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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-06-04 · N° 23. (4.6.1885) · p. Seite 188

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 23. (4.6.1885)
Date
1885-06-04
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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188 — N a m e. Ort.! Logen - Local. S a m m l u n g s a b e n d. Präsident. 1) Deutsche Reichsloge I.! Berlin 2) Germania-Loge II! Halle a. S. 3) Bcrthold Aucrbach-L. III.! Berlin 4) Concordia-Lvge IV. Kattowitz 5) Mamreh-Logc V. Benthe» 6) Allemania-Loge VI. Stettin 7) Montefivre-Logc VII. Berlin 8) HnmanitaS-Lvgc VIII Geiwitz 9) Lefsing-Logc IX. , Breslau 10) Carritas-Loge X. Kreuzburg O/S. 11) Fratcrnitas-Loge XI. l Dresden 12) Mendelssohn-Loge XII. 'Magdeburg. Untcrwasserstr. 7. Gr. Ulrichstr. 52. Unterwasserstr. 7. Am Markt Rosengarten 12. Unterwasserstr. 7. Neue Tasche»str.31 Schweizer's Hotel Annenstr. 45 III. Breitewcg 3». Sonnabend Mittwoch Montag Mittwoch (v. d. 1. u. 15.) Dienstag (it. d. 1. u. 15.) Mittwoch Mittwoch Dienstagn.d. l.u.15.j.M. Sonnabend Mittwoch Mittwoch Abend 8‘/2 Uhr Dienstag Abend 9 Uhr Or. Ewer, Friedrichstraße 107. Ad. Serna u, Gr. Ulrichstraße. S. H a a g e », Hciligegeiststr. 35. A. Löbinger. Jnl. Steinitz. Saalfeld. Simmel, Heiligegeiststr. 12. Jos. Klcczewski. A. Peiscr. Blücherplatz 6/7. Salo Werthelm. Louis S ch l e s i n g e r Blumenst.1 Or. M.Rahmer, Prälatensir' L. W. Magdeburg. In Rücksicht darauf, daß das Protokoll der hier stattgehabteu 7. Conferenz der isr. Cultusbeamien Mitteldeutschlands in dies. Bl.z.Z.vollständig erscheine» wird, geben wir hier nur einen kurzen Bericht über de» Gang der Verhandlungen von einem Mitglieds der Versammlung skizzirt. Nach der zu allgemeiner Befriedigung durch Herrn Lehrer Spanier von hier abgehallene» Probelectio» hielt Herr Rabbiner Or. Rahmcr einen längere», sehr instructiven Bortrag über „das Gebetbuch und seine Verwendung beim Religionsunterricht". Er wies darin nach, wie ersprießlich besonders in den Unter- und Mittelstufen ei» an das Gebetbuch sich anlchnendcr Religionsunterricht sein wurde, zeigte in überraschender Weise, wie das Gebetbuch ausreichenden Stoff und genügende Anknüpfungspunkte für das gesammte Gebiet des jlld. Religionsunterricht enthielte*), wie dieser Stoff fast von selbst nach conccntrischen Kreisen sich gliedere und betonte besonders, von welch' unschätzbarem Weiche es für die religiöse Praxis sein müßte, wenn jedes Kind in feinem Gebetbuch zugleich sein Religionsbuch erblicken würde, das ihn durch'S ganze Leben begleite. Daß der Bibelunterricht dadurch nicht beschränkt werden solle, sei selbstverständlich, ebenso, daß in den oberen Klassen auch eine systematische Darstellung der Religionslehrcn statthaben müsse. Die 5 vom Refcrc nten ausgestellten Thesen wurden nach eingehender Debatte, an der sich die Herren Rabbiner Or. Fröhlich- Hallc, Rosenthal-Cöthen, Cantor Jacobsohn-Leipzig, Spanier-Magdeburg, Fuchs-Braunschweig, Samuel- Bleichervdc, der Referent und der Herr Vorsitzende bethciligten, wurde» hierauf in nur drei zusammcngefaßt und in folgender Fassung von der Conferenz einstimmig angenommen: I. Die Verwendung des Gebetbuchs beim Unterricht in der Religionslehre ist nicht nur für diesen, sondern auch für den UebersetzungS-Unterricht, ganz besonders aber für die religiöse Praxis von unschätzbarem Werth und darum dringend geboten. II. Das gesammte Material des Gebetbuches ist deshalb nach inhaltlich zusammengehörigen Stücken unter Berücksichtigung der liturgischen Ordnung und des Kalenderjahres systematisch zu gruppiren und die Unterrichtspensa sind hiernach in concentrischen, jährlich sich erweiternden Kreisen durchzunehmen. III. Ein im Sinne vorstehender These methodisch bearbeiteter A uszug aus dem Gebetbuchs, sowie eine Anweisung für den Lehrer, ivie das ganze Gebetbuch für den Religionsunterricht fruchtbar zu machen sei, ist ein dringendes Bcdllrfniß für die jüdische Religionsschule. *) Für die Glaubenslehre, die Gotlesverehrung, die Pflichten gegen sich selbst, Messiaslchre, Unsterblichkcitslchre bedarf dies keines weiteren Beweises; das' springt von selbst in'S Auge; aber auch die Pflichten gegen Nebenmenschen seien darin enthalten: z. B. für die untere Sluse im V7S ■>J1 JirmTB SoiX nw D,“Q'i : und in einigen SegenSspriichen TTDDÖ '31 meon» pSn UTK, für die mittlere: in den Sündenbckenntnissen ts,N yaiW TIS 1K1? SSbö) und für die obere Stufe in den Pirkc Aboth. Um 7'/, Uhr wurde die erste Sitzung geschlossen und begaben sich die Theilnehmcr zum Abendgottesdienst nach der. Synagoge, wo Herr Cantor Winter Gelegenheit fand, sein schönes Organ vor einer Versammlung von Cultusbeamten hören zu lassen. (Schluß folgt.) Aus Hberschkesim berichtet das „Reichsblatt" folgende „schöne Historie": Der Apothekenbesitzer in Ujest in Schlesien engagirte vor Kurzem einen jüngeren Provisor, und da hatte er das Unglück, daß die Frau Herzogin von Ujest mit der Anstellung gerade dieses Gehilfen nicht einverstanden war und ihrer Meinung in ihrer seinen Weise Ausdruck gab. — War der junge Provisor vielleicht nicht tüchtig in seinem Fach? Verstand er nicht, ein vom Herrn Doktor geschriebenes Recepl vorschriftsmäßig auszuführen? — O ja. Er halte ordnungsmäßig seine Lehrzeit durchgemacht und sein Examen bestanden; auch hatte er Zeugnisse darüber, daß er schon auf anderen Stellen gewesen war und dort zur vollen Zufriedenheit sein Fach ausgeübt hatte. Was war cs denn, das der Frau Herzogin nicht gefiel? Der Name! Vielleicht lieft die Frau Herzogin die „Schlesische Zeitung" oder ein ähnliches Blatt, und der junge Mann hieß Felix Sil berste in. Darum erklärte die Frau Herzogin, daß, so lange, als der Jude in der Apotheke zu Ujust recipire, für Höchst Ihre Durchlauchtige Person überhaupt nichts in der Apotheke machen gelassen lverden dürfe; für die Dienerschaft nur in den allcrdringendstcn Fällen, wen» Gefahr im Verzugs fein sollte. Natürlich wurde dem Apothekenbesitzer des Ortes die Meinung der Frau Herzogin nicht vorenthaltcn, und dieser konnte nichts anderes thun, als zu sagen: „Lieber Herr S., Sic thäten mir einen großen persönlichen Gefallen, wenn Sie sich nach einer anderen Stelle umsähen. Wenn Sie eine solche, ich wünsche recht gute, bekämen, so würde ich Ihrem Glücke nicht im Wege stehen. Nöthigenfalls zahle ich Ihnen auch das rückständige Gehalt für die kontraktmäige Zeit." — Der junge Provisor will natülich seinem Prinzipal keinen Schaden zufügen, sonderii wird in die Apotheke einer anderen Stadt eintrcten, wo die Kunden nicht Dnrchläuchtig, aber erleuchtet sind. Wir haben nur große Angst, daß die Frau Herzogin ihre Abneigung auch auf ihren Herrn Gemahl übertragen könnte: denn der denkt und handelt anders. Das hat er schon bei den ersten großen Gründungen z. B. der rumänischen Bahnen, welche den späteren Gründungen der Zeit des großen „wirthschaftlichen Aufschwungs" zum Muster dienten, gezeigt. Er befand sich da mit Herrn Or. Strausberg und dessen näheren Genossen ganz in Uebereinstimmnng, und es ist dabei die Hilfe von Juden wie die von Christen mit gleicher Großherzigkeit acceptirt ivvrden. Und Juden wie Christen haben dabei ihr Lehrgeld zahlen müssen. Dann quält uns noch der Gedanke: Wie wird sich nun die Frau Herzogin v. Ujest zu dem Herrn Herzog v. Ratibor stellen, der auch großherziger in dieser Beziehung ist. Er hat z. B. seinen Rainen für das Präsidium der Bismarckspende hergegeben, aber er hätte doch nie auch nur einen erheblichen Theil des Erfolges derselben erreicht, wenn nicht

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