Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 30. (23.7.1885)
- Date
- 1885-07-23
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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245 — Conferenz wurde Neuß i» Aussicht genommen, Mandel- Linz hat schriftlich den Wunsch ausgesprochen, sein diesmal ausfallendes Referat: „Vom Einfluß des Lehrers auf die Berufswahl der aus der Schule entlassenen Kinder" auf der nächsten Conftreuz halten zu dürfe», was acccptirt wird, Lcvi-Ncuß übernimmt einen Vortrag über das Thema: „Ist zum Schulgebrauchc eine abgekürzte Tefillah und ein Auszug aus dem Pentateuch cmpfehlcnswerth?" Als Corrcferent wird LöbCöin gewonnen, — Hiermit schloß die erste Sitzung, Am nächsten Tage wurde die 2. Sitzung uma9 Uhr Morgens eröffnet. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurden, wie alljährlich zu geschehen pflegt, neue Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Litieratur, oder doch dieselbe berührend, besprochen rcsp, empfohlen, Blumcuau- Bielefeld giebt kurz der Versammlung Kunde von den leitenden Ideen seines unter der Presse befindlichen tinzwischen erschienenen trefflichen, Red,) Werkes: „Gott und der Mensch", in welchem eine rein objektive und keineswegs polemische Gcgcnllbcrstellttng der ethischen Grundsätze des alten und neuen Testaments, des Talmud und des Koran in übersichtlicher Form geboten wird. Nachdem die Versammlung von dem vertheiltcn Prospekte Kenutuiß genommen, bedeckte sich der ausgelegte Subscriptionsbogen sofort mit zahlreichen Unterschriften, Graf-Essen empfiehlt wiederholt das neu erschienene Werk von Bär: „Baal Tefillah“, als eine vorzügliche Zusammenstellung traditioneller Gesänge, der-m Anschaffung Cantoren und Gemeinden nicht warm und dringend genug empfohlen werden könne. Endlich fanden noch durch Treu-Münster d>c „Rheinischen Blätter", von A, Dieslerwcg begründet, auch in ihrer jetzigen Gestalt, ihres bildenden und echt humanen Inhalts wegen die wärmste Einpfehlung, Treu-Münster berichtete hierauf über die Berliner Schulmänner-Versammlung, Wenn auch, wie vvrauszusehen war, die Berathuug über die Normallehrplaufrage bei der so großen Verschiedenheit in der Organisation der jüd. Religionsschulen kein greifbares Resultat ergab, so bo en doch die Verhandlungen eine Fülle anregender Momente und trugen gewiß zur Klärung mancher vcrivorrener Ansichten über Methodik und Ziele des Religions-Unterrichts bei, Referent beleuchtete die einzelnen Phasen der Verhandlungen und kritisirte m seiner humorvollen Weise vom pädagogischen Standpunkte aus unhaltbare Anschauungen, die hier und da in der Versammlung hervorgetreten waren. Die Worte, womit Herr Sanitätsrath Krffteller die Versammlung schloß, „daß durch den angeslrebten Lehrplan keine bindende Schranke eingeführt werden solle; denn gerade die Freiheit der Entwickelung und Bewegung auf geistigem Gebiete sei ein Ruhm des Judenthums" — acccptire er in vollem Umfange, Aus de» freie» Besprechungen heben wir noch zwei Punkte hervor. Der Vorsitzende brachte die vom D, I, G, B, angeregte Frage der Inspektion des jüdischen Religions-Unterrichts nochmals zur Erörterung mit Beziehung auf die Verhandlungen der vorjährigen Versammlung in Duisburg, Nachdem constalirt worden, daß in dieser Versammlung ein Beschluß über die Frage nicht gefaßt worden ist, wird nach eingehender, recht lebhafter Debatte, folgende von Liepmanussohn-Minden proponirte und vom Vorsitzenden befürwortete Resolution angeuommeu: „Die Veisamii.lung hat die Frage der Inspektion des jüd. Rel.-Unterrichts nochmals einer Besprechung unterzogen. Sie beschließt, den Vorstand des Vereins zu ermächtigen^ mit dem D, I, G, B, über diese Angelegenheit, besonders über die Art und Weise, wie die Regelung derselben gedacht werde, näher zu verhandeln und erwartet Bericht in der nächstjährigen Conferenz" — Treu-Münster bringt einen Schmäh artikel ,m „Israelit," verfaßt von dem emeritirten Lehrer Roscnwald in Iserlohn, über Gemeinden und Lehrer Westfalens, sowie über die Marx-Haindorf'sche Stiftung zur Kenntniß, Die Versammlung erklärt, „sie halte es unter ihrer Würde, eine Erwiderung auf das Phamphlct zu erlassen und lehnt auch eine Besprechung desselben ab." Nachdem nun »och dem Vorsitzenden Blumenau-Bielefeld für seine unparteiische und geschickte Leitung, sowie für seine aufopfernde Thätigkeit in der Führung der Bereinsgeschäfte von der Conferenz Dank ausgesprochen, ebenso der Gemeinde Herford für die gastfreundliche Aufnahme, schließt der Vorsitzende die Conferenz und ruft derselben ein fröhliches Wiedersehn in Neuß zu. Aus dem Lauuöver'schen, den 20. Juli, (Or.-Corc.) Ueber die Verpflichtung der jüd, Lehrer zur Vornahme des Schlichtens ist bereits soviel geschrieben, daß es eine undankbare Arbeit ist, dieses Thema zu berühren. Dennoch muß es geschehen. Zunächst ist zwischen einem Lehrer, der schachtet und einem Schächter, der unterrichtet, kein Unterschied — es sei denn, daß Letzterer nicht das Lehrer-Examen bestanden hat. Dann ist er zu vergleichen mit Privatleuten, die Unterricht erthcilen, aber das Schächten kan» solche doch ebensowenig degradiren, als es den Lehrer degradirt, —> Es liegt ja im Interesse der Lehrer sowohl als der Gemeinden, daß überall nur gualificirte Lehrer angestellt werden; wo aber die Gemeinden dies nicht thun, da müßte von einem anderen Gesichtspunkte gegen dieselben polemisirt werden. Es ist ja leider der Fall, daß noch heute, wie vor Jahrtausenden in der Wüste, das Hauptinteresse der Gemeinden sich um die Frage dreht: 'O “ISD „Wer verschafft uns Fleisch zum Essen? Darum hatte der sel. Landrabbiner Or, Meyer von seinem Slandptlnkte Recht, wenn er darauf hielt, daß Lehrer und Schächter in einer Person vereint waren. Der Gemeinden giebt es viele, die offen sagen: Wir brauchen keinen seminaristisch gebildeten Lehrer, ein Schächter thut uns nöthig, der kann ja auch unterrichten, — Das Verdienst des sel, vr, M, ist's nun, daß umgekehrt nur seminaristisch gebildete Lehrer in der Provinz Hannover angestellt sind und diese schächten auch, — Nun ist heutzutage ja eine Agitation im Gange, die den Lehrern die Verpflichtung zum Schächten abnehmen will. Sie hat viel für sich. Die Gemeinden sollen die Lehrer so anstellen, daß sie ohne die fürs Schächten entfallenden Gebühren existiren können. Das Regulativ von 1854 spricht es aus, daß thunlichst das Schächtamt vom Lehramt getrennt toerden soll. In der vorjährigen Lehrcrconferenz kam diese Angelegenheit zur Sprache und wurde beantragt, eine Resolution zu fassen dahingehend, daß überhaupt die Elemcntarlchrer nicht schächten sollen. Diese Resolution kam mit dem Zusatze „so weit thunlich" zu stände. In dieser Fassung hat sie auch meinen Beifall, „Sv weit thunlich," — Denn nicht immer ist es thunlich! (Schluß folg,.) Hannover, 16. Juli, (Or.-Corr.) Am jüngsten Sabbath 'l-Dvl mtBü 'S fand nach Schluß des Gottesdienstes zu Ehren des nach Cassel als Landrabbiner abgehenden Herrn Or, Prager im Sitzuugssaale der Synagoge eine allen Anwesenden unvergeßliche kleine Abschiedsfeier statt. Allsabbathlich und im Winter außerdem noch zweimal wöchentlich hatte Herr Or, Prager einer Anzahl von Zuhörern aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaften regelmäßige Vorträge gehalten, und auch Mischnajot Rambani mit ihnen gelernt. Demselben hierfür in schlichten, einfachen Worten inmitten der zahlreich erschienenen Hörer zu danken, hielt der Alterspräsident Herr I, D, Gotthelf eine kleine Anrede und überreichte dem Scheidenden zum Schluß ein prachtvoll ausgestattctes, vom Tischlermeister Herrn Carl Goldschmidt mit Fleiß und Liebe gearbeitetes BHlpri Herrn Dr. Prager sah man wohl an, daß ihm das Scheiden von hier schwer wird. Thränendeu Auges dankte er für das schöne Geschenk, das ihm stets die Erinnerung an die hier verlebte Zeit und an die freundlichen Geber vor die Seele führen werde. H. Pr, tritt am 1, August seine neue Stelle an. Möchte ihn der Allgütige in seine zukünftige Heimath geleiten, ihm und seiner Fanulie auch die Liebe der neuen Gemeinde entgegenbringen, wie sie ihm hier von vielen