Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 16. (16.4.1885)
- Date
- 1885-04-16
- Page
- Seite 122 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 122 — Panegyriker eines echt deutschen, echt christlichen Mannes anSersah." (Wie confessioncll beschränkt muß man doch sein, wenn man daran Anstoß nimmt?) — Daniil nicht genug, läßt sich auch das Leibblatt des Kanzlers,die „Nordd.Allg.Ztg.", aus der badischen Residenz schreiben: „Es hat vielfach sehr befremdet, daß das nationalliberale Festkonti!« zum Festredner für das Bismarck-Bankct einen jüdischen Mitbürger, der nicht einmal als Redner besonders dafür qualifizirt war, gewählt hat, da auch solche christliche Kreise, die nicht zu den „Antisemiten" gehören, das Gefühl haben, daß gerade für diese Feier die Wahl eines christlichen Mannes am Platze gewesen wäre." (Mit Recht bemerkt hierzu die „Vossische Zeitung": An der Bismarckspende haben sich große Bankhäuser in hervorragendster Weise bethciligt, wir haben aber nicht gehört, daß von irgend einer Seite, welche es auch sein niag, ein Unterschied zwischen jüdischem und christlichem Gelde gemacht ist. — Siche auch „Freiberg" weiter unten.) .Oesterreich-Ungarn. Wien. Der Bericht unserer mehr als ein Jahrhundert alten Ehewra kadischa für die drei Jahre 1882 und 1884 ist erschienen und zeigt, daß auch dieser Verein einen Aufschwung genommen hat, welcher dem Aufblühen unserer Gemeinde entspricht. Mehr als 700 Mitglieder, in deren Mitte Intelligenz, hohe Stellung, Reichthum in imponirender Weise vertreten sind und an bereu Spitze 9 Ehrenmitglieder (die Rabbiner und Prediger Or. Or. Güdemann, Jellinek, Spitzer, der Dichter Ang. Frankl, der Eantor Prof. Sulzer sind die bekanntesten Namen) stehen, haben einen Oglicdrigcn Vorstand. Das Vermögen betragt mehr als 94,000 Gulden: davon sind bemerkenSwerth 90,200 Gulden Einkanfsgelder (a 50 Gulden), 20 Gebetstiftnngen, (9097 Gulden) und 7 Graberhaltnngsstiftungcn (2250 Gulden)! Die Jahrescinnahmen betragen durchschnittlich 20,000 Gulden. An Kranke und Arme wurden jährlich circa 12,000 Gulden, an Gehältern, Pensionen und sonstigen Verivaltungskostcn etwas über 2000 verausgabt. Nach sechsjähriger Pause wurde am 7. Adar wieder einmal ein Brudcrmahl (Chewra-S'ilda) gefeiert, von welcher der Bericht erstattet worden ist. Herr Or. Jellinek brachte den Toast auf den Kaiser. Der Redner begann mit dem Hinweise, daß der 7. Adar zugleich der GcburrSwie der Todestag unseres LehrerS Mosis fei. Das bekundet ebenso seine Unsterblichkeit, wie die wunderbare Harmonie der äußersten Gegensätze in seiner welthistorischen Persönlichkeit. „So wenig der einig einzige Gott . . ., den MoseS verkündete, durch Bild und Gleichniß veranschaulicht werden kann, ivcnn auch die größten Künstler, deren die Nationen sich rühmen, zu diesem Vorhaben sich vereinigten, ebensowenig kan» es einem Maler oder Bildhauer gelingen, das Seelenleben, das innere Walten, die geistige Persönlichkeit des größten Propheten zu verkörpern und die in ihm agirenden Gegensätze künstlerisch zu verarbeiten.und zur einheitlichen Anschauung zu bringen. Nur in seinem Werke kann Moses erfaßt werden, und dieses ruht „auf Freiheit und Gerechtigkeit!" Wie diese beiden Ideen in dem jüdische» Gemeinwesen verkörpert wurden, zeichnet Jellinek kurz und markig — begeistert, wie sie im landcsväterlichcn Walten des Kaisers Franz Joseph I. hervortretcn. Herr Rabbiner Dr. Güdemann widmete seinen Trinkspruch den Mitgliedern der Chcwra kadischa?) ,-chlun wü,i.( Arünu, 9. April. (Or.-Eorr.) Vor einigen Tagen fand ~t)ier ein Säbeldnell zwischen dem Lientcnaiit in der Reserve Hugo Herzseldcr und Frhr. v. Offermann statt. Die Forderung soll von dem elfteren ausgegangeii sein, weil Herr v. Lffcrman» ihn in der Reitschule „Sanjnd" titulirt hat. Herzfelder trug eine leichte Verwundung an der linken Hand davon. Uebrigens enrsircn verschiedene Gerüchte über den Grund der Forderung, von denen die hiesigen Blätter die antiseniilische Seite, wie es scheint absichtlich übergehen. *> Alir weilen diese gedankenvolle Tischrede in der niichsten Nr. nnozügtich mit. (:Iicd.) Frankreich. Aaris. Durch die Budgetabitrichc verlieren die Oberrabbiner in den Departements je 1000 Fr. Gehalt. (Es bleiben ihnen nur noch 3000). — Auch die anderen Rabbiner müssen sich kleine Abzüge gefallen lassen. (Wir Preußen dürfen die College» trösten. Es hat zwar seine Schattenseiten, wen» der Eultns vom Staate nicht honvrirt, ja sogar unbeachtet bleibt. Aber cs hat auch seine guten Seiten und — was die Hauptsache ist — Israel hat bei solchem ans die eigene Kraft Angewicsensein in Preußen seiner Pflicht ganz und voll genügt!) Daß kein jüdischer Depiitirter oder Senator für den jüdischen Cultns ein Wort hatte, bekundet wie wenig Gefühl der Zugehörigkeit in den vom Radicalismns durchseuchteii Politikern übrig gebliebe» ist. — — Das Altcrzufluchtshans für Frauen, geiiannt „Hans Moses Leon" in Paris hatte am 1. Jannar ein Eapitalvermögen von 04,420 Fr. und dabei 11,194 Fr. Jahresbeiträge. 22 Pensionäre lmehr faßt das HanS nicht) davon 0 zu halben Preisen werden dort für ein Billiges verpflegt. Waris. Ein C n r i o s u in, das zugleich ein Zeichen der Zeit ist, theilcu „Arch. iSr." mit. Tie Redaktion hat eine von der antiklerikale» Freidenker-Liga, Gruppe Garibaldi ausgehende Einladung z» einem Fastnachts-Balle am Charfrcitag erhalte». Die Einladungskarte selbst ist eine von Ordinärheiten slrvtzcndc Bcleidignng der Kirche. Tie Auffordcrilng burch „Lächerlichmnl,. n den Rest zu geben", Hin Mitternacht eine „Polka des hl. Herzens" zu tanzen, enthebt »ns der Mühe, weitere Belege dafür zu bringen. In würdiger Weise giebt das jüdische Blatt seiner Entrüstung über diesen Bubenstreich Ausdruck: „Tic Herren Arrangeure dieser bekeidigenden und traurigen Späße irren sich gar sehr — so schließt nnser Schwester-Journal — wenn sie meinen, daß ein einziger Israelit — der orthodoxeste, wie der liberalste — Thcil nehmen könnte an Satnriiatien dieser Art. Fehlt der religiöse Ti»», so wird das nivralischc Gefühl, fehlt dieses, die Schicklichkeit, fehlt auch diese, der Takt iii den israelitischen Häusern ähnlichen Einladnngen die ihnen geziemende Behandlung zu erkennen". Palästina. Jerusalem. Die Lösung des Räthsels, weshalb jüd. Haiidwcrker hier nicht renfsirt haben, lautet, ans de» vielen Hüllen, in welche „Hazcwi" sie eingewickelt chat, herauSgeschält, schlicht lliid einfach: weil der Wille größer war, als das Können, oder ivcil sie ihr Handiverk nicht ordentlich gelernt hatten. Die Handwerke, welche hier zuerst von Inden betrieben wurden, sind Goldschmiede, Schlosser, Steinhaller, Buchdrucker, Schmied, Zimmernianii, Buchbinder, europäischer Schuster, Uhrmacher n. s. f. — Nicht genügende Ausdauer, Mangel an .Haiidwerkszeng und Die Faiilhcitssrütze durch die Chalnka (die nichts oder wenig zu crivartei, haben, arbeiten durchiveg fleißig) zäylt Herr P i n e S als die Ursache des Verderbens auf. Er schildert, wie er sich bemüht hat, die Oelbolzschnitzerei zu beleben, wie Verbindungen mit England und Amerika angeknüpft waren, aber alle Aussichten getrübt wurden durch die Unreellität, Lässigkeit und Kurzsichtigkeit der Arbeiter! Es ist das trostlose Bild eines sittlichen Morastes und vollständiger körperlicher Schlaffheit, ivclches diese Erlebnisse des Herrn P. in so krassen Zügen nmzeichncn. , (Hozewi). Jerusalem. Der Regen kommt spärlich, der^Waizen wird inlincr thcnerer. Ueberall wird gefastet und Sclichoth gesagt, auch in der Schule der Alliance: ja die Rcgicrniig forderte die Mohammedaner ans, die Läden zu schließen und einen Bittgang um Regen zu halten. — In Hebron war Regen und auch etwas Schnee. Uermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. An, 29. März fand die öffentliche Prüfung der die hiesige Gemeindcreligionsschnlc besuchenden Schüler und Schülcriiincn statt. Diese Schule, in der der Unter-