Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 21. (21.5.1885)
- Date
- 1885-05-21
- Page
- Seite 160 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 160 — Pädagogen; in de» spcci fisch jüdischen Unterrichtsfächern wird die methodische Ausbildung vollständig vernachlässigt. Die Seminaristen erhalten zwar das nöthige hebr. Wissen, in manchen Seminaren sogar reichlich, bis zu OTS 'Tt und Mischnah; aber die methodische Behandlung ves jüdischen Unterrichtsstoffes wird nur sehr stiefmütterlich behandelt. Man denkt, ivcr die Methode der bürgerlichen Disziplinen beherrscht, der wird schon im jüdischen Relig.-Untcrricht sich zurecht finden. Und das ist ein verhängnißvoller Jrrthum. — Jeder Gegenstand verlangt seine besondere methodische Behandlung. Wer Lesen unterrichten kann, kann cs noch nicht in Geschichte od. Geographie; Deutsch Lesen verlangt eine andere Behandlung stir Deutsche, wie das Lesen einer fremden Sprache, z. B. griechisch. Und so ist es mit allein: es giebt auch keilte formale pädagogische Ausbildung in dem Sinne, das; die Fertigkeit ui dem einen Fache ohne ivcilercs die Fertigkeit in allen Fächern voraussetzt. Diese These der wissenschaftlichen Psychologie ist überall schon anerkannt, nur nicht an unfern Lehrer-Seminaren. — Wir fragen offen, selbst aus die Gefahr hin. hier und da anzustoßen. was i haben unsere bisherigen Seminar-Direktoren ans dem Gebiete; der Pädagogik überhaupt geleistet? Was haben sie für die! besondere Methodik der indische» Religionsschnle geleistet? Sie habe» den alten Schlendrian gelten lassen, sind sogar mit dem alten Schlendrian Hand in Hand gegangen, haben vielleicht ein paar Büchlein geschrieben, die nichts als eine neue Variation des alten Schlendrian find. Aber sich in ihren pädagogischen Beruf zu vertiefen; ihren Berns so auszufassen. das; sie für das ganze Religions-Schulwesen des Jndenthums als die schöpferischen Kräfte, als die Eröffncr neuer Bahnen, zu wirken hätten. als die festen Säulen dazustchen, die mit den durch sic heranzubildenden Lehrer» wichtige Träger für den Tempel des Judenthums zu sein im Stande wären; gleiche pädagogische Begeisterung und Strcbensfreudigkeit auch für die jüdischen Fächer, die Fächer der jüdischen ReligionSschulc, wie für die bürgerlichen Fächer in dem Herzen der Seminaristen anznfachen; die jüdischen Religionslehrer mit besonderer Kraft für den durch sie in die richtigen Bahnen zu lenkenden jüdischen Religions-Unterricht auszurüsten — — alles dies und ähnliches, was ja bei der Idee eines jüdischen Lehrer-Seminars selbstverständlich sein sollte, ist bisher bei keinem Leiter unserer Lehrer-Seminare zu Tage getreten. Die aus unser» Seminaren hcrvorgegangenen Lehrer verstehen alles besser zu unterrichten, als dasjenige, wozu unsere Lehrer-Seminare einzig und allein errichtet wurden und errichtet werden mußten. Der jüd. Religionsunterricht, d. h. die Anleitung zur methodischen Bearbeitung desselben, ivird in den jüdischen Lehrer-Seminaren nur als Nebensache, als Anhängsel zur allgemeinen Elementar- Lehrer-Bildung behandelt — das ist der Keim zur Krankheit unseres Religions-Schulwesens. Die Seminaristen werden tüchtige Elcmentar-Lehrer; als Religions-Lehrer erhalten sie nur den Unterrichts-Stoff. Die richtige Bearbeitung desselben nun das kann ihnen nicht gegeben werden, weil die Männer, welche vorzugsweise dazu berufen sind, die Methodik der jüdischen Religionsschnle zu schassen und zu pflegen, diesen! ihren Beruf nicht erkannt habe»-oder nicht zu erfüllen vermögen, iveil — die Pcrsonenfrage zu leicht genommen wird. Soll es besser werden, dann müsse» wir Lehrer bekommen, die wie als Elcmentar-Lehrer für die Fächer der Elementar-Schule ebenso als jüdische ReligionSlehrer für die Fächer der jüdischen Religionsjchule die erforderliche besondere pädagogische und methodische Ausbildung mitbringen »nd das kann nur dann gelingen, wen» man aufhören wird, die Personen-Frage leicht zu nehmen, irgend einen Theologen. der vielleicht einige pädagogische Phrase» _ im Munde führt, für geeignet zu halten, einer Biloniigsanstalt für jüdische ReligionSlehrer als oberster Leiter vorzustehcn, wenn man endlich nur Männer dazu bernsl, die die pädagogische Seite der Lehrerbildung auch für den jüdischen Religionsunterricht als die wichtigste Seite zu schätzen wissen und auszubilden vermögen.— Die ideale Aufgabe der Direktoren unserer Lehrer- Seminare ist keine kleine: möge man dies doch endlich einsehen! Würde man es für denkbar halten, ein staatliches Lehrer-Seminar durch einen andern als einen Pädagogen von Fach dirigireu zu lassen? — So lange man dies nicht auch bei unser» Lehrer-Seminaren für undenkbar halten wird, — so lange wird cs in unserem Religions-Schulwesen nicht besser werden. Das ist die persönliche Seite der Reorganisation unserer Religionsschnle. die als Pendant zur sachlichen hinzukommen muß. wenn eine ersprießliche Reorganisation gelingen soll. Im Staate sind die Idee» die Hauptmacht; die Personen werden von den Ehcfs ausfindig gemacht. Bei dem Mangel einhcitlichcr staatlicher Organisation sind im Judcnthume die Ideen ohnmächtig und dem Zufall preisgegcbeu. Die Personen sind — — bei uns alles. Gerichte und Correspoudemen. Deutschland. Merlin. Der Vorstand des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde hat jüngst eine llebersicht über die Leistungen der Verwaltung im letzte» Kalenderjahre veröffentlicht und per Circular den Gemcindcmitgliedern zngesandt. Wir entnehmen demselben, daß. trotzdem die Berliner Gemeinde-Behörden in liberalster Weise — i. I. 1881 z. B. 42000 Mk. — die Mittel für die Bedürfnisse des Krankenhauses bewilligen, doch von Jahr zu Jahr die an die Verwaltung herantretenden Ansprüche derart gewachsen sind, daß der Vorstand sich auch in diesem I hre genöthigt sicht, die Privai-Wohlthätigkcit der Gemeinde-Mitglledec in Anspruch zu nehmen und sie um freiwillige Beitrüge für unsere armen Kranken zu bitte». Dieser Appell ist bei dem bekannte» Wohlthätiglcirssinn der hiesigen Gemcindemitglieder stets von reichem Erfolge gewesen. Nach dem beigegebene» statistischen Bericht fanden im Krankenhanse im abgelauicncn Jahre 1047 Kranke Aufnahme; davon für Rechnung der Gemeinde 492 und aus der Fremden- Krankenkasse 78. Es sind also 59 pCl. sämmllicher Kranken gratis verpflegt worden. Diese 1047 Kranken haben 32622 Vcrpflegungstagc erfordert; die durchschnittliche Dauer der Anwesenheit eines Kranken in der Anstalt war 31 Tage; als geheilt wurden 607, als gebessert 194 entlassen. Bei der Entlassung aus dem Krankenhause sind an Rcconvalesccnten resp. zur Abreise in die Heimath 3887 Mk. 15 Pf. gezahlt worden. Unterstütznngsgejuche gingen 912 ein, von denen 678 zur Berücksichtigung kamen. Für diese, sowie zur Unterstützung für Badereisen und Milchkuren auf dem Lande sind verausgabt 8086 Mk. 55 Pf. In der mit dem Krankenhause vcrbinidencn Poliklinik kamen 7616 Personen (1742 mehr als im Vorjahre) »nt einem Kostenaufwande von 3300 Mk. 57 Pf. zur Behandlung. Das pneumatische Cabinet ist i» 2756 Sitzungen von 103 Personen benutzt worden. Für Diphtheritis-Kranke wurde ein Jsvlir-Pavilloii errichtet. Der hierfür erforderliche Koslenanfwand im Betrage von 22658 Mk. wurde durch hochherzige Geschenke von Gemeinde-Mitgliedern i» Höhe von 14688 Mk. und durch eine» Gemeinde-Zuschuß von 7973 Mk. aufgebracht. Dresden, 5. Mai. (Oc.-Eorr.) Die jetzt in einer Anzahl deutscher Städte — jüngst auch hier — vollzogene in anderen augcstrcbte Bildung j ü d i s ch e r L o g e n veranlaßt mich zu einigen Auslassungen, die in maßgebenden Kreisen als eine Anregung betrachtet werden möchten, die einer ernsthaften Prüfung würdig zu erachten sein dürfte. Die Logen verfolgen ja die gleichen Zwecke, streben dasselbe an. was das innerste Wesen der Frei-Manrerci von jeher als Ziel sich steckte: Wohlihätigkeit im ausgedehntesten /. -