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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1885-04-23 · N° 17. (23.4.1885) · p. Seite 126

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
16 (1885)
Issue
N° 17. (23.4.1885)
Date
1885-04-23
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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zu prüfen. Ties ist nur eine andere Farm von Versicherung, jedenfalls aber viel vortheilhafter für unsere Lehrer, als die gewöhnliche Art von Versicherungen, deren Bedingungen die wenigsten zu erfüllen i» der Lage sind. Ein besonderer Portheil für die Achawa liegt auch darin, daß Ehrenmitglieder gewonnen werde» können, was bei den Versicherungsgesellschaften nicht nöthig ist, mtb daß deren Beiträge die Leistungen der Kasse verstärken; ein anderer Vvrtheil ist, daß die Leistungen nicht de» Beitrügen entsprechend eingerichtet werden, denn diese sind für jede» gleich, sondern in Rücksicht ans die Verhältnisse der Antragsteller, die bei den Versicherungsgesellschaften nicht in Betracht gezogen werden, also im Falle die Achawa eine Rentcn-Kasse würde, auch von dieser unbeachtet bleibe» müßten. Nun prüfe man: — man wird gewiß allgemein der Untcrstütznngskasse den Vorzug geben. Eine Beschämung für die Empfänger liegt durchaus nicht vor: diese machen einfach ihr Anrecht | geltend. Wen» sich jemand zn schämen hat, so sind es | unsere jüdischen Gemeinden, welche der Achawa gleichgültig und theilnahmslos gegenllbcrstehcn, die cs uns noch immer unmöglich machen, die Anträge ihrer Lehrer nach Werth und Bedürfniß zu befriedigen. Hier, Ihr Lehrer, ist cs an der Zeit, Wandel zn schaffen.*) A l z c y. Ur. Roth s ch i l d. Briefe aus Rumänien. Ich will Ihnen zwei l^räuelfzcnen, die sich vor Kurzem bei uns ereigneten, mitthcilcti und bitte Sie, geehrter Herr Doktor im Name» des unterdrückten Judenthums in Rumänien, dies in Ihrer geschätzten Zeitung zu veröffentlichen, damit es zur Keuntniß des civilisirteu deutschen Volkes gelange, wie Rumänien gegen seine ansässigen Inden verfährt. In Bakau existirt die Papierfabrik eines gewissen Radu Porumbar, des Begründers deS Antisemitismus in Rumänien, Die Fabrik, darf ich sagen, ist kein HandclSelablissemcnt, sondern eine Folterkammer, ein JnquisitionStribunal für Alles >vaS Jude heißt. Donnerstag, den 12. März neuen Stils, 'ährte der l8 jährige Kutscher Jsscr Daoidvwitz eine Frau zur gesagten Fabrik und hielt, wie gewöhnlich, vor deni Kantone an, um nicht den heiligen Hof des bestialen Antisemiten zu entweihen. Als er auf den Lohn der Fahrt ivartete, umringten ihn plötzlich •> aus Pornmbar's Bande und schleppten ihn mit Gewalt unter Faustschlägen in das Innere der Fabrik. Hier war auch das Haupt Herr Radu Porumbar in eigener Person. Er ließ dem Armen die Hände binden und nachdem er ihn mit mehrere» Ohrfeigen und Stößen begrüßt hatte, flocht er seine räuberischen Hände in die Haare des jungen Mannes und stürzt ihn auf bie Kniee, so daß der Arme uiedersank. Dann befahl er den Banditen, ihn hinauszuschleppen und mit verschiedenen Farben anzustreichen, um den Juden einem unmenschlichen Hohne atiSzusetzen, Die Infamie wurde pünktlich befolgt. Doch das war noch nicht nach Wunsch deS Häuptlings. Er befahl daher ihn zu waschen und nochmals vorzuführen, Nachdem dies geschah, nahm er ein mit verschiedenen Figuren ausgeschnittenes Papier und ließ dem Armen diese Muster auf's Angesicht mit einer brennden Vitriol-Farbe anstreichen. Der Unglückliche schrie, denn die Farbe verbrannte ihm die Haut seines Angesichtes. .Das half nichts; der Junge wurde tütowirt aus Stirne, Wangen, Oberlippe, Kinn, HalS und *) Es Jioiüe z. B. sicherlich erjpriesilicher, wenn so uuiuche (ilemciube für einen Theil Dev cut Die llasse Des Deulsch-JSr. eieiiieiiibe- Bundes zur Bestreitung Der Bureau und Truckkosten zu zahlenden Jahres-Beiträue lieber ihre Beamten bei Der „Achawa" eiukausleu. auch auf der Brust. Erst eine Viertel Stunde nach diesem grausamen Verfahren entließ man den Gepeinigten. Dieser versuchte sich zu reinigen, aber es gelang ihm nicht. Er lief auf die Polizei, diese schickte ihn zum Stadtarzt unö dieser wieder fand es nicht für nöthig ihm eilt Attest auszustcllcn. Am zweiten Tage begab er sich zum Staatsanwalt nach Hause, da er im Bureau nicht zu finden war. Dieser verschob die Aufnahme der Anzeige von Tag zn Tag. Alle, die den arme» Jungen sahen, finden sein Aussehen gleich dem eines Tätowirten. Er wurde in das Spital Colzen in Bukarest ausgenommen und bis heute ist die Regierung noch ganz passiv, gegen solche Grüuclszcncn. Doch hören Sic gütlgst de» zweiten Fall, der sich 8 Tage später ereignete. Donnerstag, 19. März hatte ein jüdischer Kutscher Jzchok Ludwig von Jassy nach Saskut zu fahre», um zwei Pferde des Herrn Postier dort hinznsührcn. Vor Bakau verfehlte dieser den richtigen Weg und ohne zn ahnen, daß er sich bereits aus der brennenden Erde befand, bat er einen Italiener, der ihm begegnete, ihm den richtigen Weg zu zeigen. Dieser Italiener war aber ein Werkzeug Porumbars. Er führte den Kutscher in die Fabrik, dort wurde er in ein Zimmer geschleppt, in welches nach einer Viertel Stunde 3 Sbirren der Jnquisiti on cinlrateu und ihn nach einem ganz abgesonderten Ort, >vo keine Seele zu sehen war, führten. Sic befahlen ihm, sich nackt auszuziehen. In der Gewalt der Inquisition mußte er ihr gehorchen. Die Banditeti legten ihn nachher in einen schmalen Kasten und zwei hämmerten auf ihn los, der eine ans sinne Brust und der andere aus seinen Bauch und drangen in ihn, zu bekenne», auf welche Weise die Inden das Blut von christlichen Kindern für Pcssach nehmen und was sie baniit machen. Vergebens schrie der Malträtirtc, daß er von nichts wisse und bat, ihm das Leben zn schenken. Die Bestien nahmen ein Messer und legten es ihm auf den Hals, drohten sein Leben zu vernichten und stachen ihn langsam aus einigen Stellen. Der Arme beharrtc in seinem Wchgeschrei dabei, dag er von nichts wisse. Nach dieser Tortur nahmen die Höllcndiener ihn aus dem Sarge, führen ihn nackt bis zu einem Kanal, legten ihm einen Strick um den Hals und tauchten ihn wiederholte mal tu» Wtsser, beharrend bei ihrer absurden Frage. Dies dauerte einige Zeit bis der ganze Körper ganz verwundet war. Danti plagten diese Bestien in Menschengestalt den Armen durch Würgen. Mau zog ihn aus dem Kanäle, nicht um endlich von dieseti Maitratationen befreit zu iverden, sondern um an's nebenbei fließende Wasser (Bistritza) geschleppt zu werden. Hier stellten Sic ihn ans die Knie in ein enges Kästchen, schaukelten es hin und her und der Unglückliche bat, eher ins Wasser geworfen zu werden um seinem Leben ein Ende zu machen, als so schrecklich geplagt zu werden. _ Als die bestialen Inquisitoren sahen, daß der Jude kein Geständniß über die Blutfrage ablcgte, hießen sie ihn ankleidcn, schlugen ihn nochmals ans grausame Weise und ließen ihn endlich fort. Der Unglückliche langte in Bakau bleich und zermalmt an. Das sind einige der Gräuelthaten, von denen wir Heimgei ucht werden, die ungeahndet bleibe». Die hiesige Regierung läßt sie geschehen und unsere Brüder im Auslande nehmen sich unser nicht an. Von wo wird un-s Hilfe kommen'? Berichte und Oorrespondenr en. Deutschland. Magdeburg. Vor einigen Wochen hatte ein angesehenes Pariser Blatt dennneirt, daß die Alliance in einer Schule im Orient eine deutsche Lehrerin und eine ebensolche Gehilfin beschäftige, wodurch in dieser Schule der Unterricht im Französijchett thatsächlich fortfallc. Da fr nzösische jüd. Blätter noch eine Entschulbigluig von der Alliance erwarten, möchten wir doch betonen, daß wir deutschen Juden wohl

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