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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-04-30 · N° 18. (30.4.1885) · p. Seite 138

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 18. (30.4.1885)
Date
1885-04-30
Page
Seite 138 (sequence 6)
Language
German
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— 138 — Freilich könnte der gcnize Apparat gleichzeitig für mehr Zöglinge ausreichcn, aber darum ist cs doch nicht gerechtfertigt, denselben wieder zu zerstören oder zu sistircn bis mehrere kommen. Denn erstens wollen die wenigen auch unterstützt und unterrichtet sein, wie die vielen, und 2., ist der Unter* stützungsvcrein, einmal tobt, nicht so leicht wieder zu belebe», wenn man seiner bedarf. Falsch ist auch die Behauptung, daß aus dem Verein blos die Mittel zum Unterhalt gegeben werden sollte»; im Statur ist mit vorgesehen, daß auch Lchr- und Lernmittel daraus beschafft werden sollen. Auch dies hat man richtig als Unterstützung anfgefaßt, man unterschied richtig und ausdrücklich zwischen materieller und geistiger Unterstützung und hielt beide für nothwcndig. Oesterreicli-Ungarn. Arünn. (,23 riefe aus Mähren II.) Von der mir jüngst in freundlicher Weise crtheilten Erlaubniß Gebrauch machend, setze den in Nr. 13 begonnenen Artikel fort und komme nun auf die Organisation und Einrichtung des p r o j c k - tirtcn Lesevcreins zu sprechen. Bei Rcalisirnng meines Vorschlages hat man sich zunächst mit der Frage zu beschäftigen, ob dies in der Form eines „Vereins" geschehen solle, oder ob nian das Ganze blos als eine von der Cultusgcmcinde ins Leben gerufene und unter ihrer Aussicht und Verwaltung stehende Institution hinstellcn will. Wird ersteres angestrebt, so muß durch einen in den hiesigen Tageblättern zu veröffentlichen Aufruf auf die Absicht, eine» jüdischen Lesevercin zu gründe», aufmerksam gemacht, der Zweck desselben klargelegt und zu zahlreichem Beitritt resp. zum Erscheinen bei der cvnstituirenden Versammlung aufgefordert werden. Wie es bei derlei Anlässen gebräuchlich ist, wird in dieser ersten Plenarversammlung auS der Mitte der Anwesenden ein Comits gewählt, dem die Ausarbeitung des Statuts und die ferneren einleitenden Schritte übertragen werden. Vorstand dieses Vereins und zugleich Vertreter der Gemeinde ist selbstverständlich der Herr Rabbiner, der nach seinem Ermessen die Funktionen des hauptsächlich zu seiner Unterstützung berufenen Ausschusses regelt. Im anderen Falle miethet die Gemeinde ein womöglich in der Stadt gelegenes, aus einem großen Saale und mehreren kleineren Räumlichkeiten (zur Unterbringutlg der Bibliothek, der Garderobe re.) bestehende Locale, läßt dasselbe seiner Bestimmung entsprechend einrichten*) und fordert dann in den Zeitungen zur Benutzung desselben auf. Hat man einen Stamm fleißiger Besucher gewonnen, so kann aus ihrer Mitte ein ihrer Anzahl entsprechender Ausschuß gewählt werden. — Letztere Gründungsform scheint mir schon aus dem Grunde empfehlenswerther zu sein, weil man bereits mit etwas Fertigem vor die Oeffentlichkeil tritt und weil zum mindesten die Zeit erspart wird, die bei der ersterwähnten Weise durch die vorbereitenden Schritte verloren gehet. Durch Schaffung des Lesevereins resp. durch Etablirung des Lesezimmers und der Bibliothek ist nur der Boden gewonnen, auf welchem weiter opcrirt werden muß. (Schlich s»lgt.) Frankreich. 3fatis. Der Verlagsbuchhändler Herr Calmann Levy ist zuni Dclegirten für Oran ins Centralconsistorium gewählt worden. — In Medcah ärgern sich die Judenfeinde darüber, daß der dortige Rabbiner Herr Netter, Sekretair, Bibliothekar und zuletzt auch Herausgeber der Berichte der Ackerbaukommission von Medeah geworden ist. Herr Julian Sse hat die Mission erhalten, in den Lokalarchiven des Elsaß, besonders Colmars, Dokumente für die Geschichte jener Landschaft während der französischen *) Eine gewisse Eleganz und Comfort loirb unmnganglich nöthig sein, denn unsere jungen Herren sind in dieser Richtung durch den in den meisten Easseehiiuseru herrschenden Luxus verwöhnt; das Lesezimnier must auf die Besucher einen sreundlichen Eindruck machen. — Revolntion aufzusnchen. — Das seit 1881 vom Pariser Consistorium cingefllhrte Examen für Religionslehrer haben am 16. März 5 Damen bestanden. (Von wem erhalten die deutschen Gouvernanten, Lehrerinnen und die Lehrer, welche an »ichtjüdischcn Seminaren ihr Examen abgelegt haben, die Berechtigung, Religionsunterricht zu ertheilen? R. d. W.) Ein aus Jerusalem stammender, hier schon mehrere Jahre ansäßiger Herr David Bacar, der Schrift- und Vulgär- Arabisch, Hebräisch, Englisch und Französisch spricht, und schon Aegypten, Abessinien und Arabien durchreist hat, läßt sich vom Obcrrabbincr Isidor empfehlen, damit ihm die Mittel zu einer besonders die Juden berücksichtigenden wissenschaftlichen Reise nach Abyssinien und dem steinigen Arabien verschafft werden Das orientalische Lehrerseminar der Alliance zählt z. Z. 21 Schüler in 4 Jahrgängen. Sie entstammen der Türkei, Bulgarien, Marocco, Tunis und Persien. Im Lehreriunencursus der Schule Bischoffsheim hat die Alliance 12 Seminaristiuncnaus der europ. und asiat. Türkei. Ruffland. KureK, im April. (Or.-Corr.) Wie oft und nachdrücklich ist man in der „alten, guten Zeit", d. h. vor ungefähr noch anderthalb Jihrzehnten zurück, gegen unsere russischen Glaubensgenossen unter Anderem auch mit dem Vorwurf ins Feld gezogen, dieselben hegen eine unüberwindliche Antipathie gegen die allgemeine europäische Bildung und suchen sich vor derselben mit aller Anstrengung in ihren eng-nationalen und religiösen Separatismus einzuschließc»! Bon einem derartigen Standpunkte ausgehend, ja in dieser vermeintlichen Abneigung der Juden gegen alle Aufklärung den ganzen Krebsschaden der sogenannten „Judenfrage" erblickend, suchte die Regierung des Kaisers Alexander H., vom Beginn ihrer ruhmreichen Epoche an, diesem Hebet mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu steuern und ihre „jüdischen" Untcrthanen ans deren, durch viele Jahrhunderte grausamster Verfolgung bewirkten, Absonderung heranszurcißcn. Fast sümmtliche öffentliche Lehranstalten wurden den Inden geöffnet, die speziell für sie bestehenden Schulen einer recht zeitgemäße!, Neugestaltung unterzogen, kurz, die Regierung setzte alle Hebel in Bewegung, um ihre Juden wirklich zu bilden, sie im Geiste der Neuzeit aufzuklären. Wie unberechtigt jener Vorwurf gegen unsere russischen Glaubensgenossen war, hat aufs Eclatanteste die darauf folgende Zeit dadurch erwiesen, daß die jüdische Bevölkerung sich nach und nach den Gesinnungen der Regierung äußerst willig anschloß und fast in allen ihren Schichten eine mehr und mehr steigende Entwicklungsthätigkeit begann. Wie haben sich jedoch gegenwärtig die Verhältnisse bei uns geändert! Von einer Aufmunterung, irgeird einer Anregung der Juden zur Bildung ist keine Spur mehr; im Gegentheil, man ist eifrig bemüht, auf jedwede Weise dem stets wachsenden jüdischen Bildungstricb Einhalt zu thun und der steigenden Frequenz der jüdischen Zöglinge an sämmtlichen öffentlichen Schulen ein Damm zu setzen sei. _ Unter solchen Absichten und bei dem Zetergeschrei der judenfeindlichen russischen Presse, daß die jüdischen Schüler alle übrigen von der Schulbank verdrängen, wurde bekanntlich im vor. I. projektirt, die Norm der jüdischen Schüler in den mittleren Lehranstalten auf lö Prozent zu reduciren und an der Universität zu Kiew wurde eine Verfügung von dem dortigen antisemitischen Professoren-Conseil getroffen, als Norm der jüdischen Studirenden für alle Curse der incdicinischen Fakultät ein Maximum von 10 Prozent festzustellcn; sofort acceptirte auch die Charkower alma mater diese Verfügung. Von Seiten der „würdigen Väter der Gelehrsamkeit und Aufklärung" der Kicwer Universität ist nun auch die Anordnung getroffen, daß die Zahl der Studirenden jüdischer Consession in sämmtlichen Curscn der incdicinischen ^aenctäl nicht mehr das Maximum von 5 sage „fünf" Prozent über-

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