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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-07-30 · N° 31. (30.7.1885) · p. Seite 252

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 31. (30.7.1885)
Date
1885-07-30
Page
Seite 252 (sequence 4)
Language
German
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das Dasein geben würde? Mögen diese Zeilen eine Anregung sein zur Thal. Areskau. Ueber den. wie in voriger Nr. bereits kurz gemeldet, in Salzbrunn verstorbenen Professor Or, Oscar Berger, schreibt die „Breslauer Zeitung" v. 20, wie folgt: „Unsere Hochschule und insbesondere die mcdicinische Facultät hat einen schweren Verlust erlitten — Herr Professor vr, Berger ist gestern in Salzbrunn, wohin er sich zur Erholung begeben hatte, gestorben. Gerade in den letzten Tagen war sein Befinden anscheinend ein besseres; College«, die ihn in diesen Tagen besuchten, brachten beruhigendere Berichte über seinen Zustand; gestern Vormittags begab er sich in Begleitung von Verwandten auf die Promenade des Kurortes: während er in behaglicher Munterkeit spazierte, traf ihn ein Gehirnschlag; es war ihm noch möglich, eine nahestehende Bank zu erreichen. Bald verschlimmerte sich aber sein Zustand; nachdem er in seine Wohnung gebracht war, verfiel er in eine Somnuleuz, aus welcher er nicht mehr erwacht ist: nach wenigen Stunden ist er sanft entschlafen; ein auf telegraphischem Wege an sein Krankenlager berufener Arzt aus Breslau traf ihn nicht mehr am Leben, Es war den Freunden des Prof. Berger schon längere Zeit bekannt, daß derselbe ein Leiden hatte, das nur geringe Aussicht auf eine dauerndere Erhaltung seines Lebens bot; er litt an einer tückischen Krankheit, an einer Nicrcnschrumpfung, der in tragischer Weise zwei andere Zierden unserer Universität (Spiegetberg und Cohnheim) vor wenigen Jahren erlegen sind. Neben den beiden zuletzt genannten Männern führt wehmüthige Erinnerung uns noch den frühzeitigen Heimgang des Pros, Oscar Simon vor die Seele; Prof, Berger har nur ein Alter von 40 Jahren erreicht; in gleich blühendem Lebensalter sind Cohnhcim, Spiegetberg, Simon dahingegangen. Die deutsche Wissenschaft hat die reiche Ernte aller vier Männer trotz der ihnen so karg zugemessencn Arbeitsjahre eingeheimst; dieselbe wird auf lange Zeit hinaus die Grundlage aller Forschungen bleiben, auf die immer von Neuem diejenigen, welche die nämlichen Wissensgebiete beherrschen, zurückkommen werden. Prof, Berger wollte, wir möchten den Ausdruck wagen, nicht krank sein; stets suchte er sich und Andere über das Bedenkliche seines Zustandes zu beruhige»; er wollte gesund sein, wollte sein unermüdliches Schaffen fortsetzen, und es bedurfte des dringendsten Einspruches der ihn behandelnden Aerzte, um ihn bei jeder Besserung seines Befindens von der Wiederaufnahme seines ärztlichen Wirkens abzuhaltc». Es muß Fachblättern und Fachmännern Vorbehalten bleiben, eine Rückschau zu halten über die Fülle der wissenschaftlichen Leistungen des Verstorbenen; hier genüge cs, daran zu erinnern, daß er in hiesiger Stadt, an hiesiger Universität eine wissenschaftliche Neuropathologie, eine Nervenheilkunde, überhaupt erst begründete, daß er es war, der in erster Linie die epochemachenden Arbeiten des berühmten Pariser Nervenarztes Charcot, welche bis dahin in Deutschland zum Theile nicht gekannt, zum Thcile angezweifelt waren, zu einem Gemeingute unserer Aerzte machte, DaS kolossale Material, über welches er in seiner großen Clicntclc, in seiner poliklinischen Thätigkeit und als dirigircnder Arzt der Krankenabtheilung des hiesigen städtischen Armenhauses deponierte, bot ihm eine Fundgrube für immer neue Arbeiten. Wie ein deutscher Forscher Reinhardt, der bedeutsame Entdeckungen über das Wesen der Tuberculose machte, iin Alter von einigen zwanzig Jahren ein Opfer dieser unglückseligen Krankheit geivorden war, so ist auch Prof, Berger einer consecutiven Gehirnkrankheit erlegen, über deren Zusammenhang mit anderen Affectionen seine Studien Aufklärung gegeben haben. Berger's Name wurde in der ärztlichen Welt, auch derjenigen des Auslandes, schnell bekannt; die angesehensten medicinischen Blätter zählten ihn zu ihren eifrigsten Mitarbeitern; da er nicht blos quantitativ, sondern vor Allem qualitativ erfolgreich arbeitete. Es dürfte kaum eine Arbeit über Nervenkrankheiten veröffentlicht worden sein, in welcher sein Name nicht citirt worden ist, Berger hat aber vor Allem noch ein bedeutendes Talent gehabt. Er war ein vorzüglicher Lehrer nicht blos der Studenten, welche er in seine Wissenschaft einzuführen hatte, sondern auch der Aerzte, welche sich zu seinen Vorlesungen drängten. Seine Darstellung war eine klare, lichtvolle; immer blieb ihm der trockene Kathederton fern. Durch Demonstrationen und Vorführung einer reichen Casuistik reihte sich seine Lehrmethode derjenigen der besten deutschen Kliniker, die wir an verschiedenen Universitäten gehört haben, an. Seine Vorträge in der hiesigen vaterländischen Gesellschaft, in dem Vereine der Aerzte des Regierungsbezirks Breslau fanden immer eine große, aufmerksame Corona, Und so oft an der hiesigen Universität Feriencurse zur Fortbildung praktischer Aerzte abgehalten wurden, zäblte sein Cursus über Nervenkrankheiten zu den besuchtesten. In seinem gastfreien Hause verkehrte die srudirende Jugend gern. Eine unabsehbare Zahl medicinischer Doctor-Dissertationen gab in ihrer Widmung dem Danke Ausdruck, den die Verfasser dem Professor Berger für die wissenschaftliche Förderung, die er ihnen angedeihen ließ, zollten. Seine Schüler waren bei Specialisten und Instituten für Nervenkrankheiten als Assistenten sehr gesucht, Berger» Wiege hat nicht in dem Hause eines Reichen gestanden: in kümmerlicher Weise mußte er seine Gymnasial- und Studienzeit fristen; die freie Zeit, die andere Musensöhne ihrer Erholung und ihren Vergnügungen widmeten, mußte er für Privatunterricht verwenden, der ihm seine Subsistenzmittel aufbrachtc. Aber Niemand hätte in ihm den „armen Studenten" errathen. Auch besaß er ElasUcirät genug, um in der Studienzeit noch einen Verein zu leiten, welcher wissenschastlichcs Streben anregen sollte. Die Erinnerung an seine Jugend hat ihn nicht bitter gestimmt; sie hat ihn blos dazu angetrieben, mit materieller Hilfe unbemittelten Studirenden bereitwilligst bcizuspringen. Auch in seiner Thätigkeit als helfender Arzt machte sich sei» menschenfreundlicher Sinn immer geltend. Allen, die ihn aufsuchteu, gleichviel ob arm oder reich, bewährte er sich als theilnehmender, wohlwollender Bcrathcr, Da, wo keine Hoffnung, keine Rettung möglich war, stellte sich noch immer ein aufrichtendes Wort des Trostes ein, und wir haben an manchem Krankenbette in den milden Augen des gestählten Arztes Thränen blinken sehen. Er hat die Thrüncn reich verdient, die heute an seinem offenen Grabe fließen werden. Aus Welipreuße« (Or.-Corr.) Als vom Herrn Cultusminister Goßler die Verfügung erlassen wurde, daß für die Anfertigung der schriftlichen Arbeiten beim Abiturientencxamen seitens der jüdischen Schüler eine Dispensation vom Schreiben am Sonnabend nicht beansprucht werden kann, ließen sich viele Stimmen im jüd, Lager vernehmen, welche mit Recht darin eine Calamität erblickten, wenn die studirende Jugend, zumal diejenigen, die Rabbiner zu werden beabsichtigen, in Folge dieses Erlasses gezwungen würden, durch Schreiben den Sabbath zu entweihen. Es wurde dann darauf hiugewieseu, daß die Juden selbst Schuld an dem Erlaß dieser Verfügung hätten. Denn bevor der Cultusminister diesen Beschluß gefaßt hatte, erging zunächst an die Provinzialschulcollcgien und von diesen an die bctr, Gymnasialdirectoren das Gesuch, statistisch festzustellen, wieviel jüdische Schüler des Sonnabends schreiben und wieviel nicht. Nach den Erkundigungen, die ich eingezogen habe, prävatiert die «) Er war am 20, November 184t in Münsrerberg >Schiesie,0 geboren, babilitirte sich im Januar 1873 als PrivatdozKlt an der Breslauer Universität, und wurde Litern desselben JabrcS bereits zum Prosessor ernannt. Er war einer sehr rclig, Familie entsprossen, ein Urenkel des Breslauer LandrabvinerS R,Äbron b, Jchuda Karfunkcl "TSi (Bers.'S der ,T‘'2S nin?S®, ""» denen nur dcr I, Band im Druck crschieii, das andere Manuskript besuidet sich zum Ti,eil in unsern Händen, die inir das Glück halten, eine Enkeliit dieses gelehrten Rabbiners als Gattin — leider nur 20 Jahre — zu be scheu, (R-dd, I, SB.)

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