Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-09-09 · N° 37. (9.9.1885) · p. Seite 302

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 37. (9.9.1885)
Date
1885-09-09
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5369809-9586215-9584932--5895-9584938
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

5. Ein Antrag von Rothschild- Hvlzl»uiscn: ES sollen jedes Jahr 2 Ansschngniitglieder durch daS iloos anSscheidcn und eine llleulvohl vorgcnvnnncn iverdcn, wird n n geil online n. Rltchdcni ans Anrathrn des Herrn Gott hclft-Cassel die früheren?l»Sschusnnitgliederivicder gelviihlt worden waren und diese crllärt hatten anzunchmcn schloß der Vorsitzende die Versammlung". Durch Abdruck dieses wesentliche» Theils des officiclteti Berichts glauben wir aller weiteren Berichtigungen übcrhobcn zu sein und nach allen Seiten hin unserer rcdactionellcn Pflicht genügt zu haben. AnSichnßmitglicder hcrvorgcruicn, die in dem Anträge, daß jährlich zwei Mitglieder auSschciden und durch lltcmoahl ersetzt werden sollten, ein persönliches Mißtrauen (daS übrigens den Antragstellern bczw. den K onserenzthcilnehinern durchaus fern lag) erblicken wollten, und die darum der Annahme jenes AiitmgcS mit aller Energie cntgegcnarbeitetcn. Schließlich wurde, um die erregte Stiniinung zu beschwichtigen, ein Verinittctnngsantrag angcnomincn, wonach der seitherige Ausschuß noch ein Jahr in seiner bisherigen Wirksamkeit bleibt und im nächsten Jahre rcorganisirt tvird. Wenn auch daher der gegenwärtige 'Ausschuß seine Stellung noch auf ein Jahr gesichert hat, so hat er doch nur einctiPhrrhnzsiegdavongetragcn". Lcsterreich-Ungarn Pilsen, im August. (Or.-Corr.) Aus dem Fcsljubcl, dcr unsere Stadt während der fünftägigen Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers Non Oesterreich durchrauschte, will ich Ihnen einige Momente von allgemeinem Interesse mitthcilen. Zn dem scicrlichen Empfang am Bahnhöfe erschienen nur die Spitzen dcr Behörden und dcr Geistlichkeit, darunter auch dcr Rabbiner Or. Caro. Sr. Majestät beehrte denselben mit einer Ansprache, und mehreren Fragen über die Verhältnisse der hiesigen Gemeinde. Am folgenden Tage erhielt der Rabbiner eine Einladung zur Hoftafel und bei derselben seinen Platz neben den höchsten Würdenträgern. Bei dem daraus abgchaltenen Cercle erkundigte sich dcr Kaiser in einem sehr gnädigen Gespräch mit dem Rabbiner, wo derselbe sludirt hat. Auf die Antwort: „in Breslau", crwivcrte der Kaiser: „O ich weiß, am jüdisch-theolog. Seminar, an dieser berühmten Anstalt studiren viele Ocstcrrcicher und Ungarn". Sonntag, den 30. August halten Rabbiner und Cultusvorstchcr eine feierliche Audienz, und aus die von Herrn Or. Caro vorgctragcne Ansprache erwiderte dcr Kaiser huldvoll: „Ich bin von dcr Aufrichtigkeit dcr hier ausgcdrücktcn Gesinnungen meiner iSrae>'tischen Untcrthancn überzeugt. Ich habe den Ausdruck derselben gern entgegen genommen, sage Ihnen Meinen herzlichen Dank und versichere Sie auch ferner Meines Schn tzcs und Meiner Fürsorge". Z'roßmh, 27. August. (Or.-Corr.) Unter den vielen Deputationen, die am 24. dieses Monats von Sr. Majestät unserem Kaiser in Kremsicr empfangen wurden, befand sich auch eine Deputation der hicrvrtigen Jsraeliten-Gemeinde, bestehend aus den Herren Vorstandsmitgliedern David Glas, Herrmann Altar und Ignatz Schwartz und geführt von denr Herrn Rabbiner Or. E. Hoff. Diese Deputation erfreute sich einer besondern Auszeichnung, indem Herr Rabbiner Or. Hofs zuerst von Sr. Majestät dem Kaiser und dann von Ihrer Majestät der Kaiserin mehrere Minuten lang in huldvollster Weise angcsprochen wurde, was in dem grossen „weißen Saale des sllrsterzbischöflichen Schlosses" bei allen dort versammelten Deputationen freudige Sensation erregte. Diese huldvolle kaiserliche Auszeichnung war in des Wortes schönster Bedeutung allen Nichtisraeliten gegenüber ein wahrer Kiddusch haschem. — Ztngarn. Jstoczy hat mit noch 2 Abgeordneten von Neuem eine antisemitische Fraction gebildet. Die Lehrsätze der neuen „Rcformirtcn" (Stcrnianer) hat der Minister dem Lehrkörper des Rabbinerscminars zur Prüfung zugchen lassen, inwieivcit sie den Lehren des JudenthumS gerecht werden. Vor einem Monat hat in 'ppefl wieder eine Versammlung orthodoxer Rabbiner staltgcfunden, welcher der Prcßburger Rabbi prasidirte. Run wollte auch dcr Ujhelyer Raw — ver ein bedeutender Gelehrter ist und in höherem Ansehen steht — ebenfalls theilnchmcn. Doch Jsak Reich, der Adlatus des Rabbi Schreiber, 'laß den Ujhelyer nicht in's Hans und Schreiber erklärte, er würde sich entfernen, wenn ein Rabbiner aus einer Ltatmsguo-Gemeinde zugelassen werde. Darüber entstand Streit in der Versammlung, so daß sie sich auflöste und die Schomre hadaß in zwei Theile zerfielen: Die Anhänger der Ujhelyer, Kroler und Pester orthodoxen Rabbi's haben vor, eine Sondcrversammlung zu halten. __ (Jwri.) O.Aus Mähren. DerOberlehrcrBi »der inKanitz hat eine Broschüre „Sprachbilder aus Göthes Werken" versaßt, welche dazu bestimmt ist, für die Zwecke des Unterrichts in deutscher Sprache praktische Beispiele zu liefern. Das Buch hat der Kronprinz für seine Privatbiblivthck entgegengenommen und dafür dem Verfasser ein schmeichelhaftes Anerkennungsschreiben zugeschickt. Auch dcr ehemalige Minister v. Stremeycr hat als Präsident des Göthe-Vcreins Herrn Binder seine Anerkennung ausgcdrückt. Or. M. L. Stern, Nabbincr in K r o m a u und als philosophischer Schriftsteller thätig, hat seine Stelle mit der von Tricsch vertauscht. In Ung. Hradisch luirb ein Rabbinat creirt, nachdem dcr dortige Religionslehrer seines Amtes enthoben wurde. Jedenfalls ist cs zu loben, diß eine dcr neuen Gemeinden sich dazu entschließt, einen wirklich qualificicrten Lehrer anzustellcn und mit dcr Gemeinde-Omnipotenz nicht den Mißbrauch treibt, einen Pfründner zu versorgen. vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Da die Polizei beabsichtigt, das Aufblasen frisch geschlachteten Fleisches zn verbieten, hatten zwei dcr hiesigen Rabbiner sowohl an das Polizeipräsidium als an den Magistrat die Bitte gerichtet, den jüdischen Schächtern das Aufblasen der Lungen dcr rituell vorgeschriebenen Untersuchung wegen, wie bisher, auch ferner zu gestatten, da dies für gewisse Fälle, um zn cvnstatiren ob die Lunge irgendwo ein Loch oder eine Verhärtung oder ei.am Anwachs habe, nvthwendig sei. Vom Polizeipräsidium soll nun mitgetheilt worden sein, dag es aus den gestellten Antrag nicht cingehen könne, da nach Anssage eines dritten Rabbiners (das muß auf Irrthnm beruhen), das Aufblasen der Lungen nicht einmal rituell vorgeschrieben sei. Ter Magistrat hat beschlossen, dem zuzustimmen. (Die Hauptfrage ist'doch wohl die, soll das A nfb lasen an und für sich vor: der Polizei verboten werden, oder nur dcr Verkauf aufgeblasener Lungen, wegen Täuschung des Publikums. Da höchstwahrscheinlich Letzteres der Fall ist, dann ist nicht cinznsehcn, warum die Lunge behufs Untersuchung von Krankheitserscheinungen nach dem Schlachten nicht aufgeblasen werden sollte, wenn sofort nach der Untersuchung die Luft aus dcr Lnngc wieder entfernt wird. Red.) Berlin. Hier starb vor Woche der Landschaftsmaler I. Munk, ein Bruder des berühmten Orientalisten Salomon Munk und des Philologen und Litterarhistorikcrs Eduard M. E^ hat lauge Jahre hindurch communale Aemtcr bekleidet. — Am 4. Sept. starb dcr Begründer und langjährige Vorsitzende des fortschrittlicheil Vereins, .Waldeck", Herr Julius Weiß', im 3.). Lebensjahre zu Delitzsch; die Montefiore- Loge verliert an ihm ein hingebungsvolles Mitglied. Glciwitz. Wie wir erfahren, waren die Schritte, die man gethan, um den Ausweisungsbefehl gegen den hies. Rabbiner Or. Münz rückgängig zll machen, vergeblich; es wurde nur ein Aufschub bis zum 1. Ocwber erzielt. Aus Westpreufien. «Or.-Corr.) Unsere Provinz wird jetzt von Einbrüchen in die Synagogen heimgesucht. Dieselben treten ziemlich zahlreich auf, seit 14 Tagen schon der dritte Fall. Der erste trug sich in Schl ochau zu. Dort drangen vor 14 Tagen mehrere Drebe in die Synagoge ein und entleerten die Almosenbüchse ihres Inhalts, der ungefähr 05 Mk. betrug. — Ein zweiter Einbruch geschah m Dirscha u. Der Dieb drang in ganz frecher Weise während der Nacht von dcr Straße aus durch ein Fenster in das Gotteshaus ein, erbrach das Schloß der Armenbiichse vermittelst einer Brechstange und entwand den Inhalt. Obwohl vom Vorstände der Synagogengemcnlde eine Belohnung dcnrjenigelt zugesichert wurde, der den resp. die -t-häter namhaft machen kann, ist cs nicht gelungen, dieselben zn ermitteln. Der dritte Fall wird ans Elbing gemeldet. Die Diebe, den vorhandenen Fußspuren nach zu urtheilen, eine Mann- und eine Frauensperson, hatten von der nördlichen Seite aus 2 Feilster eingeschlagen mid waren dann in das Innere der Synagoge eingestiegen, woselbst sic 2 Opserkasseil erbrochen uild etwa 20—30 Mk. gestohlen haben. Auch hier sind die Thäler oder Theilnehnrer nicht ermittelt. .Hamburg, Am jüiigstcir Sabbath fand im dies. Tempel eine Gedächtnißfeier für den in EmS verstorbenen, sehr verdienten Präses des TempelverbandeS Herrn Moritz Liepmann statt. Ten Glanzpunkt derselben bildete die vorzügliche Denkrede des Herrn Prediger Dr. Lenndörfer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.