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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-08-13 · N° 33. (13.8.1885) · p. Seite 269

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 33. (13.8.1885)
Date
1885-08-13
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
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— 269 — 11 °k>°»dNkA .8' »nd brn, Lehret-;mentac=!*e8t l)icr qu4 9' Widmet ö'e Stauen* l'jN jum om.'tfe |at, ifbfnjalrti, bem uhnge uitb Sinnen der Hand f^ictr, hernm- «nten nöihig «tauet Piüöfiete Euter* («tu Mcht teilt, melchcr iauten speist, 1 ich nnset» i zu laben, e jo glücklich ätijtunjen in titte-3 echten chll faft vollieineinCfii bet jesle Wurzel len soll, nur ich persönlich ,id degästem lrtig i» de» ckem Männer da über Mangel an religiösem Interesse, über religiösen Jndifierentismus, über den Verfall des religiösen Lebens zu verwundern? Hat Niemand ein Auge für die Risse in den Mauern unseres Heiligthums; legt Niemand Hand an zur Ausbesserung? Soll der Zusammensturz erst ei» vollständiger sein? Dann wird es schwer werden," den Bau wieder aufzurichten. Indifferente, kenntniß- und intercsscnlose Vorstände, bei dcne „allein Macht, Einfluß und Verantwortlichkeit ist, sind Israels Unglück, der Mangel ans.Eintracht und Zusammenhalten, an Einheit und Gesammtvertretung ist unser Schaden. R- X. Aus Kessen. (Or.-Corr.) Die letzten Nummern der Wochenschrift haben eine Reihe Artikel enthalten, die sich dagegen aussprcchen, daß sich manche Lehrer ihnen nicht zukommende Funktionen anmaßen. — Gestatten Sie, geehrter Herr Redakteur, nun auch einem Lehrer, über diese Angelegenheit seine Ansicht auszusprechen. Betrachtet man die Angelegenheit ganz ohne Vorurtheil, so wird man gewiß stitden, daß auch hier die Wahrheit in der Mitte liegt. Zuerst tvird monirt, daß sich manche Lehrer „Prediger" nennen lassen. Das ist jedoch weit eher vom Standpunkte I des Lehrers, als von dem der Rabbinen zu tadeln. Der - rechte, echte Lehrer sieht in dem Titel „Lehrer" seinen Ehrentitel und verlangt nach keinem höheren. Andererseits ist aber auch nicht einzusehen, weshalb das Prcdigtamt nur mit dem Rabbinate verbunden sein soll.*) Wir können unsere Verhältnisse nicht mit denen beim christl. Gottesdienste } vergleichen, weil hier keine Gemeinde des Geistlichen ermangelt. Bei uns würden aber alle Landgemeinden und auch ein , großer Theil der städtischen Gemeinden selbst an den hohen Festtagen auf die Predigt Verzicht leisten müssen. Da wäre cs ein Segen, wenn es Allen Lehrern geradezu zur Pflicht gemacht würde, von Zeit zu Zeit zu „predigen", wie es . beispielsweise in der Provinz Hannover früher geschehen ist. k Der Artikel „Von Hessen" in Nr. 26 der W.-Sch. findet es sogar zu tadeln, tvenn Lehrer b ei Leichenbegängnissen sprechen**). Die letzteren gehören bei uns so wenig zu den rabb. Funktionen, daß selbst vollständige Laien oft, ohne gehindert zu tverden, dabei gesprochen haben. Wird aber außerdem der Rabbiner bei jeder außerhalb des Rabbinats- I Ptzes staltfindcndcn Beerdigung erscheinen können? Und wird nicht der Lehrer in der Gemeinde, der Leute und Verhältl nisse kennt, der mit den Leuten vertraut ist, der selbst an k allem, was in der Gemeinde vorkommt, innigen Antheil nimmt, besser den ersten Trost spenden können, als der Rabbiner, der den Leidtragenden doch fremder gegenübersteht? Anders verhält es sich nun allerdings mit der Vornahme der Trauungs-Cercmonie, obwohl auch diese nicht ausdrücklich den Rabbinen Vorbehalten ist, sondern zu allen Zeiten auch Laien gestattet war, wenn diese eine Hattoras kidduschin besaßen. Es müssen aber auch hier die bestehenden Verhältnisse berücksichtigt werden. Nicht selten ist es weiten Gegenden zusammen nicht möglich, sich einen Rabbiner zu halten; sollte da wirklich jeder weniger Bemittelte gezwungen sein, sich aus weiter Ferne einen Rabbiner kommen zu lassen? Oder ist es da nicht vorzuziehen, die religiöse Trauung durch den Lehrer vornehmen zu lassen, als daß sie vielleicht ganz unterbleibt? Das Judenthum wird weniger von diese» Fragen als von der Religionsunterrichtsfrage berührt. Daß der Religionsunterricht aber in so vielen Gemeinden entweder ganz darniederliegt, oder — was noch schlimmer ist — von ungeprüften, oft sogar sittlich unlauteren oder gar schon mit dem Strafgesetzbuch in Conflikt gekommenen Elementen ertheilt wird, worin gerade das geschmähte Westfalen eine rühinliche Ausnahme macht, daran sind die betreffenden *) Das ist nirgends behauptet worden, (Red.) **) S o tag doch der in Nr. 2« berichtete Fall durchaus nicht. (Red.) Rabbinen*) nicht immer ohne Schuld. Hier also sollten die Herren Rabbiners?) die bessernde Hand anlegen. Kokverg Am letzten Sonntag wurde im Betsaale des jüdischen Kurhospitals in Gegenwart einer zahlreichen Festgeineinde, an deren Spitze der Herr Bürgermeister Kümmert erschienen war, das elfte Stiftungsfest der Anstalt durch einen feierlichen Gottesdienst begangen. Nach den einleitenden liturgischen Gesängen und Gebeten bestieg der Rabbiner Or. Goldschmidt die Kanzel und hielt die Festpredigt im Anschluß an Job 8,7: „War auch dein Anfang nur gering, deine Zukunft wird groß sein." Anknüpfend an diese Worte führte der Festredner zunächst aus, daß Israel, obwohl von Hause aus nur ein kleines und winziges Volk, durch seine Lehre von der Gottes- und Menschenliebe, die cs durch die Welt getragen, groß und unsterblich geworden sei. Im zweiten Theil seiner Predigt machte der Festredner die Anwendung auf die Anstalt, die ebenfalls eine Trägerin der Gottes- und Nächstenliebe sei und darum, aus kleinen Anfängen hervorgegange», sich imtner herrlicher entwickle und einer großen Zukunft entgegen gehe. Der Redner schloß mit Worten der Tratier um den verstorbenen Or. Hirschfeld, den dirigirenden Arzt der Anstalt, dessen hohe Verdienste er mit tief empfundenen Worten feierte. **) Die Festgemeinde folgte mit lebhafter Theilnahme und sichtlich tiefer Rührung den begeisterten Worten des Redners und erhob sich unter dem Eindruck derselben zum Gebet für die Anstalt, für König und Vaterland, sowie zur Abhaltung der Todtenfeier für die verstorbenen Wohlthäter der Anstalt. Mit einem erhebenden Gesang schloß die Feier. — Am 3. August d. I., fand zum Besten de-s jüdischen Kurhospitals das in jeder Badesaison übliche Wohlthätigkeits-Concert statt. W. Königsberg i. Pr. Der uns vorliegende Verwaltungs-Bericht des hiesigen isr. Vereins für Krankenpflege und Beerdigung für das abgelaufene Rechnungsjahr giebt ein erfreuliches Bild von der Wirksamkeit des Vereins. Derselbe zählt z. Z. 325 ordentliche, 18 immerwährende und 2 Ehrenmitglieder, verfügt über ein Vermögen von rund 64700 M. und hatte eine Jahreseinnahmc von 15,116 M. gegen 12224M. Ausgabe, während derRest der Bestimmung des Gebers gemäß zum eisernen Fonds geschlagen wurde. — Unter den dem Verein zugcwandteil Spenden ist vor Allem ein Vcrmächtniß des weil. Destillateurs Joh. Friedr. Mochs in Höhe von 1573 M. hervorzuheben, da der tolerante edle Wohlthäter der christl. Religion angehört. Außerdem vermachte noch Frau Friederike Bornstein dem Verein 500 M. Außerdem haben die Sammelbüchsen des Vereins Spenden für Todtenfeier und Sammlung am Stiftungsfest zusammen ca. 1200 M. ergeben. Wbg. Kosen Dem 47. Bericht über den Stand und die Verwaltung der isr. Waisenknabcn-Anstalt entnehmen wir: Die Anstalt gewährte im verflossenen Jahre 22 Zöglingen freien Unterhalt. Entlassen und^in die Lehre gegeben wurden zwei, einer um Tischler, der andere um Kaufmann zu werden. Außerdem stehen noch 2 Kllrschnerlehrlinge und 1 Malerlehrling unter der Obhut der Anstalt. Das Anstaltsvermögen wurde durch kleinere Spenden und Legate nicht unerheblich vergrößert, wenngleich in Anbetracht des edlen Zweckes und großen Segens, den gerade eine derartige Anstalt der Armuth gewährt, nicht in dem Maße, das die von der trefflichen Anstaltsverwaltung längst angestrebte Erweiterung der Anstalt ihrer Verwirklichung hätte näher geführt werden können. Die dem Bericht bcigefügte Jahresbilanz schließt in Einnahme u. Ausgabe mit M. 10936.83 ab. Lesierreich-Uugarn Aus Galizien. (Schluß.) Die an das Ministerium des Innern um Abhilfe dieser Calamität gerichtete Petition lautet — aus dem Polnischen übersetzt — wie folgt: *) Die Anstellung der Beamten liegt — in Preußen — lediglich m Händen der Vorsteher; die Rabbiner sind dabei einflußlos. (Red.1 **) Die treffliche Predigt an der Bahre H.'S ist im Druck erschienen. (Red.)

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