Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 32. (6.8.1885)
- Date
- 1885-08-06
- Page
- Seite 261 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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In einer Stelle hatte ein jüdischer Schlachter folgeube Manier: Er ließ erst ein Schaf schächte», wenn es koscher wäre uub er es bann besser verwerthen könne, bann »och eins unb so weiter in finitum. Schließlich wollte ber Lehrer nicht mehr. Darob Beschwerbe au ben Lanbrabbiner. Der bestimmte, ber Lehrer brauche nur bis Abenbs 8 Uhr zu schächte». Auch bas ist ein Uebelstanb baß ber Lehrer baburch gewissermaßen unabkömmlich ist unb keine Erholungsreise machen bars. Die Leute fiitb so egoistisch, zu beuke», einen Lehrer, ber uns nicht immer zu Gebote steht, wollen wir nicht haben. Bei kleineren Gemeinben nun, bereu Mitglieber burchweg Nichtmetzger siub, unb bie baher bas Fleisch vom christlichen Metzger beziehen, ba ist es schon eher erforderlich, baß ber Lehrer bie Schächterfunetion versehe, beim welches Mitglied würbe sich dazu verstehen, bas Schächten zu erlernen? Es müßten aber auch ba nur bestimmte Zeiten zum Schächten sein uub müßte bem Lehrer nur bie Berpflichtung obliegen, bei einem, höchstens zweien zu schächte». Auch müßte mit bem Reiben ber hl3“lD nicht zuviel Zeit vergeubet werben. Daß mir Religionslehrer Schächter sein sollten, nicht aber Elementarlehrer, ist kein glücklicher Gebanke, — beim bann wollten bie Gemeinben, bei beiten bas die Hauptrolle spielt, nur Religiouslehrer. Es wäre aber besser, wenn bie Lehrer nicht blos Religiouslehrer wären, wenn bie Jugenb nicht blos angehalten wäre, christlich - eonfessionelle Schulen zu besuchen uub baburch bes letzten Restes ihrer Religiosität verlustig zu gehen. So lange man christlicherseits keine Simultanschulen will, also bas Jubenthum als nicht ebenbürtig betrachtet, müssen silbische Elementarschulen unterhalten werben, in benen bie Kinber bas Jubenthum von ber Pique auf lernen. Doch bavon vielleicht ein anbermal. Aus Kamrover. Dem letztjährigen Rechenschafts- Bericht bes hiesige» Wohlthätigkeits-Bereins im 123. Jahre seines Bestehens entnehmen wir folgeube, auch für weitere Kreise interessante Mittheiluugen: Die Jahres-Einnähme betrug iusgesammt 12473 M. baruuter au Beiträgen ber Mitglieber uub Eiukaufsgelber M. 4741.32, Spenben in ber Synagoge M. 655.35, Schenkungen M. 500, Ertrag ber Büchsen 1113.82. Außerbem würbe bem Vereine eine größere Schenkung von M. 1500 in Werthpapiereu gemacht, beren Zinsen ben Schenkgebern bei ihren Lebzeiten Vorbehalten sind. Verausgabt würben bagegen iusgesammt 12125 M., darunter für Verpflegung uub Unterstützung Hiesiger M. 4270.65, Aerzte, Bäber, Krankenhaus, Apotheke re. M. 4396.17, Unterstützung Auswärtiger M. 477.15, Gehalt unb Pension ber Bebieiisteteu M. 1388. Das Vermögen bes Vereins beläuft sich Enbe 1884 auf 75,700 M. Außerbem besitzt ber Verein gemeinschaftlich mit ber Gemeiube ein kleines Haus am alten Friebhofe im Werthe von ea. M. 2400. Ebenso gehört bem Verein ber halbe Theil ber Gebäude auf bem neuen Friebhofe, wofür aus Vereinsmittelu etwa M. 16800 beigetragen sind. Der Verein hat ferner vier D’"lSD mit beit bazu gehörigen silberne» Gerüchen, einen Leichenwagen Mäntel, Grabunb sonstige Utensilien, Gebetbücher re. unb brei silberne Sammelbüchsen. Im Jahre 1884 siub auf unserem Friebhofe beerbigt worben: 13 Männer, 15 Frauen, 12 Knaben, 3 Mäbchen, im Ganzen 43 Personen. Etwa 2500 Reeepte im Betrage von ea. M. 1850 sinb aus ber Vereiuskasse bezahlt worben. Unterstützt würben regelmäßig 30 Kranke, 165 je nach Bebürfniß. 160 Durchreiseube uub im Lanbe Wohnenbe habe» eine Unterstützung von ea. M. 500 erhalten. Wir haben zu ben Kosten ber in bie Ferieu-Koloiiien gesandten jllbischeu Kinber auch in biesem Jahre M. 150 beigesteuert. Am Schlüsse des Jahres bestaub ber Verein aus 333 Mitglieber». 33 beitragenden Frauen uub einem Ehrenmitgliebe. Gern werden unsere Mitglieder vernehmen, baß die seit vielen Jahren projektirte Errichtung eines jüb. Kranken- und Alterversorguugs-Hauses nunmehr, vorerst allerdings nur in sehr bescheidenem Umfange, seiner Verwirklichung ganz nahe gerückt ist. Es sind bereits die nöthigeii Schritte zur Erwerbung eines Grundstückes eingeleitet, welches sich zu einer kleineren Station für Kranke und einem Asyl für ältere Personen eignet, dabei aber zugleich durch seine Raumverhältuisse die Möglichkeit einer Erweiterung zu einer größeren Anstalt bietet. Als größeres Geschenk ist dazu auch in jüngster Zeit die Summe von M. 6000 seitens eines int Auslände lebenden Hannoveraners überwiesen worden. Kassel, 26. Juli. Vor Kurzem verstarb hier der Redakteur Heunies, der Herausgeber eines unserer beiden Judeuhetzblätter, genannt „Geldmon op ol". Das „Frankfurter Journal" weiß über diesen Edlen Folgendes zu berichten: Herr Heuuies, früher Gutsbesitzer, war, wie ihm von seinen Parteigenossen »achgerühmt wurde, stets ein unerschrockener Kampfer für die Befreiung des christlichen Volkes von „jüdischer Aussaugung" gewesen. Sein Bestreben war dahin gegangen, dem kleinen Manne den Weg zu zeigen, wie er auf billige und redliche Weise Geld erhalten könne, ohne von de» „semitischen Wucherern" ausgepreßt zu werden. Im Verlaufe des Bestehens seines Blättchens wurde Heuuies vom hiesigen Schöffengericht wiederholt wegen Beleidigung und Vorbringung unwahrer Thatsachen gegen jüdische Mitbürger zu Geldstrafen und mehrmals auch zu Gefäuguiß verurtheilt. Er hatte aber nie eine Haftstrafe verbüßt, da sein leidender Zustand ihm zur Entschuldigung diente und ihn davor schützte. Jetzt ist der Wackere dahin gegangen ins Jenseits und was stellt sich nun heraus? Herr Heunies, der Brave, der das deutsche Volk so mannhaft vor den Wucherern zu schirmen verhieß, hatte an 30,000 Mark, den größten Theil seines Vermögens, dem hiesigen Rückkaufhäubler Bräutigam zu 10 Prozent, sage zehn Prozent, geliehen!! Die Thatsache kam jetzt dadurch au's Tageslicht, daß der betreffende Rückkaufshändler jüngst mit Hinterlassung einer Menge Passiva das Weite gesucht und wahrscheinlich auch das, was er noch vom Heimiesschen Kapital in Händen hatte, mitgenommeu hat! Dieser Fall liefert nun schon die zweite charakteristische Enthüllung über das wahre Wesen der Führer unserer Kasseler Antisemiten, nachdem früher bereits der Buchhändler Maurer, einer ihrer größten Heißsporne, so kläglich Schiffbruch gelitten hat. Es wäre zu wünschen, daß auch inmitten des allgemeinen konservativen Lobgesanges auf Herrn Stöcker nicht ganz vergessen würde, als welche Patrone sich die Mitkämpfer des Herrn Hofpredigers entpuppen. Aus Keffen. (Or.-Corr.) Eine seltene und schöne Feier fand am 27. Juli e. in dem kleinen, aber herrlich gelegenen Städtchen Ziereuberg statt; es war das goldene H och zeits fest des emeritirten Lehrers Herrn Jacob Gu tkiud und dessen Gemahlin Jettchen, geborene Eliel. Von der isr. Gemeinde selbst, die mit seltener Liebe und Hochachtung an dem Jubelpaare hängt ttttb deren Mitglieder fast alle Schüler des Jubilars sind, war das Fest veranstaltet und in bester, würdigster Weise ausgeführt worden. Solche Freudeutage im Lehrerlebeu, eine so allgemeine Anerkennung und so viele Beweise der Dankbarkeit sind wahrhaft erhebend und ermuthigend für jedes Lehrerherz. Die Feier selbst hatte folgenden Verlauf: Frühmorgens wurde dem Jubel-