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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-05-07 · N° 19. (7.5.1885) · p. Seite 147

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 19. (7.5.1885)
Date
1885-05-07
Page
Seite 147 (sequence 7)
Language
German
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Mai, Der Vorstand der Baruch Auerbachscheu Waiscn-Erziehungs-Anstalten hat unterm 28, April zwei Bekanntmachungen erlassen, die vielleicht im Interesse mancher Ihrer Leser hier eine kurze Wiedergabe rechtfertigen, I» der einen derselben handelt es sich um zwei Familienstistungeu zn Gunsten ehemaliger Zöglinge derselben, deren Zinsen im Betrage von 382 beztv. 382 Mark einem Waisenknaben und einem Waisenmädchcn zur Etablirung, zum Studium oder als Beihilfe zur Verheirathung am 18, Mai d, I, zuerkannt werden sollen. In der zweiten Bekanntmachung handelt es sich um die gleichfalls nur für ehemalige Zöglinge bestimmten Zinsen der „Daniel Israel Wulff-Stiftung", welche in Höhe von 1500 Mk, einem in der Anstalt erzogenen Waisenknaben als Beihülfc zn seinem Etablissement zucrkannt werden soll. Gesuche sä 1 sind bis zum 12, d, Mts,, sä 2 innerhalb 4 Wochen ebenfalls beiin Vorstände — Oranienburgerstraßc 38 — einzurcichcn, N erlin. Auf eine Beschwerde jüdischer Hausväter wegen ihrer Zuweisung zu einer katholischen Schule hat der Unterrichtsminister entschieden, daß dem eventuellen Wunsche der Beschwerdeführer entsprechend, die jüdischen Hausväter unlev Errichtung einer öffentlichen jüdischen Schule zu einer besonderen Schulsocietät zn vereinigen sind, ZLerkin, Herr P i ck en b a ch zeigt seinen Getreuen an, daß er ats Präsident des Antisemitenbundes von dem Fürsten Bismarck ein „huldvolles Dankschreiben" auf ein Glückwunschtelegramm erhalten habe. (Herrn P. dürfte wohl nichts Anderes als das bekannte gedruckte Formular mit dem „verbindlichsten Danke" zugegange» sein, das alle Gratulanten erhielten,) Wasen, Herr vr, Papilsky, Inhaber der bekannten Fleisch-Extraktfabrik in Jerzyce bei Posen, hatte an den Fürsten Reichskanzler aus Anlaß seines siebenzigsten Geburtstages ein Glückwunschtelegramm gerichtet, sowie eine Festgabe seiner Fabrikate übermittelt. Daraus hat derselbe das nachstehende Dankschreiben vom Fürsten Bismarck erhalten: „Die mir zu meinem Geburtstage übersandte Festgabe und die sie begleitenden Glückwünsche haben mich sehr erfreut, und bitte ich Sie, für diesen Beweis Ihres Wohlwollens meinen verbindlichsten Dank entgegenzunehme», Berlin, 20, April 1884. v, Bismarck," Aernöurg. (Or.-Corr.) Herrn Emil C a l m, Vorsteher der biesigen Cultusgemeinde, wurde gestern vom Herzog der Titel „Commcrzienrath" »verliehen; unseres Wissens nach der erste Israelit in Bcrnburg, dem eine solche Auszeichnung zu Thcil geworden, München, Der hiesige Rechtsanwalt Or, Guggenhein,er, einer der ältesten und besten jüdischen Famlien der Gemeinde angehörig, hat sich behufs Verheirathung mit der Tochter des Kammersängers Nachbauer durch den Erzbischof vr. v. Scheichele in den Schooß der katholischen Kirche aufnehmen lassen. Das Beispiel des Amtsrichters Simon in Hannover blieb leider nicht ohne Nachahmung; ein jüdischer Assessor (Sohn eines Stiftsrabbiners) hat — ebenfalls behufs Vcrheirathung mit der Tochter eines höheren Gerichtsbeamten — den Eltern das Leid angethan, sich zu taufen. Einersehr reichen jüdischen Familie in Leipzig passirte das Malheur, daß sie sich, weil ein Offizier, der "im Bade die Bekanntschaft der Tochter gemacht, und ihr in Aussicht gestellt hatte, sie zu heirathen, falls sie zur christlichen Religion übertreten würde, daraufhin wirklich taufen ließ. Am Geburtstage der Tochter erschien aber statt des erwarteten Bräutigams ein — Korb, als sehr beredtes Symbol der inzwischen veränderten Ansicht des Offiziers über die Ehe mit einem „getauften Judenmädel", Die nun einmal zum 'Christcnthum übergetretene Familie, die für den Spott nicht zu sorgen braucht, siedelt nunmehr von Leipzig nach Wiesbaden über. Araukfurt a. M, Dein sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Herrn Sabor ist dem „B, T." zufolge durch den Tod seiner Schwiegermutter ein Vermögen von 800,000 Mark zugesallen. Wäre Herr S, em echt-jüdischer Social-Demokrat, so müßte er 80,000 Mark davon den Armen zufließeii lassen, Akeiburg in Baden, 3, Mai, (Or.-Corr.) Der den Lesern Ihrer gesch, Blätter als fleißigster und geistvoller Mitarbeiter und Kritiker bekannte Herr Rabbiner vr, L e w i n in Coblenz ist heute hier in einer Gemeindeversammlnirg zum Stadt- und Bezirksrabbiner gewählt worden. Die Predigte», die derselbe am vor, Sabbath und Sonntag in Gegenwart der Vorsteher der Bezirksgcmeinden und des Commissars des Oberraths,Herrn Regierungsassessor vr, Mayer, gehalten, erfreuten sich solchen Beifalls, daß der Synagogenrath und die Bezirksvorsteher sich einstimmig für seine Wahl entschieden, London, Herr Guedallah hat den Brief der Madame Juliette Adam an den Figaro, in welchem sie die letzten Lebensjahre des Fürsten Paul Demidoff von San Donato schildert, in französischem Text und englischer Uebcrsetzung als Broschüre herausgcgeben, ILudapest In der am 25. April abgehaltenen Sitzung des Abgeordnetenhauses über die Oberhaus-Reform kam es zwischen dem Antisemiten Baron Anvrcanszky und dem Minister-Präsidenten zu einer erregten Scene, welche in den Bänken der Antisemiten große Aufregung hervorbrachte; Andreanszky zeterte dagegen, daß Magnaten aus dem Oberhause ausgeschlossen und Juden ernannt werden sollen. Er ergeht sich in heftigen Ausdrücken gegen die Juden und proteflirt dagegen, daß die Juden Patrioten seien. Der Präsident verweist de» Redner und sagt, es gebe unter den Juden sehr gute Patrioten, M,-Pr. Tisza: „Bessere'als d er Redner se l bst ist". — Baron Andreanszky (zornglühend): „Ich verbiete mir eine solche Aeußerung," — Kolomau Tisza: „Ich wiederhole es". Der Herr Baron will den Minister-Präsidenten darob — zur Rede stellen. Aus Mumäuie». Folgendes trug sich vor Kurzem iu Plojesti zu: Ein sehr reicher Mann, Namens Elias, der Besitzer einer Spiritusbrcnncrei ist, wurde auf die lächerliche Anschuldigung hin, er habe dem Staate 50 Frcs., sage fünfzig Francs, veruntreut, am Hochzeitstage seiner Tochter in's Gcfängniß abgefllhrt. Einige ihm befreundete Bojaren boten der betreffenden Behörde ‘/, Million Frcs. als Caution an, wurden jedoch mit ihrem Gesuche abgewiesen. Erst, nachdem er einige Tage im Arrest gesessen, erfolgte seine Freisprechung durch de» Spruch eines Geschworenen-Gerichtes. das ihn für unschutdig erklärte, Konffanlinopek, Im Jahre 1648 hatten 4 Gemeinden Parhobitsch, Giwtro, Pasowka und Tschiow, um sich vor den Kosacken zu retten, sich den Tataren ergeben, welche die 3000 Seelen nach Constantinopel brachten, wo die Sephardim die Gefangenen lvskauften und ihnen halfen, ihr Leben zu fristen, 'Die Tataren brachten noch mehr Gefangene, so daß die Constantinopotitaner schließlich mit Hilfe von Smyrna, Salonichi und anderen Gemeinden 20000 Menschen befreit haben! — Heute ist an Stelle solcher werkthätigen jüd. Bruderliebe hier leider Parteigeist, Zwist und Hader getreten. Jerusalem, Die Anglo Jewish Association hat auf ihre Kosten einen Mechaniker für die Jerusalemer Schule engagirt. Der Baron A. de Rothschild in Paris hat seinerseits für dieselbe Schule einen Bildhauer engagirt. Dank diesen beiden neuen Meistern wird das Lehrlingswerk der Jerusalemer Schule einen neuen Aufschwung nehmen. Widdiu. Der Municipalrath hat in seinem Budget eine jährliche Summe von 1,500 Frcs, als Zuschuß zur Knabenschule ausgesetzt. Ein gleicher Zuschuß war einer türkischen Schule der Stadt bewilligt worden. Dies sind Beweise für die edlen Gesinnungen der Toleranz und Brüderlichkeit, von denen die Municipal-Berwaltung Widdin's beseelt ist.

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