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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-05-21 · N° 21. (21.5.1885) · p. Seite 161

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 21. (21.5.1885)
Date
1885-05-21
Page
Seite 161 (sequence 5)
Language
German
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— 161 — Maaße und in denkbar edelster Art mid Weise. So entspricht sic ja auch den, Wesen des ideal aufgefaßten Judenthums. Tie Anforderungen, die daher dieser Bund an seine Glieder stellen mutz, sind autzer derjenige» völliger Reinheit und Makellosigkeit des Namens und Rufes natürlich auch die einer großen Opferfähigkeit bezüglich pekuniärer Leistungen. Diese nun müssen das Durchschnittsniveau der finanziellen Forderungen überschreiten, die, rein der Geselligkeit und dem Vergnügen gewidmete Vereine an ihre Mitglieder 311 stellen pflegen. Aber was heitzt überhaupt hohe Anforderungen? die es für den Einen schon sind, sind es ja oft für den Andern noch lange nicht. — Das schlietzt aber eine Gesellschaftsklasse, die sich ans braven, rechtlichen Männern, deren Ruf und Name von gutem Klange, deren sociale Stellung jedoch eine bescheidenere ist, aus, mitznwirken an dem edlen Werk, da die Opfer, die sie vielleicht mit ihrer Person bringen würden, (z. Th. ja auch mit ihrem Vermögen! in Bezug auf die Geldleistungen zu hohe sind. — Selbstverständlich ist'S, datz man andererseits dein reichen Mann, wen» er sonst nicht ganz makellos daftcht, lediglich seines Rcichthums, seines Geldes willen Thür und Thor znin Eintritt nicht öffnci, wird. Datz ist ,n Ordnnng. Aber warum dem Makellosen, der sich zu höheren pekuniären Lcistnngcn nicht ausschwingen kann, die Pforte» verschlietzen. Wo bleibt da die sonst vielgerühmte Gleichheit? Wäre diesem Nebelstand nicht durch Organisation von Klassen abznhelfen, in welchen wiedcrnm verschiedene Grade geschaffen werden, wodurch ein allmähliches Anfrücken ermöglicht wird? Es sollen damit nicht etiva Elementen die Pforte» geöffnet werden, die, wcnnschon ganz ehrenwerthe Leute, doch aber eine wesentlich andere sociale Stellnng einnehmen, deren Unterschiede, ohne gerade den bösen Kastengeist zu beschwören. nun einmal nicht so bald ans der Welt zu schaffe» sind. L. Die vorstehenden, wohlgemeinten Worte gehen von einer Voraussetzung aus, die der Wirklichkeit nicht eiitspricht. Soviel uns von den „jüdischen Logen" bekannt geworden, ist die „Wvhlthätigkeit" — in dem Sinne des geehrten Herrn Corresp. — keiiicswcg ihr einziges, oder auch nur vvrnehmliches Ziel: sie ist vielmehr nur eine der so zahlreichen tugendhaften Eigenschafteil, deren B e t h ä t i g u n g Seitens der Mitglieder in echt jüdischem Geiste angestrebt wird, als da siiid: Eintracht, Liebe zu Kunst und Wissenschaft , Patriotismus, Selbstbeherrschung, Bescheidenheit, Anstandsgefühl in socialer uitb commerzieller Hinsicht, Duldsamkeit gegen Andersdeiikeude u. a. m. Es wird keineswegs eine große Opfersähigkeit an pekuniären Leistlingen voll den Mitgliedern verlangt, sicherlich nicht in einem deren Verhältnisse überschreitendem Maaße, und auch dies zunächst nur unverschuldet in Bedrängniß gcrathenen Mitgliedern gegenüber. Um die Zahl der letzteren nicht allzusehr anwachsc» zu lassen, also gerade um die Opferlvilligkeit nicht allzusehr anzuspannen, muß die Zulassung auch von gewissen finanziellen Bedingungen abhängen. Daß diese keine rigorosen, das Durchschnittsnivcau überschreitenden sind, daß jedem würdigen Glaubensgenossen von auch nur bescheidenen Mitteln die Logen offen stehen, geht schon daraus hervor, datz unseres Wissens auch mehrere Elementarlchrer mit bescheidenem Einloinmen ausgenommen worden siiid. Dje Berechtigung, gewisse Klassen fernzuhaltcn, die keine selbstständige Existenz besitzen oder der Fähigkeit, eine solche sich zu schaffen, entbehren, giebt unser geschätzter Corresp. ja selbst zu. Die Frage bezüglich Einführung von Graden, deren .Fehlen in den jüdischen Logen uns eher als ein Vorzug vor den Freimaurerlogen erscheine» möchte, kann als eine innere Logenangelegenheit füglich hier nicht erörtert werden. Hamburg, 13. Mai. (Or.-Corr.) Eine große Lücke hat der Tod abermals in den Reihen der wenigen Männer .gerissen, welche in Hamburg, namentlich in jüdischen Kreisen, durch Vorzüge des Geistes glänzen und durch dieselben bildend und veredelnd auf ihre Umgebung zu wirken vermögen. Der durch seine Gelehrsamkeit, durch ungewöhnliche Gedächtnitzschärse und autzcrordentiiche Beredtsamkeit iveit über Deutschlands Grenzen hinaus berühmte Rabbiner, vr. Joseph Jsaacsohn, ist nicht mehr; plötzlich und unerwartet, im Nu erlosch die Flamme, die so vielen geleuchtet, so viele erwärmte und erquickte. Denn nur dem Dienste der leidenden Menschheit hat der Verstorbeiic seine Mutzestuiidcn und seine Kräfte, während der acht Jahre, welche er in Hamburg lebte, gewidmet. Von Morgens früh bis Abends spät war er bestrebt, für die Armen, welche fast ausnahmslos sich an ihn wandten, zu wirken und ihnen durch Worte des Trostes ihr hartes Schicksal zu erleichtern; ja selbst persönliche Widerwärtigkeiten, welche er dadurch erlitt, schreckten ihn nicht ab, täglich von Neuem die schwierige Aufgabe zu erfüllen, Sammlungen für Nothleidende zu veranstalten. Aber nicht nur diese Unglücklichen verloren ihren Wohlthütcr, Freund und Berather, nicht die Gattin und ein einziger Sohn beweinen allein seinen Tod, auch die Mitglieder der l^sweIr-8oboIuuva-Gemeinde betrauern tief den unersetzlichen Verlust, welcher sic betroffen. Sechs Jahre war der Entschlafene geistliches Oberhaupt dieser Gemeinde und viele Mitzhelligkeiten wurden ihm von den Gegnern jeder, auch der unwesentlichsten Neuerung, bereitet: doch diese Anerkennung wird ihm nicht versagt werden können, daß seine Kanzelreden und philosophischen Vorträge Epoche machend waren und ihresgleichen in Hamburg sicherlich nicht sanden. Auch vermochte Niemand dem Verstorbenen lange gram zu sein, denn seine persönliche Liebenswürdigkeit verscheuchte bald jede» Groll, und jede Empfindlichkeit, welche vielleicht durch eine mitunter zu große Heftigkeit hervorgerufcn tvorden war. Alle jene schönen Eigenschaften des Herzens und des Geistes hat der Todesengel mit einem Streiche vernichtet; ein Schlaganfall traf de», trotz seiner vier und siebenzig Jahre noch jugendlich lebhaften und rüstigen Mann, im Augenblicke, als er scherzend sich von seiner Gattin verabschiedete und zum Ausgehen anschicktc und schloß die so beredten Lippen für immer; ein Arzt, der sofort zur Stelle war, konnte nur de» Tod constatiren. Die Leiche wurde unter außerordentlich großer Bctheiligung, selbst derer, welche dem Verstorbenen im Leben feindlich gegenüber standen, heute nach dem Berliner Bahnhof geleitet, von wo ans sie nach Filehne, dem Geburtsorte des Entschlafenen, übcrgesllhrt wird. Dort ruhen auch fünf Kinder, tvelche in der kurze» Zeit von nur vierzehn Tagen den Eltern durch den Tod entrissen wurden. Im Sterbehause hielten Herr Rabbiner Or. Horowitz, der Schwager des Verblichenen, welcher aus Frankfurt a. M. eingetroffen war, sowie Herr Oberrabbiner Or. Locb in Altona Leichenreden; auch der hiesige Oberrabbiner und der Tcmpelprediger Or. Jon as waren erschienen, namentlich auch alle diejenige» Männer i» Hamburg und Altona, welche mit dem Judenthum und seiner Wissenschaft noch eng verbunden sind; bis zur Ruhestätte in Filehne gaben der Leiche das Geleite der Sohn, ein Schwager des Verstorbene» und ein Mitglied des Vorstands der Gemeinde Neweh-Scholaum; und dort wird auch sein zweiter Schwager, Rabbiner Or. Sal. Cohn ans Berlin, anwesend sein. Ll. Aus der Nrovinz Hannover. (Or.-Corr.) Es ist eine gewiß befremdende Thatsache, die gewiß auch manchem College» noch unbekannt sein wird, daß zur Zeit, als auch den jüd. Lehrern die Verpflichtung nuferlegt tvorden ist, frühestens zwei, jedoch spätestens 5 Jahre nach erfolgtem Abgänge vom Seminare, sich einer Wiederholungsprüfung behufs Erlangung der Qualffication zur definitiven Anstellung zu unterziehen, diese Verpflichtung sich nicht auf die jüd. Lehrer unserer Provinz erstreckt hat. Vielmehr haben für diese die allgemeinen Bestimmungen keine bindende Kraft, sondern lediglich die Schulordnung für die jüd. Schulen der

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