Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-07-16 · N° 29. (16.7.1885) · p. Seite 238

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 29. (16.7.1885)
Date
1885-07-16
Page
Seite 238 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5369809-9586215-9584860--5823-9584866
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

— 238 — >.r ,' I KM i'J ■!-, möchte er von denselben auch den weitesten Gebrauch machen, zuvörderst: 7NNNN pp D'inb sich seiner bedrängten Collegcn ernst, energisch und brüderlich annehmcn, damit das Wort sich bei ihm bewähre und erfülle: "fia 1VV “pm2K nnn. Nur dann können und dürfen wir der Hoffnung Raum geben, daß so vieles Faulgcwordene wieder gesund, anders und besser werden wird, — Die Radikalmittel hierzu wollen wir s, G. w, und wenn Sic es, hochgeehrter Herr Redakteur, gestatten, (— recht gern! Red. —) nächstens hier veröffentlichen, Amiti. Frankreich. H'aris. lieber die Ergebnisse der statistischen Aufstellungen v, Oettinger's haben wir schon berichtet, wonach bei Katholiken der jährliche Ucberschnß der Geburten 0,48(°/0) bei Protestanten 0,96 und bei Jude» 1,53 ausmacht. Herr Dr. Lagneau hat für Frankreich aus dem Jahre 1861 bis 1866 herausgcrechncl für Kath. 0,33, Prot. 1,10 und Juden 2,27. — Es scheint also doch nicht so ganz zufällig zu sein! Der „Jujei Krai", ein Charkowcr Blatt. constatirt, daß in Folge des Genusses von Stör Todesfälle vorgekommen sind und singt dabei den mos. Speiscgesetzen ein begeistertes Loblied, welche die Fische ohne Schuppen und Flosse» verbieten, der Stör aber zeichne sich durch die Abwesenheit dieser Kennzeichen aus! Raris. Eine Frau hat zwei Kinder, welche sich Lina und Nina Seligmann nennen, in einer Droschke sitzen lassen. Es ist kaum glaublich, daß es die Mutter gewesen ist, welche sich so ihrer Kinder entledigt hat! Wenn aber doch — nun wir machen eben sehr große Fortschritte auf dem Gebiete der Assimilation! Herr Ingenieur Le vH hat eine silberne Medaille für die Rettung eines verschütteten Arbeiters erhalten. Eine Ehrenvolle Erwähnung ist von der Akademie der schönen Künste (Abtheil. Musik) Herrn Gedalge zuerkannt worden. Der Deputirte Herr F. Drehfuß, Sccretair des höchsten Gefängnißrathes gehört zu den 3 Mitgliedern, welche diesen Rath auf dem internationalen Congreß für Strafrecht in Rom im Oktober er. vertreten ivcrden. Für die Uebersetzung von Abrabanels „Grundlage des Glaubens" ist der Rabbiner Masse von der historischen Akademie in Madrid zum correspond. Mitgliede ernannt worden. Ein Brief der Rachel an die Herzogin v. Orleans ist bei einer Autographen-Bersteigerung für 250 Fr. abgegeben worden. Algier. Der Haß gegen die Juden lvird hier von den Radikalen geschürt. Vom 28. Juni bis 5. Juli gab's tagtäglich Straßenaufläufe. Arme, dumme Jungen sind die Werkzeuge der Communarden, „Tod den Juden — fort mit den Juden" brüllen die Kerls, welche gern Scheiben einschlagen und auch ein wenig Plündern nicht verachten. Die Juden setzen sich zur Wehr — besonders seitdem mehrere schwer verletzt und ein 19 jähriger Commis, David Zenonda, lolgeschlagen worden ist. Deshalb sind auch manche Juden verhaftet worden. Leider stehen 2 im Verdacht: „Nieder mit den schmutzigen Franzosen" gerufen zu haben. — Aus Oran sind auf Betreiben des isr. Consistoriums eine Anzahl (20) unterhaltslose marokkanische Juden und Jüdinnen per Schiss nach Tanger zurückgebracht worden. Rufiland. Petersburg. In der Generalversammlung des Vereins zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden Rußlands vom 3. Juni wurde ein Rückgang der Einnahmen und ein Schwinden des Fonds aui 7000 Rubel constatirt. Auch Rückzahlungen der an Studircndc verliehenen Stipendien von denen, die Antt und Vermögen gewonnen haben, gehen nicht in erhofftem Maße ein. — Es wurde der Vorstand beauftragt, Vorbereitungen für die Feier des 100. Todestages Mendelssohns (4. Januar 1886) zu treffen! — Während man die jüd. Zöglinge des Ingenieur- Instituts von der Mcldungslistc für Anstellungen in Afghanistan streicht, sendet man den Dr. Hilarion Kaufmann »ach Westeuropa, die Fabrikgesetzgebung zu studiren und als Mitdelegirter Rußland auf dem statistischen Kongresse zu vertreten. Ja, Kuriositäten braucht man hier nicht zu suchen, die liege» aus der Straße. Der Senat entscheidet: Nichtchristliche Ausländer dürfen in die Innungen ausgenommen werden — nur die Juden sind ausgeschlossen! Aus einer jüdischen Gemeinde wird folgendes originelle Vorgehen berichtet: Eine Hinterlassenschaft von 10000 Rubel reichte für die Begründung einer Handwerkerschule nicht aus! Was thun die Schlaumeier? Sie begründen mit diesem Kapital ein Bank- und Leih-Geschäft, eine Anzahl Leute tritt als stille Partner ein und von dem Gewinne soll die Schule erhalten werden!! In Riga brauchen die jüd. Polytechniker nicht mehr alljährlich, sondern wie ihre christl. Mitschüler nur ein für allemal die polizeiliche Aufcnthaltsbewilligung nachzusnchen. Das Urthcil des Kriegsgerichts in Rawno ist durch Graf Drentclcn bestätigt worden. Die Strafe der schlimmsten Judenhetzcr hat er dabei erheblich gemildert, die der Juden, welche in der Vertheidigung vielleicht etwas zu weit gegangen, sind pure in voller Höhe bestätigt worden. — Russische Gerechtigkeit! In Moskau haben die Freunde eines leichtlebigen Juden, der sich schließlich gctödtet hatte, die Leiche auf dem lutherischen Friedhofe beisetzen lassen, weil die Chewra 1000 Rubel für die Beerdigung gefordert hatte. Solch Unwesen muß solchen Unfug Hervorrufen. Ob der Herr Pastor auch einem christlichen Selbstmörder Gesang und Rede bewilligt hätte, bezweifeln wir freilich. Aus Kurland hört man wieder von Austreibungen der aus den Dörfern wohnenden Juden, ohne Rücksicht ob sie 1 oder 10 Jahre dort wohnen, selbst gediente Soldaten werden nicht geschont. — In der „Nowo Wremja" selbst klagt ein Gutsbesitzer gegen die Gesetze, welche den Juden die Gutspacht verbieten. Der Schreiber selbst hatte seinen Knechten verboten, Juden auf den Hof zu lassen. Da blieb ihm sein Getreide auf dem Halse, seine Mühlen standen still, die ihm gehörenden Wirthshäuser blieben leer. An den Sabbathcn der Juden ist alles Geschäft tot. Der Fleischer ist ein Jude, der Schneider ist ein Jude, der Fuhrmann ist ein Jude, der Barbier — auch er ist ein Jude. Der Jude ist Alles undohne ihn ist Nichts! — Palästina. Jerusalem. Nicht in Palästina als Ackerbauer, sondern in Syrien als Kausleutc, will der ehrenwerthe Herr Wisotzki die russischen Juden sich ansiedeln sehen. Gesellschaften von 10—15 sollen sich in den klcinasiatischen Kllstenstädten niederlassen und Exportwie Importgeschäft betreiben. Ferner weist er ans Fabrikation von Mehl und Ocl mit guten Maschinen hin! (Das hat unsere ungetheilte Zustimmung. Denn aus den Händlern werden nicht im Hand-! umdrehcn Ackerbauer. Red.) Die Rumänischen Eolonisten beklagen sich, daß Dr. Adler ihnen nichts gebracht und bitten um anderweilen Ersatz! Der Chacham Baschi weist den Vorstand von „Esras Niddachim" in seine Schranken, der angefangen hatte, sich um die Fabrikation der Mazzos zu kümmern. Ein Dorf Gi»das bei Sichem wird von der Regierung billig zum Verkauf gestellt. Aus dem Montefiorcfonds sind Herrn Wisotzki 30,000 Fr. für 3 Colvnien zur Verfügung gestellt, sodaß er 30,000 M. im Ganzen zur Verfügung hat. Mermischte nnd neueste Nachrichten. Magdeburg. Herr Dr. Gustav Karpeles sendet uns von seinem auf dem Landgute seines Schwiegervaters bei Warschau gelegenen Lommeransenthalt aus Folgendes zur.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.