Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-07-09 · N° 28. (9.7.1885) · p. Seite 230

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 28. (9.7.1885)
Date
1885-07-09
Page
Seite 230 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5369809-9586215-9584851--5814-9584857
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

£ — 230 — ■i'-; i '■M M fiat, in weit ausreichendem Maße befindet. Dabei sind die Gesänge echt traditivnell und ziemlich einfach, auch sehr erhaben und wirkungsvoll. Man prüfe und urtheile! — Wenn nun für jeden Lehrgegenstand längst ein Lehrbuch eingefllhrt ist, aus welchem der Zögling sich präparieren kann, warum sollte das Chasonus da zurückstehen, zumal cs für den späteren Beruf nöthiger ist, als das umfangreiche Wissen in Geometrie, Naturkunde uud Chemie. Sorgt dafür, daß die Seminarzöglingc fleißig Musik pflegen und gebt ihnen dabei das erwähnte Werk in die Hand, sorgt weiter dafür, daß der Lehrer des Chasonus selbst eine ausreichende musikalische Bildung habe und seinem Unterrichte das vortreffliche Werk von Bär zu Grunde lege — dann werden in Zukunft weitaus bessere Erfolge erzielt werden, als cs bisher der Fall war. Mögen unsere Seminardirektoreu diesem Gegenstände mehr Aufmerksamkeit zuwcnden, damit die vielfach berechtigten Klagen über stümperhaftes Bordeten ihrer Zöglinge allmählich verstummen. Wesel, 30. Juni, lieber die Feier der goldenen Hochzeit 'des Ehepaares W. David sei au dieser Stelle rcferirt, um zu zeigen, in wie schönem Einvernehmen i» hiesiger Gegend die verschiedenen Confcssionen mit einander leben. Am Vorabende brachte eine Säugerschaar ihre Ovation durch mehrere trefflich vorgetragene Lieder. Am eigentlichen Festmvrgcn hatten die christl. Nachbarn schon in aller Frühe das Haus der Jubilarc durch Fahnen, Guirlanden uud Inschriften prächtig geschmückt und war die Straße reich beflaggt. Die Festlichkeit begann alsdann um 9 Uhr mit einem feierlichen Gottesdienst in der Synagoge, bestehend aus Predigt, Gebet und einer vom Chore eigens dazu einstudirten, cxact ausgeführteu Hymne. Dem Jubelpaare waren vor dem Altäre Sitze eingerichtet, und war die Synagoge nicht nur von den Glaubensgenossen, sondern auch von Freunden und Bekannten, Angehörigen anderer Confcssionen, besucht. Im Schulhause hatten sich gegen 10 Uhr die Schülerinnen der Israel. Schule, jede mit einem Bouquet in der .Hand, cingcfunden. Diese wurden in geordnetem Zuge, durch die dazu gewählte Deputation, dem Fcstkvmils, zur Wohnung der Jubilanten geführt. Dort angekommen, gratnlirte eins der Kinder in dichterischen Worten Namens der Schaar der Kleinen, das Ehrengeschenk der Gemeindemitglieder prüsentirend, und alle brachten ihre Blumenspenden. Ein Mitglied des Festkomitss überreicht alsdann mit auf die Bedeutung des Tages und die Gnade des Höchste» hinweisenden Worten und unter Glückwünschen das Festgeschcnk. Deputationen der Nachbarschaftcn kamen, das Jubelpaar zu begrüßen, und liefen eine große Zahl Glückwunsch-Telegramme selbst ans weiter Ferne ein. Abends vereinigte ein von dem Feftkomits arrangirtcr Fcstball die ganze Schaar der Freunde im Theatersaal. Bis zum Tagesanbrüche herrschte die fröhlichste Stimmung, und gicbt den besten Beweis von der Rüstigkeit des Jubelpaares, daß dasselbe bis zum Schlüsse durch seine Anwcicnhcit das Fest verherrlichte. Oesterreich-U»gar». Krakau, 29. Juni. (Or.-Corr.) Als erfreulicher Lichtpunkt in der jetzt vorherrschenden trüben Zeitslrömung dürfte es bezeichnet werden, daß zu der im Aufträge des Unterrichts- Ministeriums vom 10. November 1884 vom hiesigen K. K. Bezirksschulrath eingesetzten Schulcommission zum Entwerfen eines püdag. didaktischen Lehrplanes für die in der Volksschule durchzunchmenden Realien und Festsetzung der Pensa für die einzelnen Klassen mit Berücksichtigung der Frage, inwieweit der Lehrer auf das Gemüth und religiös-sittliche Gefühl der Jugend einen herzgewinnenden Einfluß ausüben könne auch zwei jüdische Lehrer berufen worden sind, nämlich der Direktor der 5. Volksschule, Herr M. Munk, und der Lehrer Herr M a x S ch l e s i n g e r, und wurde letzterer mit der Arbeit über die vaterländische und allgemeine Geschichte und Geographie betraut. Nach mehrmaligen Commissionsberathungen wurden die Ausarbeitungen gegen Ende des Schuljahres dem K. K, Bezirksschulrath vorgelegt. Dieser berief 'hierauf auf den 27. d. M. unmittelbar nach dem Jahresschluß die gesammte Lehrerschaft der hier bestehenden 36 Volksschulen beiderlei Geschlechts zu einer Gcneralconferenz behufs endgiltiger Prüfung uud Besprechung der vorgclegten Arbeiten, um sie sodann der Landesstclle zur Genehmigung zu unterbreiten. Die Versammlung bestand aus mehr als 100 Köpfen, Nachdem der K. K. Schulinspector die wichtige Bedeutung der heutigen Conferenz nach allen Richtungen der Versammlung klar zum Bewußtsein führte, wurde Herr Schl es i n ge r als Referent ersucht, sein Elaborat der Versammlung vorzulesen. In der umfangreichen Einleitung behandelte er die pädagogische Seite des vorliegenden Lehrstoffes eingehend und erschöpfend und wies darauf hin, wie der Lehrer auch hier Gelegenheit nehmen könne, den Geist des Kindes zum Guten und Edlen auzuregeu, und nach den Religionsgrundsätzen das Herz zu erwärmen. Sodann ging er zur didaktischen Seite des Gegenstandes über, sowie zur planmäßige» Bertheilung des Stoffes auf die bezeichneten Klassen. In beiden bekundete Referent eine erstaunliche Kenntniß und Erfahrung im erziehlichen, wie im lehrenden Momente. Die Versammlung zollte der zweistündigen Vorlesung lauten Beifall und bekundete ihre ungetheilte Zustimmung dadurch, daß sich Niemand veranlaßt fühlte, dagegen irgend einen Eimvand zu erheben, obwohl der Vorsitzende Herr Schulinspector bei jedem Absätze die übliche Diskussion eröffnctc. Gegenüber solch' erfreulicher freisinniger Manifestation seitens der laudesfllrstlichen Schulgesetze, die nach Thunlichkeit keine confessionelleu Differenzen zur Geltung kommen läßt, muß anderseits registrirt werden, daß die hiesigen öffentlichen Journale von einem hier debütirenden 7'/, Jahre alten Wundcrknaben, Namens Moritz Rübner aus Oswiccim, der die schwierigsten Rechuungsprobleme jeder Kategorie binnen 5—8 Minuten im Kopte auf's Pünktlichste zu lösen vermag, absolut keine Notiz nehmen will. Dem Vernehmen nach begicbt sich das phänomenale Kind in Begleitung des Vaters auf Reisen; möge ihm allenthalben verdiente Anerkennung zu Theil werden. Frankreich. Aaris. Am 19. Juni hat die Akademie der Inschriften und schönen Künste den Budgetpreis für hebräische Uebcrsetzungen wissenschaftlicher uud philosophischer Werke Herrn Moritz Steinschneider in Berlin zucrkannt. (Wir freuen uns dieser Auszeichnung ebenso als Deutsche wie als Juden.) — Herr und Frau N. B. Oppenheim haben bei Gelegenheit ihrer goldenen Hochzeit durch den hiesigen Oberrabbiner 50,000 Francs an die verschiedenen Wohlthätigkeitsinstitutioncn der Gemeinde vertheilen lassen. — Von Prof. Ad. Frank (Mitglied des Instituts) ist als Theil der Bibliothek der zeitgenössischen Philosophie im Verlage von Felix Alcan erschienen: Die Beziehungen der Religio» und des Staates. (Arch. isr.) _ Marseille. Der Oberrabbiner des hiesigen Consistoriums hat im April einen Bericht über den religiösen Zustand der Gemeinden der alten Grafschaft A v i g n o n erstattet, der gedruckt worden ist. Die Arba Kehilloth — die mehr als 1 Dutzend Succursalgemeinden haben, sind tin schlimmsten Niedergehen. Eine hat keine Stätte zum Bete», eine Zweite hat einen prächtigen Tempel, der aber selbst am Jom Kippur leer bleibt. Nur in Avignon und Nimcs erhalten die Rabbiner die religiöse Ordnung. Besonders interessant dürfte vielen, zumal sangeskundigcn Ohren die Kunde sein, daß auf Antrag des Oberrabbiners Wehl das Consistorium beschlossen hat, die alten von den portugisischen abweichenden Niggunim, welche nur noch 4—5 Greise kennen, in Noten umschreiben und drucken zu lassen. Doch sollen die Kosten durch eine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.