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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-06-11 · N° 24. (11.6.1885) · p. Seite 195

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 24. (11.6.1885)
Date
1885-06-11
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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Dr. Cohn-Kaltowitz referirte Namens der Commission, welche über Mittel zur Beseitigung dieses liebelst indes be< rathen sollte, über die von der Commission gefasste Resolution, ivonach die Kinder zum Nachmittagsgottesdicnste heranznziehen seien. Es sei der einzige Rothbehelf, den die Commission untcr den obwaltenden Umständcu habe ausfindig machen können. Au der sehr lebhaften Debatte betheiligten sich vorzugsweise die Herren Dr. Cohn-Kattowitz, Dr. Samter- Waldenbnrg, Dr. Jacobson,Schrimm. Bag-Neustadt und Tintncr-Bunzlau. — Schlug der Bcrfammlung 9'/2 Uhr. Die zweite Versammlung begann Montag, den 25. Mai früh um 11 Uhr. Zunächst berichtete Dr. Samuelsohn über den Bestand des Vereins. Im vergangenen Jahre betrug die Mitglicderzahl 122, davon starben ö, ausgcschiede» ist 1; dagegen traten neu ein II, so dag der Verein gegenwärtig 127 Mitglieder zählt. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wurde der bisherige Vorstand durch Acclamativn wieder gewählt. Hierauf folgte ein Vortrag von Rabbiner Dr. Joel: lieber die Opfer und die Stellungnahme der Schule zu denselben. Wir müssen uns leider auf eine allgemeine Skizzirung des Gedankengangs dieser Rede beschränken, da uns der Wortlaut derselben nicht geschrieben vvrliegt. Die Schulmännerverjammlung in Berlin, so führte ungefähr der Redner aus, habe ihm zu feinem Thema die Anregung gegeben. Soviel Ansichten auch über Opfer bestünden, sie müssen der Schule fern bleibe». Redner charakterisirt drei Ansichten über Opfer, die eine hoffe auch von der Zukunft die Wiederherstellung der Lpfcr, die andere ehre die Opfer als Cultus der Vergangenheit, die dritte halte dieselben auch in alter Zeit für einen Mißbrauch. Die ganze Frage hänge zusammen mit der mejsianischen Idee. An eine' Zukunft müsse jede Religion glauben, also auch an eine messianische Idee; und selbst ohne diesen Veruunftsgrund glaube jeder richtige Jude au eilte solche Idee, weil die Bücher der Propheten davon voll sind. Aber diese Zukunft uns ins einzelne auSzumalen, sei nicht unsere Sache. Wenn wir tvllßteu, wie beschaffen das Jenseits avüre, so wäre cs kein Jenseits mehr. Selbst Maimonides, der Schöpfer der jüdischen Dogmatik, sagt (im letzten Abschnitte von Hilchot Melachim), kein Mensch könne wissen, wie es da sein werde, aus den Propheten gehe es nicht zur Genüge hervor, und die alten Lehrer besaßen keine Ucberlicferung; so sei man auf eine hagadische Exegese angewiesen; diese stelle aber ihre Folgerungen nicht als Norm aus, gleich der halachischen Exegese; darum sage auch Maimonides weiter, die ganze Frage treffe keine Wurzel des Gesetzes und der Mensch solle sich nicht unnütz l eine Zukunft auSmalcn wollen, die Goit uns nicht ausgemalt habe. Sv sollten wir uns auch über das Opfer der Zukunft keine Gedanke» mache». — Das Opfer der Vergangenheit sür einen Mißbrauch zu erklären, sei unberechtigt und ein Widerspruch gegen unsere Religion.*) Wir seien nicht berechtigt, die Vergangenheit zur Gege nw art zu machen. Wer sich auf die Propheten berufe, sei im Jrrthum, ihre Polemik treffe das Gebet ebensogut als die Opfer und, kann man sagen, ebensowenig; sie wandten sich gegen die unmögliche Vereinigung der schlechien Sitten mit den cultischen Formen.**) Denen, avclchc die Opfer gar auf exegetischem Wege aus dem Pentateuch schaffen ivollten, indem sie die Abschnitte von den Opsergesctzen als » a ch den Propheten entstanden anschen, könne Redner nicht folgen, für diese existirc keine Lehre Mosis. — In der Schule könne mau unbedenklich den Theil Nach des groben Maimonides Ansicht bezweckt bekanntlich der ganze bibl. LpsercnllnS eine Ablenknng Israels rot» Götzendienst. (Red.) **> Alle Prophetennnd Psalmen-Stellen lassen sich jedoch damit nicht erklären. ,zjcd.) des Pentatcuches, der von Opsercult handle, lehre».*) Bibclkritik gehöre nicht in die Schule, da haben alle Richtungen zu schweigen, B,ir sollten lins hüten, im Innern mit einander zu hadern; draußen gebe es Kampf und Verfolgung genug. Schlimm genug sei es schon, daß der Streit über Opfer in der Gemeinde praktische Folgen haben könne (durch Aenderung mancher Gebete), die Schule solle mindestens davon frei bleiben. — Reicher Beifall folgte den Worten dieser Rede und auf Vorschlag des Vorsitzenden dankte die Versammlnng dem Redner durch Erheben von ihren Sitzen. — (Schlust folgt.) L. W. Magdeburg. (Schluß.) Nach dem Abendgebete fand ein gemeinsames Abendessen im Restaurant Heineinann statt. Die auf Antrag der Herren Lion Wolfs-Berlin, veranstaltete Versteigerung des Tischgebets brachte der Unterstütznngskasie Mk. 34,50 ein. Den Glanzpunkt des gemnthlichen Theils der Conserenz bildete der hierauf folgende Weinco m mers im Rathskeller zu Ehren der Gäste. — Was dort Treffliches gesprochen, gesungen und — getrunken wurde, daS können wir unmöglich anfzählen. Es war eine heitere urgemüthliche Gesellschaft, bestehend aus der Schulkommission und vielen Mitgliedern der Gemeinde, dem Vorstand nebst dem Shiiagogen-Gesang Verein der durch seine zwischen deii vielen Reden und Toaste» vvrgelragene» herrlichen Gesänge die Gesellschaft erfreute. Wir können nur kurz die Hauptrednernnd das behandelte Thema anfführc». Herr Rabb. Dr. Krott er-Erfurt brachte kinen glänzeitden Toast auf Sr. Majestät den dcutseheti Kaiser und später in humoristischer Weise auf die „Jungfrau Israels;" Herr Vorsteher Roscnhci m auf die Gäste, Rabbiner Dr. F r ö h l i ch-Halle auf die Magdeburger Gemeinde, worauf Herr Vorsteher Gottfried Fricdeberg erwiderte. Herr Max Nathan-Magdeburg auf den Fortschritt, Herr Rabbiner Dr. Weiße-Dessau auf Rabbiner Dr. Rah m c r, als das vermittelnde Licht in der Gemeinde. Letzterer erwiderte mit einem Toaste auf die „Lehrer in Israel," Herr Prediger L. Wolff in humoristischer Weise auf die Gastfreundschaft und das Fcstcomit«. Herr Vorsteher Gottfried Fricdeberg auf die Frauen, Herr Cautvr I a cvbs oh »-Leipzig auf den Gesang- Verein, dessen ehemaliges Mitglied er gewesen, Prediger F a cken h e im-Mühlhausen auf die anwesenden Delegirten der D.-J. G.-B., worauf Herr Hausdorf-Leipzig mit einem schönen Midrasch antwortete. Es sprachen noch Wolff- Cöthen, Samnel-Blcichrode, Fuchs-Braunschweig. Eine Sammlung für die UnterstütznilgSkassc ergab die Summe von 111 Mark. Obwohl es bereits Heller Tag ivar, als die Fcstgcnvssen sich trennten, um noch einige Stunden der Ruhe zu pflegen, ivaren die Meisten am Dienstag Morgen 9 Uhr wieder im Sitzungssaale, um die ernsten nnd wichtigen Berathungen fortzusetzen. Den Hauptgegenstand bildete der Vortrag des Herrn I acobsoh»-Leipzig: Barmizwah und Consirmationsfeicr. — Diese fleißige und auch formgefällige Arbeit des Referenten wurde mit großem Beifall ausgenommen, von einer eingehenden Besprechung aber vorläufig Abstand genommen, weil der Vortrag deS allgemeinen Interesses tvegen und zur Klärung der verschiedenen Ansichten erst in der „Wochenschrift" erscheinen soll. Gegen 11V2 Uhr wurde die Sitzung auf ’/2 Stunde vertagt, um ein ebensalls von der Gemeinde im Gemeinde- Hanse ausgestelltes Dejeuner eiiiznnehmen. — Nachdem die Versammlung tvieder eröffnet lvnrde, erstattete der Vorsitzende Herr Dr. Kroner einen „Bericht über die Berliner Schultnännerversammlung, über den jede Debatte ausgeschlossen war. -Fortsetzung »ns Leite 198., *) Bedenklich »der in es, in der Lchnle, die kaum Zeit tat, die wichtigsten ethischen Theile des Pentntenchs dnrchznnehmen, die me nige Zeit init dem Turchnehinen der Lpsereapitel »nsznsiillett. Darntn handelt es sich: Welchen Lliicken ans dem Pentatench gebührt der Borzug in der Schule? ' (Red.-

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