Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 23. (4.6.1885)
- Date
- 1885-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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SO FreS., 8 Rbl.. 4 Dollars). i Pinzelnuminern der ..Wochenschrift" b 85 Pf.,! deS »Litteratur^BlattSk 15 Pf. des „Famllien-Blatts k 10 Pf. iS - FS Vcrannvortlichc, Redakteur und Herausgeber: Rabbiner l>r. W. Hlahmer in Magdeburg. Iiit M-hrheil, Kecht »nd krikde«! fiu die „Israelitische Wochenschrift", > wie für das „Jüdische Litteratur. Blatt". ' die klcingespaltcnc Pctitzeilc oder deren Raum , 95 pf. sind entivedcr durch die Annoncen- ' Erpcditionen non G.L.X^aube &c Co., ftu.cl.olf ISdZosse, Haasenstein Sc "Vogler u. A. oder direct eunusenden an : Die Gepediiion der ..-«raelil. Wochen» Ichrifl" in Magdeburg. Inhalt: Leitende Artikel: Was thut uns Noth? Ein Wort über Religions^ Unterricht. Von I. Klingen stein in Obcr^Jngelheim. — Aus Mähren. Berichte und borrefpondenzen: Deutschland: Magdeburg. Magdeburg. Aus Oberschlesien. Kochlowitz. Bodenfelde. Leer. Oesterreich-Ungarn: Brunn. Rußland: Petersburg. Witebsk. Augustow. Palästina: Jerusalem. Dermisckte und neueste Nachrichten; Magdeburg. Magdeburg. Berlin. Berlin. Breslau. Coblcnz. Württemberg. Stuttgart. Straßburg. Metz. Strakoniy. Arad. Ungarn. Grvdeck. Paris. Palästina. In rate. — Briefkasten. Wochen- 1885. Siwan. 5645. Kalender. Donnerstag . 4 21 Freitag. - - 5 22 Sonnabend 6 23 TbW Perek 3. Sonntag . - 7 24 Neumondseinfcgiluiig. Montag. . . 8 25 Dienstag . . 9 26 Mittwoch . . 10 27 Donnerstag . 11 28 Was thut uns Roth? Kiu Mort üver Hleligionsunterricht.) Bon I, Illingen stein in Ober-Ingelheim. n. Vor Allem müssen wir uns klar werden über das, was zum jüdischen Religionsunterricht gehört, resp. unbedingt nöthig ist. Es ist dabei nicht an die Einzelheiten zu denken, die, als Lehrplan, nicht wohl Gegenstand einer Zeitschrift für daS gesammte jüdische Publikum sein können. Es sind in der jüngsten Zeit in diesen gesch, Blättern gewichtige Worte in dieser Richtung gesprochen worden; und insbesondere ist die vortreffliche und wohldurchdachte, vom Ernste des Gegenstands getragenen Arbeit des Herrn vr. Goldschmidt-Weilburg sehr behcrzigenswerth. Auch wir sind der Ansicht, daß der Bibelunterricht, d, h. die Uebersetzung der Bibel, Mittelpunkt oder Hauptfach des Religionsunterrichts werden kann und soll. Allein, — doch nicht das einzige! Wenn wir auch in der Theorie einverstanden wären, so würden wir doch nicht ohne schwere Bedenken einer so totalen Umgestaltung unseres ganzen Religionsunterrichts in einer Zeit der Krisis, wie die unsrige ist, das Wort reden können. Schule und Unterricht schließen Experimente dieser Art aus. Das Kind ist kein Gegenstand des Experiments bei einem Untcrrichtsobjekt von so weittragender, ja von der allerhöchsten Bedeutung für Geist und Herz. Wer als Lehrer in die Schule tritt, muß mit klaren Zwecken und Zielen, die durch eigene oder fremde Erfahrungen bestätigt sind, kommen. Ins Ungewisse hincinarbeitcn, auf die Gefahr hin, Schiffbruch zu leiden, — das darf kein gewissenhafter Lehrer. „C o n c e ntration des Unterrichts" ist ein altbekanntes Wort; aber darunter ist doch nicht der Versuch zu verstehen, grundverschiedene Elemente untereinander zu mischen. Eine fremde Sprache und — Religionsunterricht sind aber doch solche verschiedene Elemente, gehören verschiedenen Geistesrichtungen an, auch wenn in dem Buche, das gelesen wird, das "pn na nban na “pm na auch für das Kind wörtlich zu nehmen wäre. Ob ein solcher Unterricht wirklich Erziehungs-, Gesinnungsunterricht im Herbart'schen Sinne genannt werden kann? Das Gcmüth wird jedenfalls erst dann Nahrung finden, wenn die ersten sprachlichen Schwierigkeiten beseitigt sind. Welche Gedanken und Strebungen, welche religiösen Lehren und Gebote soll aber das Kind in den ersten Jahren, voni ersten Leseunterricht bis zum einigermaßen geläufigen Uebersetzen mit nach Hause nehmen? Soll der erste biblische und religionsgeschichtliche Unterricht mit der Zerstörung des ersten Tempels und mit dem Untergange des ersten jüdischen Reiches abschließen? Soll das Kind nichts, gar nichts erfahren von den Maccabäern, nichts von Hillel und Schammoie, vom 2. Tempel und der Zerstörung desselben, von Jochanan ben Sakkai und Akiba, von Maimonidcs und Mendelssohn? Nichts, gar nichts von den Leiden und dem Martyrerthum unserer Väter im Mittelalter? Soll es nicht bekannt werden mii den wichtigsten Religionslehren, mit der Unsterblichkeitslehre und dem messianischen Reiche?! Allerdings können diese aus einzelnen Sätzen der Bibel heraus- und in dieselbe hineingedeutet werden! Würde dann aber diese Deutung nicht dieselbe Zeit wegnehmen, wie der selbstständige Religionsunterricht? — Und um Zeitersparnis handelt es sich ja! Würde man da nicht „das Pferd hinter den Wagen spannen?" Es steht mir kein Recht zu und ist auch hier der Ort nicht, pädagogischen Ueberzeugungen