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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-05-07 · N° 19. (7.5.1885) · p. Seite 144

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 19. (7.5.1885)
Date
1885-05-07
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
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— 144 kommen sichert als seine Stelle: sollen wir da das Geld, das Bedürftigen gehört, das für arme Wittwen und Waisen für Kranke und Hilfsbedürftige gesammelt und gegeben, wird, solchen geben, die vielleicht wahrend ihres ganzen Lebens nicht soviel zur Achawa beigesteuert haben, als sie in einem Jahre bekomme» würden'? Wer könnte sich erwärmen für eine solche Anstalt? Ist das Wort „gleiches Recht für Alle" da wohl angewendet, wenn wir dem Armen entziehen, was wir dem Bemittelten, vielleicht gar dem Reichen geben? Würde man dann nicht vielleicht mit gröberem ""N n'WJ EDTQE sagen müssen? Verdient ei» wohlsituirter Lehrer noch diesen Namen, wenn er nur an sich denkt und, obwohl vom Glücke ausnahmsweise begünstigt, nicht einmal 6 M a r k im Jahre für den weniger Begünstigten, seiner Standesgenossen, die doch die grobe Mehrzahl bilden, übrig hat? ,'Zchlutz felgt.) Paderborn. Es sind 28 Jahre verflossen, seitdem die hiesige israelitische Waiscu-Erzichungs-Anstalt für Knaben und Mädchen aus Westfalen und Rheinland auS kleinen Anfängen ins Leben gerufen ist. Die Anstalt kann in der That auf eine segensreiche Wirksamkeit zurückblicke», gicbt cs doch kaum ein freudigeres Bcwubtsein, als sich elternloser Kinder angenommen zu haben! „Nie haben wir bei der Aufnahme gefragt, — heißt es in dem uns vorliegenden 25. Jahresbericht in Bezug auf die polemischen Auseinandersetzungen mit Dinslaken — ob die Waisen auS Rheinland oder Westfalctt, maßgebend war uns nur die Nothlage der Wittwen und Waisen, der Wunsch, zu helfen und dadurch die Bestimmung unserer Anstalt zu erfüllen. So war zuwcilen die Zahl der rheinischen Waisen größer, als die der westfälischen, ganz je nachdem uns die Anmeldungen wurden. Die Anstalt zählt jetzt 57 Zöglinge, von denen 27 rheinische und 30 westfälische Waisen sind. Für diese 57 Waisen bitten wir um Ihre menschenfreundliche Unterstützung." Noch eine besondere Bitte äußert der Bericht. Es ist nämlich schon seit Jahren eine Vergrößerung der Anstalt projektirt worden, aber cs gebricht an ÜJfittelti, die auf ungefähr 2 0 Tausend Mark veranschlagt worden sind. , Wir ersuchen deshalb, heißt es in dem Bericht, die vcrehrlichen Vorstände der Geineinden, wie alle unsere gütigen Freunde und Gönner, dahin zu wirken, daß diese Summe durch freiwillige außerordentliche Zeichnungen beschafft werde; die Summe ist groß, wenn wir sie bei unseren laufenden Ausgaben bewältigen sollen: klein, wenn Viele sich in opferwilliger Liebe daran betheiligen. Ucbcr alle uns zti diesem Zweck gespendeten Liebesgaben werden wir in den Zeitungen quittiren. — Jede, auch die kleinste Gabe fördert dieses wichtige für das wachsende Gedeihen unserer Anstalt nothwendige Unternehmen". Daß die Anstalt einen guten Klang hat und sich eines günstigen Rufs erfreut, dafür spricht die Thatsache, daß Ihre Majestät die Kaiserin Königin A u g u st a der Anstalt Ihre Huld ganz besonders zuwendct. Auch an sonstigen Ancrkennungen hat cs nicht gefehlt. „Die Besuche, die uns im vorigen Jahre durch die Herren Minister Excellcnz v. Goßt er und Excellenz v. Puttkamer, den Kgl. Obcrpräsidcnten von Westfalen v. Hagemeister wie den Kgl. Herrn Regierungspräsidenten v. Pilgrim zu Theil wurden, stehen noch im guten Andenken und ebenso freut es uns hier wiederholen zu können, daß wir an den Herrn Landrath I e n tz s ch hier einen stets wohlwollenden Vertreter unserer Interessen besitzen, der gleich seinen Vorgängern auf daS Wohl der Anstalt bedacht ist. Die westfälischen Curaroren gehen mit den rheinischen in allen Angelegenheiten Hand in Hand und letztere scheuen nicht die Blühen wiederholter Reisen, um sich am Orte selbst von den Verhältnissen zu überzeugen und die Entwickelung der Anstalt sorglich zu überwachen. So hatten wir die Freude im Laufe des Jahres die Herren Michael Simons und Louis B ach ara ch ans Düsseldorf, Herrn Oberrabbine Or. Hvrowitz und Herrn Joseph Königsbergcr aus Crefeld bei uns zu sehen: desgleichen wurde uns der Besuch des Herrn Herman Cohen zu M. Gladbach." Zum Schluß erwähnen wir noch, daß die Einnahmen vom 1. September 1883 bis 1. Oktober 1884 betrugen Mk. 43974,45; die Ausgaben Mk. 36054,81. — Möge die Anstalt weiter blühen und gedeihen, möge ihr die Gunst der Gemeinden und Privaten in immer höherem Maaßc zugewandt sein, damit sie auch den gesteigerten Ansprüchen gerecht werden und immer mehr und mehr Heil und Segen von ihr ausgchcn könne! ILeuthen H.-S., im April. (Or.-Corr.) Die hiesige jüd. Gemeinde ist nun wieder vor die Wahl eines ersten Katitvrs gestellt. Herr Joseph Eppstein verläßt am 1. Juli nach fast fllufjäbriger Amtsthätigkcit den hiesigen Ort, um einem Ruse als Kantor au der Hauplgcmciude Berlins zu folgen. Ihr Referent muß davon Abstand nehmen, die Verdienste des Scheidenden um die Hebuitg des spnagogalen Gottesdienstes vom Standpunkte des Kritikers zu beurtheilcu, er fürchtet, in den Ton eines ausschlicßtich in Kantorcnkreisen gelesenen Blattes zu fallen, welches in Pcrsonenfraqen nicht immer die Grenzen der Bescheidenheit inne zu halten weiß und manches dazu beitrügt, in jenen Kreisen eine Art Dünkel auskommcu zu lassen, der allem ernsten Streben hinderlich ist. Herr Eppstein gehört zu den eifrigsten Vertretern der Lcwandowski'schen Schule, welcher die Tendenzen seines Meisters, — die Betheiligung der ganzen Gemeinde am Gottesdienste — in der Praxis durchgcfllhrt hat. Der Umstand, daß innerhalb des letzten Dezenniums auch die beiden Amtsvorgänger dcS Herrn E. sSuiger utid Birnbauin) von den bedeutendsten Geineinden sWien und .Königsberg) acquirirt worden sind, ist ein Beweis von der Intelligenz und Sachkcnntniß, welche die Vertreter der hiesigen Gemeinde bei der Wahl ihrer Beamten an den Tag legen. Allgemeine Theilnahme erregt hier das Schicksal des 24 jährigen Rabbinats-Kandidaten B. eines bofsnnngsvolle» SprößlingS des Breslauer Rabbiner-Seminars, der in einem Anfälle von Schwermuth seinen Tod in der Oder bei Breslau gesucht und gefunden hat. Der Verblichene, welcher sich während des verflossenen Peßachfcstes bei seinen hierorts wohnenden Angehörigen aufgchalten hatte, zeigte sich wegen eines Herzleidens sehr gedrückt und verstimmt und das mag wohl den traurigen Entschluß gezeitigt uitb hcrbeigesllhrl haben. lxmdeu Hier waren vor etwa 6 Jahren 10 Männer die HH. Landrabbiner Or. Buchholz, Or. rasck. Lcers, SanitätSrath Or. vasck. Norden, Jacob S. Pels, N. I. Pels,H. L. Pels, Jonas de Bcr, Jacob I. de Beer, I. H. van Cleefs und M. H. Schöubcrg) zu dem Zwecke zusammeugetreten, um zur Erinnerung an die Feier der goldenen Hochzeit Ihrer Kaiserlichen und Königlicheti Majestäten durch eigene Beiträge und Sammlungen bei Freunden als Jubiläumsstiftung ein „Asyl für hülfsbedücftige, würdige, altersschwache Israeliten" zu gründen, d. h. eine Anstalt, in welcher unbescholtene, hülfsbcdllrftigc, arbeitsunfähige Israeliten beiderlei Geschlechts Wohnung und Verpflegung empfangen, in Arnuithssällen unetitgeltlich, andernfalls gegen eine mäßige Vergütung. Wegen Unzulänglichkeit der Mitiel beschränkte man sich vorläufig daraus, höchstens zehn Pfleglinge arsizunchmen. Nachdem unter dem 22. Juli 1879 die Stiftung zur Allerhöchsten Kcnutniß gebracht und es gelungen ist, mit den eingegangencn Gaben ein Grundstück zu erwerben, ist nunmehr das projectirte Asyl in'S Leben getreten. Die Stiftung hat vom Kaiser unterm 11. Januar c. die Rechte einer juristischen Person erhalten. Die gegenwärtig von 67 Mitgliedern gezeichneten Jahresbeiträge zu dieser wohlthätigen Stiftung belaufen sich aus rund 450 Mk., das Kapitalvermögen beträgt — abzüglich des Kaufpreises für das erworbene Grundstück — noch 2685 Mk.

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