesen, eine, Einigung über gewisse Grundsätze zu erstreben. Indeß sei es mir gestattet, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen.1 Daß die beiden zu behandelnden Punkte streng auseinander gehalten werden müssen, liegt in der Natur der Sache selbsli Also zunächst über Bar Mizwah. Dieselbe ist, wie Ihnen bekannt, eine n ach biblische, sagen wir eine rabbinische Einrichtung, deren Ursprung wohl nicht mit Sicherheit festgestelll werden kann. Der Hinweis in Aboth mna'? mws im® p „Der Dreizehnjährige sei zur. Erfüllung der religiösen Gebote verpflichtet", datirt aus! dem 2. Jahrhundert. Setzt diese Bestimmung eine Reise des Verstandes voraus, so muß andererseits auch eine gewisse physische Reise — etwa wie die Pubertas bei den Römern — angenommen werden, wenn dem in's vierzehnte Lebensjahr eintretendcn Knaben die Bezeichnung TlU Großer" beigelegt werde» konnte. Die glücklichen «jene W»»l> das mr p So sehr'» , V-rtheil gl h onbetetieU i Körpers m iberi des iehliche Eins! [te. Die bei lvordern hat nacht, de» 5 . werb mit R jtn mißlich« :il|oite_@eib toffcii staden - Die Zeit j m Bessern, j . Die ha ngtrn bestere ii der civilis triarchalischk! ie so sch« chein ans der; Allgemeinen tgSjonn — r - gmvrsen, t i irer gemordn ' jeder eine in tjam feit klimatischen Verhältnisse im Oriente mögen diesen Namen rechtfertigen. — Wissen wir doch, daß der Bar Mizwah von ehernals für sein Thun und Lassen selbst verantwortlich war, ja daß Hat nun ragen und E eisdares Be ävvrdkn, die antworte 3»!“ Zwar m ehemals > unmehr nn, ft 3: it dessen Hai Widechiuö ilig stad, ge> ch eine n vch der fojji es Auglinxs ad pitndUch-, t im bürgerlichen, socialen Leben hinzugctreten; mit einem Worte der Bar Mizwah war ein gemachter Mann. Wie lange ist es denn her, daß der jüdische Knabe nur wenige Tage nach der ersehnten und erlangten Würde eines Mitglieds der Gemeinde das Ränzel schnürcn mußte, um mit demselben auf dem Rücken und dem Wanderstabe in der Hand in die Fremde zu ziehen, sei es um einen berühmten Rabbi aufzusuchcn, zu dessen Füßen Jünger von Weit und Breit vollen Wissensdurstes saßen, oder um einen Meister des Handivcrks zu finden I Nicht selten war auch der nun religiös Herangereifte, aus die Selbsthilfe angewiesen, en teligjjjen »benäht gela leset Ue&ergai nnje Stben. ... **) hi I l$|e. gemütdm ehe» Lehn», e® Lebensw; Der ja»; M-Feiei Hs"sle „miijje «eine Ec ltb fteietn

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