Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 23. (4.6.1885)
- Date
- 1885-06-04
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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nis häusliche» 11 «mutt qct »ur richtig | a9- Neu» äas teligü in d-u Bord, $ ja immer °l°ge ist. die "ähren vermag. hd>eReligio„sr könne,, allerich> auschliegen [X ® snr ent« uterung MM wird tritt. Di, t fönuen besser Ititmtiifen, :lnen Seligion-j»!>ch in unserer wbe, in der je ju berüffichinnitjam unter« mutt für diesen «herrschen, ich st. Auch wenn , oder wünschen, richtiger Frngesende Retigionselverd erläutern > s I sach. den Umerten Ä hm, ist itte Geschick der I, ohne Aussicht Antlitz schauten, ähnliche, das eselljcha'ten sind Vorstände treten r tobensimthen I unsere Lehrer , unsere Ätzend itliinit in 1«« lebaucm niüsje» sse des Lehrer- 187 — rabbinische Funktionen ausübcn, z» denen ihnen das Recht und die Fähigkeit gänzlich fehlt, Zn einer völligen Untergrabung des Judenthums aber muß es fuhren, wenn Lehrer solche rabbinische Amtsvorrichtungen vornehmen, die von studirlen und diplomirten Rabbinern aus religiösen Gründen verweigert tverden. Ein Beispiel muß hier angeführt werden. Vor einigen Wochen wollte in Düsseldorf eine Wittwe eine zweite Ehe schließen. Der Rabbiner, Herr Or, Wedell, verlangte, wie gar nicht anders zu erwarten, die von der Thora biblisch geforderte Chaliza, Die Familie will aber von der Ehalija nichts wissen und der Rabbiner verweigert die rituelle Trauung. Man will aber den Schein wahren und unter der Fahne des Jndenthunrs in den Hafen der Ehe segeln; man hält Umschan unter den Lehrern und richtig findet sich wirklich ein solcher in der Nähe in E,, der ohne Chaliza das Paar traut.*} Dieser betrübende Fall trägt den Charakter des xniS'nb Tfin < doppelten Vergehens) an sich; erstens die Verletzung eines Religionsgesetzes und zweitens, den Eingriff in den Wirkungskreis eines angestellten Rabbiners. Wenn solche Vorgänge in unserm eigenen Lager Vorkommen, dürfen wir uns daun noch beklagen, wenn die Regierung oft rücksichtslos gegen n»s vorgeht und thut, als ob es kein Judenthum gebe. Man denke sich den Fall in, Christenthum; ein ftubirter, gewissenhafter Geistlicher verweigert aus kirchlichen, auf Gesetz und Tradition beruhenden Gründen eine Trauung; da kommt aus einem verborgenen Winkel ein Lehrer, der kein ideologisches Examen bestanden hat.Doch wozu den Fall weiter ausmalen, er ist in christl. Kreise» eben undenkbar und unmöglich. Aber bei uns ist alles möglich. rrrr rj’s: “HPT! ‘p Was ist gegen diese Uebelständc zu thun? Die Rabbiner und Gemeindevvrstände müßten zusammengehen, um gegen solches Untergraben des Judenthums cinzuschrciten, Aber auch die gesetzestreuen Lehrer selbst sollten die Ehre itzres Standes und Berufes wahren, indem sie in den Leyrerversainmlungeu, die alljährlich stattfinden, gegen ein solches Gebühren ihrer College» protestiren und Beschlüsse fassen, die obigen und ähnlichen Fälle» Vorbeugen; denn höher als alle materiellen Interessen des Lehrerstandes, höher als alle gut und exact ausgearbeiteten Normalschulplüne, höher als alle Lehrervereine soll uns das Judenthuni und seine Erhaltung stehe». Wir haben hier auf einen wunden Flecken im Judenthum hingewiesen, möge ihn ruhiges Ueberlegen und gewissenhafte Treue gegen unsern Glauben siirs ira sb studio beseitigen. F. Die Znltallation der Mendelssohn-Loge in Magdeburg, X Magdeburg, 1, Juni, (Or.-Corr.) Gestern fand hier die solenne Installation der „Mendelssohn-Loge" des unabhängigen Ordens der B'nai Berith unter regster Theilnahme der Mutterloge in Berlin und der deutschen Schwesterlogen von nah und fern statt. Die Mendelssohn-Loge, die 357 übcrtzaupt, ist die zwölfte dieses seit jüngster Zeit in Deutschland immer mehr Boden gewinnenden Ordens, der sich die Ausübung der edelsten Menscheuaufgaben, sowie die geistige und sittliche Veredlung seiner Mitglieder zum Ziele setzt, und in unserer Zeit ganz besonders berufen ist, die Bekenner des Judenthums aus ihrer Lethargie zu wecken und ihnen die Erfüllung ihrer hohen Mission unter den Völkern *) Cb derselbe SenittntB bo» dem SSorljcvgegangeuen batte und rechtzeitig gewarnt wurde? Bar dies der Fall, dann ist ein solches Vorgehen unerhört, — Auch ans dem Gebiete der Lchechita ist manches saut. Unter dem Titel „Gewerbefreiheit" lassen sich biete unberufene, sittlich und religiös verkommeite Subjeete von dunkler nngrnndlicher Vergangenheit in einer Gemeinde nieder, schlachten ohne, ja oft gegen die Erlaubnis; des Rabbiners und Vorstandes, hausiren mit dem Fleisch und Fett selbst am Schabbes, berkauseit es zu Schleuderpreisen nitd stören dadurch jeden geordneten strettg zu eontrollirenden Äoscher-Fleisch- Berkaus, Hiergegen must seitens der Gemeindebehörden im Verein mit den Rabbinern energisch eingeschritiett werden. — Wir kommen noch einmal daraus ausführlich zurück.!Red) vor die Augen zu führen. Bis zur letzten Stunde hatte man sich der freudigen Hoffnung hingegeben, den Vater und Begründer dieses i, I. 1842 in Amerika entstandenen Ordens, Herrn Julius Bien, den Präsidenten der Constitutions- Großlogc in New-Aork, der auf der Reise nach Deutschland sich befindet, in unserer Mitte zu begrüßen, statt seiner traf hier jedoch am 30. aus London ein Schreiben von ihm ein, in dem er es bedauert, es nicht mehr möglich machen zu können, dieser Feierlichkeit in Magdeburg be.zuwohnen, mit herzlichen Glückwünsche» für das Gedeihen der Mendelssohn- Loge. llmso dankcnswerther erkannten ivir eS an, daß der Begründer und Einführer dieses Ordens in Deutschland, Herr Julius Fen chcl in Berliti, trotz dringlicher Abhaltungen wenn auch nur auf wenige Stunden zur Leitung des Festactes persönlich erschienen war, und die Weihe desselben dadurch erhöhte. Nicht nur die Nachbarlogen hatten uns ihre Thcilnahme durch Entsendung van Deputationen (HHn, Ja bl o nsk i, Bergel, Hangen, Singer, n. A. aus Berlin, Herrn Blumeuthal, Screau u. A. aus Halle, Herr vr, Rab, Weiße, Probst aus Dessau) zu erkennen gegeben, sondern auch die räumlich entfernteren (z. B. aus Stettin, Oberschlesien) beehrten uns durch Delegirtc; von anderen trafen telegraphische Beglückwünschungen ein. An den Jnstallationsact, der um 4*/,, Uhr begann, schloß sich um 8 Uhr ein Festmahl auf dem Belvedere im sinnig geschmückten Saale — unter Blattpflanzen und hinter einer plätschernden Fontaine erhob sich die Büste Mendelssohns — an welche!» etwa 80 Personen theilnahmen und das durch mehrere ad hoc gedichtete Festlieder, viele geistvolle Rede» und Trinksprüche gewürzt war. Den Reigen eröffnete der vom Herrn Rabbiner Or. Rahmer ausgcbrachte Toast auf den deutschen Kaiser, sodann widmete Herr Isidor Lindenthal seinen Trinkspruch dem Executiv-Comits, Herr Blumcuthal aus Halle der Berliner Großloge; darauf iiberbrachteHerr Rabbiner Or, Krön er aus Brandenburg a. H,, von der Bcrthold-Auerbach-Loge in Berlin damit beauftragt, in längerer geistvoll ausgefllhrter Rede die Glückwünsche der Großloge, Herr Rabbiner Or, Weiße aus Dessau toastirte auf die Mendelssohn-Loge, die ja den Namen des großen Dessauer Popularphilosophen trüge. Die Rede war reich an sinnvollen Apertzu'S, ebenso die des Delegirten der Allemauia- Loge, HerrnRabbinerOr.Vogelstei n ausStettin, der begeistert von der Zukunft der Logen sprach, deren Förderung in unserer Zeit zur Erhaltung des Judenthums gar druigend nöthig sei. Es folgten noch mehrere Trinksprüche in gebundener und ungebundener Rede auf den Specialdelcgirten der Berliner Grog- Loge von Herrn Bergel, auf die Damen von Herrn Sußmann-Bertin, von Herrn Leichtentritt-Berlin und Herrn Emil Blunienthal von hier auf die Gäste alle, — p Xintr "2 rro p irxw pai ma. Nachdem der Vorsitzende Herr Rabbiner Or, Rahmer noch darauf hingcwiesen, daß auf Mendelssohn, den Philosophen der Humanitäts- und Vernunftreligion zurllckgehen, fortschrciten heiße und daran erinnert hatte, daß es in diesem Monate gerade hundert Jahre ivären, seit Mendelssohn seine „Morgenstunden" geschrieben, wurde nach dem Tischgebet die Tafel um lj2l Uhr aufgehoben, doch blieb man in gemüthvoller Unterhaltung noch einige Stunden beisauunen, bis die „Morgenstunden" grauten. — Die Mendelssohn-Loge beabsichtigt, neben Erfüllung aller sonstigenOrdcnspflichten, ganz besonders die geistigeVeredlung ihrer Mitglieder durch Vertiefung in die Geistesschütze des Judenthums, in seine geschichtliche Enttvickelung und durch die Pflege der jüdischen Litteratur und Wissenschaft anzustreben. Wir würden unS einer Unterlassungssünde schuldig machen, wollten wir zum Schluß es nicht hervorheben, daß das größte Verdienst um das Zustandekommen der 'Loge in unserer Gcineinde dem Bruder unseres Rabbiners, Herrn vr. med. A. Rahmer in Bcuthen O,/Schl., gebühre. (Wir geben auf der folgenden Seite eilte übersichtliche, Z u - sammenstellung der bisherigen Logen der B'nai-Berith in Deutschland nebst Ort und'Zeit ihrer Zusammenkunft, soweit uns diese bekannt. Red.)