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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-05-07 · N° 19. (7.5.1885) · p. Seite 146

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 19. (7.5.1885)
Date
1885-05-07
Page
Seite 146 (sequence 6)
Language
German
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■ rtffaa-iWTBiA! — 146 — Lehrerinnen fallen, 11 Doctorandcn und Studirende, 5 Rechts- Praktikanten, 7 Schüler von Volks-, Handels- und Mittelschulen, 18 Kaufleute, Börsianer und Fabrikanten (darunter 1 Banquiersgattin), 2 Schauspieler, 2 Schauspielerinnen, 16 Arbeiterinnen, 7 weibliche Dienstboten, 2 k. £. Offiziere, 23 Buchhalter und Commis. Dem Stande nach waren unter den aus dem Judenthum geschiedenen Personen 6 Ehepaare, 3 Wittwer, 6 Wlttwen, 52 ledige Männer, 50 ledige Frauenspersonen, 11 verheirathete Männer, 13 verheirathete Frauenspersonen, 2 geschiedene Frauen. Die große Anzahl der ledigen Convertiten (102) lehrt, daß die nieistc» Uebertrittc zum Zweck einer Eheschließung erfolgt sind. Zu bemerken ist, daß dem in Oesterreich geltenden Gesetze gemäß Kinder von 7 bis 14 Jahren nicht aus ihrer Confession austreten können. Der Austritt ist hingegen bis zum Aller von 6 Jahren gestattet und v o m,l 4. Lebensjahre an ebenfalls erlaubt. — In den letzten 3 Jahren 1882—1884 gelangten in der Cultusgemeinde 6284 Geburten zur Anzeige, und zwar 2190 im Jahre 1882, 2025 i. I. 1883 und 2069 i. I. 1884. Hievon entfallen aus Knaben 3277, aus Mädchen 3007; darunter unehelich geboren 307 Knaben und 246 Mädchen. Es ergiebt sich daraus die auch sonst bemerkte Thatsachc, daß bei Juden mehr Knaben als Mädchen geboren werden, und ferner ein außerordentlich günstiges und für die sittlichen Zustände der Juden glänzend sprechendes Verhältniß der ehelichen zu den unehelichen Geburten. Lemberg. Ueber die Wahlbewegung in Galizien wird dem I. W. geschrieben. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß wir vor einer ungemein bewegten Wahlcampagnc stehen, welche die heftigsten Wahlkämpfe bringen wird. Bor Allem sind es die allen feindlichen Brüder, Polen und Rnthenen, die sich schroffer als je einander gcgcnüberstehc». Die Annäherung zwischen den beiden Nationaliräten hat in de» letzten Jahren nicht nur keinen Fortschritt gemacht, sondern die Kluft wurde noch erweitert und die Gegensätze wurden verschärft. Die sonst sich feindlichen Alt- und Jungruthenen haben sich ein Ziel gesteckt und dieses Ziel ist „rücksichlslose Bekämpfung des Polenthums". Bei dieser Sachlage gewinnt das Verhalten unserer Glaubensbrllder bei den bevorstehenden Wahlen eine ungeheure Bedeutung. Die Juden verfügen in Galizien vermöge ihrer Einwohnerzahl und ihrer Stcuerleistung über beinahe den dritten Theil aller Stimmen, in einigen Wahlbezirken habe» sie sogar die Majorität. Die Juden bilden daher das Zünglein an vcr Waage und nur diejenige Partei wird siegreich aus den Wahlen hervorgehcn, tvelchc die Unterstützung der Juden finden wird. Die Frage, für welche Partei die Juden sich entscheiden werden, ist daher eine hochwichtige; diese selbst befinden sich in einem peinlichen Dilemma. Die geschichtliche Entwicklung und die Gleichheit der Lebensanjchauung verweisen die Juden auf ein Zusammengehen niit den Polen. Anderseits leben die Juden insbesondere auf dem Lande mit den Ruthenen im besten Einvernehmen. Vielleicht gelingt es in letzter Stunde noch, angesichts der wirthschaftlichen Misere in Galizien einen nrockus vivendi zwischen Polen und Ruthenen zu schaffen und Niemand wird eine solche Wendung der Dinge freudiger begrüßen, als die Juden, welche dadurch der Nothwcndigkcit enthoben werden, gegen das rnlhenische Volk Partei ergreifen zu müssen. Ueber die Wahlbewegung in den Wahlbezirken, wo die Juden in der Majorität sind, kommen folgende verläßliche Mittheilungen: Im Wahlbezirke Brody-Zloczvw ist die Wiederwahl des bisherigen Vertreters Hofrath Br. Ritter v. Sochvr als ganz gesichert zu betrachten. Die Juden, welche in diesem Wahlbezirke eine große Majorität besitzen, haben sich bereits cinstimnlig für Wiedcrtvahl erklärt. Der bisherige Abgeordnete der Brvdyer Handelskanuner, Herr Nathan Ritter v. Kallir dürste durch den Ausfall der Handelskammertvahlen sein Mandat verlieren. In dem Wahlbezirke Kolomca-B uezacz-Sniathhn — wird cs diesmal heiß, hergehen. Der bisherige Abgeordnete Br. Bloch bat sich in diesem Wahlbezirke bei den Orthodoxen trotz seiner Coquetterie mit de» Chaisidim uninöglich gemacht nnd dürften alle seine Anstrengungen erfolglos bleiben?) Man hört, daß die Herren Br. B y k und Br. Gottlicb aus Lemberg nnd Herr Br. Freiherr v. Waldberg aus Wien im Kolomeaer Wahlbezirke zu kandidirc» beabsichtigen. In den Städten Drohobycz-Sambor-Stry, soll Herr Hermann v. Mises ans Wien kandidiren, welcher 1873—1879 diese Städte im Reichsrath vertreten hak. Arüu«. (Schluß.) Wie ich bereits im früheren Artikel angedeutet habe, sehe ich in den m ehreremalS wöchentlich**) und Winter außerdem an den Sonnnnd Feiertagsim Nachmittagen ***) abzuhaltcnden Vorträgen eines der wirksamsten Hülssmittel zur Erreichung des Vereinszwcckes, der bekanntlich in der Aufklärung und Belehrung unserer, der Sache des JndenthumS bereits inehr oder weniger entfremdeten Jugend gipfelt. Wie sich unter den obwaltenden Umständen von selbst versteht, haben die meisten meiner College» und Altersgenossen seit dem Verlassen des Vaterhauses resp. der Schule keine Bibel angesehen. Wird nun der Vortragende bei Behandlung irgend eines biblischen Thema's auf die unvergänglichen Schönheiten dieses „Buches der Bücher" aufinerksam machen und die Lectürc desselben anempfehlen, so darf man mit Gewißheit annchmen, daß diese Mahnung bei Manchem auf fruchtbaren Boden fallen tvird, umsomehr als ja die Bibliothek Bibeln mit dentschcr Uebersetzung unentgeltlich zur Verfügung zu stellen hat. Um Jedermann Gelegenheit zu geben sich über den Zweck gewisser biblischer Gebote und Verbote, Cercmonicn ic., die ihm nicht cinlenchtcn oder unbekannt sind, belehren zu lassen, empfehle ich die Aufstellung eines verschlossenen Briefkastens im Lcscsaale. Zu Beginn einer jeden programmmäßtgen Wocheuversammluttg öffnet der Vorsitzende diesen Kasten und liest die dort angesammelten Anfragen vor. Jeder der Anwesenden kann nun seine Meinung über den in Frage stehenden Gegenstand abgeben und der Vorsitzende hat dann den Vorthcil, nicht nur die Wißbcgierde des Fragestellers zu befriedigen, sondern auch etwaige im Lause der' Diskussion aufgetauchte irrige Ansichten der anderen Mitglieder corrigircn zu können. Ich habe im Vorstehenden die Richtung angegeben die eingeschlagen werden soll, un> dem angcstrebten Ziele näher zu kommen und tvürde es mich unendlich freuen, wenn diese anspruchslosen Zeilen maßgebcndenorts Berücksichtigung fänden.— Das kürzlich in Anregung gebrachte und in diesem Bl. eingehend besprochene Project von der Gründung eines Proseminars würde bei Verwirklichung auch meinen Plan fördern. Denn nicht nur, daß Lcseverein nnd Seminar in demselben Gebäude nnlergcbracht werden könnten, auch die dort wirkenden Lehrkräfte wären zur Unterstützung des Herrn Rabbiners bei Abhaltung der mehrerwähnten Vorträge heranzuziehen. _ M. B. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Die durch mehrere russische Blätter („Woschod, Hameliz, Hazefira") gegangene, angeblich Berliner Zeitungen (Vossischc, resp. Krenzzeitung) entlehnte, auch von unserem Blatte gebrachte Mittheilnng von einem Gratulationsbesuch des Herrn Rabbiner Br. Hildesheimer) bei Bismarck und des Letzteren Acußerung über die Colonisation Palästina'S wird nachträglich als „Aprilscherz) — der 1. April, an welchem der Besuch stattgcfunden haben sollte, wird von den hebr. Blättern OTipr'? iT“l genannt — widerrufen. *) Derselbe soll übrigens crklört haben, sich um ei» Mandat nicht, wieder bewerben zu wollen. > **) Abend von 7a8 angefangen. ***) Am besten zwischen 3 und 5 Uhr.

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