Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 27. (2.7.1885)
- Date
- 1885-07-02
- Page
- Seite 219 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 219 — 2. Mit Verachtung erwidern — das kann der dümmste Kerl. Mit vernünftigen Gründen erwidern, hätte unfern Seminardirectorcn viel besser an gestanden und mehr Ehre gebracht. 3. Ich muß aber die Herren der Unwahrheit zeihen — na türlich ihrerseits bona fide. Es ist nicht w a hr, daß d ic Herren mei ne Aus füh rung en m i t V e r ach t u n g e r w i d e rn. Ich kenne die Herren besser, als sie sich selber kennen, obgleich ich kaum einen derselben persönlich kenne. Es wäre auch schlimm, wen» die Herren durch meinen Artikel keine andere Anregung erhalten hätten, als ihn „mit Verachtung zu crividern." Die Herren sind besser, als sie sich geben: l«r; C'TC E"1X j’S! Nein, die Herren werden die Wahrheit, die mein Artikel den Seminar- Dircctvren im Allgemeinen sagte, sich nicht hinter den Spiegel stecken, sondern dieselbe beherzigen — deß bin ich gewiß. — Die Herren sind jetzt aufgeregt; das verdenke ich ihnen nicht, kan» ihnen Niemand verdenken. Wenn die Aufregung sich gelegt haben wird, dann werden sie meinen Artikel nochmals zur Hand nehmen. Finden sic dann noch „gehässige Jnvcctiven" darin, dann mögen sie solche nur immer „mit Verachtung erwidern" — „gehässige Jnvcctiven" sind nicht mehr als Verachtung werth; ja sie sind nicht einmal der Verachtung solcher ehrcnwerther Männer — ich sage dieses Compliment, bei Gott, ohne Ironie — werth. Aber ich bin überzeugt, sie werden nachher nicht mehr „gehässige Jnvectiven" darin finden, sondern: Wahrheit! Und wehe dem, der die Wahrheit verachtet! 4. Vcrräth der Arzt eine „unwürdige Gesinnung," der dem Kranken sagt: Du bist bisher falsch behandelt worden! Darum bist Du immer inchr heruntergekommen! Du mußt einer andern Therapie und anderer Diät Dich unterziehen — dann wirst Du wieder gesund und kräftig werden? Namentlich wenn der Arzt cs ohne Honorar thut, wie ich meinen Artikel gratis *) — aber nicht frustra — geschrieben habe. 5. Wer „trägt" „dazu bei," „auch noch den letzten Rest von Pietät im Judenthume zu zerstören?" Derjenige, unter defien Regime die früher so reiche „Pietät im Judenthume" zu einem „noch letzten Rest" zusammengeschmolzen ist, und der trotzdem bei seiner Weise beharren will, oder Derjenige, welcher zeigt, wie es hätte verfahren werden müssen, damit nicht blos ein „noch letzter Ziest im Judenthume" vorhanden geblieben wäre, und wie man verfahren müsse, uni den „noch letzten Rest von Pietät" wieder zu seinen früher» Dimensionen zu erweitern? Offenbar will der erstere, der unbelehrt den „noch letzten Ziest von Pietät" mit Argusaugen hütet, dem Jndenthum und der Pietät für dasselbe „den letzten Rest" geben. Geht mir, geht mit Eurer kleinlichen Genügsamkeit, die Ihr für die Riescn-Lchre, Riesengestalt und Riescngeschichte des Judenthums mit ... . „einem letzten Rest von Pietät" zufrieden seid! Sagt mir, welche Pietät verdient eine Confession, die mit einem „nur letzten Rest von Pietät" sich begnügt, die kein höheres Ziel kennt, als nur den von unendlicher Fülle zurückgebliebenen »noch letzten Rest von Pietät" zu erhalten? — Mit Eurem: „Auch noch den letzten Rest von Pietät im Judenthume" habt Ihr mehr „gehässige Jnvectiven" gegen „Unsere Lehrer-Seminare" geschleudert, als 1000 solcher Artikel, die ich geschrieben. Wäret Ihr nicht Ihr selber, Ihr könntet sagen: Gott behüte mich vor meinen Freunden! *) Wir müssen^ dies leider bestätigen, mit deni Hinweis aus: ,-»2 S>N2 an« *]«, mnz 'IX lRed.) Zum Schlüsse noch eine Anm. zu meiner 2. Bemerkung' „Mehr Ehre" hätte den Herren eine Erklärung mit folgendem Wortlaut gebracht; „Der Artikel „Unsere jlld. Lehrer-Seminare" in Nr. 21 d. Jsr. Wochenschr. enthält für uns sehr herbe Wahrheiten. So natürlich cs dem Menschen ist, gegen Unangenehmes zu reagiren, so werden wir doch, in Anbetracht der heiligen Interessen, die wir vertreten und die auch der betr. Artikel nur fördern will, die darin enthaltene Wahrheit, so weit es an uns ist, beherzigen. Ein Händedruck im Geiste dem unbekannten Verfasser! (Folgen die Unterschriften.)" Die Herren haben eine andere Erklärung erlassen. Aber ich bin sie niEl «pS N, und weiß, daß E'EriS EiTWSö ENSEN«. — Das etwa Herbe dieser Bemerkungen bitte ich zu verzeihen. Ich achte die Herren Erklärer zu hoch, als daß mich der auch nur sprachliche Ausdruck ihrer Verachtung hätte ganz ruhig lassen können, schon wegen der Gefahr, in welcher meine — Hochachtung für die Herren Erklärer durch ihre Erklärung schwebte. Der Verfasser des Artikels in Rr. 21. Was thut u»S Roth? Hin Mort «Ser Religionsunterricht. Von I. Klingcnstein in Lber-Jngelheim. IV. Ich komme zu einer hochwichtigen Frage, die ich in diesen Blättern und auch anderwärts schon berührt habe, auf der jedoch nicht oft genug hingcdeutet werden kann: auf den „Schaden am Hause," auf die Parteiung und Zerklüftung im heutigen Israel! Darf diese auch Einfluß haben auf die Schule, auf die innere Gestaltung des Religionsunterrichts? Wer ein Herz hat für die Schule; wer die Kinder liebt und ihnen den Frieden des Herzens zu erhalten sucht; wer ein Lehrer ist im wirklichen und wahren Sinne des Wortes, der muß wissen, was wir hier zu antworte» haben. Die Schule ist nicht die einzige Erziehungsanstalt und wir können und wollen der Familie ihren bedeutsamen Einfluß auf die religiöse Erziehung der Kinder nicht rauben. Sv lange wir bestellt sind als Wächter der Lehre, haben wir die Pflicht zu lehren nach dem reinen und lauteren Worte der Schrift; ohne llnterschied, wo und vor wem wir stehen! Wir haben weder die Pflicht noch das Recht, die Kinder in den Zwiespalt einzuweihen, der im Leben besteht. Wollen, dürfen wir uns zu Richtern der Eltern machen und eine Saat des Unheils aussäen zwischen diesen und ihren Kindern? Dürfen wir hier spotten über das religiöse Thun im Elternhause, über die strenge Befolgung der religiösen Form, dort das Verdammungsurtheil aussprechen über die Sünder? Sind zum Verdammen wir berufen? Ist das nöthig? Ist der Inhalt unserer Religion nicht reich genug, daß wir uns beschränken könnten auf das, was uns Allen gleichheilig ist und das ausscheiden könnten, was zu Zwiespalt führen müßte was den Kindern zur Zeit Nichts ist und für sie ein Leitstern im Leben nicht werden kann? Aber — ist solcher Zwiespalt zu vermeiden? Wählen wir hier einige Beispiele. Wir haben andertvärts vom Sabbath gesprochen und dargelegt, daß wir von ihm sprechen müssen nach den Worten der Schrift; daß wir seine Bedeutung für das religiöse und sociale Leben und doch nicht Veranlassung geben dürfen, daß das Kind vor den Vater trete und sage: Du bist ein Sünder, denn du übertrittst dies oder jenes von den 39 Sabbathgeboten! Wenden wir uns zu Pcßach, zu Jomkipur. Wir lehren, was in der heiligen Schrift steht — von dem Verbot des Ungesäuerten, von Mazzos, von dem Gebot des Fastens; alles so, wie es die Thora vorschreibt. Es ist nicht unsere Sache, zu richten; nicht unsere Aufgabe, über die Mazzahbereitung und Weg-