Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 18. (30.4.1885)
- Date
- 1885-04-30
- Page
- Seite 139 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 139 — steigen dürfe: cs steht *u erwarten. daß baldigst auch! die judävphobischen Cvnseils der sämmtlichen übrigen Uni- I vcrsitäten Rußlands sich diesem Muster des modernen j „Patriotismus" anschließen werden. Die Ursache, warum die Anordnung gerade die medicinische Fakultät getroffen hat, ist, weil Juden sich in Rußland vorzüglich de» mcdicinischen Wissenschaften widmen, was nicht zu verwundern ist, da sie als Aerzte im praktischen Leben noch Carriere ' machen können, während nach Erlangen eines Bildungsgrades auf irgend einem anderen Wissensgebiete, sic gewöhnlich keine! Anstellung finden.! Es wurde neulich dem Reichsrath zur Genehmigung j abermals ein neues Projekt vorgelegt, daß gar keine Juden! in der neu begründeten Lehranstalt für „Telegraphen-Beamte" in Petersburg Aufnahme finden sollen. Rach einem Berichte fand im Jahre 1884 in die Universität zu Petersburg unter 2276 Studircnden nur 246 Juden. Also über 100 weniger als 1883, welche dieses Jahr beschrankt wurden. M. F. Uermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Die „Tagesordnung" der am 25. und 26. Mai hier tagenden Conferenz der jlld. Cultusbeamten Mitteldeutschlands, zu welchem die speciellen Einladungen noch im Laufe dieser Woche ergehen sollen, ist wie folgt festgesetzt i Montag, 2ö. Mai, Nachmittags 4>/^ Uhr: Begrüßung. — Geschäftsbericht. Der Gebetiiberscpniigsunterricht in der Mittelschule. :Probelcclion. Lehrer Spanier- Magdeburg.) Das Gebetbuch in seiner Verwendung beim Religionsunterricht. (Referent: Rabbiner Or. Ra hm er.) Dienstag, 26. Mai, Vormittags 81/, Uhr: (Vertrauliche Besprechung der Probelection.) Bormizwah und Gonfirmationsscier. (Referent: Canlor Jncobsohn-Leipzig.) Bericht über die Berliner Schulmänneri Rabbiner Versammlung.! rr a Die Concentration des Religionsunterrichts j r 0 11 e r- Pcnsionssonds für snd. Oultusbeamte. Die Unterstübungscasse. Freie Besprechungen und Anträge. Magdeburg. Sonntag, den 10. Mai, findet hier die Installation der „M endelssvhn-Logc" statt; demnächst wird auch die Fraternitas-Loge in Dresden installirt. Kreuzburg H/Sch., 27. April. Gestern fand hier die Installation der Earitas-Loge nnter zahlreicher Betheiligung von Mitglieder» der Berliner-, Breslauer-, Beuthner-, Kattowitzer- und Gleiwitzer-Logen statt. Es schloß sich daran ein Festessen, das durch viele Tischreden und Festgedichten gewürzt war. Wir theilen das von dem Präsidenten der Lessing- Logc in Breslau (Herrn Albert Peiser) verfaßte Gedicht in der nächsten Nr des „Familienblattes" mit. Merkt« (Curiosum.) Bekanntlich herrschte hier bislang die Anomalie, daß die drei das hiesige Rabbinatscollcgium bildenden autorisirten Rabbiner (die HH. Ungerleider, Frankl und Maybaum) als „Rabbinatsassessoren" angestellt waren. Endlich ist dieser Zopf gefallen) das Reprüsentanten- Collegium hat in seiner Sitzung vom 19. d. M. beschlossen, den genannten Herrn de» rite erworbenen Rabbinertitel auch zuzuerkenncn; doch hat man gleichzeitig für später die Anstellung eines „Oberrabbiners" in Aussicht genommen. Danzig, 27. April. Nach fünftägiger Verhandlung wurde heute der Fleischermeister Behrendt durch den Wahrspruch der Geschworenen von der Anklage der Ermordung des Knaben Cybulla, trotz der vielen belastenden Momente, wegen welcher er fast ein Jahr in Untersuchungshaft zugebracht , frcigesp rochen und sofort in Freiheit gesetzt. Der Staatsanwalt sagte in seinem Plaidoyer, er halte den Behrendt unbedingt für den Thäter. Straßburg. Am 19. März war die Generalversammlung der gegenseitigen isr. Hilfsgesellschaft. Die Ausgaben überstiegen 5200 M. Die Einnahmen waren rund 4400 M. Das Fehlende mußte von dem noch 25520 M. betragenden Kapital genommen werden. (Aehnliches hören wir aus Brüssel, wo die Ausgaben der jüd.Wohlthütigkeitsgcsellschaft die Einnahmen ebenfalls überstiegen haben.) Aus Württemberg, 17. April. Der Staatsanzeiger für Württemberg veröffentlicht den Stand der gerichtlichen Strafanstalten des Landes pro 1884. Die Bertheilung der Gefangenen nach der Confession ist folgende: Stand 1883: 1193 evangel. 836 kathol. 7 israel. — 0,1 Proz. 0,14 Proz. 0,06 Proz. Zugang 2551 evangel. 1313 kathol. 18 israel. Zusammen 3744 „ 2149 „ 25 „ Abgang 2430 „ 1313 „ 15 „ Rest 1314 evangel. 834 kathol. 10 israel. 0,11 Proz. 0,14 Proz. 0,083 Proz. Zn Italien sind folgende hervorragende Schriftsteller jüdischer Abkunft: Der Senator M a s s a r a n i von Mailand, Maier, Dichter, Kritiker und Millionär. — d' Ancona, Professor der italienischen Litteraturgeschichte in Pisa, heute der gründlichste Kenner seines Gebietes in Italien, Verfasser zahlreicher Monographien litteraturgcschichtlichen Inhalts. — Franchctti aus Florenz, Geschichtsschreiber und Litteraturhistoriker. —>Luzzatti, Nationalöeonom in Padua. —Maurogonato in Venedig, Nationalöconom. —■ Ascoli, ein Sprachforscher von europäischem Ruf in Mailand. — Camerini, der verstorbene Kritiker von Mailand. — Fast alle Deputirte des Venezianischen sind Juden. — In Venedig und Padua sind die besten Anwälte Juden. Der erste Advokat heißt Signor Levi. Die Namen: Finzi, Civita, Diena, Dina, Fano, Errera, Vivantc, Sacerdoti, Ghiron haben in Italien einen guten Klang. In Süditalien sollen verhültnißmäßig wenige jüdische Familien wohnen, im Norden gilt Mantua als ihr Hauptsitz. Zürich. Das Dunkel über die Ermordung des Oppenheim ist gelichtet. Der inhaftirte I. Hauser hat sich als Thäter bekannt. Hauser ist ein junger Ehemann, Pater eines Kindes, welchem demnächst ein zweites folgen wird. Er stammt von gnter Familie, die indessen herabgekommen ist. Er stand mit Oppenheim im Verkehr nnd will von demselben gedrängt und übernommen worden sein. Am Freitag zwischen 7—8 Uhr erhielt er den Besuch desselben, machte ihm eine Abzahlung, tödcte ihn dann und verbarg den Leichnam im Stall. Die Frau kam gerade dazu, als Hauser die Stube vom Blute reinigte nnd verbarg das dem Oppenheim abgenommene Geld in den Reben. In England bewerben sich um Parlamentssitze die Israeliten: Herr Lionel L. Cohen (conservativ). Das Meeting für seine Candidatur war präsidirt von dem christlich frommen Geistlichen M. Beresford Hope in Paddington. — In Tower Hamlets stehen sich als Rivalen gegenüber die Herren Samuel Montagu (radikal; religiös conserv.) und der Oberstlieutenant Cowan (conserv.). Aus Solen. „Hazephira" berichtete, daß so viele Rabbiner polnischer Herkunft aus Preußen zwar nicht ausgetriebcn, aber aus dem Amte entfernt worden seien. (Das stimmt nun nicht. Rabbiner polnischer Herkunft giebt cs in Preußen kaum! Schächter und Cantoren freilich sinv von solchem harten Loose betroffen. Aber Ungesetzliches ist eigentlich nicht dabei. Denn im Gesetze von 1847 ist die Anstellung von unnaturalisirten Ausländern verboten). Wie die polnischen Juden in die Büchse von „R. Meier Baal-Hanneß" ihre Palästinagelder geben, so geloben die in Zseme« für „Rabbi Schalom Schawgi", von dem sie erzählen, daß er 35 Kamecllasten Bücher geschrieben hat! Jerusalem. Ein gewisser Friedland, der schon bei der Auswanderung nach Cypern im Dienste der Mission stand., ist hier wieder mit Colonisationsprojekten aufgetaucht, wie sein Genosse Rappoport, der in Kischineff Juden zum Auswandern verleitet. Das geschieht Alles mit frommen (?) Gelde ad majorem eoolesiae gloriam! Ihr frommen Lord's, denkt Ihr nicht an das Elend, das Ihr breitet? —