Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 25. (18.6.1885)
- Date
- 1885-06-18
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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202 — tativ — und beit anbrreit Lehrgegcnsländcn untergcorbnrt, mindcrwerthig fet. Es ist Sache der Lehrer, ihn i»tcressant, lebendig zu gestalte» und in dem Schüler das Bewußtsein rege zu machen und wach zu erhalten, daß er durch diesen Unterricht an wahrhaft menschenwürdiger Bildung gewinnt: ja, daß er in ihm die Krone aller Bildung hat, das, was den Menschen zum Leben, „Leben im Geiste" befähigt. Die Zeit für den Religionsunterricht muß gefunden werden und sie kann überall gefunden werden. Die obligatorischen Rcligionsstunden für die übrigen Religivnsgcscllschaftcn und der Sonntag Vormittag bieten die Möglichkeit dieses Ziel zu erreichen, ES hängt überall nur von dem guten Willen, von der Uebereinslimmung der maßgebenden Faktoren ab. Betrachten diese die Erhaltung und Fortbildung des Judenthums als ihre höchste, ja im Grunde als ihre einzige Aufgabe, sind die Herren Vorstände nicht in dem Wahne befangen, daß sie ihrer Pflicht genügt haben, wenn die bureaukratisch eingerichtete Gemeinde-Maschine gut fungirt: daß prunkvolle Gotteshäuser ohne geregelten Religionsunterricht irgend welchen Werth haben, so muß cs gehen! Wir würden nicht anstchen, selbst in den Gemeindestatuten das Nöthige vorznsehen. Wir haben keine verfassungsmäßig organisirte Kirchen, die für uns eintreten, und wir glauben auch, daß diese im Großen und Ganzen von der Jndcnheit nicht gewünscht wird! Die Gewissens- und Gcmeindefrciheit darf jedoch nicht ansartcn; sie darf nicht so weit gehen, daß der Bestand des Jndenthums gefährdet wird durch seine Mitglieder; daß die Grundlage, auf der alles Andere ruhen inuß, vernichtet ivird. Was sind Religionsgemcinden, deren Mitglieder unbekannt sind mit den Lehren und der Geschichte ihrer Religion? Was sind Gotteshäuser, wenn ihnen verständnißinnige Besucher fehlen? Wenn sie kein Berständniß und keine Pietät mitbringen für das, was hier gelehrt und gebetet ivird? Was sollen da der sangeskundige Vorbcter und der Prediger? Und am Ende — wer kaii n »och bete»? Und wenn eine Gemeinde Nichts hätte, als eine gutvrganisirte Religivnsschule, einen zeitgemäßen Religionsunterricht, — sie wäre doch besser begründet und würde ihrer Aufgabe besser genügen, als eine andere bureaukratisch eingerichtete Gemeinde, die alle anderen s, g, religiösen Jnstitutionen in prunkender Ansstatlnng Hütte und es gebräche ihr am besten, an einer gut bestellten Anstalt für die religiöse Erziehung der Kinder!! (Fortsetzung folgt,) Briefe aus Rumänien. Bukarest, Ende Mai 1885, Eine sehr heikle Angelegenheit wird zur Zeit in allen hiesigen Gesellschaftskreisen eifrig besprochen. Sie dreht sich um die Person eines unserer Glaubensbrllder, Demeter Ritter von Fra» k. Derselbe ist seit 1876 General-Direktor der „Banque de Roumanie." Obschon überall wohl gelitten, bei öfteren Gelegenheit sogar vom Könige Rumäniens ausgezeichnet, gelang es ihm trotzdem nicht, die Gunst des Miiiister-Prüsidenten, Joan Bratianu, zu erlangeit. Dieser, wegen seiner Judenfeindlichkeit weltbekannt, konnte es nicht ruhig mitansehen, wie ein Jude an der Spitze eines so bedeutenden Finanz-Institutes stehe und sich überdies wegen seiner Tüchtigkeit und Ehrenhaftigkeit eines großen Ansehens erfreue. Obschon Bratianu sehr oft zu den gründlichen Kenntnissen v. Franks auf finanziellein Gebiete seine Zuflucht nahm, obschon das von dem letzteren geleitete Institut anerkanntermaßen Rumänien zur Zeit des russisch-türkischen Krieges wesentliche Dienste leistete, so suchte doch Bratianu den Juden von seinem Posten zu verdrängen. Dies war nun trotz aller Jntriguen nicht möglich, da Frank das vollste Vertrauen der Gesellschaft, deren Sitz in London ist, besitzt. Um sich des Juden zu entledigen, wurde eine rum. Nationalbank gegründet, man glaubte damit, einen großen Triumph über den gehaßten Bank-Direktor crrnngen zu haben. Auch dies Mittel verfing nicht. Nun nahm man seine Zuflucht zu kleinlichen Chikanen, man versetzte ihm Nadelstiche, man verbreitete niittels der Rcgierungsprcsse durch das ganze Land das Gerücht, an dem hohen Geld-Agio sei ausschließlich der jüdische Bank-Direktor schuld, er wolle Rumänien ruinieren u, s, w. Ohnehin körperlich leidend, zeriitteten diese Nörgeleien völlig die Gesundheit Franks, so daß er von Wien aus, wohin er sich behufs Consultation der Aerzte begab, seine Demission nach London schickte. Als dies hier bekannt wurde, herrschte in den Bratianu nahestehenden Kreisen große Freude, während die Kaufmannswelt den Abgang des allgemein geachteten Finanzmannes aufrichtig bedauerte, Nun begann ein interessantes Jntrigucnspiel, Die Vertreter der Bank nahmen nur widerwillig die Demission dcS General-Direktors an und baten ihn, jedenfalls bis zu der im Monate Mai stattfindenden General-Versammlung der Aktionäre auf seinem Posten auszuharren, Frank hatte seine Demission im Februar gegeben und zu seinem Nachfolger einen gewissen Dall-Orso in Galatz, Jtaliäner von Geburt, empfohlen. Dieser hatte große Eile und wollte nicht so lange warten. Er wendete sich an den MinisterRadu Mihail, mit dem er schon von früher in geschäftlicher Verbindung stand, forderte ihn auf, mit ihm gemeinsam dahin zu wirken, daß Frank sofort von seinem Polten abbernfen werde, R, Michail machte davon Bratianu Mittheilung, dem doch die schnelle Entfernung des jüdischen Bankdirektors schon längst ein Herzenswunsch war, und so gingen denn Briefe nach London, durch welche Franks Wirksamkeit an der Spitze der Banque de Roumanie in der niedrigsten Weise verleumdet wurde, Seltsainerweise fanden die ränkesüchtigen Feinde Francs auch bei dem hier beglaubigten englischen Gesandten, White, Unterstützung, Es wurde nun eine lebhafte Corrcspondcnz zwischen Dall-Orso in Galatz und seinen hiesigen einflußreichen Bundesgenossen unterhalten. Das oppositionelle Blatt „Romania" kam auf bisher noch nicht aufgeklärte Weise in den Besitz eines solck)en Briefes, worin der Fcldzugsplan gegen Frank ausführlich behandelt war. Die Redaktion stellte dem so schmählich von seinem Untergebenen verrathencn Frank den Originalbricf zur Verfügung, Damit reiste dieser nach London und erklärte, daß er Angesichts dieser gemeinen Ränke seine frciivillig gegebene Demission zurückziche und bereit sei, trotz seiner angegriffenen Gesundheit in Bukarest zu verbleiben. Die in den letzten Tagen stattgefnndenc General-Versammlung der Aktionäre billigte diesen Entschluß v, Franks, crthciltc ihm in ehrendster Weise ein VertraucnS-Botnin und bat ihn, auch fernerhin dem Bankinstitute vorznstchcn, Frank weilt seit einigen Tagen wieder in Bukarest, wo er allseitig aufrichtige Glückwünsche zu seinem glänzenden Siege über seine mächtigen Gegner empfängt. Er hat auch noch die Genugthuung, daß ihn — er ist von Geburt ein Prager — der Kaiser von Oesterreich-Ungarn durch die Verleihung des Commandcur-Krcuzes des Franz-Josefs-Ordcns ausgezeichnet hat, Dall-Orso hat dcmissionirt, White ist nach Constantinopcl — versetzt. Wie die durch Bratianu vertretene rumänlsck)e Regierung, die wenig Lorbeeren in dieser Angelegenheit gepflückt hat, diese Wendung aufnehmcn wird, ist noch unbestimmt, Wir wollen hoffen, daß sie gute Miene zum bösen Spiel machen werde. — 'c- Kerichte und Correfpondenze». Deutschland. Der in vor. Nr. erwähnte Antrag*) von L. Ja cobsoh »-Leipzig lautet wie folgt: Die VII. Eonferenz israelitischer Enltusbeamten Mitteldeutschlands beschließt, die Hera ns gäbe ei „es Pädagogischen *) Derselbe war sür die am AI. und 30. December u. I. abgehaltene Schulmänner - Versammlung bestimmt, kam indest nicht zur Berathung