Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 23. (4.6.1885)
- Date
- 1885-06-04
- Page
- Seite 186 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 186 — entgegen zn treten. Allein — ich gestehe, ich gehöre nicht zu den Enthusiasten der Herbart-Ziller'schen Methode und ich kann den Zusammenhang zwischen dieser und dem jüdischen Religionsunterrichte nicht finden. Die Volksschullehrer Deutschlands, Allen voran der nnbestritteu bedeutendste der jetzt lebenden Pädagogen — Di11eS — sind im letzten Jahre dem Treiben der Zillerianer, das vielfach au das der Richard Wagner-Enthusiasten erinnerte, ganz entschieden entgegengetreten. Es hat sich herausgestellt, daß das Neue in dieser Schule nicht gut und das Gute nicht neu ist. Von „Concentration" sprach man auch vor Ziller, aber man suchte sie, und strebt sie au auch jetzt noch auf anderen Wegen. Die reactionäreu Tendenzen der Herbart-Ziller'schen Schule — Ziller ist Gegner der Einheit»- und der eonfessionslosen Schule! — können u n s sicher nicht für sie einnehmen! Uebrigens nt sie „Erziehungsschule", eigentlich nur in geschlossenen Anstalten möglich und läßt sich nicht aus einen vom Ganzen abgetrennten Gegenstand anwenden, weil doch das Prineip, daß alle Unterrichtsgegenstände sich auf sogenannte „Gesinnungsstoffe" beziehe», sich demselben unterordnen müssen, daS leitende ist: Es giebt keine alleinseligmachende Methode! Herbart-Ziller können uns nichts nutzen! Nach dieser Abschweifung kommen wir wieder aus unseren Gegenstand zurück. Der Unterricht in der jüdischen Religionsgeschichte ist so wichtig für die Erhaltung und Fortbildung des Jndenthums, für die Kräftigung des religiöse» Bewußtseins, daß wir uns eine» Religionsunterricht ohne sie nicht denken können. Wir sind vielmehr der Ansicht, daß wir unsere Religionsgeschichte stets in den Mittelpunkt des Unterrichts stellen müssen und daß er mehr als jeder andere Unterricht dazu augethan ist, bei richtiger Ertheilung das Interesse wach zu rufen und die Liebe zu dem, was unsere Vater durch Jahrtausende hindurch gewirkt und für was sie gelitten haben zu erzeugen. Mit Geschichte können wir auch i» den obersten Klassen höherer Anstalten Begeisterung erregen; wir können den Heranwachsenden Jüngling mit Stolz erfüllen auf das angestammte Gut, aus den Heldeumuth der Vater! Wir können die edle, beispiellose Hingebung schildern und auch unseren Heranwachsenden Jungfrauen, die etwa die höheren Töchterschulen besuchen, die Liebe und den Opfermuth einflößen, den unsere Mütter bewiesen, als sie noch den Kreis ihrer Thätigkeit beschränkten aus das Haus, dessen Königinnen sie waren! Giebt es etwas Erhabeneres als diesen Duldermuth, verknüpft mit dem ausdauernden Eifer für die fortschreitende geistige Entwicklung, für die höchsten häuslichen und reinmenschlichen Tugenden? Die nettere Wissenschaft des Judenthums ist uns ein Beweis dafür, daß dasselbe sich nur erhalten und fortbilden kann durch die Kenntuiß seiner Geschichte. Hier erfahren unsere Söhne und Töchter, daß — sagen wir es ungescheut — derjenige ein verächtlicher Mensch sein muß, der den Faden dieser Geschichte — für sich — abschneiden könnte! In unserer Geschichte erkennen wir „die starken Wurzeln unserer Kraft." Einen jüdischen Religionsunterricht ohne jüdische Religionsgeschichte — nein, das giebt es nicht! Auch die erste religiöse Geistesnahrung sind biblische Geschichten. Dabei müssen wir betonen, daß ein richtiger religionsgeschichtlicher Unterricht kein Uebermaß von Zeit und auch nur wenig häuslichen Fleiß erfordert; daß dieses Opfer an Zeit die Kinder gerne bringen! Wenn der Lehrer diesen Unterricht nur richtig zu ertheilen, wenn er gut zu erzählen vermag! Wen» er nur im Stande ist, das für das Gemüth und das religiöse Bewußtsein Entscheidende herauszufinden und in den Vordergrund zu stellen! Wenn er nur — und das ist ja immer wieder das erste und das letzte — Psychologe ist, die Kindesseele zu erkennen und entsprechend zu nähren vermag. Aus der Religionsgeschichte entwickelt sich die Religionslehre, wie die Blüthe aus der Frucht. Wir können allerdings einige Hanptlehren an den Bibelunterricht anschließeu und hervorheben. Aber auch dann halten wir es für entschieden methodisch fehlerhaft, wenn die Erläuterung ablenkt und der Faden der Geschichte in den Hintergrund tritt. Die Geschichte muß für sich selbst sprechen und wir fönnen besser beim Religionsunterrichte kurz auf sie als Beleg Hinweisen, als umgekehrt. Ein Zujammenfassen der einzelnen Religionslehren ist dringend uothwendig und unerläßlich in unserer Zeit. — Eine weihevolle Sonntagsmorgenstunde, i» der je nach Verhältniß die Schüler der hier allein zu berücksichtigenden 3 Jahrgänge (vom 11. bis 14.) gemeinsam unterrichtet werden können, ist der geeignetste Zeitpunkt für diesen Unterricht! Auch hier muß der Grundsatz vorherrschen, daß dem Haussleiß nicht zu viel zuzumnthen ist. Auch wenn wir nicht mehr Katechesen noch Dieter verlangen oder wünschen, so muß der Lehrer hier doch die Kenntniß richtiger Fragestellung besitzen *), und zum Schlüsse die betreffende Religionslehre kurz zusammensassen, durch einen Bibelvers erläutern und feststellen. Wir kommen nun an das dritte Hauptfach, den Unterricht im Hebräischen. unb bie grabung w» (ine Dr. » Don de will ab vermal mailte» ber (£& richtig vh»eC den Cs M: jweilev Rabbi» Dorfom Regier roetger Srftiii Winke hat... Srciic; alles nub k solche, auch Start jcnim bahre Aus der Praxis. Vom Rhein, im Mai. I» den letzten Jahren ist mau allenthalben bemüht gewesen, das oft harte Geschick der jüdischen Lehrer, die ohne staatliche Anstellung, ohne Aussicht aus Pension, einer traurigen Zukunft ins Antlitz schauten, , zu mildern. Lehrervereine, Achawa und ähnliche, daS j materielle Wohl des Lehrerstandes bessernde Gesellschaften sind ins Leben gerufen: Rabbiner >urd Gemeindevorstäude treten mit großem Interesse für die Förderung dieser lobeuswerthen Bestrebungen ein. Und mit Recht: sind doch unsere Lehrer neben de» Rabbinern berufen und verpflichtet, unsere Jugend in der Gotteslehre zu unterrichten, das Judenthum in seinem Fortbestehen zu sichern. Zu unserm großen Bedauern müssen wir aber auf Uebelstünde gerade im Interesse des Lehrer-! staudes aufmerksam machen. Da wird hin und her berathen, wie man den besten und vollkommensten Normallehrplan für den Religionsunterricht . entwerfen könne) wir wollen das Nützliche und Praktische 1 desselben oder das Gegentheil hier nicht diseutiren, aber das; möchten wir doch mit aller Bestimmtheit behaupten, die Frage des Lehrplans wäre zur Hälfte praktisch gelöst, wenn die Lehrer selbst, treu den Gesetzen unserer Religion, der Jugend : ) in dieser Beziehung auch mit der Tha t vorangehen würden. , Das Judenthum ist zu allererst eine Religion der That und dann des Wissens, erst und dann MM. Ohne Namen - zu nennen zählt z. B. Rheinland und Westfalen eine k große Anzahl von Lehrern, die in dieser Richtung gar Vieles zu wünschen übrig lassen. Dazu kommt, daß viele Lehrer;j ibum haste die j unat »ah, läge; 357 Sei ich S-ls ich! km, ihac r«l,l tjoi mar lau, S<t; uab tei *) Herbart-Ziller perhorrescirc» die Katechetik entschieden! K. t da, I, f«t» i I