Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 20. (14.5.1885)
- Date
- 1885-05-14
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 151 Banbetbn *• »»chj “gönnen h )ö1 15 eb‘ inebefonj Mbecunjbbe 18149 icuölferung e Jon der M lin etwas i in dem Bezirk Jaden. Ber- >srelaltalcn in daß von allen taatsangchörig so maß MM giebt, daß hier n Ausmndern politische Zuhied der Conie Behauptnng an ans heranibaaten Bode» men. unsere 8b# Formel darzuer Responswa, ehemaligen nachsolgcaden itwort aas die erster Sich der Talmud Gegenstand des Jugendunterrichts*) ist, gilt es als ausgemacht, daß die Mischnah nicht anders erklärt werden darf, als der letzte unter den Lösu »gst> ersuchen des Talmud es verlangt, wobei man ganz außer Acht läßt, daß sehr oft eine Reihe im Mischnah-Tex te ganz unbegründeter Voraussetzungen angenommen wird," Im Sprechsaat**) derselben Ro, der „Wochenschrift" fragt an der Hand des abgcdrucktcn Ausschnittes aus der „Kreuzzeitung" und der Professor Strack'schcn Antwort der Herr Vorsteher H, B., ob denn solchen Bedenken gegenüber die Beibehaltung der Kol-Nidre-Formel oder nicht vielmehr ihre Abschaffung geboten sei und wendet sich damit mehr an den Theologen, als an den Redacteur in Ihnen,***) Man wird zugcbe», daß jene Klage und diese Frage eine blutsverwandte Grundlage und beide ihre große Berechtigung haben, aber ich fürchte, daß wir auf dem rein theologischen Wege erst mit Ankunft des Messias aus dem Dclemmn herauskomme,,. Dieser wird bekanntlich dann sofort erscheinen, wenn alle Rabbinen und sonstigen Bekenner des Judcnlhums einen einzigen Tag ganz einig mit einander sind und an dieser Kleinigkeit scheiterte bisher die ganze Geschichte, Es ist eine Art Uhrmachcrei Karls V, Wenn eine Versammlung von rabbinijchen Autoritäten sich zujammenbringen ließe, wie zu den Zeiten des Rabbenu Gcrschom,— so giebt man uns immer als Antwort,— die einen maßgebenden Einfluß Hütten, so ließe sich dieses und jenes, was in guter und wohlgemeinter Absicht von den Altvordern ungeordnet und das inzwischen durch die Zeit erfüll! oder üt erholt ist, rcducirc», abändern oder beseitigen; wo aber sind diese Männer, so giebt man uns auf unsere Klagen und Fragen immer und immer wieder zurück und reicht uns dann! Steine, nein noch wenigcr, ein Nichts, statt des Brodes. Wir habe» Rabbiner-Versammlungen reformistischer und conselvatioer Richtung gehabt; Streit- und Zeitschriften haben oie brennendsten Fragen dieser Art hin und wieder erwogen, und was ist dabei hcrausgckommeu? Glaubt man übcrhaup i, daß unser» heutigen Orthodoxen gegenüber dabei etwas! iianskommcn würde und wenn Rabbenu Gerschvm und Rabbi Mansche Jsserlcs in höchst eigener Person unter uns erstünden und zu den Versammlungen erschienen? Glaubt man, daß sie nicht auch ihre Gegner gehabt? Heißt cs also nicht die allernothwendigsten Aenderungcn — um das unlogischer- und unnöthigerwcise in Verruf gebrachte Wort „Reform" zu vermeiden — auf den Nimmermehrstag verschieben, wenn wir uns bloß auf diese» Weg angewiesen glauben? Ich will mich einmal an dem gegebenen Beispiel von ’7T3 halten und dies aus meiner eigenen Erfahrung illustriren. Es ist für alle Vernünftigen und Denkenden wohl gar keine Frage, daß Andersgläubigen si), vollends Uebelwollenden gegenüber diese Formel viel Mißzuverstehcndes hat und ohne Commentar, die ihre rcligions-gefchichtliche Bedeutung aufklärt und erhellt, fast zu Mißverständnissen herausfordert; daß sie auch des Trüben und Leides uns schon übergenug eingetragen hat. Wer will sich aber unterfangen, unsere Orthodoxen zu vermögen, statt dieser, die doch nicht einmal in der Mischnah oder Gemara steht, ff) selbst unter vollster Rettung des Grundgedankens eine andere *) Rur da? D. Eins, **) Wir acceptircu diese Benennung für die Rubrik „Aus der Praxis" recht gern, (Red,) ***> Wir verweisen die Kundigen hier nur kurz aus die Stelle im Siddur des R. Amram, Gaon zu «ura (869—881)4 3. 47a (»gl. auch Manhig s. 59j, ,n-i: bz 1»1^> sin mtsw an:aw. Schon Jt. Amram's Vorgänger, der Gaon R. Natronai, und ebenso R. Hai älaon erllären sich gegen diesen Minhag; cfr. Aschri Joma Ende Perek 8 und No, 394. (Red.) t) d. 6. solcher, die sich in den ganzen Jdeeengang der jiid. Gelübde-Gesetze und der aus strengster Gewissenhaftigkeit hervorgegangenen Einrichtung ihrer Auflösung nicht hincinfinden können, sRed.) ff) Man verweist aus Ncdarim 23b als Quelle des ganzen Minhag, Eine andere Quelle für diesen Minhag ist der So har lRaja inehcnina z» Pinchas.) (Red.) einzusühren und die alte in den längst verdienten Ruhestand zu setzen? — Vor etwa 18 Jahren machte man i» meiner Vaterstadt Hannover, einer damals als conservativ bekannten und anerkannten Gemeinde diesen Versuch, Man verlangte aus der Mitte der Gemeinde, der derzeitige Vorstand möge aus den Herrn Land-Rabbiner Or. S. E, Meyer s, A. dahin einwirken, daß er an Stelle des alten einen zeitgemäßen Text entwerfe und einführe und wirklich tonnte, nachdem sich diese Wünsche von Jahr zu Jahr und immer stürmischer wiederholt hatten, der Herr Land-Rabbiner sich dem nicht mehr entziehen, er mußte eine Commission einberufen, zu der unter andern auch der gelehrte und anerkannt echt fromme sel, Seminar-Dircctor Professor Frensdorfs gehörte, um dem Drängen der Gemeinde und des Vorstandes zu entsprechen, Da hätte man aber das Wuth- und Zetergeschrei der Pächter der allein seligmachenden Anschauung sehen und hören sollen. Sie waren ganz aus dcni Häuschen, protestirten, drohten, entblicben aus dem Tempel, denuncirten in ihren Parteiorganen, kurz geberdeken sich wie wahnsinnig, trotzdem die vvrgelegte Formel von jenen Männern unter vollster Schonung des Alten und in bestmöglichster Anlehnung daran gewühlt war, Vorstand und Genieinde nahmen jetzt aber keine Notiz mehr daran, das neue 'TB *72 ward vorstandsseitig acceptirt und emgeführt und wird alle jene Schreier und Schreiereien noch lange überdauern, Sic ist auch seitdem von manchen anderenGemeinden acceptirt und eingeführt, fff) Ist das nicht überhaupt der Weg, den wir einschlagen müssen, wenu wir weiter kommen lvollen? Ist cs nicht derselbe, den Moses Mendelssohn mit seiner Bibelübersetzung eingeschlagen, derselbe, der uns trotz aller Proteste verknöcherter Orthodoxie, zuni deutschen Schulunterricht, zur zeitgemäßen Leichenbehandlung, zur deutschen Predigt, zu der ReligivnSweihe, zum Chorgesang rc, rc. verholfe» hat? Der einzig mögliche, tvenn wir weiter kommen wollen? Wir haben gottlob keine dictatorische Kirchenbehörde, die mit ihrem Veto dazwischenfahren kann, unsere Gemeiuden sind autonom und wenn z. B, der Herr Vorsteher, der in so verständiger und maßvoller Weise in der letzten Nr. das Wort nimmt, einen Gemeindebeschluß herbeifllhrt, die hannoversche Fassung einzufllhrc» und andere Gemeinden, wo die Besonnenen die Majorität haben, dasselbe thun, und tvenn die Vorstände größerer Gemeinden ihre,» Rabbiner sagen, wir verlangen diese und jene Reformen für unscren Gottesdienst, haben wir denn nicht das, was tvir wollen und was auf anderem Wege nicht zu erlangen ist? Dieser Weg, mit M a a ß und Verständ niß eingeschlagen, führt nicht nur zum Ziel, sondern er würde auch gewiß reiche Nachahmung finden. Dadurch Hütten mir aber die große Menge der Gemeindemitglicdcr uns erhalten und theilweise zu uns zurllckgeführt und höchstens einige heißspornige Orthodoxe verloren oder richtiger wir erhielten sie in zweiter Generation als Nachzügler, wenn wir an ihnen nicht inzwischen ein anderes Extrem erlebt und sie uns nicht bereits ganz den Rücken gekehrt haben — nomina sunt odiosa. Dann aber, wenn viele Einzelne dasselbe gethan haben, ist auch nichts weniger erreicht, als was eine Vielheit beschließt und that. Das scheint mir, wenn wir bei der andauernden Oberherrschaft der sich immer mehr spreizenden Orthodoxen nicht in Stagnation gerathen wollen, der einzige Ausweg. Die Gemeindenmüssensichselbsthelfen, — 7npn TOT ‘rj! Gerichte und Correspondenzen. Deutschland. Magdeburg, Ucber die in neuerer Zeit mehrfach an Shnagogenbeamte ergangene polizeiliche Aufforderungen (kürzlich wieder in Sonnenburg), das Staatsgebiet zu verlassen und nach Rußland, ihrem Vaterlande, zurückzukehren wird der „Magd. Zeit." aus Berlin geschrieben: Diese fff) Auch hier i» Magdeburg mit umvesentlichcuAbllnderungen, Red,