Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 28. (9.7.1885)
- Date
- 1885-07-09
- Page
- Seite 229 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 229 — „Deutsche Alliance" zu Stande kommt, sehr zu bezweifeln ist. Ich bin sicher, dass ein großer Theil von der Alliance Uni» verseile sich nicht trennt, aus ihr nicht ausscheidet, daß aber auch Viele, die ausscheidcn, der deutschen nicht beitreten Darum: epu niPSn bxi 3W! E)r. Adler, Wiesbaden, 3. Juli 1885. emer. Laudrabbincr." Aarotschi», 2. Juli. (Or.-Corc.) Unserem Städtchen ist das selten Hobe Glück zu Theil geworden, am 27. und 28. v. Mts. Sc. ft. K. Hoheit den Kronprinzen des deutschen Reiches als Gast Höchstseiucs Hvfmarscha'ls, unseres Grafen von Radoliuski, in seinen Mauern zu beherbergen. lieber den ebenso großartigen als herzlichen Empfang, der ihr, sowohl seitens des Grafen als der Stadt bereitet wurde, haben tue provinzialen und anderen Tagesblatter ausfübrllch berichtet. Dem Correspoudeuten eines jüdische» Blattes erübrigt nur das nachzutragen, ivas für das Judenthum von Interesse sei» dürste. War cs doch unser Glaubensgenosse, Herr Bürgermeister Goldring, dem die höbe Ehre beschiedcn tvar, de» dereinstigeu Erben der Krone nicht allein Namens der Stadt ehrfurchtsvoll zu begrüßen, sonder» ihm auch die in der Schlvßhalle versammelten Behörden nnd Ortsgcistlichen re., sonne die vor deni Schlosse ausgestellte» städtlschcn Behörden, Vereine, Schulen rc. vorzustcllcn. Ein „Kiddnsch haschein" in der höchsten Bedeutung des Wortes war es, zu sehen, wie Se. K. K. Hoheit beim Abschiede vom Bahnhöfe dem Herr» Bürgermeister für den ih»> seitens der Stadt bereiteten Empfang zu wiederholten Malen herzlich dankte und die .Hand drückte. Unter den Geistlichen, die im Ornat erschienen waren, befand sich auch unser Herr Rabbiner Bloch, deni auch die hohe Ehre zu Theil wurde, Sr. K. K. Hoheit vorgestcllt und von Höchstdemsclbe» iu huldreicher Weise angesprochen rcsp. über das Eine und Andere befragt zu werden. Sonntag, den 28., besuchte Se. K. K. Hoheit einige Minuten die kath. Kirche und wohnte dem Gottesdienste in der cvang. Kirche bei. Der iu Aussicht genommene Besuch der zu diesem Zwecke festlich geschmückten Synagoge inußte wegen der vorgerückten Zeit zu unserem tiessten Bedauern aufgegeben werden. Mükßeim a. d. A, 29. Juni. Auf dem gestern hier abgchaltcnen Berbandstag der Rheinisch-Westfälischen Thicrschutzvcreiuc hielt Herr Krcisthierarzt Dr. Schmidt jun. einen Vortrag über die Schlachtungsmethoden mit besonderer Berücksichtigung des Schächteils. Der von vielem Beifall ausgenommcne Vortrag wird demnächst in der „Fleischerzeitung" veröffentlicht. Erwähnt sei, daß Redner ein Gegner der s. Z. vielfach ciugeführten Schlachtmaske ist. Eine Schlachtungsmcthodc, die allen Anforderungen der Hinnanität entspricht, — denn es soll den Thiercn nicht unnütze Qual bereitet werden, — giebt es z. Z. noch nicht, doch lvcrden die großen, in letzter Zeit gemachten Fortschritte auch hierin endlich ihr Ziel erreiche». Interessant ist und in weiteren Kreisen jedenfalls nicht bekannt, folgende Thatsache. Es ist ertviesen, daß jene, ca. ztvei Minuten nach dem lödtlichen Schnitt auflretenden Zuckungen und Krämpfe des geschlachteten Thieres, die für eine ordentliche Ausblutung und dadurch hcrvorgerufcne Güte und Haltbarkeit des Fleisches sehrwesentlich, dem Thicre keinen Schmerz bereiten; es ist zu dieser Zeit bewußtlos und sind jene Zuckungen nur sogenannte Reflexbewegungen. Dem Schächten, gegeil das der Verband Front macht, steht der Redner nicht gerade direct unsympathisch gegenüber, da diese Schlachtmethode keineswegs so grausam sein soll, als man oft annimmt, allein die Vorbereitungen zu dieser Art des Schlachtens sind als unberechtigte und unnüthige Grausamkeiten und Thicrquälereie» zu verwerfen. Der Vortrag des Redners gipfelte in den Thesen: Die Betäubung des Thieres hat dem Schlachten selbst unmittelbar vorherzugehcu; die Vorbereitungen zum Schlachten sollen keine thierquälerischen sein; es sind namhafte Preise auf die Erfindung einer rationellen, von Thierquälerei befreiten Schlachtmethode auszusetzen. Aus dem Kanuöver'fchen (Schluß). Aber noch ein ganz anderer Punkt ist es, um dessen Abstellung, resp. Mithilfe zur Abstellung der neu erwählte Seminardirektor ersucht werden müßte, ich meine die Trennung des Schächtanites vom Lchramte. Da sind Orte, welche einen Elementarlehrer rc. engagiert haben, der aber als Hauptamt das Schächten hat. Die Gemeinde, welche in der Mehrzahl aus 9 Schlachtern besteht, kümmert sich nur um den Schächter, nie um den Lehrer, in der Schule kann es zugchen, wie es will, wenn der Schächter nur sofort zur Verfügung steht, gleichviel ob spät oder früh, und alles koscher schlichtet. So theilte mir ein benachbarter College eine statistische Tabelle mit, wonach er im Jahre 1883: 400 Stück Großvieh und fast 1800 Stück Kleinvieh (außer Geflügel) geschachtet. Nach einer anderen Tabelle waren unter 120 Tagen 10 schächtfreic Tage (also nicht einmal jeder Sonnabend frei). In diesen 110 Schächttagen wurden 135 Stück Großvieh und 578 stück Kleinvieh geschacht. Auf die einzelnen Tagesstunden vertheilt, ergicbt sich folgendes Verhältniß: Großvieh Kleinvieh Morgens von 5'/,—7 Uhr bis zum Beginne des Unterrichtes 25,19°/, 9,17°/, In der Mittagspause von 11—1 Uhr 13,33°/, 23,70°/, Rach der Schule von 3—6 Uhr 47,30°/, 55 71°/, Abends von 6—9'/, Uhr 13,33°/, 8,31°/, Wer sich von manchen unerquicklichen Scenen einen Begriff machen will, muß solches selbst erlebt haben. Die Bezeichnung „blutiges Handwerk" hätte auf keinen Lehrer bester gepaßt, als auf dteseu, der nicht nur sehr oft eine Stunde später zum Unterrichte kommt, sondern auch die best- Illustration zu dem OHX DHftl H1C (in C'UJK niTBl) gäbe, denn die Insignien seines „Handwerks" haben sich sehr oft auf Kleidung, Gesicht und Haar ausgeprägt. Jedenfalls kann darüber kein Zweifel mehr sein, daß ein Lehrer mit solch starker Schechitah weder gewissenhafter Lehrer, noch gewifscuhaster Schächter sein kann, so daß gerade zsü'~> wegen, (was beide Aemtcr bis jetzt verbunden hat) eine Trennung beider Aemter erwünscht wäre." Ao» der Tslordseeküste (Or.-Corr.) In den Spalten dieses geschätzten Blattes wurden schon oft berechtigte Klagen über mangelhafte Ausbildung der Seminaristen für ihren späteren Ca n torberuf geführt. Es blieb aber eben nur bei den Klagen; Vorschläge zur Abhilfe wurden meines Wissens fast gar nicht gemacht. Und doch kann nichts zu einem besseren Resultate führen, als wohlgemeinter, erprobter und bewährter Rath. Diesen zu geben, ist Zweck folgender Zeilen. — Bislang wurde der Unterricht im Chasonus wohl in den meisten jüdischen Seminarien in der Weise ertheilt, daß der Cantor der Gemeinde, in welcher die Anstalt ihren Sitz hat, den Zöglingen die Nigunim vorsaug und sie dann wiederholen ließ, gleichviel ob auf diese Art ein großer Schatz Eigenthum des Lernenden wurde oder nicht; denn es ist klar, daß bei dieser Methode nicht gleichmäßig und nicht viel fortgeschritten werden kann, lote Schreiber dieses aus eigener Erfahrling weiß. — Mag auch der Lehrer des Chasonus seiner Aufgabe sich mit größtem Flciße widmen — er kann auf wenig oder gar keinen Erfolg rechnen, weil die Nachübung, der häusliche Fleiß hier abgeht, da der Seminarist bisher kein Buch in Händen hatte, in welchem er das ffndcn konnte, was iu der Cha so nusstunde vom betr. Lehrer vorgetragen wurde. Bis vor einigen Jahren mangelte es auch an einem solchen in der Litteratur für Synagogengesang. Wohl waren die Werke von Sulzer, Naumbourg, Deutsch, Lewrndowski rc. vorhanden, sie eignen sich jedoch nur für große Synagogenchöre und sind auch wohl dem Seminaristen, für den die Zeit ohnedies knapp gemessen ist, durch schwierige Tonsätze zu compliciert. Diese Lücke ist aber ausgefüllt, nachdem „der Baal T’fiUah," oder „praktische Borbeter" vom Cantor Bär in Gothenburg erschienen ist, in welchem sich Alles, sage: Alles, was der Cantor zu singen oder zu recitiren