Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 16. (16.4.1885)
- Date
- 1885-04-16
- Page
- Seite 121 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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121 zn fein und ebne Rücklicht nuf Rachtbeil und 'lu'vtbeil für meine Pevsan »et« auf bie Stimme bev SSnlnheit, bev Mick» und der Humanität (icfiürt zu haben. Meine üiebe .»iv Memcmbc, welcher ich. mit '»(tiviiabmc wenige, Jabre, fast ineine ganze Bernistbätigkei, gewidinel babe, wird auch sern van hier in meinem Herzen nie erlöschen. Empfangen Sie meinen Dank silr alle erwiesenen fzieunblichteilen iiir sich lind für die ÜSemeinbe, iawie auch die Versicherung der ansrichtigiten Wunsche, dasi Ö5ott die Wemeiiibe be ichüben und in allen Bezielningen de« Leben« öllle. Alle segnen »läge l Sie lvürden mickl iebr verbinden, lvcnn Sic et übernehmen würden, der Dolmetscher dieser nieiner Gesinnungen bei der (de meinbe zn sein. Beivahren -Sie mit ein trenndliche« Andenken, wie ich auch ineinerseit« Sie dessen versichere. Hachachtungsvatt Lasset. den 1<>. März lo8i>. gez. J »r. A d l e r. Dir Antwortschreiben, ivelche Herr Or. Adler von allen Vereine» u. j. n>. empfing, legen durchweg Zeugnis; ab uon der Achtung nnb Liebe, die sich derselbe besonder« durch sein friedfertiges und veriöynliches Wirken erworbeli hni. Bon diesen Antworten aber verdient diejenige, welche der diesige Geineindevolstand am 18. März in Fori» einer Adresse dem scheidenden Landrabblner in seterlicher Weise überreichte, besondere Erwähnung. Herr Gemeindeälteste Go t l t> e l st sprach bei dieser Gelegcnüett wahrhaft lährende, von Herze» kommende nnd deshalb zn Herze» gehende Abschiedsworle. Die Adresse des Gemeindevotstands bat folgende» Wortlaut: Hachgeehrler Herr Rabbiner! Al« wir vor acht Jahren Ihnen unsere Glückwünsche zur sünsnndzwanzigslen Wiederkehr de« Tage« darbrachlen, an welchem Tie zuerst die Kanzel in unserer Geineillde bestiegen, gaben nur der Hoffnung nnd dein Wunsche ötusdrnck. Sie nach eine lange Reihe van Jahren IN Körpernnd Geisleasrische in Ihrem Be rnse unter und wirken zn sehen. Der Allniachtige hat c« ander« gewallt. Rachdem nur bereit« seit einigen Jahren zu unserem Schmerze Jlnen Plag in unserer Mitte leer sahen, die erhebenden Warte an« Ihren, Alande, die so oft die Zuhörer begeisterten, entbehrell innsitetl. wallen Sie und seht iiir immer verlassen. Hachgeehrte, Herr Rabbiner. Sie kennen unsere Gesinnung siir Sie nnd die Gesühte unserer Gemeinde-Mitglieder. In ans richtiger Dankbarkeit und Perehrung treten wir heute vor Sie hin. um Ihnen beim Scheiden and unserer Stadt herzlich Lebe- Ivahl zn sagen, nnd Sie zu bitten, unserer in Liebe zu gedenken, tute wir Ihnen stet« eine dankbare und innige Verehrung bewahren werden. In einem Jeitraume, der ein ganze« Menschenalter umsasit, fitiD sa viele van un«. sind wir, die seht lebenden Gemeinde-Mitglieder in unser,» Denken und Juble» saEin« mit Ihnen geworden, Ihre geistigen Anregungen haben un« so nahe gebracht, das, nur »ach eine räumliche Trennung zwischen uns staltsinden kann, eine geistige nicht. Wie uns diese« Gefühl der slusaninlengehvrigkeit nie verlassen wird, so hassen wir. das, auch Sie ganz der Uusrige bleiben Iverden, >venn Sie auch, durch Rücksichten ans Ihre Gesundbeit geztvnngen, nicht mehr unter uns ,veilen. Möge der Allmächtige Ihnen für den Abend Ihre« Leben« Gesundheit nnd Geistesfrische gewähren l Lasset, den >7. März 18KÖ. D i, öl eite st e n der Israelitischen Gemeinde, gez. Gatthelft. Rubensohn. Hahn. Möge cs Herrn Dr. Adler oergünnt sein, sich in Wiesbaden noch eine Reche von Jalsre», körperlich nnd geistig srisch seines Lebens zn freiten! Aus Hverhesseu (Or.-Evrr.) Ans dem Berichte für die Gr. bessischen Seminare, die soeben erschienen sind geht hervor, das; in diesem Jahre kein jüdischer Seminarist entlassen wurde und auch keiner anfgenommen worden ist. So viel wir wissen, ist in 3 oder 4 Jahre» kein Jude mehr in ei» hessisches Lehrerseminar eingetrelen nnd waren im Schnljahr 1883/84 nur 2, im letzten Jahre nnr ein — Repetent — im Seminare zn Alzey. Einer soll vor 2 Jahren ohne Schlußprüfnng das Seminar verlassen haben. Auch mit den jüdischen Kenntnissen der Seminaristen soll es im Allgemeinen lmmer noch sehr schlecht bestellt sein. Es sind also die Bestrebnngen der Herren und insbesondere die gewaltigen Anstrengnngen des Lehrers Klingenstein von Ober- Ingelheim den Stipendleilverein von Frieüberg nach Alzey zu verlegen, nichi durch besondere Erfolge gerechtfertigt worden. Dieser Verein hat jedoch ein Bermögen von über '■***>; fe», 4000 Mark. Ob es unter solchen Verhältnissen zu rechtfertige,, ist, das; für den einen Repetenten außer dem für den Religionsunterricht von der Regierung bezahlten Gehalt von 240 Mark noch etwa 600 Mark für hebräischen Unterricht und Berwalinngskoste» aus einer zur Unterstützung gegründeten und für ivohlthätige Zwecke bestimmten Vereinskasse auSgegeben werden, und ohne Aussicht ans künftigen Zuzug immer »och im ganzen Lande gesammelt wird, möchten wir doch die Männer fragen, die seiner Zeit das große Wort geführt. F. Siegburg. (Or.-Corr.) Einen Bieder- und Ehrenmann, einen Inden in des Wortes eniineutester Bedeutung, haben wir gestern (8. April) hier zur letzte» Ruhe gebracht. Herr Samuel Jsaae Bürger, Vorsteher der jüdische» Gemeinde und des Spuagogeubezirks des Siegkreises, Beigeordneter der Stadt Siegburg und Mitglied vieler gemeirritütziger Anstalten, ist der'Stadt, der Gemeinde, der Familie, dem Judenihum in einen, Alter von 66 Jahre» allzufrüh entrissen worden. Der Raum in diesem Blatte gestattet es nicht, den Mann nach seinen Verdiensten in den verschiedensten Richtungen zn schildern. Sein ganzes Leben war ein Kiddnsch-Haschem: er hat durch sein Privatwie öffentliches Wirke» den Haß und das Vorurtheil gegen Juden und Judenthnm in, ganzen Beztrke ferngehalten, dafür aber seinen Glaubensgenossen und seinem Glauben Ehre und Achtung bei der nichtjüdischen Bevölkerung errungen. Die Gemeinde und ihre Institutionen hak er stets im eonfervativen Sinne geleitet, war streng gegen sich, aber mild und und nachsichtsvoll gegen Andere: die jüdische Elementarschule, die große Erfolge erzielt, die Synagoge mit ihren schönen, zur Andacht stimmenden Einrichtungen, der Friedyos und so vieles Andere, alles ist ihm allein und seiner Initiative zu verdanken. Er besaß Autoritär und Ansehen' in der Gemeinde; Jung und Alt fügte sich seinen Anordnungen. Ein ehrlicher und redlicher Geschäftsmann, erwarb er sich ein großes Vermögen, au dem auch nicht der geringste Makel haftete: fand aber auch Zeit, Thora zu lernen und sich für die jüdische Litteratur, wovon seine schöne Bibliothek Zeugnis ablegt, zu interessireu. Die Bürgerschaft brachte ihm das vollste Vertrauen entgegen, dafür liefert die Ehrenstelle eines stellvertretenden Bürgermeisters den Beweis. Die schönen Tugenden des Familtenvaters entfaltete er in der schönsten Weise: als Pater, Schwiegervater, Großvater sah er darauf, daß der echt jüdische eonservative Geist in seinem Hause erhalten bleibe; es charakcerisirt den Mann und sein Wesen, wenn er in seinem schriftlich uledergelegten letzten Willen seine Kinder ermahnt, die Enkel fromm und gottesfürchtig, aber nicht als n'S'CS;, Heuchler oder Fanatiker, zu erziehen. Die Theilnahme der jüdischen und chri>tlichen Bevölkerung bei seiner Beerdigung war eine außerorderliche: aus allen umliegende» Ortschaften waren sie herbeigeströmt, um dem frommen Juden, dem gemeinnützigen Bürger tlnd dem edlen Menschen die letzte Ehre zu verweisen. Senier Bescheidenheit und seinem letzten Willen entsprechend wurde, abgesehen von Iß»», Chag und Nissan, an seinem Grabe nicht gesprochen, dahingegen war es sein letzter Wunsch, daß an einem Sabbath in den 30 Tranertagen von einem Rabbiner in der Synagoge eine Predigt gehalten werde, in welcher die Gemeinde zum friedlichen Zusammenhalten, zur Förderung der Religiosität u. s., w. nüe er cs in seine»: Leben angeflrebt, ermabut werde. Diesem seinen Wunsche entsprechend wird der Herr Rabbiner Or. Frank an» Köln am Sabbath den 25. d. Mts. in der Synagoge zu siegburg predigen. Möge das Andenken des Verewigten — wie es sei» Sieben gewesen — ein Segen sei»! I» Karlsruhe hat die- Bismarck-Feier einen häßlichen Nachklang gehabt. Die Festrede halte der Prof. Or. Goldschmidt gehalten. Sinn kommt die „Bad. Landesztg." mit folgender Kritik: „Daß Redner die christlich-germanische Seite ganz übersah, ifi, da Professor G. Jude ist, zu begreifen: aber zu tadeln ist, daß man überhaupt einen Juden zum