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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-07-23 · N° 30. (23.7.1885) · p. Seite 246

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 30. (23.7.1885)
Date
1885-07-23
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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Seiten cntgegengebracht worden; das wünschen alle seine Freunde ihm und den Seinen aus tiefstem Herzen. X Dresden, im Juli. Dr.-Corr.) Der Gemeinderath hat dieser Tage einige neue Beschlüsse durch Anschlag in der Syuagoge veröffentlicht, oder richtcr bemerkt einige schon vorhandene nur in etwas veränderter Form erneuert und nachdrücklich zur Kenntniß gebracht, daß u. A. ein Synagogenplatz nur von einer Person und einem schnlpflichtigcn Kinde benützt werden dürfe. Das ist ja im Grunde genommen gerechtfertigt. Jndeß, tvic die Dinge hier, und gewiß an viele» Orten, jetzt liegen, sind solche Verordnungen nur für die 3 höchsten Feiertage bestimmt, denn an Sonnabenden und anderen Festtagen ist ja das Gotteshaus wohl mehr oder weniger gefüllt, aber eine Ucbersüllung ist da vorläufig nicht zu erwarten. Die hics. Synagoge 1840 eröffnet, zu einer Zeit, da die Gemeinde 700 Seelen höchstens zählte, kann natürlich, trotz aller künstlichen Vermehrungen der Plätze an den höchsten Feiertagen heute, wo 3000 Seelen hier sind, nicht mehr genügen. Da müssen Nebcnsynagogcn eröffnet werden und besteht eine solche hier als Privatunternehmcn bereits seit mehreren Jahre». Dies ist indeß mehr eine Spcculatiou, die jedoch den erhofften Gewinn nicht abwerfcn dürfte und der Unternehmer sicht sich darum veranlaßt, das „Geschäft" zu unterlassen. Was dann? Besser doch die Gemeindeverwaltung nimmt es in die Hand, zur Steuerung des religiösen Jndiffercntismus dafür Sorge zu trage», daß es Jedem und zwar ohne zu große Kosten ermöglicht werde, mindestens an diesen 3 Tagen das Gotteshaus zu besuchen. —■ Voraussichtlich wird ein Projekt, das eine wesentliche Verschönerung des Stadtthcils, in dem die Synagoge gelegen, hcrbeiführen soll, auch den Neubau einer Synagoge durch eine sich bietende vortheilhafte Gelegenheit beschleunigen. Ein Uebelstand aber muß noch durch einen Beschluß beseitigt werden, wir meinen unnöthige Ucberfüllung des kleinen Gotteshauses an den 3 höchsten Feiertagen mit Kindern bis zum zartesten Alter, die nicht das mindeste Vcrständniß haben, wohl aber auf die Andacht Anderer störend einwirken. (Hier in Magdeburg, wo die Verhältnisse ähnlich liegen, ist die Einrichtung getroffen, daß nur die die Religionsschule bereits besuchenden Kinder an diesen Tagen nach dem Tempel kommen dürfen. Red.) Oesterreich-Ungar». Micn. In einem Hörsaale der hiesigen Universität constituirte sich eine akademische Gruppe des deutschen Schulvereins und faßte unter zahlreichen „Pereaks" auf die Wiener Judenschaft den Beschluß, keine Juden, auch nicht semitische Antisemiten (deren es leider nur zu viele giebt) in den Verein aufzunehmen. Also hat der deutsche «chulvcrein dem Judenthume in aller Form den Krieg erklärt, und wie man hört, soll der mit Hülfe jüdischer Stimmen in der inner» Stadt Wien zumReichsraths-Abgeordnctengewähltevr. Weitlof dieser Bewegung im deutschen Schulvereinc nicht ganz ferne stehen. Auch Prof. Steinwender legte in einer Versammlung zu Rudolfsheim das Geständniß ab, daß dem deutschen Schulverein der Vorwurf gemacht werde, isr. Schulen zu subventiouiren. Wahrscheinlich wird diese neue Gruppe von der Leitung des Schulvercins dazu angehalten werden, obigen die akademische Jugend entehrenden Beschluß schloß rückgängig zu machen: doch lernen wir daraus, was unsere Aufgabe ist. Wie viele giebt es unter uns, die für diesen Verein schwärmen, ihn unterstützen und fördern, während jüdischen Institutionen nicht die nöthige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Arakarl. (Or.-Corr.) Das Ritter'sche Ehepaar wurde bekanntlich von der kk. Staatsanwaltschaft zum dritten Male in den Anklagestand versetzt; allein der wackere Vertheidiger vr. Rosenblatt recurrirte dagegen beim Oberlandesgerichte, und es dürfte vielleicht die Anklage aufgehoben werden. Die hiesigen Studenten am Gymnasium bilden eine freie Gesellschaft, nicht einen Verein mit besonder» Statuten — diese Gesellschaft, — welche aus Mitgliedern vom Obergymnasium sich rekrutirt, will das vom Rabb. vr. Duschak im Gymnasium aus der jüd. Religio» und Geschichte Gehörte und Gelernte bei Zusammenkünften auf den, Wege des PrivatfleißeS erweitern und in Vorträgen ausgedehnter darstellcn! Es ist ein erfreuliches Zeichen, wen» jüdisches Leben und Wissen von den Studenten gewürdigt und gehoben wird. Alle Pläne und Lehrmethoden sind fruchtlos. Der Religionslehrer, wenn er Theolog und Pädagog ist, wird seinen Schüler» Achtung vor dem Gegenstände einflößcn, das ist der beste Plan und die geeignetste Methode. L’appetit vient en mangeant. Serajewo (Bosnien). Der hiesige Oberrabbiner Chacham Jehuda Finzi wurde von einem spaniolischen Juden verständigt, daß der Gerichtspräsident von Tuzla (Bosnien), ein österreichischer Baron, sich geäußert habe, er sei genöthigt, in Anbetracht der Schlauheit der spaniolischen Juden, den im statthabcnden RechtSfallc vom Gerichtshöfe dem Juden zucrkannten Eid auf de» Gegner (Christ) des Geklagten zu übertragen. Der Oberrabbiner begab sich sofort zur Statthaltcrci Bosniens und verlangte Geuugthuung mit folgende» Worten: „Exeellenz! Ich kann nicht glauben, daß die glorreiche Regierung unseres allergnädigsten Kaisers Franz Josef, die dem bosnischen Lande Heil und Segen gebracht, für uns Juden allein nur einen Fluch — den Antisemitismus — gebracht hätte. Exeellenz! diese Giftpflanze, die wir bisher in unserem Lande nicht gekannt haben, muß im Keime erstickt werden. Und darum bitte ich ebenso unterlhänig als dringend, den Gerichtspräsidenten von Tuzla zu entfernen. Wenn dieses binnen 4 Wochen nicht geschehen wird, so werde ich vor dem Throne Seiner Majestät um Gerechtigkeit flehen, und dort werde ich auch Gerechtigkeit finden! — Nach kurzer Zeit mußte der Herr Gerichtspräsident Tuzla verlassen, um nun in einem anderen Städtchen Oesterreichs darüber nachzudenken, wie gerecht und unparteiisch Kaiser Franz Joseph alle seine llnterthaucn behandelt wissen will. Palästina. Jerusalem. Herr Wisotzky giebt auch einen ganz plausibeln Grund für das Verhalten der türk. Regierung gegen die jüd. Einwanderer. Politische Rücksichten können es nicht sein, denn diese würde» gegen christl. Untcrthanen anderer Reiche doch eher und schwerer ins Gewicht fallen, als gegen Inden. Aber die Erfahrungen, welche die Türkei mit den cittgewandertcn Tschcrkessen gemacht hat, haben sie belehrt, daß eine Fülle armer Einwanderer dem Lande so viel schade, wie ein Heuschreckenschwarm! Herr W. schildert die Posaunenbläser, welche die Armen nach Palästina verlockt haben, um sie auszuplüudern mit einer klassischen Portraitähnlichkcit: Die Wenigen, welche Geld mitgebracht haben, kamen nach Joppe oder anderen Kiistenstüdtcn, fremd, der Sprache und der Sitte unkundig und wollten Felder kaufen und Häuser bauen. Sie verstanden nichts von Landwirthschaft und haben Niemand, der sic unterweijen und führen mochte. Da kamen die Makler, deren Habgier gleich dem offenen Grabe unersättlich ist. Diese betrogen, zogen die Fremden Monate lang hin, heute bei Askalon, morgen bei Asa, dann am tobten Meere u. s. f. — und für jeden Schritt ließen sie sich gut bezahlen. So schöpften sic das Fett von der Suppe und als die Einivanderer ein Stück nichts werthen Feldes gekauft hatten, besaßen sie nichts mehr, sich einzurichten. Als schon mehr Ordnung in die Sache gekommen war, wurvcn von jeder kleinen Gesellschaft besondere Exploratoren geschickt, die zumeist mit engem Gesichtskreise und Welt unerfahren solchen Schwindlern in die Hände fielen — oder Schlauberger waren, welche sich bereichern wollten. I» Jessod Maale, dem vielgepriesenen, sind noch 7 Familien ohne Land. Sie haben das Geld gegeben, aber keinen Kaufbrief erhalten, weder Häuser noch lebendes oder todtes Inventar. Aber ihr Führer Herr Robin nimmt 80 Rubel Besoldung monatlich! Es sind überhaupt unsagbare und unglaubliche Dummheiten begangen worden. Als Forderung formulirt Herr W.: Kein Armer darf einwandern! Auch fralX in 3° Delfin die fitrei« ist. l'°' gaini Cnltn — $ der L Beim llndd welchttettiie bei d werke: dieaee Kreise dassel ölruii Ml i sich 25 f jiid. ben I könnt einiai Jene theili will, hat, Prne finge der E°lz hier ein < ‘ derbe ■; Z« 1 Ten! B«! : . Hilft imm auf Ln, seit: i bt« und % Ro

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