Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 38. (17.9.1885)
- Date
- 1885-09-17
- Page
- Seite 308 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 808 lehrt werden, welche diese Bedeutung haben: Ueberall die Landessprache und Hebräisch! Deutsch aber Englisch aber Französisch da, wo eine dieser Sprachen unumgänglich nüthig ist! Worüber der Verdacht entsteht, daß das 'Lehren der fremden Sprache ein Dienst sei, irgend welchen politischen Bestrebungen erwiesen, da soll die Alliance überhaupt keine fremde Sprache in ihren Schulen lehren lassen! International soll die Alliance sein und bleiben! Dann wird sie bestehen und wirken! Wird sie die Dienerin irgend einer Art von Politik (cfr.: Alliance franyaise!) dann zerstört sie sich selbst! Wkeß, 7. Septbr. (Or.-Corr.) feilte feierte unsere Gememde ein schönes Fest. Es sind nämlich am heutigen Tage fünfzig Jahre verflossen, seitdem unser Gotteshaus besteht. Die Fcstfeicr war äußerst erhebend, Danien und Herren der andere» Confessionen beeifertcn sich im Verein mit unfern Glaubensgenossen durch Chor- und Sologesänge dieselbe zu verherrlichen, ein Beweis, wie wenig religiöse Zwietracht und Haß in unserer friedlichen Stadt ins Volk gedrungen sind. Den Mittelpunkt des Gottesdienstes bildete die gedankenreiche und formvollendete Festrede des Rabbiners Or, M. Braun, der seit Kurzem in unserer Mitte wirkt Ein so würdiger und erhebender Gottesdienst, wie er ihn für uns gestaltet, hat sicher schon dem Manne vorgeschwebt, der vor fünfzig Jahren den 'Mittelpunkt der Gemeinde und des damaligen ersten Weihefestcs gebildet. Es war der Kaufmann Abraham Muhr, dem unsere Gemeinde ihre neue Organisation verdankt und der sich auch sonst in der Geschichte der Emancipation unserer Glaubensgenossen in Preußen so verdient gemacht hat, daß ihn Zunz mehrfach mit Anerkennung nennt. Beim ersten Weihefest wirkte Abraham Muhr durch seine Festrede und durch die von ihm in deutscher und hebräischer »spräche verfaßten Lieder neben dem Rabbiner Israel Deutsch aus Beuchen, Wer in Oberschlesicn bekannt ist, weiß, wie angesehen Letzterer als Haupt der dortigen Orthodoxie war, während Abraham Muhr entschieden als Vertreter der freieren Richtung galt. Wie ernst Beide es mit ihrer Sache gemeint, und von wie echter Toleranz Beide beseelt waren, zeigt der freundschaftliche Briefwechsel zwischen ihnen, welcher seit dreißig Jahren veröffentlicht ist, Kaiserslautern, Aus dem jüngst uns zugegangenen „Vierten Bericht über die Verwaltung des Fonds zur Unterstützung unbemittelter isr. Zöglinge an der Lehrerbildungsanstalt in Kaiserslautern" entnehmen wir zunächst den an der Spitze desselben stehenden Appell an die pfälzischen Gemeinden, Er lautet: „Zum vierten Male wenden wir uns hierinit an die Gcineinden der Pfalz, um sie auf die Rücksichtnahme des „Fonds für unbemittelte israelitische Zöglinge an der hiesigen Lehrerbildungsanstalt" hinzuweiscn. Es giebt keine Art der Wohlthätigkeit, die den Pfälzer Gemeinden näher liegen müßte, als diejenige, durch welche es ihnen gelingt, gut vorgebildete und für ihren Beruf begeisterte Lehrer sich zu verschaffen. Sehr viele, wenn nicht die meisten Lehramtszöglinge sind nicht in der Lage, für ihre materielle Existenz derart zu sorgen, daß sie ungestört und sorgenlos ihren Studien obliegen können. Sie sehen sich darum nicht selten veranlaßt, die Hilfe der Glaubensgenossen in Anspruch zu nehmen, es mag sich diese in der einen oder anderen Gestalt darslellen. Wie viel hierbei einem strebsamen und ernsten jungen Manne an Zeit verloren geht und wie oft er dadurch selbst im günstigsten Falle Demüthigungen aller Art empfinde» muß, die sicherlich dazu nicht angethan sind, die Freudigkeit und Lust am Studium zu erhalten oder zu erhöhen,— das kann am besten der ermessen, der selbst solche Wohlthatcn ausüben und empfangen sieht. In dieser Beziehung kann nicht eher eine Acnderung zum Besseren eintreten, als bis sämmtliche Gemeinden dem Unterstlltzungsfonds beitreten, der seit einigen Jahren mit Genehmigung der Königl, Regierung gegründet, den Zweck hat, durch angemessene monatliche Subventionen den unbemittelten und talentirten israelitischen Zöglingen Gelegenheit zu geben, ihre ganze Zeit und Kraft der Vorbereitung für den Lehrerbernf zu widmen. Die hiesige Gemeinde — das muß rühmend hervorgehoben werden _ geht allen anderen durch einen ansehnlichen jährlichen Beitrag zu diesem Unterstützungsfonds voran. Sie wird sich jedoch nicht veranlaßt sehen, denselben in dieser Höhe oder überhaupt ferner zu bewilligen, wenn nicht auch die andern Gemeinden der Pfalz, die ja dasselbe Interesse an dem Wachsthum des Unterstlltzungsfonds zu nehmen haben, durch einen, wenn auch nur geringen, Beitrag sich an demselben betheiligen. In Folge dieser geringen Betheiligung seitens der Gemeinden und Privaten konnte» wir auch in diesem Jahre nur zwei Zöglingen die Wohlthat der monatlichen Unterstützung gewähren. Möge darunr der wiederholte Appell an die Gemeinden, einen jährlichen Beitrag zu dem in Rede stehenden Untcrstützungsfonds in ihr Budget aufzunehmen, nicht unbeachtet bleiben! Mögen aber auch Einzelne, die Gott mit Gütern und Reichthum gesegnet, dieser ebenso nothwendigen, wie dankbaren Art der Wohlthätigkeit nach Kräften sich anschließen! Nach wie vor ist unsere Cassavcrivaltung bereit, jede Gabe für diesen Zweck in Empfang zu nehme» und jede sonstige Auskunft in dieser Beziehung zu ertheilen. Der Bezirksrabbiner: Dr. Landsberg. Der Vorstand der isr, Cultusgemeinde: M, Becker, Für die Kasse: Fr, Junker." Die Einnahinen betragen (Bericht) von 9 Ge>neinden 170 M, (darunter Kaiserslautern mit 60 M,), üo» 4 Privaten 31 M, (darunter von Herrn Rabbiner Or. Salvendi 10 M,), zusammen 201 M. Warum tritt hier der Dcutsch- Jsr.-Gemcindebund nicht helfend ein? Das wäre wahrlich nützlicher, als die Aussetzung von Preisen am orthodoxen Rabbinerseminar in Berlin und diversen andern Anstalten, Kamöurg, den 9, Septbr. (Or.-Corr.) Nr, 33 der Israelitischen Wochenschrift enthält eine Mittheilung über die Synagoge Neweh-Scholauin, an welche der Berichterstatter die Betnerkuug knüpfte: „taut cke drrrit pour une Omelette." Diese Aeußerung trifft in keiner Weise zu. Abgesehen davon, daß von einem „druit" nicht die Rede sein kann, da der Vorstand nicht einmal in öffentlichen Blättern eine Aufforderung zur Meldung für die vacant gewordene Rabbinerstelle hatte ergehen lassen, paßt die Bezeichnung „Omelette" nicht aus ein Gotteshaus, an dessen Spitze der verstorbene vr. Joseph Jsaacsohn sechs Jahre laug als Geistlicher stand und vor einem Auditorium von mindestens 3 bis 400 Personen predigte. Aber auch in anderer Beziehung ist die Synagoge so unbedeutend nicht, sie ist vielmehr für Hamburg von hervorragender Bedeutung; nicht nur, weil sie sich die Aufgabe gestellt hat, das Alte mit dem Neuen harmonisch zu verbinden, ohne Wesentliches preis zu geben, sondern auch, weil ihre Concurrenz die Verwaltung des hiesige» Synagogen-Verbands über kurz oder lang zwingen wird, endlich dem Verlangen des größten Theils seiner Mitglieder auf die Anstellung eines tüchtigen Kanzelredners, Gehör zu geben. In dem Berichte in Nr. 33 ist auch eines 0r, E, gedacht, es war jedoch nie die Absicht, denselben zu einer Probepredigt einzuladen; dagegen hat Or. S, H. Margul ies am Sabbath '2 einen Probevortrag gehalten, der so ausgezeichnet gut war, daß an seine definitive Anstellung nicht mehr gezweifelt werden konnte. In sein Amt ist Herr vr. M, am jüngsten Freitag Abend feierlich eingeführt worden und “[TTD^SU '£ hielt er seine Antrittspredigt, welche allseitige Anerkennung fand. Und so hoffen >vir in ihm einen in jeder Beziehung würdigen Nachfolger unsers unvergeßlichen vr, Jsaacjoyn gesunden zu haben, dem die Macht der Rede in hohem Grade zu Gebote steht und der, obgleich noch sehr jung au Jahre», bereits einen großen Schatz des Wissens im Bereiche der Bibclkunde, sowie auf talmudischem Gebiete sein eigen nennt.