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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-08-27 · N° 35. (27.8.1885) · p. Seite 284

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 35. (27.8.1885)
Date
1885-08-27
Page
Seite 284 (sequence 4)
Language
German
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— 284 — |II t ■ F der ganzen Macht seiner Stellung und seines Ansehens für die geistige und materielle Emancipation der Enterbten ein« zutreten'). Insofern bleibt sein Werk doch imnier nur Stückwerk.')" — Hierauf sei bemerkt: ') Wer das inhaltreiche Leben Montefiore's kennt, der muß lächeln über die obige inhaltlose und in sich zusammcnfallendc Frage. Zuerst wird den, „Edclmuth des Mannes" Anerkennung gezollt und dann soll man noch nicht die genügende Klarheit über „das Resultat seines Wirkens" besitzen! ') Das freireligiöse Blatt, das sonst das „wahre Menschenthum" betont und energisch für werkthätige Menschenliebe eingetreten, ist jetzt „principiell gegen die Almosenpflege". Gewiß liegt das Motiv zu Grunde, weil es eines Menschen unwürdig sei, Almosen zu empfangen. Das läuft jedoch auf die Anschauungen Prondhon's, des bekannten sranzösischen Nationalöconome», hinaus, der u. A. sagten „Ich beweise, daß die, welche heutzutage nichts besitzen, mit demselben Rechte Eigenthümcr sind, wie die, welche besitzen." Aber wie nun einmal die Welt der Wirklichkeit ist, und mit dieser muß man rechnen, wird jeder wahrhaft ethisch handelnde Mensch sich selbst und Anderen das Dasein erträglich zu gestalten suchen. ') Jetzt kommt die Einschränkung des Lobes. Während oben ausdrücklich hervorgehobcn ist, daß Montefiore „von seinem Vermögen und seinem Einflüsse in der ausgiebigsten Weise Gebrauch gemacht", trifft ihn hier der Vorwurf, daß er nicht „offen (!) mit der ganzen Macht seiner Stellung und seines Ansehens für die geistige und materielle Emancipativn der Enterbten eingetreten". Der Artikelschreiber kannte offenbar das Leben Montefiore's gar nicht, sonst würde er nicht einen solch unbegründeten Vorwurf erheben. Und nun diese nichtssagende Phrase zum Schlüsse! An der Lösung der socialen Frage haben sich seit Menschengedenkcn hervorragende Staatsmänner und Gelehrte vergeblich abgemüht und Montefiore, der kein Staatsmann und kein Gelehrter war, sollte allein die Lösung vollbracht haben?! Hoffentlich wird sich das freireligiöse Blatt später einmal gründlich den Lebenslauf des Philanthropen Montefiore betrachten. Koblenz. Eines Tages wanderte ein Handwerksgeselle aus dem Städtchen Pinne in der Prov. Posen. Es war der Sohn eines ehrbaren Hauses. Der Vater hatte, ohne ein Lamden zu sein, etwas gelernt und hatte eine Freude an Mizwos, so war er Baal Kore bis in sein hohes Alter. Die Mutter war eine brave Frau, die schon etwas neumodischer gesinnt war — ein Onkel war Arzt, ein Bruder sollte Lehrer werden. Unser Geselle wollte die Welt kennen lernen — aber zum Schmerze des Vaters fiel er Missionären in die Hände und wurde selbst Einer von ihnen. Wir Hütten keine Veranlassung gehabt, des Mannes zu denken, der an seinem Judenthume verzweifelte — vielleicht nicht, ohne daß äußere Motive mitwirkten — wenn nicht derselbe ans der Stuttgarter Judcnmissionskonferenz (am 28. und 29. August 1884) einen Vortrag gehalten hätte, der nunmehr in „Saat auf Hoffnung" gedruckt vorliegt. Welches Bild hat sich der Herr von seinen Eltern, von seinem Vater, den er doch sicher als einen Juden denkt, welcher „noch in den Schranken der alten rabbinischen Art sich bewegt" (S. 142) hat, bewahrt? Das wollen wir der liebreichen, der „lieblichen" Zeichnung entnehmen, die er selbst von den Juden entwirft nach Phil. 4.8, „was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, waS wohl lautet". — - Uns kann's Recht sein, wenn mit dem Wort, daß das Christenthum „wohl auch Lehre, aber wesentlich Leben ist" oie jüd. Auffassung der „Religion der That und des Gesetzes" (ja des vielgeschmäheten Gesetzes!) in das christliche Denken hineingeschmuggelt wird — aber Schmuggel bleibts immerhin! „Der Herr Missionär hat wohl von einem polnischen Schnorrer gehört," „ich möchte ein Mensch werden," als er die Taufe forderte. Damit hat der „Taufbewerber" gemeint, ich will anständige Kleider tragen, gut essen u. s. w. und mich nicht mehr so quälen, wie ich's als armer Jude muß. Hat denn Herr Gottheil auch die Empfindung gehabt, daß er erst mit der Taufe „Mensch" geworden ist? Freilich, daß „Bildung" das Ziel ist, „dem alle Juden mehr oder weniger zustreben" — ist richtig. Das hat der Herr seiner Familie abgesehen. Daß sic sei „der Götze, dem sie alles opfern, der Gott, von dem sie alles erwarten, nicht ohne dabei bitter getäuscht zu werden" (S. 141) ist ein rechter Herzenston und klingt aus den Stürmen, die vor und nach der Taufe auch eines Missionäres Brust bewegt haben mögen! „Es wird zwar behauptet, der Jude habe ein „anderes Gewissen" als sonstige Leute, als die Christen, d. h. er wisse das Wahre mit dem lluwahreu durcheinander zu mengen, um sich und andere das Unwahre als wahr, das Unrechte als recht erscheinen zu lassen. Es soll das zugegeben werden mit der Beschränkung, daß von Natur,, alle Menschen Lügner sind." — (Hierbei wird kurioser Weise Ps. 116.11 citirt, und das „Ich dachte in meiner Uebereilung" außer Acht gelassen!). Dazu kommt ein Hieb auf die Erziehung der Juden.— Hier nimmt der Missionär den Juden thcilweise in Schutz: Aber wie steht's mit der Kunst zu lügen? Ist sie in jüd. Kreisen höher entwickelt, als in nichtjüdischcn? Wenn der „jüdische Schüler" so gar viel zu überwinden hat, tim in Geberden erst bescheiden — anständig und sauber zu sein u. s. f„ so wird damit nur gezeigt, aus welcher Hese den Herren die Schüler kamen. „Sodann was keusch ist (S. 144); die gebührende Scheu und Zartheit bei der Behandlung göttlicher Dinge, der in Fürsorge fürs eigene Seelenheil, sowie der Verkehr mit andern Seelen — das soll ein Gebiet sein, „worauf der Jude ein vollständiger Fremdling ist!" Aber auch keusch in der nächsten sinnlichen Bedeutung." — Wo gicbt's mehr Ehebrecher und Wüstlinge? Wurde der Herr G. nicht roth, da er dies sprach und seines Elternhauses gedachte? Was hat Zucht und Zügel der Sinnlichkeit gesetzt, als allein das Gesetz? Bei der Lieblichkeit, wo der Herr Missionär seltsamer Weise von der Eigenliebigkeit (sie!) spricht, „die es darauf anlegt, sich selbst in den Vordergrund zn stellen und in Beachtung zu bringen" hat Herr G. sicher nicht an seinen bescheidenen Vater gedacht, der dem Vorbildc Mosis folgend „gar sehr demüthig" war! Wenn der Jude lernen muß „biblisch denken" (157) — so heißt das nur, unsere Denkfähigkeit in die Schablone zwängen, daß sie nur nach ihrem Muster schneidet! Und was von der Sünde gesagt ist — wenn damit nicht die Erbsünde gemeint ist, sondern das Gefühl der Sündhaftigkeit vor Gott, so hätte Herr G. sich das Bild seines Vaters im weißen Kittel und Käppchen am Jomkippur vor Augen stellen sollen — und er hätte dies ungesprochen gelassen. „Beim Juden besteht ja das Beten rein nur im Hersagen althergebrachter liturgischer Formeln nach feststehender Ordnung." (148) Wirklich? rein? nur? Und bei den Nichtjudcn? Haben sie nicht auch ihre Machsorim? Nur daß sie nicht so alt und nicht so schön sind? Und Formeln? Sind Gesänge und Gebete, die das Herz erregen und den Geist erheben, Formeln? — Geschimpft ist leicht — aber sich in's Angesicht schmäht, wer das beschimpft, was ihm ehrwürdig bleiben muß! — Und was Euch an dem Stifter Eurer Religion so erhaben und herrlich erscheint, es ist — daß Ihr in ihm erblickt einen ganzen Juden, der gekommen war, das Gesetz zu erfüllen, welches Ihr auflösen und zerstören wollt! Lewin. Areska«, im August. (Or.-Corr.) In der Voraussetzung, daß auch den Lesern Ihres gesch. Bl. Näheres über den hier gegründeten Verein „Schomre Schabbos", der es bezweckt, seinen Mitgliedern Stellung in solchen Geschäften zu verschaffen, die an Sabbath - und Feiertagen streng geschlossen sind, zu erfahren, willkommen sein wird, (heile ich über den Fortgang des Unternehmens Folgendes mit: 1 mit schäl und Zch> Sri! dir täglich Sabb nicht tcn wiin nch Jsrc daß ruft» wirken daß Part zweck der» Zack diese das inehr zuzw zu e

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