Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 16 (1885)
- Issue
- N° 14-15. (3.4.1885)
- Date
- 1885-04-03
- Page
- Seite 111 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I 111 — «) für Bcerdigungs-Conto also für Sterbekleider und Wache» bei weiblichen Leichen 3H. 409.57 b) für Arzt, Medicamente, Bäder und Natural- Verpflegung „ 778.16 c) laufende Unterstützung an hiesige Arme „ 1526.— d) außerordentliche „ ., „ „ „ 124.— e) Unterstützung an Fremde „ 130.50 welche Summe durch Beiträge und Spenden aufgebracht sind. So manche Thräne ist dadurch getrocknet, so manche Wittwe ist ihren Kindern erhalten, so 'mancher Hungrige gespeist und mancher Nackte ist gekleidet worden. Im Große» und Ganzen ist dieses das Verdienst des Herrn Abraham Meyer und seiner Frau Gemahlin und es freut uns aufrichtig, dieses öffentlich anzuerkennen. Unermüdlich sind sie thätig für de» Verein, keine Mühe und Arbeit ist ihnen zu groß, wenn es sich darum handelt, etwas Gutes zu thun. Nicht minder lobend und rühmend ist die Pflichttreue und der Eifer der übrigen Vorstands - Mitglieder anzuerkennen und ihnen Allen sei Dank für die Liebe, mit der sie ihr oft recht schwieriges und undankbares Amt verwalten. Aürllenwakde. Seit dem 15. Juli 1873 besteht hier unter der tüchtigen Leitung des Herrn M. Reich das segcnSreich-wirkende jüd. Taubstummcn-Jnstilut. Ein großer Thcil nnserer Glaubensgenossen scheint jedoch noch gar keine Kcnntniß von der Existenz dieser Anstalt zu haben, denn sonst würde ihr wvyl eine größere Theilnahme zugewcndct worden sein, als es bisher geschehen. Um rege Theilnahme in weiteren Kreisen zu erwecke», hat sich vor einem Jahre der Verein „Freunde der Taubstummen" gebildet, dessen erster Jahresbericht uns vorliegt. Wie wir aus dem Bericht ersehen, mußten leider im verflossenen Jahre von den angcmcldetcn 22 armen Kindern, 19 zurückgcwiesc» werden, weil eben die Mittel nicht ausrcichten. Die Einnahme betrug im vergangenen Jahre 3981,75 Mk., die Ausgabe 3580,75 Mk. Augenblicklich leben in Deutschland etwa 790 jüdische Taubstumme, von denen 140 im schulpflichtigen Alter stehen. Wir möchten hiermit das Augenmerk sämmtlichcr jüdischer Gemeinden Deutschlands aus die erwähnte Anstalt hingelcnkt haben. <Uns scheint die Zuwendung von Geldern an diese Anstalt nothwendiger zu sein, als an so manche in Jerusalem.) Frier, 29. Mürz. (Or.-Corr.) Gestern am bltn feierte die hiesige Gemeinde das 25 jährige Amtsjubiläum ihres Cantors Herrn Jsaac Schmal. In der Synagoge war das Almemor mit Topfgewächsen und Guirlanden geschmückt. Nach dem Gottesdienst am Freitag Abend begaben sich der Genreindevorstand und die Vorsteher der Repräsentanten in Begleitung des Herrn Oberrabbiuers zum Jubilar um ihm die herzlichsten Wünsche der Gemeinde zu überbringen. Gerührt dankte der Jubilar in herzlichen Worten. Ei» Vorstandsmitglied verlas hieraus ein Schriftstück, enthaltend den Beschluß der Gemeinde, daß Herr Schmal außer einer jährlichen Gehaltszulage lebenslänglich mit Pensionsberechtigung angestellt sei und überreichte ihm als Zeichen der Anerkennung einen werthvollen Pokal mit der Aufschrift „Ihrem Cantor Herrn I. Schmal zum 25 jährigen Amtsjubiläum die Syn.-Gem. Trier". — In der Predigt richtete Herr Oberrabbiner vr. Zuckermandel eine längere Ansprache an den Jubilar, in der er die Leistungen und den treuen Dienst desselben während der 25 Jahre hervorhob und die Handlungsweise der Gemeinde, für die Zukunft ihres Kultusbeamten Sorge getragen zu haben, gebührend würdigte und mit Segenswünschen für den Cantor und die Gemeinde schloß. Zahlreiche Gratulanten erschienen im Laufe des Tages beim Jubilar, der noch lange seiner vollen Rüstigkeit sich erfreuen möge! Aus Aalte«. (Or.-Corr.) Der Appell an die Rabbiner Badens bezüglich des neuen Reichswaisenhauses in Lahr, dürfte wohl zunächst an meine Adresse gerichtet gewesen sein, da Lahr zn meinem Rabbinatsbezirke gehört und darum halte ich inich verpflichtet, die Rabbiner Badens vor etwaige übereilte Schritte zu Gunsten der jüd. Waisenkinder, die vielleicht in der neuen Reichsaustalt Aufnahme finden könnten, zu warnen. Gründe: 1. besteht in Lahr keine eigentliche jüdische Gemeinde, es ist weder Lehrer oder Cantor im Orte, der die jüd. Religion a» der Anstalt vertreten könnte; 2. wird in Bälde in Freiburg ein jüd. Waisenhaus errichtet werden, wo speciell jüdische Waisen erzogen werden sollen und im Reiche selbst fehlt es auch an dergleichen Anstalten nicht, wir verweisen nur auf die große Reichenheimische Waisenanstalt in Berlin, das Baruch-Auerbach'sche Institut daselbst und auf die in Breslau, Berlin u. s. w., es dürfte kaum der Fall eintreten, daß für ein jüdisches Waisenkind die Aufnahme in Labr nachgesucht wird;*) 3. habe» wir hier in Baden Gottlob eine jüd. Religionsbehörde, den Großherzoglichen Oberrath, der allgemein jüdische Angelegenheiten besser und nachdrücklicher vertreten kann, als die einzelnen Rabbiner. Es ist somit für letztere gar kein Grund vorhanden, als Beschützer und Anwälte der jüd. Religion bei der Gründung des neuen Reichswaisenhauses in Lahr aufzutreten. Bezirksrabbincr vr. Rawitz in Schmieheim. Kamkurg, 27. März. (Or.-Corr.) Den achten und wohl den letzten Vortrag im Verein für die Wissenschaft des Judenthums hielt der hiesige Prediger, Herr Jonas. Indem Redner eine von allen Uebertreibungen gereinigte Darstellung des Auftretens und Wirkens Bar Kochb a's gab, verbreitete er sich eingehend über die messianische Idee — die Signatur jener Zeit — überhaupt. Aus Leid und Hoffnung entsprossen zwei Zweige des Messianismus, der passive des Josua aus Nazareth, auf den man das 23. Kap. in Jesajas bezog, der den Johannes begeisterte — und den aktiven des Bar-Kochba, der den Rabbi Akiba entflammte. Ein Unterschied liege nur im Temperament der Anhänger. Es seien noch einige interessante Einzelheiten hervorgehoben. Die bekannte Erzählung von der Geliebten Akiba's faßt Redner bildlich, indem er in der Geliebten die Tochter Zions sieht, „der Akiba's Schüler, d. h. politischen Anhänger, alles verdankten". Die Talmudstelle (Peßachim 49), in der von dem glühenden Haß der Talmide Chachamim gegen „Am haarez" die Rede ist, sei häufig inißverstanden, indem man eine spätere allerdings ganz allgemeine und richtige -Bedeutung diesen Wörtern beilegte, während sie an dieser Stelle nur in dem ursprünglichen Wortsinn (Landvolk) dem ganzen Satze die Erklärung geben könnten. Es sei nämlich von dem Haß der „Schüler (Anhänger) der Weisen" gegen das „Landvolk", das, durch verschiedene Einflüsse zurllckgehaltcu, nicht in idealer Begeisterung zur Fahne Bar-Kochba's getreten sei, die Rede. Sinnig deutete Redner die Sage, daß sich um den Leichnam Bar-Kochba's eine Schlange gewunden. Bar-Kochba sei der Repräsentant des damaligen Judenthums, die Schlange im Alterthum ein Sinnbild der Ewigkeit — wenn auch der Körper, das nationale Judenthum, gestorben sei, der Geist des Judenthums dauere in Ewigkeit. X. Aus Kesse«. (Or.-Corr.) Dem einige „Achawa"- Verhältnisje besprechenden Artikel „d—t. Aus Hessen" (in Nr. 12) wird man Berechtigung so leicht nicht einräumen können. Die Verwaltung verdient meiner Ansicht nach die ihr gemachten Vorwürfe gar nicht. Die A chawa ist doch nun einmal nur „Unterstützungs-Verein" und demnach ist wohl auch, so lange es nothwendig, die Bedürftigkeit der Anspruch erhebenden Mitglieder in Betracht zu ziehen. Wenn daun auch einmal ein Mitglied, wenn es dienstunfähig geworden, aber doch wohl standesgemäß leben kann, von der Liste der zu Unterstützenden gestrichen wird, so braucht es sich doch wohl die gezahlte» Mitgliederbeitrüge nicht leid thun zu lassen; sie dienen doch zur Unterstützung von Kollegen, *) Wir kommen auf diesen, durchaus nicht stichhaltigen Grund noch ausführlich zurück. (Red.)