Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 37. (9.9.1885)
- Date
- 1885-09-09
- Page
- Seite 303 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 303 — A. L. bbemuitz. In dem hierorts amtlich publicirtcn Sedanfestprogramm rvar auch der Festgvttesdienst in der Svnaqoge mit aufgcführt und hat. wie das „Chemn. Tageblatt" berichtet. Herr Rabbiner Dr. Mühldörser eine treffliche, patriotische Ansprache gehalten. — Wien. Herr v. Schönerer hat jetzt Nordböhmen zum Schauplatz seiner Thätigkeit erwählt und kürzlich einen politischen Bortrag in Rei- Lamberg gehalten, der den Erfolg hatte, daß noch in derselben Nacht an die Ladenthüren jüdischer Kausicitte in kalligraphisch ansgcführter Schrift allerlei Verse geschrieben wurden, die die gröblichsten Jnvectivcn enthielten. — Die extrem Deutsch Nationalen haben mit den Antisemiten zu K'aaden einen förmlichen Vertrag geschlossen. In Galizien ist wieder einmal die Frage der Leichenbestattung auf der Tagesordnung. Die Statthalterei hat nämlich, wie wir bereits früher gemeldet, die meistentheils noch übliche Beisetzung der Leiche ohne Sarg verboten. Tie Gemeinden haben gegen dieses Verbot an das Ministerium recurrirt. aber jedenfalls olme jede Aussicht auf Erfolg. Lemberg. Im Wirrt,shause des Dorfes Glemboca wurden 7 Juden ermordet. Die Mörder wurden durch berittene Gendarmen verfolgt und 4 derselben cingefangcu. .Krakau. Der „EzaS" erklärt, die auS Preußen ausgewiesenen Polen konnten sich in Galizien ansiedeln. Die österreichische Regierung sei bereit, denselben das Staatsbürgerrecht zu erlheilen. (Das Posener Eomitü für die Ansgewiesenen hat hiervon bereits vielfach Gebrauch gemacht.) Pest. Moritz Iockai hat die Uebersetzung des II. Bandes der österr. llngar. Ethnographie Herrn Dr. Adolf Silberstein übertragen. London. Einige Blätter berichten, daß das Haupt des gottsel. Montefiore auf einem Steine voin Tenipel zu Jerusalem ruhe. (Wir können es kaum glauben, daß ein Theil vom Tt JT2 Z" ElpE rittn ncilourmen worden ist. > Petersburg. Es soll den Juden untersagt worden sein, als „freiwillige Hörer" sich bei den Universitäten imcribiren zu lassen. In den von Juden bewohnten Gouvernements ist nach der „Nowo-Wrcmja" der Beschluß gefaßt worden, den Juden den Handel an Sonn- und christlichen Feiertagen zu verbieten. — Ed. v. Hartmann darf stolz werden. — In Allein^ was er gegen die Inden sagt, erfreut er sich der Billigung und Ausnützung durch das genannte Blatt. Petersburg. Nach Berichten hat die Ausweisung der Juden von hier die Wirkung gehabt, daß in diesem Jahre wöchentlich 1400 Pfd. Koscherfleisch weniger verkauft worden ist, als in früheren Jahren. — Gegenüber dem Hetzen und Verleumden der antisemit. Blätter fordert der „Woschod". daß die Iudencommission auch die Juden höre: „Es giebt Manches im Leben der Juden, was Andern räthselhaft erscheint und Anlaß zll unbegründeter Verdächtigung bietet. Dergleichen findet sich in jedem Volke — und ihre Erklärung wird nur gegeben durch das Anhören eines Lebenden, der den Geist des Volkes kennt, in dessen Namen er spricht. Die Bücher sind tobt und können die Weife des Lebens nicht verdeutlichen. Nur der Lebendige kann das Leben in allen seinen Erscheinungen, Wechslungen und Wandlungen erklären." — Au ch aus Lodz sollen — selbst Begüterte — nach Palästina ansgewandert sein. Südarabien. Tie Behauptung, daß die Juden in Aden den Leichen die Knochen zerbrechen, ist zwar eine durchaus irrige — aber sie ist nicht ganz ohne ein Körnchen Wahrheit. Diese barbarisbc Unsitte wird, wie ein Vemensischer Jude in einem durch „Hazevi" veröffentlichten Bncfe mittheilt, von einer mohammedanischen Sccte (der Briefschreiber braucht den Ausdruck: Volk) der Beni-Asrail geübt. Aus diesem Namen hat ein ungeübtes Ohr: Beni Israel gemacht. Und so wurden die J>idcn wieder der Sündenbock, dem Alles anfgeladen werden kann! Ein anderer Stamm „Biannah" dort soll den Leichen brennende Lichter in den Mund, Nase, Augen, Ohr, Darm hineinstecken, um den Tobten vom Feuer der Hölle zu retten. Natürlich stellen die Juden dort, wie aller Orten, die Leichen nicht in's Grab, sondern legen sie. und zwar auf die rechte Seite, das Gesicht gegen Jerusalem. Pie hiesige Neligiouslchrcr-, t^üafan- und Sckvchetftelle ist vacant und per 1. Dezember d. I. neu zu besetzen. Das jährliche Einkommen beläuft sich auf ca. 1200 M Nur seminaristisch Gebiloete wollen sich melden, Rcflecrircnde wollen ihre Zeugnisse an den Unterzeichneten einsenden. Reisekosten werden nicht vergütet. [2024 Grosr-Steinlrei»rr,'i0. Auq.1885. Der Vorstand der isr. Rcligionsgem. S. Schönmann. I^ie hiesige <5antor-, Kore- und " SchächterfteUe, verbunden mit einem jährlichen Gehalt von 000 Mk. u. ungefähr400 Mk. Nebencinkünften, ist sojort zu besetzen. Beiverber dieser Stelle «nur Naturalisirte, wollen sich gefälligst all lulterzeichneten Vorstand melden Kosten werden nicht erstattet. Reifen, 81. August 1885. Ter Evrporativns-Bvrftand 2024} Salomo« Rawack. Bekanntmachung. Für die Synagogen - Gemeinden Züntersbach und L'berzell soll ein Religionslehrer und Vorsänger gegen den Bezug eines jährlichen Gehaltes von 550 Mk.. gesicherten Nebeneilikvmincns vvn 150 Mk. zusam.nen 700 Mk., freier Wohnung und 5 Meter Brennholz bestellt werden. Der Lehrer hat seinen Wohnsitz in Züntersbach, lvo er auch den Vorsängerdicnst zll versehen hat. Bewerber wollen ihre Gesuche mit Abschriften der erforderlichen Zeugnisse innerhalb drei Wochen anher cinsenden. Hanau, 81. August 1885. Das Vorstcheramt der Israeliten: 2022] Z>r. Köret. Ein jüdischer Cantor, der mir gute Zeugnisse besitzt und zum Äoscherschlachte» geneigt ist. kann sich bei gutem Gehalt melden beim Flkischcnneister Peters inDanzig, Altstädtischen Graben 35. [2023 €inc geprüfte Erzieherin, musikalisch, zum Unterrichte für meine drei Tächter im Alter vvu 10—13 Jahren, suche per 1. October er, — Gehalt nach Uebcreinkomincn. [2013 Iaffe in Wreschen, (Posen). ACiüi j. gebildetes Mädchen (Israel.) sucht baldigst Steilung als Gesellschafterin, Stütze der .Hausfrau oder zur Führung eines kl. Haushalts. Offerten an die (Expedition dieser Leitung »»tcr E. L. I« erbeten. [2vg2 ^[ür ein gebildetes arbcitsa- Vf mcs Mädchen wird Stellung in einer israel. Familie als Stutze der HausSfrau, Erzieherin od. dergleichen auf sofort gesucht. Offerten werden an die Exp. dieser Leitung Nr. 1««« erb. Zur selbstständige» Führung eines nur aus einem altern Ehepaar bestehenden, jüdischen Hausstandes ans oem Lande, ivird, da die Haussrau leidend, eine ältere Dame zum sofortigen Eintritt gesucht. Liierten mit Zeugnissen über bisherige Führung unter H. 1987 an Rudolf Moste, Leipzig erbeten. >2027 Ein Mädchen, 22 Jahre alt, von schönem Aeustern, aus seht achtbarer Familie, das vorerst ein Vermögen von 12000 M. besitzt, sowohl im Hauswesen als auch im Waarengeschäst sehr tüchtig ist, wünscht sich mit einem jungen Mann, von gutem Charakter und ebenfalls aus achibarcr Fanülie, der ein nachweisbar rentables Geschäft besitzt, z» verehelichen. — Reelle Offerten unter Beisiigung einer Photographie erbittet man unter 8. 72085 zur Weiterbeförderung an die Annonccn- Expedition von Haascnstein & Vogler, Stuttgart. [2026 C^d) suche aus sofort ein tüchtiges <0 jiid. Dienstmädchen, wclchcsKüche und Hausarbeil zu besorgen hat und mit zwei Kindern liebevoll umzugehen vcrstchl Frau Elbach,I 2011) Barmen, Mittelstraste 17. <>iir ein junges Mädchen aus achtb. U Fam., welches in der Küche, Häusl, wie Handarbeiten erfahren ist, wird zur Stütze der Hausfrau in einer gcb. Familie Stellung gesucht. Offerten, Oppen hei mer'- sche Musikalienhandlung 2012) in Hameln. „Meine Brüder rufe und suche ich.” Länger darf mit diesem Hülferufe nicht zurückgehalten werden. Mehr als 800 Glaubensgenossen müssen infolge Ausweisungsbefehls hier und in den nächsten Grenzbezirken das Preussische Gebiet verlassen, zumeist solche, die gar nicht mehr nach ihrer russischen Heimath zurückkommen dürfen. Sehr viele darunter sind grenzenlos arme Menschen, Wittwen und Waisen, die den Ernährer früh verloren haben, Frauen und Kinder, deren Männer weiter gereist sind, um die Ihrigen später nachfolgen zu lassen, Familien, die auf der Auswanderung begriffen, aus Mangel an Mitteln hier Zurückbleiben mussten, vieljährig sesshafte Handwerker und Arbeiter, die es nie zu etwas bringen konnten, aber auch viele Familieväter sind darunter, die sich und die Ihrigen durch ihr Geschäft oder ihr Handwerk recht gut ernährt haben. Mit dem Augenblick der Ausweisung sind je loch allesammt gleich arm, gleich hülfsbedürftig. Mit dieser Ausweisung ist jedoch die ganze Summe von Noth und Elend noch nicht abgeschlossen. Seit dem Jahre 1882 haben wir uns mit der Unterstützung von auswandernden russischen Glaubensgenossen beschäftigt. Bis zur Stunde sind 8234 Personen befördert worden. In den letzten zwei Jahren haben wir die Mittel hierzu fast ausschliesslich von dem deutschen Central- Comitee für die russisch-jüdischen Flüchtlinge in Berlin (Vorsitzender, Herr Justizrath Mako wer) und zwar bis jezt etwa 250000 M. erhalten. Das Berliner Comitöe wird sich auflösen und die letzten 2000 Mark sind uns am 9. Juli d. J. zugegangen und nahezu verbraucht. Unsere Unterstützungen bestehen schon seit einem Jahre einzig und allein darin, dass wir diejenigen Personen bis Hamburg oder Bremen befördern, welche von den Ihrigen, die ihnen bereits vorausgegangen sind, Schilfskarten erhalten haben. Da kommen nun meist Frauen mit zahlreicher Kinderschaar in gradezu grauenerregendem Zustande. Selbst wir an solchem Anblick gewöhnt und dagegen abgehärtet, wenn nicht schon stark verhärtet, können uns bei solchem Anblicke kaum der Thränen erwehren. Wenn wir uns der armseligen Geschöpfe nicht annehmen, so sterben sie auf der Strasse vor Hunger und Erschöpfung. Glaubensbrüder! Bethätigt Eure Liebe, Euer Mitleid, Eure Zusammengehörigkeit mit den armen, flüchtigen, vertriebenen, hungernden und elenden Stammes- und Glaubensgenossen, die Euch ja sonst in keiner Weise zur Last fallen werden. Ihr wohnt ja in Ruhe und Frieden, in Lebensfreude und Ueberfluss. Ihr könnt Euch Eures Lebens und Eurer Lieben in ungestörtem Genüsse erfreuen; Gedenket der Unglücklichen und unterstützet sie reichlich und Gott der Herr wird Euch auch fernerhin schützen und segnen. Memel, September 1885. Das ständige Hülfs-Comit6e für die Nothstände russischer Israeliten. Rabbiner Dr. Rfllf. S. Illoch. N. JUrgultes. L. Len j-. L. Hillelsohn. J. M. Schapiro. . Alle Sendungen sind zu richten an den mitunterzeichneten Rabbiner Dr. J. Rfllf. Auch der Bezirks-Rabbiner Dr. A. Salvendi ln Dürkheim an der Haardt, sowie die Redaction d. Bl. nehmen Gaben entgegen und befördern dieselben an uns. (Quittung und. Veröffentlichung erfolgt wie bisher.)