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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-08-20 · N° 34. (20.8.1885) · p. Seite 277

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 34. (20.8.1885)
Date
1885-08-20
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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277 — bedeutende cnntoralc Kraft unseren deutschen Gemeinden verloren gebt. chkeiwitz, 12. August. (Or.-Corr.) Gestern fand in dem zweckentiprechend decorirten Lokal unserer Humanitas- Loge ll. O. B. B. eine Trauerfeicr für Sir Moses Montcfiorc statt. Dieselbe wurde mit einem Choral ans dem Harmonium cingelcitet. Die Gedenkrede hielt Herr Or. Mattersdors, welcher anssührte, oaß Sir Moses, der zwar formell dem Orden nicht angehörte, die großen Prinzipien desselben in seinem edlen Herzen getragen und zu verwirklichen gesucht habe. Der Redner entwarf hierauf ein Bild des segensreichen Lebens und Wirkens des berühmten Philanthropen und zeigte, daß in der gerechten Trauer um seinen Heinigang uns der Gedanke zum Tröste gereiche, daß ihm durch eine gütige Vorsehung eine sv lange und glückliche Lebensdauer beschicden gewesen, sowie die Ücberzcngnng, daß sein Werk mit ihm nicht »nlergche, sondern vielmehr i» seinen eigenen wvhlthatigcn Schöpfungen und in dem Wirken der Alliance israelite universelle fortdauere, die, insoweit eS sich aus die Jndcnheit bezogen, gleichsam seine Erbschaft angelrcten und sein Werk nach allen Richtungen fortsetze. Pflicht eines Jeden, der das Andenken Sir Moses' heilig halte und in scinci» Geiste nutwirkcn wolle, sei cS daher, die Alliaticc isaaslile nach Kräften zu fördern?) Ein von dem Präsidenten Herr» Stein gesprochenes Gebet schloß die würdige Feier. Mieskaden, im August. Am 27. v. M. fand im hiesigen Regiernngsgcbäude die alljährliche Sitzung des „Shnagogen-Raths für die isr. Cultnsgcincinde des ehenialigen Herzvglhnins Nassau" unter dein Vorsitze eines Regicrungs- Cvmm ssarr, des Regierungsraths von Bcrtouch, statt, in der die vorjährige Rechnung geprüft und der Etat für das laufende Jahr berathen ward. Erforderlich sind (für die Gehälter der 3 Bezirksrabbincr, Diäten und Reisekosten für dieselben, sowie Kanzleitvstcn-Rcversum, das auf 50 M. für jeden Rabbiner erhöht ward) etwa 4000 M., zu deren Ausbringung 5 Proc. der Staatssteucr von den Gemeinden erhoben werden. Den höchsten Beitrag leistet Wiesbaden mit etwa 2500 M. I» der Sitzung stellte das Synagogcn- Raths-Mitglied, Bezirksrabbiner Or. Silberstein von Wiesbaden, de» Antrag, der Shnagvgen-Rath möge beim Cvmmunal-Landtag vorstellig werden, daß den Cultusgemeinden, die selbst bei Anspannung aller Kräfte nicht im Stande seien, die Bedürfnisse für ihren Cultns aufzubringen, namentlich ihre Lehrer ordentlich zu besolden, Beiträge für diesen Zweck gewährt iverden. Nach erschöpfender Begründung seitens des Antragstellers ist die Beschlußfassung auf die nächste Sitzung verschoben worden. Stuttgart, 6. August. lOr.-Cvrr.) Die Versammlung der isracl. Lehrer Württembergs fand heute hier im Hotel Eisig statt und war von 19 Lehrern und Vorsängern besucht. Nachdem der Vorstand, Oberlehrer Lieb mann a. D. von hier, der erst vor einigen Tagen seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, die Versammlung begrüßt hatte, brachte ihm Oberlehrer Stern-Eßlingen die Glückwünsche der Versammlung entgegen, und Oberkantor Eichberg verlas ein von Eljüsser-Lanpheim, der durch ein Augenleiden leider am Erscheinen verhindert war, dem Gefeierten gewidmetes, sehr beifällig aufgenvmmenes Gedicht**), worauf Herr Liebmann gerührt dankte. Stern-Eßlingen berichtete über die Thätigkeit und den Stand des Uuterstützungsvcreins in den letzten Jahren. Der Verein hatte pro 1884/5 eine Einnahme von 5215 M. und eine Ausgabe (incl. Kapitalanlage) *) Wir halten diese Nutzanwendung für die richtigste unter den vielen bei Gelegenheit der Trauerfeicr ausgesprochenen. Der Eine benutzte diese Veranlassung zur Anssordcrung um Beiträge für eine abgebrannte Stadt, der Andere zur Unterstützung seiner Schule, ein Dritter zur Förderung der Ziele der „Zionsfreunde" — Alles im Namen Mantcfiore's. Am richtigste» ist der Hinweis auf dic/All.-JSr. univ., welche die eigentliche Erbin und Weiterführcrin der Montcfiore'fchcn Ideen und Schöpfungen ist; sie unterstützen heißt Montcfiore's Andenken bewahren. (Red.) **) Wir bringen dasselbe gelegentlich im „Familienblatt". von 4196. An Unterstützungen wurden 760 M. vertheilt. Das Vermögen betrügt jetzt 27989 M. und hat um 1835 M. zugcnommen. Die Thätigkeit des Bereinsausschusses an den Jubiläen der Herren Kirchenrath vr. v. Wassermann, Obcrcantors Eichberg, Sekretärs, früheren Lehrers Stern von hier, sowie der Lehrer Kahn-Baisingen unb Königsbacher- Rottweil war ebenfalls Gegenstand längerer Mlttheilnng des Vorstands und der Debatte. Es folgte hierauf ein längerer Vortrag Liebmanns über „die Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten" von 1000—1500. Redner wies ans die traurigen Verhältnisse jener Zeit hin, die Kreuzzüge, den schwarzen Tod, die Inquisition, ans den Zusammenhang des Unterrichts,veselis mit jenen traurigen Zeiten, ans die Unwissenheit des Volkes wie der höheren Stände, ans den Wissenstrieb der Juden, wodurch damals schon Klage über den Einfluß der Juden erhoben wurde, namentlich durch Apostaten, und schilderte dann das Erziehungsn. Unterrichtswesen, die Kenntnisse der Juden in Mathematik und Sprachwissenschaft, die verschiedenen Klassen, die Gebräuche bei der Ausnahme der Schüler, die Anwendung der Cantillation beim Lernen, den Lehrgang des Unterrichts, die Wandcrschüler und itzic Lagc, die Schulzeit, die Mädchenerziehnng, und ging zum Schluß noch über ans das Chederwcscn im Anfang dieses Jahrhunderts und die Entwicklung des israel. Schulwesens und die Besserstellung der Lehrer in W ürtte m berg, wozu bekanntlich Redner wesentlich beitrug. Die erste Württemberg, isr. Schule war in Nordstetten 1822 (Lehrer Frankfurter), die zweite in Eßlingen 1823 (Lehrer Lieb mann) gegründet. In jene Zeit fällt die ursprüngliche Thätigkeit de- Buchhändlers Heß in Ellwangen für die Emanzipation der Juden in Württemberg und Gründung öffentlicher Schulen. Allgemeiner Beifall lohnte de» noch immer geistesfrischen Redner, der trotz seiner 80 Jahre die Mühe dieses Vortrags über sich nahm. Hei mann-Sontheim gedachte des verstorbenen Lehrers Löwenstcin-Hcilbronn, der als langjähriger Sekretair des Vereins sich um die Lehrer Württ.'s große Verdienste erworben hat. Die weiteren längeren Debatten hatten nun die Stellung der israel. Lehrer Württembergs zum Gegenstände. Es zeigte sich in den letzten Jahren in den jüdischen Gemeinden Württembergs das Bestreben, die Lehrer um die mühsam errungene Stellung zu bringen, besonders um den ihnen als Stellvertreter der Rabbiner gesetzlich zustchcnden Vorsitz im israel. Kirchenvorsteheramt, wodurch ihre amtliche Stellung geschädigt wird. Die Versammlung beschloß, bei der Königl. Israel. Oberkirchenbehörde wiederholt Schritte zur Beseitigung dieses Uebelstandes zu thun. In letzter Zeit mehrte sich auch die Zahl der ungeprüften ausländischen Religionslehrer, während einige geprüfte württembcrgische Lehrer keine Anstellung finden konnten. Auch dieses Mißverhältniß wird der Gegenstand einer Petition bei der Israel. Oberkirchenbchörde iverden. Nach der Verhandlung vereinigte noch ein Mahl sämintliche Theilnehmer der Versammlung. In jjschwege fand am 6. Juli die diesjährige Conferenz der isr. Lehrer Hessens unter Vorsitz des Herrn Or. Stein, Seminardirigcnten in Kassel, statt. Wir pflegten sonst einen Bericht durch den Vorsitzenden oder Secretair zu erhalten. „Diesmal — schreibt man uns — dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Sie keinen Bericht fiir Ihr, von unfern Lehrern sehr gern gelesenes, sreimüthiges Blatt, erhalten. Warum haben Sie auch die „Wahrheit" als Devise Ihres Bl. erkoren und den Herren jlld. Seminardirektorcn so manche Wahrheit gesagt? Jetzt wagen viele (?) Lehrer es nicht, für Ihr Blatt zu schreiben, sie fürchten den Groll des allmächtigen Dirigenten, der ohnehin schon so finster dreinschaute und in seinen Eröffnungsreden manchen Seitenhieb auf Ihre Mitarbeiter austheilte.... das ist der Mannesmuth unserer Lehrer!" Wir gehen darüber mit dem Ausdrucke des Bedauerns zur Tagesordnung über und entnehmen einem andern jlld. Bl. das Gesammturtheil über die \ P

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