Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 16. (16.4.1885)
- Date
- 1885-04-16
- Page
- Seite 123 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/5369809-9586215-9584741--5705-9584748- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 123 — richl (Sonntag Vormittag, Mittwoch- und Sonnabend-Nachmittag) unentgeltlich ertheilt wird, besteht ans 4 Knabcn- und 4 Mädchenklassen, die vom Rabbiner und 3 Lehrern unterrichtet werden. Außerdem erhalten die Schüler an den hiesige» höheren Lehranstalten (Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschulei, 75 an Zahl, Unterricht in jüdischer^Religio», Geschichte und Litteratnr vom Rabbiner und Lehrer Spanier an diesen Anstalten selbst in 5 wöchentlichen Stunden, Tic Programme dieser Schulen bringen ans Anordnung des Cnltnsministcrs unter besonderer Rubrik die dnrchgenommencn Pensa in den gen. Gegenständen, Obwohl dieser Unterricht facnltatin ist, hat nur ein Schüler von der Dispensation Gebrauch gemacht. Am Consirmandcnn»terricht hatten 8 Mädchen und ti Knabe» thcilgenommen. An dem feierlichen 2 ständigen Confirmationsakte, in der Synagoge am 5, d, M., welche durch deutsche Lieder des Synagogen-Gcsangvercins und ein Solo des Cantors Winter mit Orgelbeglcitnng verschönt wurde, betheiligten sich II, Die Prüfung und die Reden der Confirmanden, sowie die Ansprache des Rabbiners, die Uebcrrcichnng der Gedcnkblätter mit deni den Charakter jedes Einzelnen entsprechenden Sinnsprüchcn ans Bibel und Talmud machten nicht nur auf die Eonfirmanden, sondern auch auf die zahlreiche Versammlung einen erhebenden und ergreifende» Eindruck, Bei der einige Tage daraus stattfindenden Anmeldung neuer Schiller wurde auch ein Mädchen, das bisher — ans hier nicht näher mitzntheilcnden Gründen — in christlicher Religion erzogen wurde (die Mutter gehörte früher dem Christenthnm an) mit dem besonder» Bemerken angemeldet, daß das Elternpaar der Confirmativn im Tempel bcigewvhnt habe und von dieser so mächtig bewegt wurde, daß es den festen Entschluß gefaßt habe, das Kind fortan in der jüdischen Religion zu erziehen, Dresden, Mitte April. Sonnabcnd, den II, ds, Mts, fand Nachmittag von 4 Uhr an in dem in allen Theilen fast überfüllten Gottcshanse der feierliche Coiifirmations- Aktns statt. Nach dem Minchagvttesdienst leitete das „Bornchhaboh" und ein eigens komponirter deutscher Gesang mit Orgelspiel die Feier ei». Der herzlichen, gehaltvollen Predigt des Herrn Landau folgten sodann die Ansprachen der einzelnen Confirmanden uitb der für Jeden und Jede bestimmte Segenssprnch, Gesang und Orgelspiel, sowie das deutsche Alenngcbet beschlossen die erhebende Feier, tzßemnih Am 2, April fand hier zum erstenmal unter Herrn Rabbiner Or, Mühlselder die israelitische Religions- Prüfung statt, die für das Gedeihen und die Lcitnng der nochlsojnngen Institution ein recht vorthcilhastesZengiiiß ablegte, Areiberg in Sachsen, Bei dem öffentlichen, von circa 1000 Personen besuchten Bismarck-Fest-Commers Hierselbst wurde das non Herrn Alphvnse Levy, Redakteur des Amtsblattcs, gedichtete, schwungvolle Bismarck-Lied gesungen. Derselbe hat auch auf Grund sorgfältigster Qnellcnstndien eine von hervorragenden Preßorganen als gediegene Arbeit anerkannte Festschrift zur Vollendung der Renovation der alt- und weitberüh,nten Baudenkmäler im Dom der sächsischcn Bcrgstadt Freiberg verfaßt uitb ist dieselbe mit Abbildungen versehen, (Herr Levy ist ein geb, Dresdner,) Httweiker, 7, April. Im rüstigen Alter von 54 Iahen ist nach kurzem Krankenlager Hr. Sanitätsrath Or, Levy, als tüchtiger und erprobter Augenarzt weithin bekannt, ans dem Leben geschieden, während seine Mitbürger und zahlreichen Freunde sich schon anschickten, ihm zu seiner bevorstehenden 10,000, Angenopcration ein Fest dankbarer Anerkennung seiner segensreichen Wirksanrkeit zu bereiten. Noch während seiner Krankheit fast bis zum letzten Athemznge, hat er mit bewunderungswürdiger Pflichttreue seinem Berufe obgelcgen. Der Heimgegangene machte als Militärarzt die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mit und wurde wegen seiner anfopfcritden Thätigkeit mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet. Namentlich der ärmere Theil der bergmännischen, durch das Grubenunglück bei Camphansen jüngst noch so schwer heimgesuchten Bevölkerung der hiesigen Gegend, der er in seiner Eigenschaft als Knappschaftsarzt nahe stand, wird seinen Hingang schmerzlich beklagen; denn den Arme» war er nicht blos der helfende Arzt, sondern auch der im Stillen reichlich wirkende Wohlthäter! So schreibt die — „Köln, Z," Ans Württemberg, 26, März, (Or.-Corr,) Der Beitrag unserer Staatskasse zur israelitischen Centralkirchenkasse wurde in der heutige» -Sitzung der Kammer der Abgeordnete» im Gesammtbetragc von 24,500 Mark, nämlich 18,515 M. Pauschalsumme zufolge früherer Verabschiedung, 4457 M, zu Gehaltsansbesscrnngen für die Rabbiner, 1528 M, zu Pensionen der Rabbiner und Vorsänger und ihrer Hinterbliebenen wurde ohne Debatte verwilligl, Rordßansen, 8, April, Am 22. März fand hier die Prüfung der jüv, Bolksschüler und -Schülerinnen ans der Rcligionslehrc im öffetiitidjen Schulgebäude statt, an derem Schlüsse Rabbiner Or. S, Gelbbans gelegentlich des Kaisers- Geburtstags eine Ansprache an die Kinder und versammelten Eltern hielt. Am 25, März hielt Herr Or, Gelbhans das Religionsexamen der Gymnasial- und Realgymnasialschüler in der Aula des Realgymnasinm in Gegenwart des Herrn Directvr Or, Wiesing und des Gcmeindevorstandes ab. Die Programme der höheren Schulen bringen diesmal unter der Rubrik Jüd, Religionsunterricht die Ilnterrichtspensa, Hlnmänie», Die Herren Rumänen haben eine „nationale" Papierfabrik begründet. Kein Jude darf in ihr Arbeit bekommen. Sie liefert das nationale Papier der Regierung — aber sie arbeitet es nicht, sondern kauft es im Anslande, denn die Nationalen verstehen cs nicht, zu arbeiten! — Der Judenhaß hat im Volke keine Wurzel, Künstlich wird er von den Vornehmen und Reichen dem Volke eingcimpft, welche die Concurrenz jüdischen Geistes und Fleißes fürchten. In ßherson hat der Rcgicrungsrabbiner einen Sabbathnachmitiagsgottesdienst für die Gymnasiasten eingerichtet, — Jedes Gotteshaus soll nach einer Verfügung des Gouverneurs von Podolien einen Vorstand haben, der Unordnnngen verhütet! (Desgleichen thäte auch in vielen anßerrnssischen Gemeinden noth. Red.) Ans Adels» wird berichtet: Der Organisator der neuen jüd.-christliche» Secte in Kischenew, Josef Rabinowitsch, ist, wie russische Blätter mitthcilen, dieser Tage ans Leipzig zurückgekehrt, woselbst er nach dem Ritus der Congregationskirche getauft worden und von derselben die Erlanbniß zur Abhaltung von Gottesdiestcn, sowie zur Vornahme von Taufen an Inden erhalten hat. In Leipzig beriet!) Rabinowitsch mit Dein für die Jude »bekehr» »gen stch sehr interessirenden Professor Delitzsch die Frage wegen Ausarbeitung eines Gebetbuches für die neue Secte, Akerandrien. „Eine neue Auflage des Tisza-Eßlarer Processes steht in Sicht", — würde die „Köln, Ztg," sagen. Aber der Kadi versammelt hier die Rotabilitäten der verschiedenen Bekenntnisse und da bekennt das Kind, daß es die Schule geschwänzt und ans Furcht vor Strafe daS Märchen ersonnen habe, Inden hätten eS cingesperrt und so weiter nach der bekannten Melodie, So ist cs hier geschehen kurz vor Ostern, (Ans Ungarn kommen auch Berichte von „fingirten" Blntbeschuldignngen. Red.) Palästina In der Missionsstation A r t u f wird die Wirthschaft immer gräulicher. Ein kaukasischer Jude, der mit seiner jungen hübschen Frau sich von dort losgerissen hat, nennt die Station den Missionären ins Gesicht ein Hans der Unsittlichkeit! ßonstanlinopel. Die Wiener „Presse" meldet von hier, daß die österreich-ungarischen Inden hier einen Verein gebildet haben, da sie keine Cultnsgemeinde werden dürfen, um für ihre gottesdienstlichen Bedürfnisse nach heimischer Sitte zu sorgen, tzanflantinopek, Herr Moses Levy hat die Erlanbniß zur Anlegung einer Glasfabrik erhalten.