Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 20. (14.5.1885)
- Date
- 1885-05-14
- Page
- Seite 154 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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154 — Dcrnntivurten gegenüber denjenigen, für die im Leben zu sorgen Ihr verpflichtet seid! Die Achawa ist stark genug auch ohne Euch: sie braucht Euch nicht, wenn Ihr sic nicht braucht. Nur um der Ehre des Lehrerstandes willen wünschen wir Euern Beitritt, Und um der Ehre des Judenthums willen erwarten wir, daß jeder Lehrer in seiner Gemeinde wirkt für das, was ihm und der Gemeinde am nächsten stehen sollte von Institutionen, die die Gesammtheit berühren. Ich werde bei der nächsten Generalversammlung den Antrag stellen, daß nächsthin das ganze Jahresertrügnis an Zinsen und Beiträgen zur Vertheilung kommt, und nur die Geschenke zum eisernen Fond geschlagen werde», da nach meinem Dafürhalten dieser groß genug ist, um den Bestand und die segensreiche Wirksamkeit auch für die Zukunft zu sichern: vorausgesetzt natürlich, daß dem Vereine das Wohlwollen derjenigen erhalten bleibt, bie fettljer die Vergrößerung des Fonds bewirkt haben. Dadurch wird die Vcrthcilnngssummc um nahezu 3000 Mark jährlich vermehrt und der einzelne Theil wohl aus 150 Mark gebracht werden können. Mögen die Betreflendcn nun thun, was sic für gut, für ihre Pflicht halten. Wenn die Lehrer und Rabbiner Deutschlands wollen, kann die Achawa vollauf das bieten, was in dieser Richtung nothwendig ist. —■ Eine weitere Anstalt ist durchaus unnöthig, und weil sie den Zusammenschluß der Kräfte hindert — zweckwidrig!**) Kl. Keilbrorm, 4. Mai. Die überaus große Bethciligung seitens aller Konfessionen und Stände an dem gestern stattgcfundenen Leichenbegängnisse des nach längerem Leiden verstorbene» Herrn I. Stern, Chef der Firma I. Stern & Cie. hier, gab Zcugniß von der hohen Achtung, in der er im Leben stand und dem Ansehen, das er allenthalben genoß. Aus kleinen Verhältnissen ausgewachsen, gelang cs ihm durch unerniüdlichen Fleiß und weise Sparsamkeit, sein Geschäft auf eine ansehnliche Höhe zu bringen. Aber auch dem öffentlichen Leben brachte er seinen Tribut. Durch das Vertrauen seiner Mitbürger war er. zweimal in die bürgerlichen Kollegien berufen, die Handclsinteressen fanden in ihm als Mitglied des Handelsgerichts und des Ausschusses der Landesproduktcnbörse einen warmen Vertreter, der Rechtspflege diente er als Schöffe beim Kreis- und Amtsgericht und in allen diesen Körperschaften wußte er durch seinen Scharfsinn und sein bescheidenes Auftreten sich die Werthschätzung seiner Mitarbeiter zu erwerben und zu erhalten. Er war ein ehrlicher Charakter, von streng reellen Grundsätzen geleitet, und der ungeahnte Aufschwung des hiesigen Produktenhandels ist nicht zum geringsten Theil seiner Thätigkeit zu verdanken. Am Grabe gab Herr Rabbiner Dr. Eng elbert in ergreifender Rede dem Schmerz über den Verlust eines so verdienten Mitbürgers beredten Ausdruck. Frankreich. H»aris In Folge einer neulichen Bestimmung ist die Verwaltung der Culte vom Ministerium der Justiz auf das des öffentlichen Unterrichts übertragen worden. — Als wackere Bekämpfer der Cholera haben jlld. Aerzte und Private (13 an Zahl) Auszeichnungen erhalten. An ihrer Spitze steht der Prof. vr. Mosse aus Montpellier, der Ritter der Ehrenlegion geworden ist. Der frühere Staatsrath Henry Seligmau ist zum Cabinetsches des Handelsmiuisters ernannt worden. — Die Generale Lambert und Lcvy sind mit der Inspektion der Gendarmerie und der Pioniere betraut. — Bei der Suezkanalconferenz ist Herr Ass er (Rath im Ministerium des Auswärtigen) wie auf der Congoconferenz einer der Vertreter der Niederlande. Direktor der öffentlichen Sicherheit ist der bisherige Präfect der Doubs Herr Levaillant geworden. **) Einen diesen Zusammenschluß in's Auge lassenden Antrag beabsichtigen wir aus der Pfingsten hier tagenden Cuitusbeamten- Eonscrenz cinzubringen. (Red.) Palästina. Jerusalem. Wir haben Aussicht auf eine gute Ernte. Fast zwei Wochen (5 Tage vor bis 4 Tage nach Pessach). hat es tagtäglich geregitel. Das hat die Folgen der langen Trockenheit gehoben. Dadurch ist auch alles billiger geworden. Speculationen in Getreide und Wasser sind Gottlob fehlgeschlagen. Der „Nassi schel Erez Jissroel“, Rabbi Sachs iit Polen, hat an die Warschauer Gemeinde Hierselbst die Aufforderung gerichtet, Land zu kaufen und an Arme auszutheilen. Diese sollen noch solange an der Chalnka theilnehme», als sie ihren Unterhalt nicht gewinne» können. Herr Sachs will alljährlich (10 Jahre hindurch) je 5000 Rubel dazu geben. Viele Einzelne freuen sich dieser Verheißung, die Vorsteher dagegen sind getheiller Ansicht. (Uns erscheint der Gedanke, die in Palästina wohnenden Juden zur Arbeit (welche Art immer) anzuhalten und die Chaluka allmählich aus der Welt zu schaffen, als der einzige gesunde in der ganzen Cvlonisationsbcwcgnng: nur die daran sich knüpfende nationale Schwärmerei halten wir für gefährlich. Sv hat letzthin ein jüd. Bl. als Grund für Beibehaltung der Opfergebete den angeführt, daß ja, nach Wiedererrichtung des Tempels in Jerusalem, auch ivieder Thicropfer dargebracht werden müßten. Das war anch die unzweideutig ausgesprochene und gedruckte Ansicht des sel. R. Hirsch Kalischer, auf dessen diesbezügliche Schriften die Leiter der Colonisation offen und versteckt sich berufen. — Red. d. Jsr. W.). Als einen Mann, welcher Vieles zur . Hebung des Handwerks und des lttcwcrbefleißes in Palästina bcigetragen hat, nennt Herr Pincs den vom „Libanon", der hebr. Beilage des „Israelit", so schmachvoll begeiferten Herrn Leopold Hamburger in Frankfurt a. M. O, daß es Viele seines Gleichen gebe, lautet das warm gefühlte Dankeswort! Er hat auch Absatzstellen für Olivenhvlzarbeit, Wein, Sifre, Thora, Tephilicn und Mesusos in vielen Orten Europa'« verschafft, hat eine neue Kelter nach Jerusalem geschickt und noch vieles Gute getban, ohne cs in den Zeitungen auszuposaunen. Was der „Libanon" gegen ihn schrieb, mar pure Verleumdung. (So setzt der „Israelit" im hebr. Gewände sein Geschäft im heil. Lande mit ungeschwächten Kräften fort.) Jaffa. Wichtige Erdarbeiten sind Anfang dieses Jahres in der Ackerbauschule vorgenommen worden: ein Hektar Land ist mit Weinstöcken bepflanzt, in den bestehenden Weingärten sind fehlende oder schlecht gerathene Weinstöcke ersetzt worden. In den Cedragärten sind gegen 400 junge Esrogim-Pflanzen, die man aus den Baumschulen der Anstalt gewonnen, gesetzt worden) die Orangenbäume, die von der Külte im vergangenen Jahre gelitten halten, sind besser geschützt worden. Vermischte und neueste Uacheichten. Merlin. Daß der Antisemitismus zu Bundesgenossen die Lüge und Verleumdung hat, ist männiglich bekannt. Hier ein neues Beispiel. Die „Staatsbürger Zeitung" tischt eine Geschichte auf, welche die Arbeiterfreundlichkeit Loewe's verdächtigen soll, das „Volksblatt" trägt die Denunziation weiter. Hiernach soll in der Fabrik des Herrn Ludwig Löwe ein verunglückter Schlosser, dem ein Finger abgcguctscht und der sich um leichtere Arbeit bemüht hätte, eine solche in der Löwe'schcn Fabrik nicht erhalten haben. In Wirklichkeit verhält sich die Sache also: Der Schlosser hatte sich eine Verletzung seines Fingers durch ein mehr als leichtfertiges Verhalte» selbst zugezogen. Er ist gleichwohl mit dem vollen hohen Krankengelde unterstützt worden. Als der Arzt ihm die Wiederaufnahine der Arbeit nicht nur gestattet, sondern ausdrücklich verordnet halte, ist ihm Arbeit in seinem Fache nach seiner freien Auswahl in der Fabrik angeboten worden, er selbst hat aber diese Arbeit nicht angenommen. (Aber es wird trotz aller Berichtigungen fortgelogen! R.)